20.04.2018 Bauwirtschaft

„Nur-Baukindergeld-Politik“ reicht Verbänden nicht

BDB-Hauptgeschäftsführer Michael Hölker (r.)
Nach der Vorstellung der neuen Wohnungsbau-Studie stellten sich die Vertreter des Verbändebündnisses den Fragen der Journalisten. Rechts: BDB-Hauptgeschäftsführer Michael Hölker. Foto: Verbändebündnis Wohneigentum
Pressekonferenz zum Thema Wohneigentum
Das Verbändebündnis Wohneigentum auf der Pressekonferenz am 18. April in Berlin. Foto: Verbändebündnis Wohneigentum

Im Wohneigentum steckt eine effektive Chance zur Altersvorsorge. Genutzt wird sie in Deutschland allerdings zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Wohnungsbau-Studie, die das Pestel-Institut (Hannover) am 18. April in Berlin vorgestellt hat. Auftraggeber der Studie ist das Verbändebündnis Wohneigentum. In ihm haben sich neben dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) fünf weitere führende Verbände der Architekten, Ingenieure und Bauherren sowie der Bau- und Immobilienwirtschaft zusammengeschlossen.

Im Rahmen der Studie beleuchten die Wissenschaftler auch das von der Bundesregierung geplante Baukindergeld: „Es kostet vier Milliarden Euro staatliche Förderung pro Jahr. Trotzdem wird das Baukindergeld allein zu keiner spürbaren Steigerung der Wohneigentumsquote führen. Dabei liegt diese in Deutschland bei lediglich 45 Prozent und damit im Europa-Vergleich ganz hinten. Vor allem aber verschenkt eine ‚Nur-Baukindergeld-Politik‘ für weite Teile der Bevölkerung die Möglichkeit einer verlässlichen Alterssicherung durch selbst genutztes Wohneigentum“, sagte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther in Berlin.

Hohes Risiko, durch Miete in Altersarmut zu rutschen

Es gebe weitaus mehr Bevölkerungsgruppen, für die eine Eigentumsförderung aus staatlicher Sicht mehr als sinnvoll sei, um deren Wohnkostenrisiko im Alter zu reduzieren. Hier hat die Studie insbesondere Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen im Blick, die sich ohne staatliche Unterstützung kein Wohneigentum leisten können. Vor allem aber die geburtenstarken Jahrgänge der heute 45- bis 55-Jährigen, die ab 2030 in Rente gehen. Für diese Bevölkerungsgruppe prognostiziert die Studie ein hohes Risiko, durch Miete in Altersarmut zu rutschen: 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die ab 2030 in Rente gehen, bekommen demnach künftig weniger als 800 Euro pro Monat von der gesetzlichen Rentenversicherung – und das selbst bei 40 Beitragsjahren mit Vollzeitbeschäftigung. „Mit der Rente sackt für diese Menschen das Geld, das sie monatlich zur Verfügung haben, rapide nach unten. Gleichzeitig sind Miete, Heiz- und Nebenkosten aber weiterhin fix“, sagte Günther.

Gegen diese „konkrete Gefahr, sich arm zu wohnen“, könne eine staatliche Förderung für kleines Wohneigentum ein „Wohnschutzschirm“ sein: Über eine gut justierte Wohneigentumsförderung würde es, wie es auf der Pressekonferenz hieß, dem Staat gelingen, Menschen davor zu bewahren, in die  Grundsicherung im Alter abzurutschen. Der Staat könne damit langfristig auch Sozialleistungen – nämlich Wohngeld und Kosten der Unterkunft – sparen. Günther: „Der Bund ist deshalb gut beraten, die Wohneigentumsförderung breit aufzustellen und als wichtige Säule der Sozialpolitik zu nutzen.“ Für ein staatliches Förderprogramm beim Wohneigentum schlägt die Studie ein staatlich gefördertes Kreditprogramm vor. Das müsse Menschen auch mit wenig Eigenkapital das Anschaffen von Wohneigentum ermöglichen.

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