Silke Koppers, Redakteurin

21.05.2019

Kommentar

It’s all about people

Der Fachkräftemangel ist mit Abstand das größte Risiko viele Fachhandelsunternehmen für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen. Auch in der Industrie ist der Bedarf an guten Mitarbeitern weiterhin hoch – das ist kein Geheimnis. Und es ist auch bekannt, dass mancher Kollege primär dem Ruf des Geldes folgt, der von dem einen oder anderen Hersteller ausgeht.

Doch es ist nicht nur die Frage, wie man als Unternehmen neue Fachkräfte gewinnt, sondern vor allem wie man sie hält. Und es ist nicht immer das monetäre Argument, das überzeugt. Vermutlich sind es auch nicht die Obstschale in der Teeküche oder die kostenlosen Getränke, mit denen Arbeitnehmer dauerhaft gebunden werden können – auch wenn solche Aspekte unbestritten zu einem guten Klima beitragen. Die wichtigsten Gründe, die gegen das Verbleiben am bisherigen Arbeitsplatz oder für das Verlassen einer Firma sprechen, sind laut einer Studie ein fehlender Ausgleich für Überstunden, Spannungen und Ungerechtigkeiten im Team und zu viel Stress durch permanenten Leistungsdruck. Drei Dinge, die ineinandergreifen: Ist der Stress zu groß, wirkt sich das nicht selten schlecht auf die Stimmung unter den Kollegen aus. Fallen dann auch noch viele Überstunden an – die wohl jeder von uns kennt – und werden diese nicht honoriert, sei es mit Freizeit, Geld oder anderen Mitteln, wird das Geduldsfass des Mitarbeiters überlaufen.   

Und das kann am besten einer regeln: der Chef. Er weiß vermutlich, dass er die Mehrarbeit und den Stress nicht kurzfristig abschaffen kann. Aber für den Moment sollte er entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ob eine kleine Bonuszahlung schon reicht, oder ein Jobticket und E-Bike-Förderung besser ist, erfährt er am besten im Gespräch mit den Betroffenen. Langfristig sollte er dann überlegen, wie er Entlastung schafft. Denn viele Menschen lassen sich für eine gewisse Zeit mit verschiedenen Mitteln beruhigen, aber wenn die eigentliche Ursache der Unzufriedenheit nicht ernsthaft in Angriff genommen wird, werden auch sehr loyale Mitarbeiter die Konsequenzen ziehen.

Und jede Führungskraft mit Personalverantwortung sollte sich bewusst sein, dass der Fachkräftemangel nicht nur eine kurzzeitige Erscheinung ist, sondern aufgrund der sich verändernden Altersstruktur ein Dauerthema in unserem Berufsleben bleibt. Daher wird es immer wichtiger, auf die Bedürfnisse seiner Angestellten einzugehen – oder wie es Martin Bertinchamp, Aufsichtsratsmitglied von Nordwest, formulierte: „Der War of Talents ist vorbei, die Talents haben gewonnen.“

Silke Koppers (kosi)


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