Im Herbst 2017 veröffentlichte Eco Verband der Internetwirtschaft gemeinsam mit der Unternehmensberatung Arthur D. Little eine großangelegte Studie, die die sechs wichtigsten Segmente des sogenannten Smart-Home-Ökosystems untersucht hatte: Energiemanagement, Licht- und Fenstersteuerung, Sicherheit und Zugangskontrolle, Unterhaltung, Haushaltsgeräte sowie Gesundheit und betreutes Wohnen. Die Prognose der Studienautoren: Der deutsche Smart-Home-Markt boomt und wird sich bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen. GRAFIK: ECO Verband der Internetwirtschaft/Arthur D. Little

Smart Home: Das intelligente Zuhause

Für manche Alltag, für einige „the next big thing“, für ein paar noch absolutes „Neuland“: Smart Home. Was sich hinter dem Begriff verbergen kann und wo sich Chancen und Risiken aus der vernetzten Technik ergeben, darüber geben wir einen ersten Überblick.

Um das Thema Smart Home zu visualisieren, steuern in manchen Werbefilmen Hauseigentümer vom Urlaub aus die Jalousien oder regeln im Winter auf der Rückfahrt vom Büro kurz per App die Heizung, damit die Wohnung bei der Ankunft gemütlich warm ist. Andere Beispiele sind die Videoüberwachung oder auch die Steuerung der Gartenbewässerung im Sommer, ebenfalls alles per Smartphone-App. All diese Dinge und noch viel mehr verbinden Menschen in der Regel mit dem Begriff Smart Home.

Übersetzt heißt Smart Home einfach nur „intelligentes Zuhause“. Doch was dies genau bedeutet, ist nicht definiert. Von einem Smart Home spricht manch einer bereits bei intelligenten Einzellösungen wie einer Heizungsteuerung. Ebenso natürlich bei Systemen mit mehreren vernetzten Produkten. Und standen zunächst eher „Spielereien“ wie die Lichtsteuerung oder smarte Unterhaltungselektronik im Fokus, geht es heute zusätzlich um noch viel relevantere Fragestellungen: Wie kann die Smart-Home-Technik zu mehr Barrierefreiheit verhelfen und gerade ältere oder pflegebedürftige Menschen in ihrem Alltag unterstützen? Wie können damit Energie eingespart und die häusliche Sicherheit erhöht werden? Komfort, Sicherheit, Energieeinsparung – das sind grob die drei Aspekte, die für die smarte Technik sprechen.

Studien, wie riesig die Relevanz des (kommenden) Smart-Home-Marktes ist, gibt es etliche, und nahezu alle sagen das Gleiche: Der Markt wächst enorm, die Nachfrage ist da – aber ebenso die Unsicherheit der Kunden, was die richtigen Produkte und Anwendungen für sie sind und was sicher ist.

Smart Home ist keine Spielerei, bei der alles mit einem Smartphone gesteuert wird, sondern bei diesem Thema geht es im Kern um intelligente Gebäudetechnik. FOTO: Zurich Gruppe Deutschland

Sensoren und Aktuatoren

Ein Smart Home besteht immer aus mehreren Elementen. Zuerst sind da natürlich die Endgeräte beziehungsweise die sogenannten Aktuatoren, die die Signale, die teilweise von intelligenter Sensortechnik selbstständig ausgegeben werden, in Aktionen umsetzen und die in die intelligente Steuerung einbezogen werden. So lässt sich zum Beispiel auch die gesamte Sicherheitstechnik mit automatischen Rollläden oder einer Einbruchmeldeanlage und der Belüftung intelligent steuern.

Darüber hinaus werden vom Anwender die jeweiligen Eingabegeräte benötigt, wie etwa stationäre oder mobile Touchdisplays, ebenso aber auch Tablet-PCs und das Smartphone. Das internetfähige Handy ist heute für viele Menschen der ständige Begleiter, um rund um die Uhr mit der Welt – und der Haussteuerung – in Kontakt zu stehen.

Mithilfe all dieser Schnittstellen lässt sich vom Nutzer beispielsweise auf einfache Art und Weise überprüfen, ob die Lichter in einem bestimmten Raum erloschen, die Türen verriegelt oder die Raumtemperaturen im gewünschten Bereich sind. Basis hierfür sind entsprechende Sensoren, die alle möglichen Einflüsse messen und ihre Angaben an eine zentrale Steuerungseinheit, das sogenannte Gateway, übermitteln. Ein Gateway ermöglicht schließlich die Kommunikation der vernetzten Geräte untereinander und ist so etwas wie das Gehirn eines intelligenten Hauses. Das Gateway lässt sich vom Nutzer über die Eingabegeräte ansteuern. Aber auch eine direkte Steuerung der einzelnen Geräte ist unabhängig davon möglich.

Damit Endgeräte und Gateway miteinander in Kontakt treten können, müssen sie vernetzt sein. Diese Vernetzung kann entweder per Kabel oder Funk erfolgen. Für kabelgebundene Systeme müssen in jedem Fall entsprechende Leitungen verlegt werden, was wiederum eine vorausschauende Haustechnikplanung erfordert. Insbesondere in Altbauten sind funkgesteuerte Systeme ohne Eingriffe in die Bausubstanz leichter zu realisieren.

Eine oft diskutierte Schwäche sind Insellösungen, wenn Produkte verschiedener Hersteller im Smart Home nicht miteinander kombiniert werden können. Doch immer mehr Hersteller setzen jetzt bereits auf offene Systeme und haben erkannt, dass ihnen die Zusammenarbeit mit anderen mehr Chancen als Risiken verspricht. Die Grundidee ist, dass Endkunden zwischen möglichst vielen Komponenten unterschiedlicher Hersteller wählen können und nicht unbedingt gezwungen sind, alle Geräte von einem Unternehmen kaufen zu müssen. Dieser Ansatz macht Smart Home flexibler.

Wie sicher ist der ­Datenaustausch?

Grundsätzlich ist es bei offenen Systemen möglich, dass die Daten zur Haussteuerung entwendet werden. Mit diesen Angaben sind dann im ungünstigen Fall Rückschlüsse auf die Tagesabläufe der Bewohner möglich, etwa in Form der An- und Abwesenheitszeiten. Das sich daraus ergebende Risiko hängt immer davon ab, welche Art der Hausautomatisierung gewählt wurde. Und es kommt darauf an, ob das Smart-Home-System mit dem hauseigenen, unter Umständen nicht gut gesicherten Router mit dem Internet verbunden ist – auch das kann ein Einfallstor sein. Aber: Dass Einbrecher das Smart-Home-System „hacken“, um ins Haus zu gelangen, gilt als sehr unwahrscheinlich – spöttisch wird immer wieder gesagt: Wenn der Einbrecher ein so guter ITler ist, hat er das Einbrechen nicht nötig, sondern hat einen gut bezahlten Job in der Wirtschaft. Zudem ist das „klassische“ Fensteraufhebeln mit sehr viel weniger Aufwand verbunden. Und auch die Gefahr, die von Funkfernbedienungen ausgeht, wie man sie von Autos kennt, ist laut der Hersteller händelbar: Da hat die Branche wohl auch teilweise von den Fehlern der Autoindustrie gelernt, nachdem reihenweise Fahrzeuge entwendet worden waren, deren Funkcode ausgelesen wurde. Wer aber sein Smart-Home-System so programmiert, dass jeder mit einem „Alexa, öffne die Tür“-Sprachbefehl oder dem Pincode 1234 reinkommen kann, ist gewissermaßen selber schuld.

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Nutzer sollten aber beim Anbieter der Systeme oder im Fachhandel nachfragen, inwiefern Daten gespeichert und ausgewertet werden – und die sollten es wissen. Auch welche Sicherungssysteme ein Anbieter verwendet und ob diese regelmäßig aktualisiert werden, sollten Interessenten in Erfahrung bringen.

Grundsätzlich ist jedes System, das über das Internet gesteuert wird, der Gefahr durch Hacker ausgesetzt – auch wenn der hackende Einbrecher wie schon erwähnt eher unwahrscheinlich ist. Zudem werden auch die Verschlüsselungstechniken immer besser, oft bewegen sich die Sicherheitsstandards laut der Hersteller auf dem Niveau von Online-Banking.

Sicherer ist es, wenn sensible Daten in den eigenen vier Wänden bleiben und alle Systeme von dort aus und nicht über das Internet gesteuert würden – man spricht in dem Fall auch von einem restriktiven Datenschutzmodell. Im Gegensatz zu cloud-basierten Systemen erfolgt die Speicherung aller Daten im Zuhause des Endkunden. Wird der Zugriff mit dem Smartphone von außerhalb des Hauses gewünscht, ist dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kunden möglich. Von den großen Herstellern von Smart-Home-Technik werden zumeist beide Techniken angeboten.