Seit September des vergangenen Jahres ist mit der Verisure Deutschland GmbH ein neuer und kompetenter Anbieter für professionelle Sicherheitslösungen im Markt. 1988 wurde das Unternehmen als Teil der schwedischen Unternehmensgruppe Securitas AB gegründet. In Europa ist Verisure heute nach eigenen Angaben Marktführer und in vielen Ländern Latein- und Südamerikas präsent. Wir sprachen mit Geschäftsführer Alvaro Grande Royo-Villanova und Strategie-Direktor John Sternheimer über die Expansionspläne speziell für Deutschland.
Verisure ist in jeder Beziehung anders – mit einem klassischen Sicherheitsdienstleister oder Wachdienst lässt sich das Unternehmen nicht vergleichen. „Im Prinzip sind wir sogar einzigartig“, beschreibt der aus Spanien stammende Geschäftsführer das Unternehmen. In Ratingen nahe Düsseldorf wurde die Deutschlandzentrale gegründet. Dies auch, weil NRW das größte Bundesland ist. Mittlerweile sind rund 200 Mitarbeiter bei Verisure Deutschland beschäftigt. Und die Tendenz ist steigend, denn das Unternehmen möchte in einigen Jahren flächendeckend in Deutschland aktiv sein. 500 bis 600 Beschäftigte könnten es dann in den kommenden drei bis vier Jahren hierzulande sein.

Doch was genau ist bei Verisure eigentlich so anders? Kurz gesagt: Es sind Menschen, die Menschen beschützen. Das Kerngeschäft ist sicher das Angebot von elektronischen Alarmsystemen mit spezieller Aufschaltung auf die firmeneigene Notruf- und Servicezentrale, die rund um die Uhr besetzt ist und im Alarmfall binnen weniger Sekunden eingreifen kann. Zugleich beinhaltet das System eine Brandüberwachung und ein Notrufsystem mit SOS-Funktion. Interessenten und Kunden kommen in der Regel über Mund-zu-Mund-Propaganda, die Suche im Netz oder die Webseite zu Verisure. Später einmal – Voraussetzung ist eine bundesweite Präsenz – ist auch Radio- und Fernseh- oder Bandenwerbung denkbar. Grande und Sternheimer legen Wert darauf und betonen, dass das Geschäftsmodell nichts mit dem klassischen Haustürgeschäft zu tun hat. „Oft erreichen uns Anfragen, wenn irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen wurde“, beschreibt John Sternheimer.
Bereits wenige Tage nach der ersten Kontaktaufnahme besucht ein Mitarbeiter den potenziellen Kunden vor Ort, um eine fundierte Beratung vorzunehmen. Wird man sich handelseinig, schließt der Kunde mit Verisure einen Vertrag. „Im Schnitt bleiben Kunden rund 15 Jahre bei Verisure, so unsere interne globale Auswertung“, sagt Alvaro Grande.
Überschaubare Kosten für den Kunden
Für ein freistehendes Einfamilienhaus fallen Einmalkosten in Höhe von circa 1 300 Euro für die Beratung inklusive einer maßgeschneiderten Sicherheitsanalyse und Installation der Einbruchmeldetechnik an. Nach zwei Jahren – falls der Vertrag nicht verlängert werden sollte – geht die Technik in den Besitz des Kunden über. Die monatliche Gebühr beträgt 40 bis 50 Euro und beinhaltet neben der Wartung durch geschulte Techniker auch die Aufschaltung auf die Zentrale sowie im Alarmfall die Intervention durch den Wachdienst und die Polizei.
Das System ist sabotagegeschützt (AES128 Bit verschlüsselte Kommunikation) und arbeitet auf Funkbasis. Innerhalb von 60 Sekunden erfolgt im Falle eines Einbruchs und einer Auslösung des Alarms eine Reaktion. Die Notrufzentrale ist nach EN 50518 und DIN ISO 9001 zertifiziert. Unmittelbar nach der Verifizierung des Alarms werden Maßnahmen eingeleitet. Dies kann beispielsweise als aktive Schutzmaßnahme die Aktivierung der sogenannten „Zero-Vision“-Sichtbarriere sein, die in Räumen innerhalb weniger Sekunden eine nebelartige Rauchbarriere erzeugt und die Sicht komplett einschränkt. Zugleich wird die Polizei alarmiert, bei Bedarf auch Feuerwehr und Rettungskräfte. Ebenfalls wird der Wachdienst sofort entsandt, der so lange vor Ort beim Kunden bleibt, bis die Sicherheit des Gebäudes wiederhergestellt ist.
Geprüfte Einzelkomponenten
Das Verisure-Alarmsystem ist nach europäischen Standards zertifiziert und besteht aus Schocksensoren, die an Fenstern, Türen und Nebeneingängen angebracht werden. Diese Sensoren reagieren laut Unternehmensangaben bereits auf leichteste Erschütterungen und Vibrationen. Fotodetektoren mit Bewegungsmelder an exponierten Stellen zeichnen in der Wohnung Bilder von Einbrechern auf. Mittels Infrarotblitz funktionieren sie auch bei kompletter Dunkelheit. Intelligente Sensoren in den Komponenten sollen verhindern, dass beispielsweise durch Haustiere ein Alarm ausgelöst wird. Mittels einer Tastatur im Eingangsbereich lässt sich das Alarmsystem aktivieren und auch wieder deaktivieren. Ebenso können auch das sogenannte Portal – ein 7-Zoll-Multi-Touchscreen – sowie der Nachtschalter für das Aktivieren und Deaktivieren genutzt werden. Beide Systeme sind mit einer SOS-Notfalltaste ausgestattet.
Speziell für gewerbliche Kunden wird zudem ein Überfalltaster angeboten, mit dem sich ein stiller Alarm auslösen lässt. Sämtliche Komponenten sind auf die zentrale Kommunikationsschnittstelle aufgeschaltet, in der praktisch alle Informationen zusammenlaufen. Über diese Zentrale wird im Falle eines Einbruchs ein akustischer Alarm ausgelöst und die Weiterleitung an die Leitstelle initiiert.
Um Fehlalarme zu vermeiden, beinhaltet das System auch eine Voicebox, über die der Kunde beispielsweise mit der Leitzentrale in Kontakt treten kann. Nach seiner Autorisierung werden von der Zentrale dann keine weiteren Schritte mehr eingeleitet. Über die Voicebox kann die Leitzentrale bei Bedarf aber auch mit den Einbrechern kommunizieren und so den Druck erhöhen. Wurde im Haus des Kunden auch „Zero-Vision“ installiert, kann die Leitzentrale auf Knopfdruck Räume in nebelartigen Rauch hüllen.
Natürlich ist aber das Ziel, Einbrecher erst gar nicht ins Haus zu lassen. Hinweisschilder an der Fassade sollen bereits signalisieren, dass ein Gebäude überwacht wird und sich ein Einbruch garantiert nicht lohnt, da das Risiko zu groß ist.
Exklusive Produkte
Die gesamte Hard- und Software wird exklusiv für Verisure in Schweden und Spanien entwickelt. Allein 400 Beschäftigte arbeiten den Angaben zufolge in den jeweiligen Entwicklungsabteilungen. Die Fertigung der Komponenten erfolgt anschließend laut Verisure bei namhaften Anbietern nach geprüften und zertifizierten Standards. Ein Hersteller im eigentlichen Sinne ist das Unternehmen somit nicht.
Alvaro Grande Royo-Villanova
„Mit unseren professionellen Sicherheitslösungen schützen und retten wir Leben.“ Alvaro Grande Royo-Villanova
Natürlich sei angedacht, beispielsweise bezogen auf den deutschen Markt, auch Gespräche mit Anbietern mechanischer wie auch elektronischer Sicherheitssysteme zu führen, um den Kunden künftig ein noch breiteres Gesamtangebot rund um den Schutz von Türen und Fenstern bieten zu können.
Bereits heute gibt es eine Kooperation mit dem Videokamera-Anbieter Arlo, über den sich Verisure mittelfristig einen Einstieg in das Einzelhandelsgeschäft erhofft. Dies soll aber nur eine Ergänzung des Kerngeschäfts sein, betont Alvaro Grande.
Aktuell liegt deutschlandweit der Anteil der Privatkunden bei etwa 25 Prozent, jener der gewerblichen Kunden bei 75 Prozent. Dies soll sich in den kommenden Jahren verschieben, sodass beide Kundengruppen je einen Anteil von rund 50 Prozent haben. Bei gewerblichen Kunden hat Verisure vor allem klein- und mittelständische Unternehmen im Fokus. Banken, Juweliere oder Einzelhandelsgeschäfte etc. zählen nicht zu den potenziellen gewerblichen Kundenzielgruppen