Als bekannt wurde, dass Andreas Kupka, Ex-CEO von Primion, Gründer des Abus Security Centers und ehemaliger Executive Vice President bei Evva, gemeinsam mit der Mittelstandsholding Endurance Capital und der Familie zu Sayn-Wittgenstein die Steinbach & Vollmann GmbH & Co. KG (STUV) erworben hat und Geschäftsführer des Heiligenhauser Traditionsunternehmens wird, ging ein Raunen durch die Branche.
Was Kupka mit STUV vorhat, deutete sich an, als das Unternehmen Wittkopp bekannt gab, die Safe-Sparte von STUV zu übernehmen und im Gegenzug den Bereich Hochsicherheit an die Heiligenhauser abzugeben. Die Redaktion war in Heiligenhaus und sprach mit dem neuen STUV-Geschäftsführer über seine Pläne.
Die Sicherheitsbranche sei wie ein Karussell, sagt Andreas Kupka verschmitzt, „man steigt vielleicht nach ein paar Runden ab, aber dann an anderer Stelle wieder auf“. Verloren gehe der Branche nie jemand. Er selbst fährt schon sein gesamtes Berufsleben auf diesem Karussell mit. „Ich hab mich mit 19 im Jahr 1990 mit einem Schlüsseldienst selbstständig gemacht, seit-dem arbeite ich in der Sicherheitsbranche.“ Darum schlage sein Herz auch noch ein wenig für den Fachhandel, auch wenn dieser bei STUV keine so große Rolle spiele wie bei seinen vorherigen beruflichen Stationen.
Und diese zeugen davon, dass er der Branche nie verloren gegangen ist: Er hat Ende der 90er das Abus Security Center in Augsburg gegründet und mitaufgebaut und war danach, mit einer kürzeren Zwischenstation als Alleingeschäftsführer bei dem Sonnen- und Insektenschutzhersteller Reflexa in Günzburg, bei Evva Sicherheitstechnologie in Wien als Executive Vice President verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Produkte. Seine letzte Station vor STUV war als CEO und Vorstandsvorsitzender bei der Primion Technology AG.
Antrittsbesuche in der Schlüsselregion
„Ich hab gleich am Anfang meiner Tätigkeit hier eine Besuchstour gemacht. Zu meiner Verwunderung waren die Kontakte von STUV innerhalb der Branche, zu den Marktbegleitern und hier vor Ort, nicht gut gepflegt. Man wollte das wohl nicht und war zum Beispiel auch kein Mitglied der Schlüsselregion. Ich habe alle großen Marktbegleiter in der Region angeschrieben und habe mich mit allen getroffen, die Lust und Zeit hatten.“
Auch die Mitgliedschaft bei dem Industrieverein Schlüsselregion wurde schnell nachgeholt – und gemeinsam mit dem Verein rief er im April, zur Hochphase der Pandemie, als in der Region keine Schutzmasken mehr zu bekommen waren, eine Spendenaktion ins Leben. Fast 15 000 Schutzmasken konnte er über bestehende Geschäftskontakte von STUV in China mit den Spendengeldern lokaler Unternehmen ordern und in Velbert, Heiligenhaus und Mettmann verteilen lassen – dort, wo sie zu diesem Zeitpunkt am dringendsten benötigt wurden.
„Die Unternehmen hier in der Region sind wirklich extrem gut vernetzt“, sagt er und man merkt ihm an, dass ihm das gut gefällt. Natürlich gebe es – auch lokale – Wettbewerbssituationen, aber damit habe er kein Problem. Im Gegenteil, er lege sehr viel Wert auf ein gutes Verhältnis und eine aktive Zusammenarbeit. „Die Technologien entwickeln sich so rasant, die Veränderung in den Märkten geht so schnell. Und man wird sich eben fragen müssen: Ist man groß genug, um gewisse Bereiche wirtschaftlich selbst betreiben zu können? Ich glaube ganz stark an Allianzen und an Partnerschaften, und wenn der Standort hier und Deutschland generell langfristig eine Chance haben sollen, dann sollte man schauen, wie man zusammenarbeiten kann.“
Genau so eine Zusammenarbeit ist aufgrund einer dieser Antrittsbesuche entstanden, als Wittkopp bei STUV zu Besuch war. „Ein Win-Win für beide“, wie er erklärt.
Ende Juli dieses Jahres hatte die Carl Wittkopp GmbH (Wittkopp) gemeinsam mit STUV bekannt gegeben, dass sie den Geschäftsbereich Safe von STUV übernimmt. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens wird sich STUV verstärkt auf die Geschäftsfelder Kühl- und Heißgeräteindustrie, Hochsicherheit für den Strafvollzug und Verschlusslösungen für den Stahl- und Blechbau konzentrieren und sich somit aus dem Geschäftsbereich Safe zurückziehen. Wittkopp gehört im Bereich Tresorschlösser zu den führenden Anbietern und investiert nach eigenen Angaben stark in den Ausbau der Fertigung und des Vertriebs, unter anderem durch die Errichtung eines neuen größeren Entwicklungs- und Fertigungsstandortes in Velbert. Ende Juli hatten die Unternehmen eine Übereinkunft dahingehend getroffen, dass Wittkopp den Geschäftsbereich Safe zum 1. September 2020 von STUV übernimmt. Im Gegenzug übernimmt STUV die bestehenden Aktivitäten im Bereich Hochsicherheit für den Strafvollzug von Wittkopp. Darüber hinaus wurde zur Sicherstellung einer reibungslosen Versorgung der Kunden ein mehrjähriger Liefervertrag abgeschlossen, heißt es in der Mitteilung der Unternehmen. Die Fertigungskapazitäten und die Arbeitsplätze sowie das über viele Jahrzehnte erarbeitete Know-how der beiden Traditionsunternehmen bleibe durch die Kooperation der beiden Unternehmen in der Schlüsselregion erhalten.
„STUV hat ein Sortiment von über 40 000 Artikeln. Man ist bisher in fünf Geschäftsbereichen unterwegs, Kühlung, Stahlbau, Blechverarbeitung, Justiz beziehungsweise Hochsicherheit und eben der Bereich Safe. Und wenn Sie sich ein Unternehmen mit 160 Mitarbeitern anschauen, mit solch einer Sortimentsbreite und einer extrem hohen Fertigungstiefe, dann brauchen Sie für eine Wachstumsstrategie eine Fokussierung“, erklärt Kupka. STUV sei in den letzten Jahren praktisch nicht gewachsen, Jahr für Jahr sei es nahezu der gleiche Umsatz gewesen. Zudem habe es kein wirkliches Produktmanagement gegeben, sondern es wurde nach Kundenwunsch gefertigt. Es wurde keine Sortimentsstrategie verfolgt – das ändert sich jetzt unter der neuen Geschäftsführung. „Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, dass STUV wieder für etwas steht und fokussiert seine Ressourcen lenkt.“ Und da sei die Entscheidung klar gewesen: STUV sei Marktführer im deutschsprachigen Raum im Bereich der Beschläge für Kühlräume und im Bereich von Hochsicherheitsschlössern für Justizvollzugsanstalten, „mit wenigen Ausnahmen werden Gefängnisse mit STUV-Schlössern ausgestattet“, erzählt Kupka nicht ohne Stolz. „Ich finde es strategisch gesehen sinnvoll, die Dinge, die man erfolgreich macht, weiter auszubauen. Und über Wachstumsstrategien Richtung Ausland nachzudenken.“ Im Bereich Safe habe aus seiner Sicht in den letzten Jahren eine Konsolidierung stattgefunden. Und so sei der „Deal“ mit Wittkopp konsequent und ein Gewinn für beide Seiten.
Traditionsunternehmen unter neuer Führung
Rückblick: Im November 2019 wurde bekannt, dass das Traditionsunternehmen Steinbach & Vollmann an die Endurance Capital AG, eine auf Beteiligungen an Unternehmen spezialisierte Mittelstandsholding mit Sitz in München, verkauft wurde. Anfang dieses Jahres kam die Information dazu, dass Andreas Kupka Miteigentümer und neben Dr. Martin Meyer-Fackler Geschäftsführer wird. Größter Gesellschafter ist die Familie zu Sayn-Wittgenstein. STUV blickt auf eine 135-jährige Geschichte zurück, in der sich das Unternehmen zu einem Spezialhersteller für Verschlussprodukte und Sicherheitssysteme für die Industrie entwickelt hat. Im Jahr 2018 lag der Umsatz den Angaben zufolge bei rund 20 Millionen Euro. Mit dem altersbedingten Ausscheiden des langjährigen Geschäftsführers Wolfgang Finger wurde von den Gründerfamilien nach einer langfristigen Nachfolgelösung gesucht. „Mit der Konstellation von uns und Endurance Capital als langfristig orientierten Finanzierungspartner und Andreas Kupka als geschäftsführender Gesellschafter haben wir eine für das Unternehmen optimale Zukunftslösung finden können“, sagte Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein Anfang des Jahres zu der Übernahme.
„Die Eigentümerfamilie hat sich ja im letzten Jahr dazu entschieden, die Geschäftsanteile von STUV zu verkaufen, das Unternehmen war ja bis zuletzt in der Hand der Gründer. Und mein Vorgänger, der noch für die Eigentümerfamilie tätig war, ist in Rente gegangen, und so wurde dann ein Käufer gesucht“, erklärt Kupka im Gespräch mit der Redaktion. Gefunden wurde die Mittelstandsholding Endurance Capital, die laut Kupka mittelständischen Unternehmern gehört, unter anderem eben auch der Familie zu Sayn-Wittgenstein. Dazu wurde jemand gesucht, der das Unternehmen führen möchte – und an der Stelle kam er ins Spiel, zunächst nur als Geschäftsführer, in weiterer Folge auch als Gesellschafter. „Ich bin sehr froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich war meine gesamte Laufbahn in mittelständischen, familiengeführten Unternehmen. Ob es Abus war, wo ich viele Jahre war, oder Evva.“ Das seien Familienunternehmen, bei denen Wertemodelle über Generation gepflegt würden. „Dort ist das Ebit nicht das Einzige, was zählt, sondern langfristige Strategien und Werte.“ Die Beziehung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat dort immer eine große Rolle gespielt, und Nachhaltigkeit für die folgenden Generationen. „Bei STUV habe ich das wiedergefunden“, sagt er lächelnd. Er fühle sich sehr gut aufgehoben in einem Unternehmen mit einer solch langen Tradition, einem Wertemodell und mit solch einer hohen Mitarbeitertreue. „Letztens haben wir jemanden verabschiedet, der war seit 45 Jahren bei STUV, das ist schon sehr beeindruckend.“ Die Verbundenheit zum Unternehmen sei groß, ihm gefalle der direkte Kontakt zu den rund 160 Mitarbeitern sehr gut, das war bei Primion mit über 400 Mitarbeitern im In- und Ausland so nicht möglich.
Und auch die neuen Mitgesellschafter seien regelmäßig in Heiligenhaus und hätten „richtig Lust, hier etwas draus zu machen“. Die Begeisterung und der Enthusiasmus seien groß.
Viel Zukunft, viel Platz

Wenn man mit Andreas Kupka über das Werksgelände von STUV in Heiligenhaus geht, fällt sofort auf, dass es noch relativ viel freie Fläche gibt – eine absolute Seltenheit in der Region. Und obwohl das Unternehmen in der Vergangenheit keine explizite Wachstumsstrategie gefahren hatte, wurde dennoch am Standort Heiligenhaus investiert: Im Jahr 2008 wurde eine Solartherme zur Herstellung von Prozesswärme für die Galvanik installiert. Mit 400 Quadratmetern Kollektorenfläche und 210 Kilowattstunden Leistung handelte es sich damals um eine der größten Anlagen in Deutschland. 2012 dann die nächste Großinvestition: Neue Bearbeitungszentren, computergesteuerte Roboter zur Schlüsselherstellung und ein neues automatisches Kleinteilelager (AKL) waren nur einige der wesentlichen Neuerungen. Das 3-gassige vollautomatische Lager wurde mit einer Kapazität von 26 500 Lagerplätzen auch im Hinblick auf ein weiterhin zu erwartendes wirtschaftliches Wachstum geplant.
Für die Zukunft plant er zudem, zu wechseln von einem „responsiven hin zu einem proaktiven Handeln“. Das heißt: Mehr eigene Entwicklung, und diese marktnah und schnell. Er habe das sogenannte Rapid Prototyping eingeführt und mit den rund zehn Mitarbeitern in der Entwicklungsabteilung schon ein erstes Ergebnis vorzuweisen, und das innerhalb von vier bis sechs Wochen. So lange dauerte es nur von der Idee bis zum ersten Prototyp, der den Kunden gezeigt werden kann. Die „Rohrbombe“, wie er das Produkt augenzwinkernd nennt, ist eine multifunktionale, vernetzte Kühlraum-Management- und -Sicherheitslösung, mit der nicht nur die Zutritte zu dem Kühlraum überwacht und aufgezeichnet werden, sondern die auch die Temperatur kontinuierlich kontrolliert und in einer Cloud speichert. Zudem erfülle das Überwachungssystem die bei Kühlräumen verpflichtende Sicherheitsfunktion, dass Personen, die versehentlich im Kühlraum eingeschlossen wurden, darüber leicht Hilfe herbeirufen können. Das Produkt sei batteriebetrieben und damit leicht nachrüstbar. Mit dem funktionsfähigen Prototyp trete StuV nun an Kunden heran, um einige Funktionsdetails abzustimmen.
„Zusammen mit meinem Geschäftsführungskollegen und den Mitgesellschaftern holen wir STUV aus dem Dornröschenschlaf“, sagt Andreas Kupka selbstbewusst, und man glaubt ihm gern, dass er das Heiligenhauser Traditionsunternehmen in eine innovationsreiche Zukunft führen wird.