Ein informatives Treffen (v. l.): Ivor Ng, Verantwortung Vermarktung HOPPE-Gruppe, HOPPE Holding AG, Silke Koppers, Chefredakteurin und Senior Programm Management Schloss+Beschlagmarkt, Wolf Hoppe, Unternehmer und Vorstand der deutschen HOPPE AG, sein Sohn Christian, Mitglied der Unternehmensleitung, und Rainer Schratz, Verantwortung Vermarktung HOPPE AG.
Ein informatives Treffen (v. l.): Ivor Ng, Verantwortung Vermarktung HOPPE-Gruppe, HOPPE Holding AG, Silke Koppers, Chefredakteurin und Senior Programm Management Schloss+Beschlagmarkt, Wolf Hoppe, Unternehmer und Vorstand der deutschen HOPPE AG, sein Sohn Christian, Mitglied der Unternehmensleitung, und Rainer Schratz, Verantwortung Vermarktung HOPPE AG. (Quelle: Hoppe)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-04-07T22:00:00Z Noch nicht am Ziel

Zurück zu alter Stärke – so lautet das Motto, das HOPPE dieses Jahr verfolgt. „2019 hat gezeigt: Die Richtung stimmt, aber am Ziel sind wir noch nicht“, erklärt Wolf Hoppe, Unternehmer und Vorstand der deutschen HOPPE AG, im Gespräch mit der Redaktion.

Es sind die Nachwehen des intensiven, seit dem Jahr 2013 umgesetzten Fitness-Programms, die das Unternehmen noch spürt. Zu diesem mittlerweile abgeschlossenen Programm gehörte die Neuausrichtung des Werkes im Erzgebirge als Montage- und Logistikzentrum der Gruppe mit neuem ERP-System und Lagerverwaltungssystem. Insgesamt umfasste die Umstrukturierung in der Gruppe 13 Einzelprojekte, von denen die Optimierung der Produktion eins der größten war. Im Kern ging und geht es um die Bündelung und Fokussierung der Kompetenzen – auch heute noch. „Wir müssen das Neue konsequenter und schneller anwenden. Manche veralteten Gewohnheiten sind immer noch nicht abgelegt, und die Umbruchzeit hat zu lange gedauert. Die Folgen dadurch sind weitreichend“, wertet der 68-Jährige.

Über die Neuheiten aus dem Hause HOPPE informierte Matthias Diehl (Mitte), Produkt-Manager Sortiment HOPPE.
Über die Neuheiten aus dem Hause HOPPE informierte Matthias Diehl (Mitte), Produkt-Manager Sortiment HOPPE. (Quelle: HOPPE)

Gemeint sei damit, dass die Dynamik, aber nicht die Turbulenzen gewollt waren, die das Unternehmen erlebt hat. Von einigen Führungskräften musste man sich trennen, Kunden haben unter Terminverzögerungen sehr gelitten, „und wir haben uns zu Recht einiges anhören müssen“. Dadurch sei eine gewisse Unzufriedenheit entstanden, die auch dazu geführt hat, „dass wir nicht so am Markt teilnehmen konnten, wie sich das für einen Marktführer gehört“, sagt Hoppe.

Für dieses Jahr ist der Unternehmer vorsichtig optimistisch. Alle Führungspositionen sind wieder besetzt, eine gute Voraussetzung, dass der weitere Weg gesichert ist. Beim HOPPE-Produktionssystem (HPS) seien erste Erfolge sichtbar, auch wenn sich das noch nicht auf die Termintreue auswirke.

Markt in China

Gut laufe es dagegen in Nordamerika, Osteuropa und China. „Die Internationalisierung treibt auch uns um. Wir wollen diese aktiv gestalten und dabei stärker wachsen als der Markt. Eine Herausforderung ist die hohe Diversität technischer Standards, um nationalen Normen gerecht zu werden“, weiß Ivor Ng (gesprochen „Eng“) zu berichten, der seit Juni 2019 die gesamte Vermarktung der HOPPE-Gruppe verantwortet. „In jedem Markt treffen wir auf lokale Konkurrenz. Daher besinnen wir uns überall auf die HOPPE-Stärke: Umfassende Kompetenz beim Griff, sowohl mechanisch als auch mechatronisch.“ Dabei fokussiere man sich auf Zielmärkte wie China, wo erneut ein guter zweistelliger Zuwachs zu verzeichnen ist. Das Marktumfeld sei für HOPPE sehr attraktiv, weil viele Kunden dort einen hohen Qualitätsanspruch hätten. So sei für sie das für „Secustik“ typische Klicken ein akustisches Markenzeichen für Qualität geworden. Bislang ist der Griffhersteller vor allem in Chinas Objektgeschäft vertreten, aber nun soll auch die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel verstärkt werden. Derzeit wird dafür ein gezieltes Vermarktungskonzept, inklusive Schulungen, erarbeitet.

Ein Thema, das im Reich der Mitte seit vielen Jahren eine gewichtige Rolle spielt, ist die Position der Marke und ihr Patentschutz. Das Familienunternehmen investiert jährlich einen hohen fünfstelligen Betrag allein in China für Markenschutz, hauptsächlich zur Bekämpfung von Kopien. „Es ist häufig ein Pyrrhussieg – wir haben also mehr Kosten als Entschädigung. Aber sich zu wehren, ist ein ganz wichtiges Signal“, ist Wolf Hoppe überzeugt, und sein Sohn Christian stimmt ihm zu: „Es ist eine wichtige Investition in das Vertrauen des Kunden.“ Vor Ort werden diese Siege auch kommuniziert. Damit wird einerseits das Wissen darüber vermittelt, andererseits aber auch die Fähigkeit der Kunden gefördert, zwischen Original und Fälschung unterscheiden zu können.

Wie in China ist die Entwicklung in Osteuropa recht positiv. Dort entwickle sich gerade ein Trend zu höherpreisigen Produkten. „Den Weg gehen wir dort mit. Den dortigen Preiskampf nicht“, betont Ng und verweist sogleich darauf, dass das hiesige Stammgeschäft und die Stammkunden nicht aus dem Blick geraten dürfen.

Um ihre Zufriedenheit zu erhöhen, wird in der Gruppe aktuell ein neues CRM-System eingeführt, das die direkte Kundenbetreuung nicht ersetzen, sondern unterstützen und für eine höhere Qualität des Kundenkontaktes sorgen soll. „Bessere Informationen für den Kunden und für uns“, resümiert Ng lächelnd.

„Der deutsche Markt bietet positive Rahmenbedingungen, um zu alter Stärke zurückzukehren“, meint auch Rainer Schratz, Verantwortlicher Vermarktung der HOPPE AG, und spielt damit auf die Vermarktungsoffensive für Innentür-Garnituren aus Aluminium an, die mit vier Modellen – zwei neuen und zwei bekannten Formen und neuen sowie bekannten Farben – im März 2019 gestartet wurde. „Made in Europe statt Made in China“, merkt der seit 41 Jahren im Unternehmen tätige Schratz an und lässt damit viele Aspekte anklingen, die das Unternehmen ausmachen: die Fertigung von Qualitätsprodukten zu fairen Bedingungen für die Mitarbeiter und so umweltschonend wie möglich. „Wir haben unser Augenmerk schon auf die Umwelt gelegt, bevor sich die Grünen gegründet haben“, weiß Wolf Hoppe. „Umweltschonung hat bei HOPPE Verfassungsrang“.

Wolf Hoppe begrüßt die globale ökologische Bewegung. „Das Umweltbewusstsein wurde dadurch flächendeckend geschaffen, und das war auch bitter nötig“, lobt das Firmenoberhaupt, das die allgemeine globale Entwicklung hingegen als weiterhin gefährlich einstuft. Der Brexit gefällt ihm verständlicherweise auch nicht, und für die Wirtschaft erwartet er diesbezüglich keine positiven Folgen. „Und was mir in Deutschland maßlos stinkt, ist der wachsende Extremismus – egal von welcher Seite, ob rechts oder links. Das alles sorgt für Unsicherheit, unter der auch die Wirtschaft leidet“, bezieht Hoppe leidenschaftlich Stellung.

Hinzu kommen die Zwänge, mit denen die Baubranche zusätzlich zu kämpfen hat. „In der Branche läuft es grundsätzlich gut, aber der Handwerkermangel ist immer noch ein Problem, und das wird er auch bleiben. Außerdem ist die Konkurrenz durch die Eigenmarken wichtiger Großhandelskunden spürbarer – das kann einem Markenhersteller nicht gefallen“, fasst der Unternehmer die Lage zusammen, nicht resignierend, sondern kämpferisch: „Wir sind noch nicht am Ziel, aber da kommen wir hin.“

zuletzt editiert am 05. November 2020
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