Smarte Assistenzsysteme können es Senioren ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Foto: Pixabay/rawpixel

Smart Care Lösungen helfen im Alter

Smart Care Lösungen, auch als Ambient Assisted Living (AAL) bezeichnet, ermöglichen Senioren, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Ältere Menschen sind gegenüber digitalen Assistenzlösungen sehr aufgeschlossen, zeigt eine neue Studie.

Smart Care Lösungen können ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen und den Pflegenotstand mildern. 89 Prozent der Senioren sind sehr aufgeschlossen hinsichtlich digitaler Assistenzlösungen, die mehr Autonomie im Alter ermöglichen, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für die Digitalisierung von

Arbeits- und Lebenswelten (IDiAL) an der Fachhochschule Dortmund. Daher fordert der Verband der Internetwirtschaft Eco Wirtschaft und Politik dazu auf, entsprechende Lösungen stärker zu fördern. „Wir müssen Digitale Assistenzsysteme für Senioren endlich aus der Laborecke herausholen. Hier sind Politik und Pflegekassen gefragt, solche Lösungen im Rahmen der sozialen Teilhabe für die Senioren zu bezahlen“, fordert Dr. Bettina Horster, Direktorin IoT im Internetverband Eco. Sie ist Projektleiterin des Projekts „Smart Service Power“, das sich mit dem Thema altersgerechtes Wohnen im Quartier durch intelligente Digitalisierung beschäftigt, und Vorstand der Vivai Software AG.

Insbesondere der Wohnungswirtschaft komme dabei eine Schlüsselrolle zu hinsichtlich des Neubaus und barrierearmen Ausbaus von Bestandsimmobilien mit smarten Lösungen für das altersgerechte Wohnen.

Mit dem EU-Förderprojekt „Smart Service Power“ (SSP), das unter anderem Eco als Projektpartner begleitet, stehe bereits eine geeignete Plattform für Elderly Care und Notruf 4.0 zur Verfügung. Die lasse sich um E-Health- und Smart-Home- sowie Conciergedienste erweitern. Doch deutsche Senioren profitieren bisher kaum von digitalen Assistenzsystemen, die ihnen die Möglichkeit eröffnen, länger zu Hause wohnen zu bleiben, viele könnten es sich nicht leisten.

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Investoren fordert der Eco Verband deshalb auf, das Potenzial zu nutzen und in die flächendeckende Einführung von Assistenzsystemen für Wohn- oder Pflege-Umgebungen einzusteigen.

Wachstumsraten über 50 Prozent prognostiziert

Diese Subventionen würden nicht nur mehr Lebensqualität für die Betroffenen schaffen, sie rentieren sich laut Horster auch für Pflegekassen und Kommunen, denn 75 Prozent aller Heimbewohner werden durch das Sozialamt unterstützt. Die Statistik der Deutschen Rentenversicherung zeige eine Durchschnitt-Nettorente von 727 Euro, viele Ältere könnten sich also solche Systeme mit monatlichen Kosten von 120 bis 200 Euro ohne Hilfe nicht leisten.

Experten prognostizieren für Smart Home Systeme im Segment Gesundheit und betreutes Wohnen in Deutschland ein enormes Wachstum – von 40 Millionen Euro 2017 bis rund 400 Millionen Euro 2022. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 57,8 Prozent. Das ergab die im Sommer  2017 veröffentlichte, groß angelegte Studie „Der deutsche Smart-Home-Markt 2017-2022. Zahlen und Fakten“ des Verbands Eco und der Unternehmensberatung Arthur D. Little. „Gerade angesichts massiver Investitionen der Wohnungswirtschaft in Energiemanagement und Gebäudeautomatisierung in den kommenden Jahren sollten Smart Care Konzepte bei Modernisierungen und Neubau bereits mitgedacht werden“, fordert Horster.

Senioren wünschen sich mehr Smart Care Systeme

Ältere Menschen sind an entsprechenden Lösungen für autonomes Wohnen sehr interessiert, belegen Umfragen des Instituts für die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten (IDiAL) der FH Dortmund. 73 Prozent der befragten Senioren wären dazu bereit, ihre Wohnung für ihre Pflegebedürfnisse umgestalten zu lassen, etwa über die Integration einer automatischen Sturzerkennung. Die oft als Hemmnis angeführte fehlende Technik-Affinität und Digitalkompetenz bei Seniorinnen und Senioren wurde hingegen nicht bestätigt. Vielmehr gaben 89 Prozent an, sich vorstellen zu können, bei Pflegebedürftigkeit zusätzliche technische Unterstützung zu erhalten. „Es ist einfach falsch, dass ältere Menschen nicht mit Technik umgehen können – sie werden deutlich unterschätzt“, sagt Dr. Bettina Horster.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass bei älteren Menschen Assistenzsysteme für Wohn- oder Pflege-Umgebungen auf Basis von Serviceplattformen wie „Smart Service Power“ stark nachgefragt sind. Auf der Plattform lassen sich heute bereits Sturzerkennung, Abweichungen in Ernährungs- und Aktivitätsverhalten sowie Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme, auch im Sinne der Prävention und sozialen Teilhabe, barrierefrei und sicher vor unberechtigten Zugriffen realisieren.

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