Olaf Rützel, Geschäftsführer der Holzring GmbH

02.05.2016

Die Zukunft ist digital

Von Olaf Rützel, Geschäftsführer der Holzring GmbH

Die jährliche Konjunkturumfrage des Mittelstandsverbundes ergibt ein klares Bild: die größte Herausforderung sehen die Unternehmen in der Digitalisierung. „Durch das Internet haben wir neue Konkurrenten aus aller Welt bekommen“ sagt Hauptgeschäftsführer Ludwig Veltmann.

Weltweit nutzten mittlerweile 3,4 Milliarden Menschen das Internet, die meisten davon über Mobilgeräte. In Deutschland sind 80 Prozent der Bevölkerung online, bei den 15 bis 19-jährigen sind es 99 Prozent. Junge Menschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren verbringen durchschnittlich 3,2 Stunden pro Tag mit ihren mobilen Endgeräten. Das Internet wird zur wichtigsten Quelle für Tagesnachrichten. Mehr noch: Das Smartphone hat den persönlichen Alltag verändert. Es stellt eine große Optimierungschance für sehr viele private Prozesse dar, die sich auf einmal flexibel, schnell und übersichtlich beherrschen lassen. Nachrichten schreiben, Termine planen, Aufgaben managen, Flug einchecken, Ernährung optimieren, Wettervorhersagen – all das und noch sehr viel mehr ist durch die intelligente Vernetzung vieler Anwendungen auf einem System plötzlich problemlos und ziemlich synchron möglich und macht den Menschen dabei sogar noch Spaß. Nun geht es darum, Menschen und Dinge zu vernetzen.

Das Internet der Dinge

Die technologische Evolution bleibt nicht stehen, die nächste Entwicklungsstufe kommt schon in Sicht: das Internet der Dinge. Es ist nichts grundlegend anderes als das Internet von heute: ein riesiges Netzwerk miteinander verbundener Computer. Neu ist, dass Prozessoren immer kleiner werden und in Geräte eingebaut werden, die zuvor nicht Teil des Internets gewesen sind. Kühlschränke gleichen den Inhalt mit einer Soll-Liste ab und geben selbstständig Bestellungen beim Lieferdienst auf. Heizanlagen bemerken, ob Menschen im Haus sind und passen die Temperatur entsprechend an. Autos erfassen Standort, Verkehrssituation und Fahrziel und fahren daraufhin autonom. Parkroboter schnappen sich Autos und „sortieren“ sie eng aneinander in Parkhäuser ein, was sehr viel Raum spart. Kurz: Über das Internet kommunizieren nicht mehr nur Menschen mit Hilfe von Computern, sondern auch Dinge. Entlang voreingestellter Parameter erledigen sie ihre Aufgaben ohne Eingriffe des Menschen und entlasten ihn damit. Die daraus folgende Automation wird viel Zeit und Arbeit sparen. Viele Maschinenbauer haben die Optimierungsmöglichkeiten erkannt und reagiert.

Smart Factories

Auch in unserer Branche müssen wir auf diese Möglichkeiten – in Summe Industrie 4.0 genannt – setzen, wenn die Holzindustrie den Anforderungen aus sinkenden Losgrößen und steigender Variantenvielfalt erfolgreich begegnen will. In unserer Branche werden „Smart Factories“ entstehen, in denen durch digitale Vernetzungen Maschinenzustände überwacht und fernbedient werden, in denen papierlos gefertigt wird und digitale Benchmarkanalysen den Prozess optimieren. Die Prozessschritte werden durchgängig digital vernetzt sein. Entsprechende Vorreiter gibt es bereits in der Holzindustrie.

Kundenbindung 4.0

Doch neben der intelligenten Vernetzung von einzelnen Maschinen und ganzen Produktionsstätten, wirkt sich die digitale Transformation auch zunehmend auf den Dienstleistungssektor, auf den Großhandel aus. Sie verändert ökonomische Abläufe entlang der Wertschöpfungskette. Das Internet und die Digitalisierung bieten dem Holzgroßhändler viele Chancen, seine Kunden besser zu bedienen und stärker zu binden. Die Informationstechnologie muss als wesentliches Instrument zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen eingesetzt werden. Das größte Risiko für die Unternehmen besteht darin, diese Potenziale nicht zu nutzen.

Das, was in innovativen Produktionsprozessen in der Holzindustrie beginnt, wird sich in der Wertschöpfungsstruktur über den Handel bis hin zum Verarbeiter, Einzelhändler oder Endverbraucher fortsetzen. Wertschöpfungsstrukturen werden über mehrere Firmen und schließlich bis zum Kunden integriert. Durch verknüpfte Informationsflüsse können die Systeme zentral gesteuert, Entscheidungen intelligent getroffen und direkt umgesetzt werden. Dies hat eine weit reichende Optimierung zur Folge. Selbst komplexe Produkte können bis zu vielbeschworenen „Losgröße 1“ sinnvoll gehandhabt, effizient distribuiert und vermarktet werden. In gewisser Weise findet ein „Schritt zurück zur Manufaktur“ zu industriellen Kostenstrukturen statt. Den Kunden des Holzhandels und der Holzindustrie wird perspektivisch ein neues Werteversprechen gegeben, das auf höhere Differenzierung und Individualisierung abzielt. Perfekt abgestimmte Produkt-/Servicekombinationen treten an die Stelle standardisierter Massenware.

Herausforderungen annehmen

Das klingt gerade vor dem Hintergrund der immer noch sehr schwierigen und zähen Bereitstellung von Artikelstammdaten seitens der Industrie sehr theoretisch und noch zu sehr zukunftsorientiert. Man braucht aber keine Statistiken zu bemühen, um ganz klar sagen zu können: Das Internet der Dinge kommt. Die Verzahnung von Wertschöpfungsstrukturen Industrie und Handel schreitet voran. Die ökonomischen Vorteile dafür liegen auf der Hand.

Die Möglichkeiten sind schier unendlich, aber sind wir in unserer Branche innovativ genug, Mehrwert bringende Ansätze zu entwickeln? Auch wenn die Hausforderungen der Digitalisierung teilweise zu komplex sind, als dass sie von einem Unternehmen allein angegangen werden können, müssen sie als unternehmerische Chance für Holzindustrie und Holzhandel verstanden und gemeistert werden: Und so geht es darum, noch stärker zu kooperieren, übergreifend zu kommunizieren und Erfahrungen austauschen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. 




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