Institutsleiter Professor Lass, Ift-Geschäftsführer Dr. Jochen Peichl.
Institutsleiter Professor Lass, Ift-Geschäftsführer Dr. Jochen Peichl. (Quelle: Screenshot/Redaktion/kosi)

Veranstaltungen 2020-04-14T22:00:00Z Ift meistert Online-Tür- und Tortag

Die für Ende Mai geplanten Rosenheimer Tür- und Tortage absagen, verschieben oder einen Kongress neu denken? Das war im März die große Frage im Institut für Fenstertechnik (Ift). Die Rosenheimer entschieden sich für ein eintägiges Liveprogramm mit einem Mix an Impulsvorträgen, Diskussionsrunden und Interviews. Dies wurde ergänzt durch den Online-Kontakt mit den Referenten und weiteren Vorträgen in der Mediathek. „Mit diesem spannenden interaktiven Programm gehen wir ganz neue Wege, und das fordert unseren ganzen Einsatz. Die Studiotechnik und die Organisation gleichen mehr einer modernen TV-Show als einem klassischen Online-Webinar. Wir sind gespannt auf diese Reise in die Zukunft“, sagte Institutsleiter Professor Jörn P. Lass vor der Veranstaltung. Und war es eine moderne TV-Show? Die Redaktion hat zugeschaut.

Die Krise als Chance verstehen – so lautet ein vielbeschworener Leitsatz dieser Tage, vor allem, wenn Veranstaltungen ins Digitale übertragen werden und viele versuchen, zu betonen, wie vorteilhaft das doch sei für die Umwelt und für das persönliche Zeitmanagement, wenn alle sich die Anreise sparen. Doch ich – und so viel persönlicher Kommentar vorweg ist hoffentlich in Ordnung – ziehe, trotz häufig langer Anreisewege und dem Versuch im Alltag möglichst viel CO2 einzusparen, die persönliche Begegnung unbedingt vor. Nicht nur aufgrund der Gespräche in den Pausen, sondern auch, weil die Aufmerksamkeit für Vorträge und Diskussionen auf einer Bühne viel höher ist als für jene, die man sich allein an einem Bildschirm ansieht. Aber, und auch das sei vorweg geschickt, waren die (wohl nicht ganz freiwillig) ins Digitale verschobenen Rosenheimer Tür- und Tortage sehr gut gemacht und absolut sehenswert, allein schon wegen der charmanten und unterhaltsamen Moderation Manfred Stoffs – samt Kochshow in der Mittagspause – und dabei an den Top-TV-Wissenschaftler Harald Lesch erinnerte. Die Versiertheit und Souveränität, mit der das Ift-Team diese digitale Veranstaltung innerhalb kürzester Zeit aufgezogen hat, hat mich beeindruckt.

Rund 85 Firmenzugänge aus sechs verschiedenen Ländern und insgesamt circa 180 Teilnehmer schalteten sich, teils gemeinsam vor einem Bildschirm, zu, als der Ift-Leiter Professor Jörn P. Lass, der sich seine ersten Rosenheimer Tür- und Tortage als Leiter bestimmt anders vorgestellt hatte, über die Zukunft von Türen und Toren im Allgemeinem sprach. Er geht – wie viele andere auch – von einem deutlichen Einbruch bei den Absatzzahlen aus. Zudem sprach er das Dauerthema Harmonisierungsstau an.

Josef Moosreiner vom LKA München.
Josef Moosreiner vom LKA München. (Quelle: Screenshot/Redaktion/kosi)

Die nächsten 15 Minuten „Sendezeit“ gehörten dem in der Branche mittlerweile sehr bekannten Josef Moosreiner vom LKA München und dort zuständig für die sicherheitstechnische Prävention, der über Einbruchdiebstahlschutz und Kriminalprävention sprach und die Frage stellte „Fühlen wir uns zu sicher?“. Angesichts der stark gesunkenen Einbruchszahlen in Privathäusern und Wohnungen könne dieser Eindruck entstehen – er weist direkt auf die gestiegene Anzahl der Gewerbeeinbrüche während des Lockdowns hin. Einbruchschutz zu verkaufen sei ein schwierig, da es ein erklärungsbedürftiges Thema ist. Doch es lohne sich, sich damit auseinander zu setzen.

Falko Adomat von VDMA.
Falko Adomat von VDMA. (Quelle: Screenshot/Redaktion/kosi)

Über einen besonderen Aspekt der Einbruchhemmung von Beschlägen sprach Falko Adomat vom VDMA Fachverband Sicherheitssysteme (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau). Der Zutritt zu Gebäuden mithilfe von Biometrie-Technik, Chipkarten oder Tokens, Pincodes oder Smart Devices wie dem Smartphone kann Angriffsszenarien bieten, deren Gefahren die Hersteller aber minimieren können. Eine verbindliche Norm gebe es (noch) nicht.

Die Entwicklung der europäischen Baukonjunktur war das Thema von Ernst Rumpeltes von Interconnection Consulting. Er zeigte auf, dass die Entwicklung der letzten Jahre in den einzelnen europäischen Ländern sehr unterschiedlich verlaufen war. Von der Pandemie betroffen sind alle, doch auch hier zeichne sich ein differenziertes Bild – auch, wann es wieder aufwärts geht.

Chancen & Kräfte

Fast schon enthusiastisch war der Vortrag, der eher einem Statement glich, von Dr. Jochen Peichl vom Ift Rosenheim mit dem Titel „Corona – was kommt danach? Chancen und Technologien für mehr Nachhaltigkeit“. „Was bleibt, wenn sich der Nebel des Corona-Einschlags gelichtet hat?“, fragte er und gab Prognosen ab. „Ökonomische Krisen gehören zu unserem Leben und setzen Kräfte frei.“ Aber aufwärts gehen werde es nur für Unternehmen, die jetzt das Fundament für die Zukunft legen. Und die Bedeutung des Staates werde zukünftig steigen, die Wirtschaft werde grundsätzlich eher konservativer agieren und auf Sicherheit setzen. Von einer digitalen Revolution durch die Krise geht er nicht aus, aber durchaus von einem „gewaltigen“ Digitalisierungsschub.

„Turbulenzen aus Brüssel“ vermeldete Christian Kehrer vom Ift Rosenheim – und meinte damit dem Harmonisierungsstau in der Normung. Sein Vortragsfokus lag auf den Beschlägen für Feuer- und Rauchschutzabschlüssen und der Einbruchhemmung.

Die neue DIN SPEC 18194 – Klassifizierung einbruchhemmender Tore (siehe dazu auch Seite 40) war das Thema von Fabian Kutscher vom Ift Rosenheim. Anhand vieler Praxisbeispiele zeigte er, welche Prüfmöglichkeiten es für Tore nach der neuen Klassifizierung gibt. Sein Fazit: Nach fast zehn Jahren bestehe jetzt wieder die Möglichkeit, Tore vergleichbar mit den Produkten der DIN EN 1627 (Fenster, Türen, Fassaden, Abschlüsse) zu prüfen und mit RC 1N – 6 zu klassifizieren.

Den letzten Live-Vortrag der digitalen Tür- und Tortage lieferte Knut Junge vom Ift Rosenheim, der über „sein“ Spezialthema, die Überrollbarkeit von Schwellen, sprach.

Diskussionsrunde mit Manfred Stoff, Marketingleiter beim Ift, Dr. Peichel und Florian Stich vom Ift.
Diskussionsrunde mit Manfred Stoff, Marketingleiter beim Ift, Dr. Peichel und Florian Stich vom Ift. (Quelle: Screenshots/jule/Redaktion)

Das digitale Programm wurde aufgelockert durch einen gelungenen Mix von Vorträgen, Diskussionsrunden und der Beantwortung von Zuschauerfragen, die zahlreich gestellt wurden. Die Diskussionen waren manches Mal an dem Tag sogar lebendiger und die Fragen aus dem Publikum häufiger als bei den Vor-Ort-Veranstaltungen. So hat die neue digitale Normalität vielleicht auch noch weitere Vorteile als „nur“ die gesparte Anreise. Und Show-Character hatte es allemal – das nächste Mal dann mit Chips und Popcorn.

zuletzt editiert am 30. November 2020
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