Das Sicherheits-ABC Teil 1

Im Sicherheits ABC erfahren Sie schnell und einfach die Begrifflichkeiten die wichtig beim Einbruchschutz sind und setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Im ersten Teil erfahren Sie alles von Aufbohrschutz bis hin zu mechanischer Grundsicherung.

A wie Aufbohrschutz

Der Aufbohrschutz oder auch Anbohrschutz wird auf verschiedene Weisen realisiert. Durch den Aufbohrschutz wird zum Beispiel der Zylinderkern und das Gehäuse des Schließzylinders geschützt. Der Zylinderkern ist das, in das der Schlüssel hineingesteckt und gedreht wird. Durch den Schutz, meistens zusätzliche Elemente aus gehärtetem Spezialstahl oder Hartmetall, wird das Aufbohren erschwert. Das Material der sogenannten Bohrschutzstifte, die im Kern des Schließzylinders sitzen, ist auch mit Spezialbohrern nur schwer zerstörbar.  Ein Einbrecher braucht dadurch sehr lange, um den Zylinder der Tür anzubohren. Ziel des Anbohrens ist meistens, die zuhaltenden Stifte im Zylinderkern zu zerstören, damit der Riegel (der Verschluss, den man durch Drehen des Schlüssels bewegt) und die Falle (der Verschluss, der sich bewegt, wenn der Türgriff betätigt wird) bewegt werden können und so die Tür geöffnet werden kann. 

Die andere Angriffsweise durch Bohren besteht darin, den unteren Gehäuseteil anzubohren und in dem entstandenen Bohrloch ein Werkzeug anzusetzen, um den Zylinder an der dünnsten Stelle unterhalb der Schließnase (die Schließnase ist das im Inneren des Zylinders, das den Riegel bewegt, wenn der Schlüssel gedreht wird) zu zerbrechen. Dann kann die außenliegende Seite entfernt werden und es ist mit geeigneten Werkzeug möglich, das Schloss zu öffnen.

Teile des Aufbohrschutzes stecken im Zylinder, zum Beispiel die gehärteten Spezialstifte, manche Teile sieht man von außen, zum Beispiel Schutzrosetten. Diese sitzen außen vor dem Schließzylinder und verdecken diesen komplett. Sie schützen nicht nur vorm An- und Aufbohren, sondern dienen oft auch als Ziehschutz. Der Ziehschutz ist eine Zylinderabdeckung mit einer beim Schließvorgang mitrotierenden Scheibe meist aus Stahl, durch die der Schlüssel in den Zylinder eingeführt wird. Dieses Bauteil verhindert, dass der Zylinder durch ein Spezialwerkzeug aus dem Schloss herausgezogen werden kann. Manche Einbrecher schrauben eine stabile Schraube in den Zylinder ein und reißen ihn an dieser aus der Tür heraus. Diese Methode wird durch den Ziehschutz und durch einen anbohrgeschützen Zylinder, in den sich keine Schraube einschrauben lässt, verhindert.

 

B wie Beschlag

Ganz schlicht formuliert sind Beschläge (meist) metallene Bauteile, die zum Beispiel an Fensternrahmen und Türblättern angebracht sind, um ihre Funktion zu gewährleisten, so zum Beispiel Scharniere (Türbänder) oder Griffe oder eben Schlösser – um nur einige Beispiele zu nennen. Sie verbinden häufig ein bewegliches Teil mit einem Unbeweglichen. Fensterbeschläge  verbinden den beweglichen Teil eines Fensters, den Fensterflügel, mit dem unbeweglichen Teil, dem Fensterrahmen. Je nach Öffnungsweise des Fensters lassen sich verschiedene Beschlagsarten unterscheiden, die die entsprechende Öffnungsweise erst ermöglichen, zum Beispiel Dreh-Kipp-Beschläge, damit ein Fenster nicht nur geöffnet, sondern auch gekippt werden kann, oder auch Schiebebeschläge, für Schiebefenster. Beschläge müssen vielen Anforderungen gerecht werden: Sie bewegen große, schwere Bauteile und sind relevant beim Einbruchschutz. Eine Türe oder ein Fenster mit speziellen Sicherheitsbeschlägen lässt sich von einem Einbrecher nicht so leicht aus dem Rahmen aushebeln oder aufbrechen.  

 

Das Sicherheits ABC ist teil des Sicherheitsmagazin. Der zweite Teil finden Sie in der kommenden Ausgabe, sowie weitere intressante Themen rund um das Thema Sicherheit.

 

C wie Cloud

Digitale, smarte Türschlösser verfügen häufig über eine Anbindung ans Internet und lassen sich auch ohne Schlüssel, mit dem Smartphone, einem Chip oder ähnlichem öffnen. Die „digitalen Schlüssel“ werden dabei häufig in einer Cloud, platt gesagt einem Speicherplatz im Internet, verwaltet. Wenn die verbaute Beschlagstechnik in der Tür einbruchhemmend ist und hohen Sicherheitsanforderungen entspricht, muss man keine Sicherheitsnachteile fürchten: Einbrecher brechen – wie der Name schon sagt – ein, indem sie Türen oder Fenster aufhebeln, zerstören oder manipulieren. Das ein Einbrecher mit Internet-Hacking einbricht, indem er sich einen digitalen Schlüssel aus dem Internet besorgt, kommt eigentlich nicht vor. Der Aufwand ist viel zu groß und die Kompetenzen dafür meistens nicht vorhanden. Zudem sind die Sicherheitsvorkehrungen der Anbieter von digitalen Schlössern sehr hoch. Welche Vorteile die Cloud-Anbindung haben kann, lesen Sie zum Beispiel auf Seite 36/37. 

 

D wie Durchbrechen oder Durchstechen

Die Methode des Glasdurchbruches, also das der Täter das Glas eines Fenster heranzukommen, kommt eher selten vor – zu groß ist die Gefahr für den Einbrecher, sich dabei zu verletzen. Zudem macht die Methode relativ viel Lärm, den die Nachbarn hören könnten. Dennoch kommt es vor. Dagegen helfen am besten abschließbare Fenstergriffe, die der Täter nicht bewegen kann, wenn er durch ein Loch im Glas nach innen greift. Solche Fenstergriffe gibt es auch mit Alarmmeldung – diese geben ein lautstarkes, akustisches Signal ab, wenn sie registrieren (durch Erschütterung oder ähnliches), dass ein Einbruchsversuch stattfindet. Die Griffe lassen sich leicht nachrüsten und es gibt sie gleichschließend (ein Schlüssel funktioniert an allen Fenstergriffen). Zudem gibt es einbruchhemmende Verglasung, auch die kann vor Glasdurchbruch schützen. Eine andere Einbruchsmethode ist, die Dichtung des Glasrahmens zu durchstechen, um mit einem Hilfsmittel an den Fenstergriff zu gelangen. Auch hiervor schützt ein abschließbarer Fenstergriff.

 

E wie Elektronik

Im Gegensatz zu den mechanischen Schlössern lassen sich mechatronische Schlösser, die Elektronik und Mechanik kombinieren, zumeist auch anders öffnen als nur mit einem klassischen Schlüssel, zum Beispiel mit einem Pincode, über einen Fingerscanner, übers Smartphone oder eine Chipkarte beziehungsweise Transponder. Das bietet viele Vorteile, allen voran, dass die Folgekette von verlorenen Schlüsseln nicht mehr dramatisch ist. Wenn jemand zum Beispiel seine Chipkarte verliert, kann diese einfach aus dem System gelöscht werden – so kann niemand mit der verlorenen Chipkarte die Tür öffnen. Für den Hausbesitzer wird einfach ein neuer Zugang auf eine Ersatzkarte programmiert. Noch einfacherer wird es mit Fingerscannern oder generell mechatronischen Schlössern, die den Zutritt über biometrische Merkmale erlauben – Finger kann man nicht verlieren und biometrische Merkmale sind fälschungssicher. In Deutschland sind mechatronische Schlösser in Privathäusern noch nicht so verbreitet wie in anderen Ländern, sind aber im Kommen, gerade im Bereich Smart Home. Die aktuellen Systeme von Qualitätsherstellern erfüllen alle Sicherheitsanforderungen, lassen sich meist leicht nachrüsten und bieten hohen Komfort.

 

F wie Fenster

Eine der „beliebtesten“ Methoden, in ein Haus einzubrechen, ist das Aufhebeln des Fensters. Wenn das Fenster nicht mit Sicherheitsbeschlägen ausgestattet ist, zum Beispiel Pilzkopfzapfen oder einem abschließbaren Fenstergriff, geht das sehr schnell und der Verbrecher braucht meist nur einen Schraubenzieher (siehe dazu auch Seite 8). Am gefährdetsten sind die Fenster im Erdgeschoss oder auch im ersten Stock, wenn der Einbrecher gut an diese herankommt, weil er Kletterhilfen wie Leitern vor Ort findet. In vielen Fällen kann auch eine Zusatzsicherung am Fenster sinnvoll sein. Und was auch für die Versicherung wichtig ist: Ein gekipptes Fenster ist für einen Einbrecher ein offenes Fenster, da es so besonders leicht für ihn zu öffnen ist – außer, bei dem Fenster ist im Beschlag eine zusätzliche Sicherung verbaut, durch die es auch im gekippten Zustand einbruchhemmend ist. Mehr zum Thema Fenstersicherheit lesen Sie zum Beispiel ab Seite 32 in diesem Magazin.

 

Das Sicherheits ABC ist teil des Sicherheitsmagazin. Der zweite Teil finden Sie in der kommenden Ausgabe, sowie weitere intressante Themen rund um das Thema Sicherheit.

 

G wie Garage

Bei Einbruch denken die meisten zuerst an die Haustür. Dass die Einbrecher auch das Garagentor aufbrechen könnten (beziehungsweise, je nach Tortechnik, es schaffen könnten, dieses mit roher Gewalt und dem richtigen Werkzeug anzuheben und drunter zu kriechen), kommt vielen nicht in den Sinn. Dabei geht gerade das bei alten Toren recht einfach. Und auch in Garagen lagert Wertvolles. Zudem gibt es bei vielen Garagen einen Zugang zum Haus. Und sind die Verbrecher erst in der Garage und haben das Tor wieder geschlossen, können sie hier unbemerkt und in Ruhe die Verbindungstür zum Haus aufbrechen. Deswegen ist es wichtig, auch die Garage und die Tür, die von der Garage ins Haus führt, einbruchhemmend auszustatten. Auch Bewegungsmelder an der Garage können sinnvoll sein. Denn wer stolpert denn schon gern im Dunkeln von seinem Auto zum Lichtschalter? Wie Licht zum Einbruchschutz beiträgt, lesen Sie auch unter dem Buchstaben L wie Licht.

 

H wie Hauseingangstür

Wenn Einbrecher Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auswählen, greifen sie laut dem Netzwerk „Zuhause sicher“ in 36 Prozent der Fälle die Wohnungseingangstür an. Damit gehört die Wohnungseingangstür neben der Terrassentür und den Fenstern im Erdgeschoss zur häufigsten von Einbrechern angegangenen Schwachstelle.

Die Haustür von Einfamilienhäusern wird dagegen weniger oft von Einbrechern ausgewählt – allerdings liegt laut dem Netzwerk auch hier die Zahl der Fälle mit zwölf Prozent immer noch im zweistelligen Bereich. Davor schützen kann die richtige Sicherheitstechnik an der Tür. Denn die meisten Einbrecher scheitern an der Sicherheitstechnik, wie die Statistik zeigt: Lag die Zahl der „erfolgreichen“ Einbrüche im Jahr 2006 noch bei rund 63 Prozent, waren zehn Jahre später nur noch rund 55,7 Prozent der Täter erfolgreich. Die Polizei schreibt diesen Rückgang auch der verbesserten Sicherheitstechnik zu.

Wichtig ist es, die Wohnungs- oder Hauseingangstür vom Fachmann mit Sicherheitstechnik ausstatten zu lassen. Die Polizei bietet Einbruchschutzberatung an – und kann auch einschätzen, ob beispielsweise eine Mehrfachverriegelung, eine zusätzliche Sicherung der Bandseite oder Zusatzschlösser wie zum Beispiel Stangenschlösser sinnvoll sind. Die Antwort wird meistens lauten: Ja. 

 

I wie IP-Kameras

Wer Kameras zur Überwachung seines Grundstücks nutzt, sollte daran denken, aus Datenschutzgründen mit einem Schild darauf hinzuweisen, dass hier gefilmt wird. Mit IP-Kameras, die ans Internet angebunden sind und mit denen sich der Hausbesitzer via Smartphone auf die Kamera schalten kann, kann man auch aus dem Urlaub schauen, was zu Hause vor sich geht. Zudem haben viele IP-Kameras neben eingebauten Bewegungsmeldern auch eine Sprachfunktion, mit der man Eindringlinge aus der Ferne ansprechen und vielleicht vertreiben kann.

 

J wie Jalousien

Auch Jalousien können zum Einbruchschutz beitragen, weil sie das Aufbrechen des Fensters massiv erschweren. Wichtig ist aber auch, daran zu denken, wenn man in den Urlaub fährt, dass dauerhaft heruntergelassene Jalousien deutlich signalisieren: Hier ist keiner zu Hause.

 

K wie Kellertür

Für die Kellertür gilt ähnliches wie für die Garage: Sie wird oft nicht mitbedacht bei der Einbruchssicherheit, dabei sind gerade Kellertüren, die von außen (über Treppen) begehbar sind und nicht gut von außen einsehbar sind, „willkommene“ Einbruchsorte. Auch hier sollte an die richtige Sicherheitstechnik gedacht werden – der Fachhandel kann beraten, was geeignet ist.

 

L wie Lärm und Licht

Lärm und Licht mögen Einbrecher nicht, vor allem, wenn sie dadurch von der Nachbarschaft entdeckt werden könnten. Deswegen sind Bewegungsmelder im Garten und um das Haus sinnvoll. Auch Alarmanlagen können  viel dazu beitragen, Einbrecher zu vertreiben (und die Nachbarschaft auf den Einbruch aufmerksam zu machen). Manche Alarmanlagen sind auch mit Smart-Home-Technik gekoppelt und geben Meldung aufs Smartphone des Hausbesitzers. Wichtig ist, auf professionelle Technik zu setzen, um Fehlalarme zu vermeiden – ihre Nachbarn werden es Ihnen danken.

Aber Licht und Lärm kann auch noch auf andere Weise abschreckend wirken – Einbrecher kommen meist, wenn keiner Zuhause ist. Und wenn es im Haus Licht und Geräusche gibt, die daraufhindeuten, dass jemand zu Hause ist, lassen sie von ihrem Vorhaben ab. Anwesenheit zu simulieren, lässt sich auch sehr gut mit smarter Technik realisieren.

 

M wie mechanische Grundsicherung

Sie ist die Grundlage jeden Einbruchschutzes: Die mechanische Grundsicherung. Ist die Mechanik Murks oder nicht fachgerecht verbaut, haben Einbrecher leichtes Spiel. Und Aufrüstung oder Austausch von mechanischer Sicherungstechnik in Türen und Fenstern ist leichter als man denkt.   

 

Der zweite Teil des Sicherheits ABCs finden Sie in der kommenden Ausgabe des Sicherheitsmagazins, das im August erscheint.

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