Mechanische Fenstersicherungen zur Nachrüstung, wie sie sich seit vielen Jahren bewährt haben. Foto: Fuhr
05.06.2019 Branche im Blick erstellt von Matthias Fischer

Gebäude nachträglich sichern

Anfang April wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 präsentiert. In Deutschland sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr nochmals. Auch bei den Wohnungseinbrüchen gab es einen deutlichen Rückgang. Mit 97.504 Fällen wurde sogar ein historischer Tiefstand erreicht – minus 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotz veränderter Fahndungsmethoden bleibt die Aufklärungsquote der Polizei mit mageren 18,1 Prozent allerdings sehr gering. Für den Rückgang der Einbrüche gibt es laut Ansicht der Experten mehrere Gründe.

Ein wesentlicher Aspekt ist, dass heute viele Gebäude besser geschützt sind, da die Eigentümer oder Mieter in Schließsysteme, mechanische Nachrüstungen sowie auch elektronische Einbruchmeldetechnik mit Videoüberwachung investiert haben. Und dies zahlt sich aus, denn laut Polizeiangaben ist die Zahl der gescheiterten Einbruchversuche in den vergangenen Jahren zwar stark angestiegen, doch fast die Hälfte der Einbrecher konnte zumindest im privaten Wohnungsbereich die besser geschützten Fenster und Türen nicht überwinden.

Um ein Gebäude sicherer gegen Einbruchversuche zu machen, gibt es viele Möglichkeiten. Fenster und Fenstertüren mit alten Standardbeschlägen können oft nachträglich mit modernen einbruchhemmenden Beschlägen „aufgerüstet“ werden. Natürlich haben solche nachgerüsteten Elemente nicht den RC 2-Standard, doch sie bieten bereits ein deutliches Mehr an Einbruchsicherheit.

Vielfach geht der Trend aber zu „klassischen“ Nachrüstprodukten, die es in unterschiedlichen Ausrichtungen gibt. Wir stellen nachfolgend einige Lösungen für Türen und Fenster vor, die primär für den Einsatz in Privathaushalten und kleineren oder mittleren Objekten gedacht sind.

Weitere Informationen zu Sicherheitstechniken, finden Sie in unserem Fachmagazin „Schloss- und Beschlagmarkt“. Das Magazin können Sie als Abo bestellen oder Sie testen es einfach im Mini-Abo-Format für zwei Monate.

Zum Abohttps://www.baufachmedien.de/schloss-beschlagmarkt-jahresabo-premium.html                               Zu Mini Abo

Da elektronische Sicherheitstechnik immer preiswerter und zuverlässiger wird, setzen sich diese Lösungen verstärkt auch im privaten Bereich durch. Foto: BKS

Bei all dem gilt, dass der Fachhändler dem Kunden zuerst ein für ihn passendes Sicherheitskonzept mit den passenden Produkten zusammenstellt. Auch die Montage sollte durch ein Fachunternehmen erfolgen. Dies gilt auch – vor allem im Objektbereich – für die regelmäßigen Wartungen und eventuellen Prüfungen.

Terrassentüröffner per Funk

Als erster Hersteller bietet Abus nach eigenen Angaben einen smarten Nachrüst-Türöffner für Terrassentüren an. Der Öffner lässt sich per Funk-Fernbedienung oder Funk-Tastatur steuern und die Tür so betätigen.

Mit dieser Lösung lassen sich Haus oder Wohnung über die Gartenseite betreten und verlassen. Wer beispielweise seine Garage zum Garten ausgerichtet hat, kann Einkäufe so auf direktem Wege in Haus oder Wohnung bringen.

Bei der Montage wird einfach nur der herkömmliche Fenstergriff durch den motorisierten Fenstergriff ersetzt. Der batteriebetriebene Griff lässt sich dann per Funk-Bedienung steuern und ermöglicht so das Öffnen und Schließen der Terrassentür. Über die Batterien wird zudem eine lokale Alarmfunktion ermöglicht, die bei jedem Einbruchversuch einen rund 110 dB lauten Ton auslöse und so für ein weiteres Plus an Sicherheit sorge.

Mechanische und mechatronische Fenstersicherungen

Echte Klassiker bei der Sicherung von Fenstern oder Terrassentür sind nachträglich anzubringende Riegel für die Schließ- und Bandseite. Fuhr bietet hier seine Fenstersicherung „Plusprotect 150 V“ an. Diese Nachrüstsicherung lässt sich laut Hersteller besonders schnell und leicht anbringen und ist darüber hinaus ohne Schlüssel zu bedienen.

Die Nachrüstsicherung wird aus stabilem Stahl gefertigt. Sie lässt sich flexibel einsetzen und sowohl an rechten als auch linken sowie an ein- oder zweiflügeligen Fenstern oder Fenstertüren anbringen. Dabei ist es egal, ob die Fenster- oder Terrassentürprofile aus Holz oder Kunststoff gefertigt sind.

Die Nachrüstsicherungen verfügen über verschieden starke Distanzplatten und kommen so den Ausprägungen moderner Fenster mit immer massiveren Flügelseiten entgegen. Dadurch lässt sich der Höhenunterschied zwischen Rahmen- und Flügelseite leicht ausgleichen. Für eine harmonische Anpassung an das Fenster sorgt die dezente Optik. Sämtliche Verschraubungspunkte werden durch Blenden verdeckt, und auch der Betätigungshebel ist farblich an die Fenstersicherung angepasst. Ein wichtiges Sicherungsmerkmal des Produkts ist die VdS-Anerkennung.

Mit dem Fenster-Zusatzschloss „FTS96A“ hat Abus eine Sicherung für Fenster und Fenstertüren im Programm, die eine Kombination aus bewährter mechanischer Verriegelung plus integrierter lokaler Alarmfunktion ist. Während die Riegel über eine Tonne mechanischen Druckwiderstand bieten, werde bereits beim Einbruchversuch ein lautstarkes Alarmsignal ausgelöst. Hierzu wird das Fenster permanent elektronisch mittels Magnetfeldsensorik überwacht. Bereits bei leichten Manipulationsversuchen werde die integrierte Sirene mit einer Lautstärke von 110 dB aktiviert.

Sicherer elektronischer Zutritt per Funk

Bei der Steuerung von Türen und Fenstern im Privatbereich bietet sich Funk an, denn hierbei sind keine Verkabelungs- und anschließenden Tapezierarbeiten nötig. Zugleich sollen Funklösungen ein Höchstmaß an Sicherheit bieten, und sie lassen sich häufig einfach anschließen und in Betrieb nehmen.

Eine Lösung für die Tür bietet BKS mit seinem System „BKS-remote“. Alle Komponenten des Sets sind batteriebetrieben, leicht zu montieren und eignen sich für die Nachrüstung im Bestand. Die Funksignale werden hierbei vor der Übertragung verschlüsselt, damit sie nicht von Dritten aufgefangen und ausgewertet werden können. Nur der berechtigte Empfänger kann das chiffrierte Signal wieder entschlüsseln. BKS setzt dabei auf eine AES-128-Bit-Verschlüsselung. Hierbei „sprechen“ Sender und Empfänger miteinander. Schickt also der Nutzer mittels Tastatur ein Signal an das Türmodul, öffnet dieses nicht direkt das Schloss, sondern antwortet dem Sender. Erst nach einer Bestätigung wird der Befehl ausgeführt. Dieser Dialog wird als „Challenge-Response-Verfahren“ bezeichnet und sorgt für doppelte Sicherheit. Damit Sender und Empfänger wissen, dass sie zueinander gehören, werden sie nach der Installation miteinander verbunden. Dieser Vorgang wird als „pairing“ bezeichnet, denn die beiden Geräte werden zu einem Paar gekoppelt.

In unserem RM-Handelsmedien-Select Shop finden Sie einzelne Artikel und Ausgabe, zu den verschiedensten Themen, aus dem Bereich „Schloss- und Beschlagmarkt“. Schauen Sie rein uns stellen Sie sich Ihre eigene Ausgabe zusammen.

Zum RM-Handelsmedien-Select Shop

Eine schlüssellose Zutrittskontrolle hat auch HOPPE im Angebot. Aus praktischen Gründen, aber auch um Missbrauchsmöglichkeiten zu reduzieren, werden hier zur Identifizierung meist unveränderliche Körpermerkmale wie beispielsweise der menschliche Fingerabdruck als „Schlüssel“ verwendet. Der Hersteller integriert einen Fingerscanner ergonomisch sinnvoll direkt in den Außentür-Beschlag. Um die Tür zu öffnen, wird der Finger über ein in den Griff eingefügtes Scannerfeld gezogen. Aufschließen und Öffnen können so – im Gegensatz zur Bedienung von Scannerfeldern neben der Eingangstür – mit einem einzigen Handgriff erfolgen. Die verwendete Fingerscan-Technik stammt von Idencom, ein den Angaben zufolge führender Anbieter biometrischer Identifizierungssysteme.

Die Scan-Elemente sollen sich sich durch eine große Benutzerfreundlichkeit sowie eine hohe Funktionssicherheit auszeichnen. Und dies selbst unter extremen klimatischen Bedingungen. Das kompaktem Design in Edelstahl macht es möglich, die Fingerscanner harmonisch in HOPPE-Beschläge zu integrieren. Sowohl Stangenbügelgriffe wie auch ein Knopfmodell wurden mit der schlüssellosen Zutrittskontrolle ausgestattet. Damit ist der Anbieter nach eigenen Angaben der einzige europäische Hersteller, der auch einen Türknopf mit Fingerscanner – als Schutzbeschlag oder mit Rosette kombinierbar – im Programm hat.

Perfekt an das Profil angepasst

Deni bietet ein umfassendes Sortiment an mechanischen Nachrüstungen für Türen und Fenster. So beispielsweise die „SVG“-Stangenverriegelung. Sie bietet Sicherheit für die Schließseite von Fenstern und Fenstertüren. Schlanke Aluminium-Abdeckprofile mit hochwertig behandelten Oberflächen in vier Standardfarben, verschiedenen Holzoptiken und vielen möglichen Sonderfarben (RAL) passen sich hervorragend dem Fensterprofil an, sodass die Verriegelung unauffällig mit dem Profil verschmilzt. Die Betätigung erfolgt bequem über die gewohnte Bedienung des Fenstergriffs. Bei geschlossenem Fenster bilden die beiden ausgefahrenen Riegelstangen zwei stabile

zusätzliche Sicherungspunkte nach oben und unten. Ein ganz andere Variante der Fenstersicherung ist der stufenlos justierbare „TR“-Teleskopriegel, der horizontal angebracht wird und so gleichzeitig die Schließ- und die Bandseite absichert. Die zwei gegenüberliegenden Sicherungspunkte des Riegels wirken wie zwei einzelne Nachrüstsicherungen. Der als Baukastensystem in sechs Grundlängen erhältliche Teleskopriegel mit seinen modularen Befestigungskomponenten ist je nach baulichen Erfordernissen individuell kombinierbar. Der innenseitig montierte Riegel ist von außen deutlich erkennbar und wirkt so für viele Täter abschreckend.