Die richtige Luftfeuchtigkeit ist von elementarer Bedeutung beim Einbau von Türelementen. Foto: Jeld Wen

Klimabedingungen bei der Montage von Türelementen

Karl Jungblut, Schulungsleiter bei Jeld-Wen, berichtet exklusiv für Fenster-Türen-Technik über alltägliche Fragen aus seinem Schulungsalltag. Dieses Mal geht es um die Klimabedingungen bei der Montage von Türelementen.

Immer wieder kommt es auf Baustellen zu teilweise hitzigen Diskussionen hinsichtlich der korrekten Klimabedingungen bei der Montage von Tür­elementen. Aufgrund der mittlerweile bei vielen Projekten extrem verkürzten Bau- und Montagezeiten herrscht auf vielen Baustellen eine viel zu hohe Feuchtigkeit, um ruhigen Gewissens Holzelemente einbauen zu können. Hinzu kommt die Tatsache, dass Innentürelemente heute – vor dem Hintergrund des seit Jahren kontinuierlichen Preisdrucks – immer häufiger hohe Anteile an Holzersatzstoffen (MDF, Spanplatten etc.) besitzen, die im Gegensatz zu gewachsenem Holz wesentlich sensibler auf Feuchtigkeit reagieren.

Praxisbeispiel: In einem neuen Wohngebäude wird eine Wohnungseingangstür eingebaut. Der Verarbeiter ist fertig, das Türelement ist fachgerecht, lotrecht und sauber montiert. Alle sind zufrieden. Zwei Tage später kommt der Planer, sieht sich die Tür an und bemängelt „Verzug“. Das Türblatt hat sich um mehr als zwei Millimeter verzogen, was er natürlich auf das Produkt beziehungsweise den Einbau schiebt. Direkt wird eine „Beanstandung“ auf den Weg gebracht, da niemand registriert hat, dass das Türblatt beim Einbau gerade war. Ein typischer Fall von „Verzug durch zu hohe Baufeuchte“ zum Zeitpunkt des Einbaus der Tür.

Rechtliche Risiken

Die Gefahr, dass Holzelemente sich aufgrund zu hoher Luftfeuchtigkeit verziehen, ist aufgrund der heutigen Zusammensetzung von Bauelementen aus Holz, wie beispielsweise Innentüren, einfach viel größer als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren. Früher war der Anteil massiven Holzes wesentlich höher und damit die Gefahr des Verzuges vergleichsweise geringer. 

Rechtliche Risiken: Jeder Verarbeiter muss sich darüber im Klaren sein, dass wenn er mit dem Einbau der Türelemente auf einer Baustelle beginnt, das Vorgewerk anerkannt hat und damit seinerseits das Risiko des Einbaus sowie eines eventuellen Verzuges komplett trägt.

Er steht in diesem Fall vor der Entscheidung:

  • Baue ich die Elemente ein, und sie verziehen sich aufgrund der hohen Luftfeuchte, trage ich das Risiko.
  • Baue ich nicht ein, komme ich eventuell meinen Terminvereinbarungen nicht nach.

 

Auch hierzu hat das Ift-Rosenheim im Jahr 2012 erneut Regeln veröffentlicht, die diese Situation relativ klar definieren.

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Auch das Klima muss stimmen

(Auszug aus dem Inhalt) Es ist auf das richtige Einbau- und Umgebungsklima zu achten. Man spricht von der sogenannten Ausgleichsfeuchte, die sich in Holzwerkstoffen in Abhängigkeit vom Umgebungsklima einstellt. Die entsprechenden Werte für die Holzausgleichsfeuchte sind in der abgebildeten Tabelle dargestellt.

Mit der Holzfeuchte wird angegeben, wie viel Wasser in Gewichtsprozent im Holz vorhanden ist. Feuchteänderungen, hervorgerufen durch Schwankungen der Luftfeuchte des Raumes, verursachen Aufquellungen und Verformungen.

Daher sollen Holzwerkstoffzargen nicht in feuchte Wände eingebaut werden und die Türen nicht montiert werden, solange die Feuchtigkeit in den Räumen/Gebäuden zu hoch ist. Die Ausgleichsfeuchte UGl sollte zwischen acht Prozent und elf Prozent liegen.

Befinden sich die Lufttemperaturen bei etwa plus 15 Grad Celsius bis plus 20 Grad Celsius, so liegt die Grenze der relativen Luftfeuchtigkeit, die bei längerfristiger Einwirkung noch zu akzeptieren ist, bei circa 60 Prozent. Wenn diese Umgebungsbedingungen vorhanden sind, kann eine Montage vorgenommen werden. (Auszug Ende)

Praxis-Empfehlung: Falls diese Umgebungsbedingungen nicht vorhanden sind, müssen zwingend Entscheidungen getroffen werden, die von großer Wichtigkeit für den Verarbeiter sind, da sie Schaden abwenden.

Es ist unbedingt zu empfehlen, entsprechende Messgeräte einzusetzen, mit denen die Umgebungsbedingungen (Luftfeuchte und Temperatur) erfasst und dokumentiert werden können. Das Foto eines Messgerätes auf der Baustelle mit einer ausgewiesenen Luftfeuchtigkeit von weit über 60 Prozent sollte als Nachweis genügen, wenn auch der Zeitpunkt des Fotos nachgewiesen werden kann.

Wenn das Vorgewerk also einen einwandfreien Einbau des Gewerkes, in unserem Fall der Innentüren, nicht zulässt, sollte eine offizielle „Bedenkenanmeldung“ erfolgen. Diese haftungsbefreiende Bedenkenanmeldung muss schriftlich erfolgen, um wirksam zu sein und im schlimmsten Fall vor Gericht als Beweis zu gelten. Deshalb gilt: Bedenken unbedingt schriftlich anzeigen.

Achten Sie zudem darauf, dass Sie den Zugang der Bedenkenanmeldung beim Auftraggeber auch beweisen können. Hier empfiehlt sich entweder die Unterschrift des Auftraggebers unter der Bedenkenanmeldung oder die Versendung als Einwurf/Einschreiben. Zu guter Letzt sollte der Verarbeiter einen neuen Einbautermin vereinbaren und darauf achten, dass die klimatischen Bedingungen bis zu diesem Termin analog der oben genannten Empfehlung sind.

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