Bauinfoconsult Direktvertrieb
Laut einer aktuellen Studie von Bauinfoconsult kaufen Bauunternehmer zunehmend direkt beim Hersteller. Grafik: Bauinfoconsult
23.10.2018 Fachhandel

Studie zeigt Trend zum Direktvertrieb in der europäischen Bauwirtschaft

Laut einer aktuellen Studie von Bau-Info-Consult kaufen Bauunternehmer zunehmend direkt beim Hersteller. Besonders stark zeige sich der Trend in Deutschland, Italien und Spanien.
Hintergrund: In der Baubranche sind vor allem dreistufige Vertriebsmodelle gang und gäbe – sprich: die Baustoffindustrie verkauft ihre Materialien über Baustoff-Fachhändler an die Bauunternehmen. Doch in den Markt kommt laut der Studie zunehmend Bewegung. In letzter Zeit hätten die Marktumfragen von Bau-Info-Consult immer wieder gezeigt, dass Bauunternehmer zunehmend direkt beim Hersteller – also ohne den „Umweg“ über den Handel – kaufen.
In der Studie wurden insgesamt 1.100 mittelgroße und größere Bauunternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Polen in Telefoninterviews zu ihrem derzeitigen Einkaufsverhalten befragt. Dabei zeigte sich zwar, dass der allgemeine Baustoff- und spezialisierte Fachhandel nach wie vor das Einkaufsverhalten dominiert: Neun von zehn der befragten Bauunternehmen kaufen nach wie vor im Fachhandel. Allerdings werde der Direktvertrieb über den Hersteller ebenfalls rege genutzt. Insgesamt beziehen laut der Umfrage 64 Prozent der europäischen Bauunternehmer einen Teil ihrer Einkäufe auch direkt von Herstellern. Vor allem die Bauunternehmer in Deutschland, Italien und Spanien seien dem Direktvertrieb gegenüber aufgeschlossen. Insgesamt erwerben die befragten Bauunternehmen in Europa jeden dritten Materialeinkauf direkt vom Produzenten – wobei die Bestellungen überwiegend (zu 56 Prozent) per E-Mail an den Herstellervertrieb abgegeben werden. Aber auch Telefonbestellungen und Kontakte mit einem Ansprechpartner aus dem Außendienst sind viel genutzte Bestellwege, wenn beim Hersteller eingekauft wird.

In Zukunft dürfte dieser Trend sich nach Einschätzung von Bau-Info-Consult intensivieren – und sich auch in Nachbarländern wie Belgien und den Niederlanden deutlich ausweiten. Das zeigten die Erwartungen der befragten Bauunternehmen, welche Einkaufskanäle sie in Zukunft nutzen wollen. Im Acht-Länder-Schnitt gehen 18 Prozent der Baufirmen davon aus, dass sie in Zukunft mehr direkt bei Herstellern kaufen werden als aktuell. Für diese Erwartung sprechen laut der Studienautoren mehrere Gründe: Zum einen schreite die Digitalisierung der Arbeitsprozesse in der Baubranche voran – das mache Direktvertriebsmodelle auch für die Hersteller mit standardisierten Bestell-, Lieferungs- und Bezahlabwicklungen zukünftig attraktiver. Zum anderen mache die fortschreitende Digitalisierung es für die Verarbeiter einfacher, neben dem Einkauf über den Fachhandel andere Einkaufswege zu beschreiten. Schließlich sei die E-Mail-Bestellung mittlerweile die häufigste Form der Bestellung – egal ob bei Herstellern oder bei anderen in der Studie abgefragten Lieferkanälen wie dem Handel. Dadurch sei die Bindung zum Ladengeschäft der Händler geringer geworden – und auch anderen Bestellformen wie dem Telefon-Einkauf oder den in Zukunft deutlich stärker zu erwartenden Webshop-Einkäufen ist Tor und Tür geöffnet.