Ein Sinfonieorchester ist in den Augen der meisten Betrachter ein Symbol für Homogenität. Jede Musikerin, jeder Musiker nimmt einen genau definierten Platz ein, die Hierarchien stehen unverrückbar fest. Aber dieses äußere Erscheinungsbild unterscheidet sich gewaltig von den inneren Strukturen und komplexen Arbeitsabläufen, die, vor allem in der Probenarbeit, ein Orchester erst zu einem Spitzenteam formen. Die orchestralen Strategien sind wie der eigene Führungsstil. Es muss ein Konzept umgesetzt oder eine Idee realisier werden. Erst dann können durchaus fruchtbare neue Perspektiven in Bereichen wie Teambildung, Kommunikation und Führung entstehen.
In der Wirtschaftswelt fordern Meinungsführer unentwegt Erfolgsfaktoren wie Kreativität, Flexibilität und Erfahrungsbereitschaft ein. Aber diese edlen Begriffe verhallen im Wind, wenn nicht gleichzeitig eine gesunde Unternehmenskultur geschaffen wird, die engagierte Rhetorik und alltägliche Praxis fruchtbringend vereint. Mehr konstruktive Umsetzung und weniger Verbalakrobatik wären durchaus sinnvoll. Die orchestrale Realität kann dafür als Beispiel dienen.
Wie Unternehmen verfügen auch Orchester über klare Hierarchien und Verantwortungsstrukturen. Jede Instrumentengruppe wird von jeweils einer Führungskraft und einem Stellvertreter geleitet. Der Führungsstil des künstlerischen Abteilungsleiters sorgen für eine harmonische Abstimmung innerhalb ihrer Gruppe, sie prägen das gemeinsame Klangbild und sind für die technische Umsetzung eines Konzepts verantwortlich. Gleichzeitig dirigieren sie ihre Abteilung mit Körperbewegungen von ihrem Instrument aus. Für das übergeordnete Grundkonzept des Orchesters ist dagegen der Dirigent zuständig. Aber ohne die anderen Führungskräfte hätte er keine Chance – zu komplex sind die vielschichtigen Prozesse in einem Sinfonieorchester.
Bauelemente 2019-01-18T11:13:28Z Führungsstil: Was Unternehmen von guten Orchestern lernen können
zuletzt editiert am 24. August 2020