Die deutschen Schloss- und Beschlagexporte lagen im Baubereich 2017 mit rund 40,8 Millionen Euro nur geringfügig über dem Vorjahreswert. Damit blieben die deutschen Exporteure aber erneut deutlich unter dem Höchstwert aus dem Jahr 2015 (44,5 Millionen Euro). Grafik: FVSB

FVSB-Ländermonitor zur Slowakei

Die Wirtschaft legt derzeit noch überdurchschnittlich stark zu, das Wachstumspotenzial wird aber für weitestgehend ausgeschöpft gehalten. Mittelfristig ist weiterhin mit Wachstum zu rechnen, die Zuwächse dürften aber geringer ausfallen. Holger Koch, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie, blickt für fenster-türen-technik auf die aktuellen Entwicklungen in der Slowakischen Republik.

Die slowakische Wirtschaft hat sich in den vergangenen beiden Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt. Das BIP ist real um 3,3 beziehungsweise 3,4 Prozent gewachsen. Für das laufende Jahr gehen die Prognosen der Europäischen Kommission derzeit sogar von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von vier Prozent auf 90,7 Milliarden Euro aus, das im Jahr 2019 noch weiter Fahrt aufnehmen soll (+4,2 Prozent) — die Schätzungen der slowakischen Regierung unter Ministerpräsident Peter Pellegrini liegen geringfügig darüber.

Diese im europäischen Vergleich außerordentlich hohen Wachstumsraten werden vorrangig vom privaten Konsum, den Investitionen aus früheren Jahren und den Exportsteigerungen getragen. Die sinkende Arbeitslosenquote und gleichzeitig hohe Lohnsteigerungen lassen den Konsum der privaten Haushalte kräftig steigen. Die steigenden Lohnkosten und erste Anzeichen von Personalmangel sorgen bei der Industrie für die vermehrte Verlagerung von Investitionen in Ausrüstung und Automatisierungstechnik. Die Automobilindustrie, Metallverarbeiter sowie die Elektroindustrie traten hier in der Vergangenheit besonders deutlich hervor.

Der mit rund 5,4 Millionen Einwohnern vergleichsweise kleine Binnenmarkt ist stark von Export abhängig. Die wichtigsten Außenhandelspartner sind Deutschland und die direkten Nachbarn Tschechien, Polen, Ungarn und Österreich. Die für die slowakische Wirtschaft so wichtige Automobilindustrie setzt aber auch beachtliche Mengen ins Vereinigte Königreich ab. Die Austrittsverhandlungen werden daher mit großem Interesse verfolgt, zumal der Ausbau der Fabrikation von Jaguar Land Rover kurz vor der Vollendung steht. Trotz derzeit guter Aussichten könnten sich mittelfristig einige Aspekte negativ auf die Investitionen auswirken. Als Hemmnis werden häufige Änderungen beim Arbeits- und Steuerrecht genannt, ineffiziente Verwaltungen, Korruption und Intransparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge werden ebenfalls weiter-hin bemängelt.

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Bauwirtschaft erholt sich leicht

Die Bauwirtschaft konnte in den vergangenen Jahren nicht wesentlich zum Wirtschaftswachstum beitragen. Nach 2009 folgten eher schwache Jahre, bis 2015 die Bauleistungen mit +18,5 Prozent aufgrund öffentlicher Investitionen, sprudelnder EU-Fördermittel und gesamtwirtschaftlichen Wachstums sprunghaft anstiegen, wovon jedoch primär der Tiefbau und in geringerem Maße der Nichtwohnhochbau profitieren konnten. Das Jahr 2016 war wieder von Konsolidierung geprägt. Über ein Viertel der slowakischen Bauleistungen werden in der Hauptstadt Bratislava erbracht. Weitere wichtige Regionen sind um Košice, Žilina, Nitra und Trnava, was vor allem aus der dort ansässigen Autoproduktion sowie deren Zulieferindustrie resultiert.

Nach Angaben von Euroconstruct werden in der Slowakei rund ein Viertel der Bauleistungen im Wohnungsbau erbracht, ein knappes Drittel betrifft den Tiefbau, und auf den Nichtwohnbau entfällt mit rund 44 Prozent der Löwenanteil.

Wohnbau folgt Nichtwohnbau

Der Wohnbau profitiert von der steigenden Nachfrage nach Wohnungen in der Hauptstadt und den Ballungszentren, wo mehr und besser bezahlte Jobs angeboten werden. Insbesondere die Automobil- und deren Zulieferindustrie haben hier weiterhin eine steuernde Wirkung. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefstand, teils kräftige Reallohnsteigerungen und weiterhin günstige Finanzierungsmöglichkeiten sorgen für gute Rahmenbedingungen im Wohnbau. Trotzdem sehen die Analysten des Euroconstruct-Netzwerkes bei den Wohnungsfertigstellungen 2017 den Höchststand mit rund 18 300 Wohneinheiten erreicht. Knapp zwei Drittel der Wohnungen werden davon in Ein- und Zweifamilienhäusern gebaut, ein Drittel in Mehrfamilienhäusern. Im laufenden Jahr kann der Mehrfamilienhausbau noch leicht zulegen, ab 2019 werden jedoch auch hier leichte Rückgänge erwartet, die im Eigenheimbau bereits für 2018 pro-gnostiziert werden. Die Eigentumsquote wird sich damit bei gut 85 Prozent stabilisieren, was im europäischen Vergleich sehr hoch ist. In Deutschland liegt die Quote bei rund 45 Prozent. Auch in der Slowakei ist derzeit zu beobachten, dass aufgrund hoher Kapazitätsauslastungen Bauleistungen eher im Neubau als im Renovierungsbereich stattfinden. Auffallend sind die starken Unterschiede hinsichtlich der Baupreise in der Slowakei. In Bratislava sind die Preise mit rund 2 000 Euro pro Quadratmeter etwa dreimal so hoch wie im Osten des Landes – die Wirtschaftskraft, gemessen in BIP/Kopf, ist allerdings ähnlich verteilt.

Gewerbebau noch auf Wachstumspfad

Die steigende Kaufkraft der Slowaken sorgt für einen prosperierenden Einzelhandel. Geschäftsgebäuden werden mit +8,1 Prozent im laufenden und +15 Prozent im nächsten Jahr die höchsten Investitionssteigerungen prognostiziert, aber auch bei Bürogebäuden stehen die Vorzeichen weiter auf Wachstum. Bei Industriegebäuden, die rund ein Drittel des slowakischen Nichtwohnbaus ausmachen, ist eine gewisse Sättigung des Bedarfs zu erkennen, was sich in rund zweiprozentigen Rückgängen der Bauvolumina in den nächsten beiden Jahren niederschlagen wird. Dennoch bleibt dies das wichtigste Segment. Der Bau von Lagergebäuden entwickelte sich in den vergangenen Jahren sehr wellenförmig: Einzelne Großprojekte schlugen auf die Statistik durch und sorgten für meist hohe zweistellige Veränderungsraten. Aktuell wird mit deutlichen Rückgängen gerechnet.

Die Investitionen in Gebäude für das Bildungs- und Gesundheitswesen sollen in den nächsten zwei Jahren jeweils um rund sieben Prozent steigen. Die in der Regel öffentlichen Mittel stehen im Rahmen der EU-Förderung zur Verfügung, aber auch die Staatsfinanzen sehen im europäischen Vergleich gut aus. Der Haushalt ist nahezu ausgeglichen, die Verschuldung mit rund 50 Prozent des BIP recht gering. Die Rahmenbedingungen für steigende Investitionen in die Infrastruktur sind gut. Der Slowakei bieten sich gute Möglichkeiten, ihre Bedeutung als Drehscheibe zwischen Ost und West weiter auszubauen.

Eigene Produktion statt Importe

Nach Angaben von Eurostat lagen die deutschen Schloss- und Beschlagexporte im Baubereich 2017 mit rund 40,8 Millionen Euro nur geringfügig über dem Vorjahreswert. Damit blieben die deutschen Exporteure aber erneut deutlich unter dem Höchstwert aus dem Jahr 2015 (44,5 Millionen Euro). Die wichtigsten Produktgruppen waren im vergangenen Jahr Schließzylinder (13,5 Millionen Euro) knapp vor Scharnieren und Bändern (12,5 Millionen Euro) und mit etwas Abstand gefolgt von Fensterbeschlägen (9,9 Millionen Euro).

Der Export der Kfz-Zulieferer sank im Jahr 2017 um 19,7 Prozent auf 46,8 Millionen Euro und ist damit trotz eines schwachen Vorjahres erneut deutlich rückläufig. Auch der polnische Absatzmarkt für die Möbelzulieferer war mit -6,7 Prozent auf 39,1 Millionen Euro kräftig geschrumpft. Insgesamt wird der Wert der in 2017 in die Slowakei ausgeführten Schlösser und Beschläge mit rund 130,2 Millionen Euro angegeben (-9,2 Prozent). „Auf dem Papier“ hat der slowakische Absatzmarkt für deutsche Schlösser und Beschläge damit kräftig an Bedeutung verloren. Tatsächlich spiegelt diese Entwicklung jedoch einen – auch durch deutsche Investitionen – erfolgten Kapazitätsaufbau in Osteuropa wider. Heute wird vermehrt direkt in der Slowakei produziert beziehungsweise erfolgen die Exporte durch polnische, tschechische oder slowenische Töchter, was sich auch in den Marktanteilen zeigt: Weniger als ein Drittel der slowakischen Schloss- und Beschlagimporte aus der EU stammte 2017 aus Deutschland (30,3 Prozent), das trotz massiv sinkender Importanteile weiterhin unangefochten an erster Stelle der wichtigsten EU-Lieferländer steht. Profitieren konnten Lieferanten aus Slowenien (10,8 Prozent) und Polen (10,3 Prozent). Lieferanten aus Tschechien konnten mit einem Marktanteil in Höhe von knapp 17 Prozent ihren Platz als zweitwichtigstes Lieferland behaupten.

Als außereuropäisches Lieferland ist China von herausragender Bedeutung. 2017 bezog die Slowakei Schlösser und Beschläge im Wert von rund 50,4 Millionen Euro von dort, fast zwei Drittel davon für den Möbelbereich. Aber auch Schließzylinder (6,8 Millionen Euro) sowie Scharniere und Bänder (5,7 Millionen Euro) waren bedeutende Einzelpositionen.

Es lassen sich Parallelen zum polnischen Markt erkennen. In der Slowakei wurden ebenfalls aufgrund des guten Investitionsklimas auch von deutschen Unternehmen Produktionskapazitäten aufgebaut, sodass die Exporte heute entsprechend geringer ausfallen beziehungsweise das Bild verzerren. Die zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen werden bei einem langfristigen Vergleich gut sichtbar. Im Jahr 2009 importierte und exportierte die Slowakei Schlösser und Beschläge in Wert von jeweils rund 300 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2017 haben sich beide Werte mehr als verdoppelt: der Export auf 651,7 Millionen Euro, der Import auf 642,7 Millionen Euro.

Kaum relevante Baumessen

Im AUMA-Messekalender wird für den slowakischen Baubereich die CONECO (27. bis 30. März 2019) gelistet. Trotz einer gewissen Tradition, nach der Gründung 1967 findet im nächsten Jahr die 40. Veranstaltung statt, ist das Interesse deutscher Aussteller recht gering. Valide Aussteller- und Besucherzahlen sind online nicht verfügbar. Das slowakische Fachpublikum scheint für deutsche Aussteller auch über die BAU in München, die Budma in Posen oder die IBF in Brünn gut erreichbar zu sein.

Holger Koch, stellvertretender Geschäftsführer im Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie in Velbert. E-Mail: koch@fvsb.de