Entspannt wirken Jens Schlaeger, Vorstandsvorsitzender der Euro Baubeschlag-Handel AG (EBH), und Vorstand Tammo Berner bei der Videokonferenz mit dem Schloss+Beschlagmarkt. Die Gründe dafür erfuhr die Redaktion im Gespräch, das alle lieber direkt geführt hätten. Aber wegen Corona darf das Wuppertaler Unternehmen derzeit keinen Besuch empfangen. Dennoch war es an der Zeit, von den Neuerungen zu berichten.
Der erste Grund zur Entspannung liefern bei der EBH die Jahresumsätze der Mitgliedsunternehmen, die sich trotz Corona voraussichtlich auf Vorjahresniveau bewegen. „Unter Umständen kann auch ein leichtes Plus erzielt werden. Selbst in Frankreich und Belgien, die neben Italien und Spanien von der Pandemie besonders betroffen sind und strengere Lockdowns erlebt haben als Deutschland, ist die Lage erstaunlich gut und die Ergebnisse relativ stabil“, berichtet Jens Schlaeger und zeigt sich mehr als zufrieden über diese Entwicklung. Insgesamt werden die EBH-Mitglieder im Bereich Baubeschlag einen Außenumsatz von voraussichtlich 1,05 Milliarden Euro erwirtschaften, wovon 18 Prozent aus dem Ausland stammen und der Löwenanteil mit 82 Prozent aus Deutschland.
Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Produktgruppen mindestens auf dem Vorjahresniveau. Bei den Bauelementen ist ein Zuwachs von 5,6 Prozent zu verzeichnen, bei den Services und Dienstleistungen, wie Montagen, Facilitymanagement, Konfektionierung, Wartung etc. eine Steigerung von fast sieben Prozent. Deutlich eingebrochen ist das Umsatzwachstum im Bereich Sicherheitstechnik um fünf Prozentpunkte auf ein Plus von 1,6 Prozent, vermutlich aufgrund der Krisenerscheinungen im Objektgeschäft, bei Wartungen sowie im Laden- und Messebau.
Der Ausblick sei ebenfalls recht positiv, „obwohl seriöse Prognosen derzeit nicht möglich sind und auch vor dem 2. Halbjahr 2021 vermutlich nicht sein werden – das hängt sehr von der Entwicklung des 1. Quartals 2021 ab“, so der Vorstandsvorsitzende. Aber sowohl die Mitglieder als auch die EBH selbst gehen derzeit von einem Plus zwischen einem und drei Prozent im nächsten Jahr aus. Würde das erreicht, wäre das laut Schlaeger schon zufriedenstellend. Doch die EBH wächst nicht nur organisch: In den Niederlanden konnte durch eine Akquisition der Grafton Group mit Polvo ein großer Partner dazugewonnen werden. Ferner kann seit Januar 2021 ein neues Mitglied auch in Deutschland begrüßt werden: die Vomberg-Gruppe. Insgesamt zählt die EBH nun 98 Händler mit 437 Standorten. „Dabei bleibt es nach wie vor bei der Philosophie der EBH, aktive Mitglieder mit hoher Verbindlichkeit als Mitglied der Vertriebskooperation zu fördern“, betont Schlaeger.
Eines dieser Qualitätsmerkmale sei das Thema Dienstleistung, das seit Jahren immer mehr in den Vordergrund des Geschehens rücke. Dieser Prozess sei durch Corona noch verstärkt worden, meint der EBH-Chef. „Es hat sich 2020 deutlich gezeigt: Wer im Bereich der Dienstleistungen gut aufgestellt ist, der konnte zweistellige Zuwächse verzeichnen.“
Smarter Ansatz
Daher wundert es auch nicht, dass die EBH eine neue Dienstleistungsplattform für den Smart-Building-Bereich eingerichtet hat, der in der Beschlag-Fachhandelslandschaft durchaus ein Zeichen setzt. Mit dem „Smart World Pool“ bietet die EBH demnächst auf dem gleichnamigen Portal einen durchdachten Lösungsansatz für verschiedene Zielgruppen, wie etwa für die Wohnungswirtschaft.
Auf diesen Lösungsansatz kann selbstverständlich nicht jeder x-beliebige zugreifen, und er kann ihn auch nicht einfach so umsetzen. „Das können nur jene, die sich zuvor über das Ausbildungsprogramm der EBH haben qualifizieren lassen. Die mehrere Tage dauernde Qualifikation eignet sich für Mitarbeiter auf Abteilungsleiterniveau. Sie werden dadurch zu Projektleitern im Bereich Smart Building und müssen anschließend die Fäden ihrer zu betreuenden Projekte in ihren Händen halten können“, erklärt Tammo Berner, der seit September 2020 zum EBH-Vorstand gehört und für die Aus- und Weiterbildungsprogramme im Haus zuständig ist. Zwölf Fachhändler aus dem Kreise der Wuppertaler Vertriebskooperation wollen im Laufe des 1. Quartals 2021 einen ihrer Mitarbeiter entsprechend schulen lassen.
Auf dem Portal des „Smart World Pool“ findet sich für die geschulten Mitglieder neben den detailliert ausgearbeiteten Lösungsansätzen für die unterschiedlichen Zielgruppen auch ein Konfigurator, mit dem smarte Lösungen geplant werden können. Dieser Konfigurator wird in Kooperation mit dem Elektrogroßhandel realisiert. Kommt ein Projekt beispielsweise mit einer Wohnungsbaugesellschaft zustande, übernimmt für das Gebiet, aus dem die Wohnungsbaugesellschaft stammt und wirkt, das jeweilige Mitglied die Projektkoordination, das über einen entsprechend durch die EBH qualifizierten Mitarbeiter verfügt. Dieser Mitarbeiter bringt nicht nur das eigene Unternehmen ins Geschehen mit ein, sondern auch weitere Firmen für die anderen Gewerke. Bei ihm laufen die Fäden, wie bereits erwähnt, zusammen. Jedes Unternehmen trägt aus seinem Gewerk und mit seiner Fachexpertise dazu bei, dass das Projekt gelingt, sodass jeder davon profitiert.
Mit diesem „Smart World Pool“ könnte die Fachhandelsseite unserer Branche im Smart-Home-Bereich endlich eine entscheidende Funktion einnehmen und die schon so häufig prognostizieren Umsatzerlöse erzielen. Das hofft natürlich auch die EBH.
Bildung der Zukunft
Keine Hoffnung, sondern längst Realität ist die digitale Strategie, die die EBH im Januar 2020 ihren Trainern der Aus-, Fort- und Weiterbildungs-Einheiten vorgestellt hat. Obwohl die Trainer größtenteils davon überzeugt waren, dass alles als Präsenzunterricht stattfinden müsse, einigte man sich darauf, dass Kurse zur reinen Wissensvermittlung auch digital veranstaltet werden können sollten. Noch bevor Corona in Deutschland ein Thema wurde, hatte die EBH bereits erste virtuelle Unterrichtseinheiten absolviert. „Die Resonanz der Teilnehmer und der Mitglieder war sehr positiv, viele waren begeistert und die Akzeptanz allseits sehr hoch. Auch anfangs skeptische Trainer sind mittlerweile davon überzeugt“, berichtet Berner über die Umsetzung der digitalen Strategie, die durch die Pandemie schneller Fahrt aufnahm als zuvor gedacht. Die EBH hat hier rechtzeitig die Weichen gestellt und konnte früher als geplant die Ernte einfahren. „Noch nie war die Teilnahme an der EBH-Akademie so hoch wie im Jahr 2020“, freuen sich Berner und Schlaeger sichtlich. Beide blicken optimistisch auf das nächste Jahr.
Aus-, Fort- und Weiterbildung bei der EBH
Die EBH bietet für die besten Auszubildenden eines Jahrgangs mit dem EBH Sprint-Countdown eine Vorbereitung auf die IHK-Prüfung an. Sie umfasst drei Tage Unterricht mit Industriepartnern und mündet in einer Abschlussprüfung.
Die EBH-Highschool richtet sich an Mitarbeiter im Vertrieb unterhalb der Altersgrenze von 30 Jahren. Binnen 15 Monaten werden die Teilnehmer in der Persönlichkeitsentwicklung und im Teambuilding sowie im Verkauf geschult.
Bei der EBH-Akademie werden Lehrgänge für angehende Führungskräfte angeboten, die sich ebenfalls über einen Zeitraum von 15 Monaten erstreckt. Hierbei lernen die Teilnehmer, wie sie mittels ihrer innerbetrieblichen Organisation am besten ihre Zielgruppenmärkte durchdringen und ihren Bereich sowohl operativ als auch strategisch bestens ausrichten.
