Auch auf die Bauwirtschaft wirkt sich die Corona-Krise aus. Foto: Pixabay Quelle: Pixabay

Bauwirtschaft

18. March 2020 | Teilen auf:

Baugewerbe sieht sich von Corona-Virus massiv betroffen

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe hat sich zu den Baugenehmigungszahlen aus 2019 (wir berichteten über die Zahlen) geäußert und ist in dem Zusammenhang auch auf die Auswirkungen des Corona-Virus eingegangen. "Baugenehmigungen sind keine Aufträge. Die aktuelle Entwicklung beim Corona-Virus macht auch vor der Bauwirtschaft nicht halt. Noch können wir nur schwer abschätzen, in welchem Ausmaß die Pandemie die Bauwirtschaft treffen wird", so der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa. "Denn wenn bei der gewerblichen Wirtschaft Aufträge in Größenordnungen wegbrechen, werden Investitionen zurückgestellt, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Wirtschaftsbau. Wenn Bauämter wegen des Virus nur schwach oder überhaupt nicht besetzt sind, dann werden keine öffentlichen Aufträge vergeben. Wenn Menschen mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht sind, werden sie kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben", so Pakleppa weiter.
Wenn Bauarbeiter selbst infiziert seien, würden ganze Kolonnen unter Quarantäne gestellt, Bauunternehmen könnten nicht mehr arbeiten, und damit könnten Aufträge nicht fristgerecht ausgeführt werden - mit entsprechenden Folgen. Den Verband erreichen nach eigener Aussage derzeit erste Meldungen über eine Unterbrechung der Lieferketten. Zudem könnten rund 100.000 dringend benötigte Entsendearbeitnehmer nicht einreisen. Die Liste der Auswirkungen des Corona-Virus auf die Bauwirtschaft sei lang. "Was die Betriebe am dringendsten brauchen, ist Liquidität zur Absicherung der Produktionsprozesse und Lohnzahlungen. Umso wichtiger ist es, dass die öffentliche Hand ihre Budgets wie geplant an den Markt bringt und auch die Zahlungen für erbrachte Bauleistungen zügig leistet. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die in 2019 genehmigten Bauten nach der überstandenen Pandemie realisiert werden", sagt Pakleppa.
Insolvenzgefahr
Auf ein weiteres Problem machen der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Verband Beratender Ingenieure aufmerksam. Laut der Verbände berichten Ingenieurbüros und Bauunternehmen aus ganz Deutschland, dass Kommunen Rechnungen für bereits geleistete Aufträge nicht begleichen wollen und dies zum Teil sogar schriftlich mit Hinweis auf laufende Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft begründen. Dieses Vorgehen gefährde ohne Not die Existenz vieler Unternehmen und damit auch die Zukunft der Beschäftigten. Die Hilfsprogramme seien für diejenigen Branchen gedacht, die nun keine Kunden oder Aufträge mehr haben. Dies sei bei den Bau- und Ingenieurunternehmen aber anders, so die Verbände.
Jörg Thiele, Präsident des Verbands Beratender Ingenieure, und Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie: "Es kann nicht sein, dass Unternehmen von öffentlichen Auftraggebern bewusst in die Insolvenz befördert werden. Kreditprogramme sollen schwerste Härten von Betrieben abfedern, die keine Aufträge mehr erhalten, sie sind aber kein genereller Ersatz für vertraglich vereinbarte Honorare. Wir fordern insbesondere die öffentliche Hand auf, eingehende Rechnungen umgehend zu begleichen, damit die Liquidität der Unternehmen nicht fahrlässig in Gefahr gebracht wird."