28.03.2020 Bauwirtschaft

Bau-Info-Consult prognostiziert Auswirkungen des Corona-Virus

Baustelle
Eine aktuelle Prognose von Bau-Info-Consult zeigt, welche Effekte Corona auf die Baukonjunktur in 2020 haben könnte. Foto: Pixabay

Die Spezialisten für Bauwirtschaftsdaten von Bau-Info-Consult haben zwei Prognoseszenarien entwickelt, die zeigen, wie heftig das Corona-Virus die deutsche Baubrache treffen könnte. Die Annahme der Marktexperten: Die zentralen bauwirtschaftlichen Indikatoren - wie etwa die Bauinvestitionen oder das Bauvolumen - sind langfristig an die BIP-Entwicklung gekoppelt. Da mittlerweile viele der Ende letzten Jahres aufgestellten BIP-Wachstumsprognosen für 2020 von den Instituten nach unten revidiert werden, kann ebenfalls von einem messbaren Effekt auf die Baubranche ausgegangen werden, so die Marktexperten.

Prognoseszenario 1: Milde Corona-Effekte bremsen Bauwirtschaft nur etwas ein
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) hat Anfang März zwei verschiedene Prognoseszenarien veröffentlicht, welche Effekte die Pandemie auf die Konjunktur haben könnten - sowohl weltweit, als auch bezogen auf die G20-Länder. Dabei geht das erste Szenario von einem eher "milden" Verlauf der Corona-Krise aus: Unter der Annahme, dass die Verbreitung von Sars-CoV-2 in China ihren Höhepunkt im ersten Quartal 2020 erreicht haben und Ausbrüche in anderen wirtschaftsstarken Ländern ebenfalls zum Quartalsende einigermaßen unter Kontrolle gebracht werden, geht die OECD von einem Rückgang des weltweiten Wachstums um 0,5 Prozentpunkte aus. In diesem Szenario würde sich das Wirtschaftswachstum hierzulande mit einem mageren Plus von 0,3 Prozent zufrieden geben müssen. Ausgehend von der bestehenden Korrelation zwischen BIP, Bauinvestitionen sowie Bauvolumen würde dieses magere Wachstum der heimischen Wirtschaft nur leichte Effekte auf die Leistung der Bauwirtschaft haben. So geht das Bau-Info-Consult-Prognosemodell in diesem Szenario davon aus, dass die Bauinvestitionen in 2020 um 2,1 Prozent und das Bauvolumen 2,2 Prozent zulegen könnten. In Euro ausgedrückt bedeutet dies eine Bauinvestitionssumme von etwa 331,2 Milliarden Euro für 2020 sowie ein prognostiziertes Bauvolumen von 453,8 Milliarden Euro. Damit würden die Sonderkonjunktur am Bau enden und die Entwicklungsgeschwindigkeit wieder auf ein Normalmaß zurückgefahren werden.

Prognoseszenario 2: Heftige Corona-Effekte drücken auch die Bauwirtschaft ins Minus
Da die aktuellen Entwicklungen darauf deuten, dass die europäischen Wirtschaften wahrscheinlich massive Schockzustände erleiden werden, dürfte laut Bau-Info-Consult wohl eher das zweite und damit ungünstigere Prognoseszenario eintreten. Hierbei geht die OECD von merklichen Angebots- und Nachfrageeinbrüchen in den fortschrittlichen Volkswirtschaften der nördlichen Hemisphäre aus. "Ein länger anhaltender, intensiverer Ausbruch des Corona-Virus, der sich weiter im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa und Nordamerika ausbreitet, würde die Aussichten beträchtlich verschlechtern", warnt die OECD. In dieser negativen Variante würde Europa besonders stark in Mittleidenschaft gezogen werden und nach Einschätzungen der OECD um mindestens 0,2 Prozent sinken. Falls diese Situation eintritt, könnte das deutsche BIP mit einem Minus von 0,3 Prozent ebenfalls in eine leichte Rezession schliddern.

In so einem Fall würde die Bauwirtschaft ebenfalls mit leicht negativen 2020er Ergebnissen kämpfen müssen, so die Prognose der Düsseldorfer Bauwirtschaftsdatenspezialisten. Die Bauinvestitionen werden bei diesem Szenario um 0,4 Prozent und das Bauvolumen um 0,5 Prozent zurückgehen. Damit würden die Bauinvestitionen unter diesen Prognosevoraussetzungen in 2020 bei etwa 323 Milliarden Euro und das Bauvolumen bei circa 428 Milliarden Euro liegen. Ein zentraler Grund für die leicht negative Entwicklung liegt Bau-Info-Consult zufolge in dem angenommen Nachfragerückgang, der sich auch in der Bauwirtschaft breit machen dürfte. Auf der einen Seite werden Investitionen in Bauten wahrscheinlich teilweise zurückgefahren und die zuletzt stark gestiegenen Baupreise nehmen wieder normale Dimensionen an, so die Bauwirtschaftsdatenspezialisten.

Keine Entwarnung
Die Bauwirtschaft habe drei wichtige Trümpfe in der Hand, die vor einem länger anhaltenden Schock schützen sollten, so Bau-Info-Consult. Zu einem werde die Bauwirtschaft aus dem Ende einer Boomphase heraus mit der Coronakrise konfrontiert. Damit habe der deutsche Bau ein solides Polster - sowohl an Umsätzen und Auftragsreserven. Zum anderen sei die heimische Baubranche nicht ganz so stark exportfixiert. Somit führe eine zurückgehende Nachfrage aus dem Ausland nicht sofort zu größeren Problemen hierzulande. Darüber hinaus sei der Neubaumarkt ein Investitionsmarkt, in dem eher langfristige Überlegungen die Hauptrolle spielen.

Wie die Marktexperten betonen, können die dargestellten Prognosen durchaus auch negativer ausfallen, wenn die Pandemie zu einer handfesten Rezession in Deutschland führen sollte. Zwar werde die deutsche Wirtschaft finanzpolitisch gestützt, aber mittelfristig dürften wichtige Exportmärkte nicht ganz so schnell wieder auf die Beine kommen. Daran würden exportorientierte Wirtschaftseinheiten hierzulande noch länger zu knabbern haben, während sich der inländische Konsum in Deutschland wohl eher rasch erholen werde - natürlich nur dann, wenn große Entlassungswellen ausbleiben, so die Einschätzung.

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