Ift-Leiter Professor Jörn P.Lass. Foto: IfH

Der neue Ift-Leiter Professor Jörn P.Lass

Professor Ulrich Sieberath ist zum Ende des Jahres 2019 in den Ruhestand gegangen. Neuer Institutsleiter ist nun Professor Jörn P. Lass (Foto) von der TH Rosenheim.

Sieberath hat im Ift Rosenheim in 37 Jahren Enormes geleistet, insbesondere in den letzten 16 Jahren als Institutsleiter. Durch sein Fachwissen, seine Begeisterung für Technik und Forschung und seinen Ideenreichtum, aber auch durch sein Engagement in der Normung und anderen Gremien hat er das Institut und die ganze Fenster- und Fassadenbranche geprägt – in Deutschland, Europa und weltweit. Nach einer kreativen Pause wird er dem Ift Rosenheim und der Branche als Autor und Referent weiter erhalten bleiben.

Als Nachfolger hat der Vorstand des Ift Rosenheim Professor Jörn P. Lass berufen, der bereits zum 1. Oktober 2019 als stellvertretender Institutsleiter wieder in die Dienste des ift Rosenheim eingetreten ist. Lass ist seit über 36 Jahren in der Fenster- und Fassadenbranche tätig. Den Anfang machte eine Ausbildung zum Glaser und Fensterbauer.

Nach dem Studium der Holztechnik folgten Aufgaben bei einem Systemgeber im internationalen Projektgeschäft sowie die Tätigkeiten als Projektleiter in Fenster- und Fassadenbaubetrieben – zum Schluss als technischer eines mittelständischen Fenster- und Fassadenbauers. Danach folgten 14 Jahre Führungsaufgaben im Ift Rosenheim in den Bereichen Forschung, Prüfung, Güteüberwachung, Normung und Zertifizierung. Die letzten sechs Jahre leitete er als Professor an der Technischen Hochschule Rosenheim die Studienrichtung „Gebäudehülle“.

Zu seinen Ideen und Zielen für das Ift Rosenheim wurde Lass nun befragt.

Was ist Ihre Motivation, die anspruchsvolle Aufgabe als Institutsleiter des Ift Rosenheim zu übernehmen?

Das Ift Rosenheim ist ein Institut mit einem sehr breiten Leistungsspektrum, das im nationalen und internationalen Umfeld bestens vernetzt ist. Es ist nicht nur Prüf- und Zertifizierungsstelle, sondern Impulsgeber, Ratgeber, Regelsetzer, Türöffner, Forscher, Ausbilder und manchmal sogar Lobbyist für die Branche. Diese über die Jahre aufgebaute Expertise mit all meiner Energie und meinem Wissen fortzuführen und weiterzuentwickeln, ist für mich eine große Ehre. Es gibt mir die Möglichkeit, der Branche einiges davon zurückzugeben, was ich in den Jahren lernen durfte, und der Fenster-, Tür- und Fassadenindustrie neue Impulse zu geben.

Natürlich motiviert mich auch die Möglichkeit, die großen technischen Entwicklungen der Vergangenheit fortzuschreiben. Man denke nur daran, wie Deutschland in den 70er Jahren nach der Energiekrise die Fenster- und Fassadentechnik revolutioniert hat. Beispielsweise wurden neue Werkstoffe und Technologien für die Rahmen und für hochwärmedämmende Verglasungen entwickelt. Damit wurden transparente Gebäude erst möglich, die den Baustil und die Architektur bis heute prägen. Jetzt müssen wir Innovationen durch Forschung und Entwicklung fördern, um den nächsten großen Schritt zur Klimaneutralität und Nachhaltigkeit der Gebäude zu gehen.

Was sind Ihre Stärken, die Sie für die anspruchsvolle Aufgabe des Institutsleiters des Ift Rosenheim mitbringen?

Mittlerweile bin ich 36 Jahre in der Fenster- und Fassadenbranche tätig und habe dabei verschiedenste Aufgaben und Positionen innegehabt. Den Anfang machte eine Ausbildung zum Glaser und Fensterbauer. Nach dem Studium der Holztechnik folgten dann Einblicke in das internationale Projektgeschäft bei einem Systemgeber und die Tätigkeit als Projektleiter in Fenster- und Fassadenbaubetrieben bis hin zur technischen Leitung eines mittelständischen Fenster- und Fassadenbauers. In meinen 14 Jahren am ift Rosenheim konnte ich Kompetenzen und Führungsaufgaben in den Bereichen Forschung, Prüfung, Güteüberwachung, Normung und Zertifizierung sammeln. Dabei hatte ich das Glück mit Professor Sieberath einen Mentor an meiner Seite zu haben, der mir in schwierigen Situationen stets mit seiner Erfahrung und seinem Verhandlungsgeschick zur Seite stand.

In der Hochschule konnte ich nicht nur das fachliche Wissen durch die Betreuung von Forschungs- und Abschlussarbeiten ausbauen, sondern auch lernen, Menschen für Technik zu begeistern und Netzwerke zu pflegen. Heute können die komplexen Aufgaben nur noch in interdisziplinären Teams erfolgreich gelöst werden, und deshalb sind meine Erfahrungen aus der Hochschule sehr wertvoll für die anspruchsvolle Herausforderung der Institutsleitung.

Ich bin ein technikverliebter Mensch und habe große Freude daran, Produkte und Prozesse weiter zu verbessern oder durch disruptive Innovationen neue Wege zu begehen. Das mache ich am liebsten in interdisziplinären Teams, denn erst durch die vielen unterschiedlichen Sichtweisen entstehen innovative Lösungen. Daher freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, aber auch mit unterschiedlichen Gremien – vom Ift Beirat und Vorstand bis zu Arbeitskreisen in Verbänden und der Normung. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Kontakte in die Hochschullandschaft ausbauen, um durch gemeinschaftliche Forschung und Entwicklung einen Mehrwert für die Branche schaffen.

Was sind die Ziele für das nächste Jahr, in drei Jahren und in fünf Jahren?

Das Ift Rosenheim hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Diese Position in der Branche gilt es weiter auszubauen. Wir müssen weiter wachsen, um in der globalisierten und digitalisierten Welt zu bestehen. Die Branche unterstützt das Ift Rosenheim nicht aus Tradition, sondern nur, wenn wir der Branche Impulse geben. Wir müssen den Wandel in der Welt mitgestalten. Wenn sich Technologien und Vertriebswege ändern, müssen wir der Branche Ideen und Lösungen zur Umsetzung liefern. Ich denke, dass die energetischen Anforderungen an die Bauelemente in der Gebäudehülle weiter steigen werden, um den Klimawandel zu bremsen oder gar zu stoppen. Hier müssen wir Ideen liefern, wie dies mit unseren Bauelementen bei Neubauten und der energetischen Sanierung machbar ist. Ich glaube, dass Deutschland als eine der ersten Industrienationen die Energiewende schaffen kann. Wir haben in Deutschland das Know-how und die Ressourcen, neue Technologien zu entwickeln und zu realisieren, damit die Welt auch für unsere Kinder lebenswert bleibt. Das Ift Rosenheim wird hierzu seinen Teil beitragen.

Natürlich stehen in den ersten Monaten die Einarbeitung, der Austausch mit den Führungskräften und Kollegen sowie der Aufbau des neuen Labors „Bauakustik + Fassade“ inklusive der internationalen Anerkennung der Prüfungen (UL, AAMA, ASTM etc.) im Vordergrund. Hierbei bin ich froh, dass die operativen Aufgaben hervorragend durch die Geschäftsbereichsleiter betreut werden, die ich alle noch aus meiner früheren Zeit am Ift Rosenheim kenne und denen ich vertraue. Parallel gilt es wichtige Kunden und Partner des Ift Rosenheim persönlich zu treffen und deren Erwartungen abzuholen. Danach werde ich mich verstärkt der Forschung widmen, denn die bisherige Förderlandschaft hat sich stark verändert. Kleinere, praxisorientierte Projekte werden kaum noch gefördert, und für große Verbundprojekte braucht man Finanzmittel, um den geforderten 50-prozentigen Industrieanteil zu stellen. Dies ist nur durch Kooperationen zu bewältigen. Dringende und fordernde Aufgabenstellungen gibt es genug, beispielsweise die Verbesserung der Energieeffizienz durch neue Materialien und Konstruktionen. Die Automatisierung (Smart Home etc.) und Digitalisierung (BIM etc.) werden unsere Branche genauso betreffen wie andere Wirtschaftszweige. Die Forschung wird mich aber sicher auch in drei und fünf Jahren sowie darüber hinaus fordern. Hier werde ich die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule weiter ausbauen. Hinzu kommt dann auch die Einarbeitung in verschiedene Normungsgremien und Stück für Stück die Übernahme der Obmannschaften von Professor Sieberath.

Mittelfristig müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung auch am Ift Rosenheim stärker genutzt werden. Das betrifft nicht nur digitale Vertriebs- und Kommunikationswege und Prozessabläufe, sondern auch den Ausbau digitaler Dienstleistungen. Wir sind mit dem Montageplaner oder dem CE-Generator schon auf einem guten Weg. Simulations- und Berechnungsangebote werden auch in Zukunft weiter ausgebaut, beispielsweise in Kürze mit einem Lüftungsplaner. Das Ift Rosenheim hat den großen Vorteil, dass wir Algorithmen durch eigene Prüfungen validieren können.

Das langfristige Ziel ist es, das Institut als führenden, nationalen und internationalen Anbieter für Entwicklung, Prüfung und Zertifizierung von Technologien der gesamten Gebäudehülle zu etablieren.

Wenn sich die Technologien und Vertriebswege weiterentwickeln, müssen wir dem Markt und unseren Marktbegleitern immer einen Schritt voraus sein und unsere Kunden mit passenden Dienstleistungen zum Erfolg verhelfen. Deshalb werde ich mich auch bei neuen Konstruktionen und Kundenprojekten einbringen. Wir sind keine Bedenkenträger, sondern werden weiterhin durch innovative und praxistaugliche Konzepte und Regelwerke die Branche bei Qualität, Gebrauchstauglichkeit und fairem Wettbewerb unterstützen.

Da wir für die künftigen Aufgaben in der Branche und am Institut hochqualifizierte Mitarbeiter benötigen, werde ich auch weiterhin an der Technischen Hochschule unterrichten und den Ausbau der Ift Akademie forcieren.

Was sind Ihre wichtigsten Leitsätze?

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Technik begeisterter Mensch bin und mein Wissen gern weitergebe. Wenn ich mit Menschen meine Begeisterung für gute Produkte und intelligente Lösungen teilen kann, entstehen die besten Resultate. Die Bereitschaft, sich ständig zu hinterfragen und für alternative Lösungen offen zu sein, ist eine unbedingte Voraussetzung, um Dinge nachhaltig zu verbessern. Das gilt vor allem für den Stopp des Klimawandels als historische Aufgabe der Menschheit und in Verantwortung nicht nur gegenüber meinen Kindern, sondern für alle Kinder dieser Welt.

Ich glaube grundsätzlich, dass man sich ständig weiterentwickeln muss. Deshalb drückt das Zitat von Philip Rosenthal: „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein.“ meine Einstellung treffend aus.

Woher nehmen Sie die Kraft Ihrer Doppelrolle als Professor und Institutsleiter gerecht zu werden?

Die notwendige Energie für diese Aufgaben schöpfe ich aus der Begeisterung für diese Aufgaben und den damit verbundenen Erfolgen, der Zeit mit meiner Frau und meiner Familie sowie auf Reisen mit neuen Entdeckungen und sportlichen Aktivitäten in der Natur.

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