Zutrittskontrollsysteme erfahren in Indonesien eine wachsende Nachfrage, konkurrieren aber noch häufig mit günstigerem Wachpersonal. Für Fenster und Türen werden die Geschäftserwartungen eher gering angesehen, zumal die meist geringen Anforderungen auch aus heimischer Fertigung bedient werden können.
Zutrittskontrollsysteme erfahren in Indonesien eine wachsende Nachfrage, konkurrieren aber noch häufig mit günstigerem Wachpersonal. Für Fenster und Türen werden die Geschäftserwartungen eher gering angesehen, zumal die meist geringen Anforderungen auch aus heimischer Fertigung bedient werden können. (Quelle: FVSB)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-02-19T23:00:00Z Metropolen und Regenwälder

Indonesien ist mit rund 265 Millionen Einwohnern nach China, Indien und den USA das viertbevölkerungsreichste Land der Welt, wovon über die Hälfte auf der Insel Java leben. Holger Koch, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB), schaut für den Schloss + Beschlagmarkt auf den Inselstaat, der sich über zwei Kontinente erstreckt.

Fast zwei Drittel der über 17 000 zu Indonesien gehörenden Inseln sind unbewohnt, große Teile des Landes sind Regenwälder. Dafür leben in der Hauptstadt Jakarta rund zehn Millionen Einwohner. Deren Bevölkerungsdichte von rund 15 200 Einwohnern pro Quadratkilometer ist uns fremd: Die am dichtesten besiedelte Stadt Deutschlands ist München mit rund 4 700 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die 35 Millionen Einwohner des Ballungsraumes Jakarta machen ihn nach Tokio zur zweitgrößten Metropolregion unserer Erde. Bei der letzten Volkszählung 2010 wurden zehn weitere Millionenstädte ermittelt, im letzten Jahrzehnt dürften weitere hinzugekommen sein. Bei einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum von drei Millionen Menschen pro Jahr lässt sich die Bedeutung der Bauindustrie für die wirtschaftliche Entwicklung abschätzen.

Nach der Asienkrise 1997/98 hat sich die indonesische Wirtschaft in den beiden vergangenen Jahrzehnten außerordentlich gut entwickelt und konnte regelmäßig Wachstumsraten zwischen fünf und sechs Prozent aufweisen. Da China der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist, haben sich die amerikanisch-chinesischen Handelsstreitigkeiten auch in den Konjunkturprognosen des Inselstaates niedergeschlagen. IWF und Weltbank haben ihre Einschätzungen an den unteren Rand dieses Korridors korrigiert — im internationalen Vergleich ein immer noch beachtlicher Wert. Der Tourismus und die Landwirtschaft sind wichtige Einkommensquellen, aber die Industrie verliert kontinuierlich Anteile an der Wirtschaftsleistung, was auch auf zu geringe ausländische Investitionen zurückzuführen ist. Eine vergleichsweise investitionsfeindliche Gesetzgebung und reglementierte Wirtschaftsbereiche wirken auf ausländische Kapitalgeber abschreckend. Durch die zweite Amtszeit des Präsidenten Joko Widodo, der im April 2019 direkt vom Volk wiedergewählt wurde, sehen Beobachter aber eine Fortsetzung des moderaten Öffnungskurses.

Großprojekte fördern Bauwirtschaft

Die Bauindustrie dürfte für die weitere Entwicklung des Landes weiterhin kräftig an Bedeutung gewinnen, Defizite in der Infrastruktur und die stetige Bevölkerungszunahme sorgen für einen großen Investitionsbedarf.

Indonesiens Wohnbau bedeutet fast immer Appartementbau. Wohntürme mit über tausend Einheiten sind keine Seltenheit. Das verbreitete Prinzip der Vorauszahlung von Mieten für die gesamte Vertragsdauer sorgte für gute Refinanzierungsmöglichkeiten bei den Investoren, hatte in den Jahren von 2004 bis 2014 aber auch für steigende Spekulationen gesorgt. Als im Jahr 2015 viele noch in den Boomjahren geplante Appartements auf den Markt kamen, die Nachfrage aber sank, gerieten die Preise unter Druck. Die prognostizierten Mietpreissteigerungen der nächsten Jahre in Höhe von ein bis zwei Prozent liegen unter der langjährigen Inflationsrate, halten Investoren aber nicht davon ab, allein in der Hauptstadt jährlich weiterhin mit rund 50 000 neuen Wohnungen zu planen.

Der Nichtwohnhochbau entwickelt sich in den einzelnen Sparten unterschiedlich. Der Tourismus bildet sich zu einem immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig heraus, und die Hoteliers setzten weiterhin auf Expansion. Insbesondere die Region Bali profitiert von dieser Entwicklung. Ansonsten konzentrieren sich die Investitionen auf den Großraum Jakarta.

Von der vor fünf Jahren eingeführten allgemeinen Krankenversicherung profitieren inzwischen rund neunzig Prozent der Bevölkerung. Der Nachholbedarf an Gesundheitseinrichtungen ist immer noch hoch, Beobachter sprechen von fast wöchentlichen Fertigstellungen neuer Krankenhäuser.

Der Bau von Bürogebäuden hat in den letzten drei Jahren an Fahrt verloren. Trotzdem steigt das Angebot derzeit noch stärker als die Nachfrage, was steigende Leerstandsquoten zur Folge hat. Projektentwickler sind naturgemäß optimistisch, sprechen aber von durchschnittlich einem Viertel, in Premiumlagen sogar bis zu einem Drittel Leerstand, was die Büromieten nach unten drückt. Es wird nicht damit gerechnet, dass sich an dieser Situation grundlegend etwas ändern wird. In Jakartas Bürodistrikt sind mehrere Projekte mit teilweise weit über 50 000 Quadratmeter Bürofläche noch im Bau. Die Vermarkter von Einzelhandelsflächen stehen vor ähnlichen Problemen. Die zu erzielenden Mietpreissteigerungen liegen unter der allgemeinen Inflationsrate, und die Leerstände steigen, obwohl der private Konsum auch zukünftig als treibende Kraft des Wirtschaftswachstums gesehen wird.

Die Marktchancen für deutsche Produkte und Dienstleistungen werden weiterhin für gut erachtet. Die meisten Objekte werden mit einer höherwertigen Ausstattung für das obere Marktsegment geplant und gebaut. Die mit Abstand besten Aussichten sind derzeit beim Ausbau der veralteten Infrastruktur. Der Bau von See- und Flughäfen, Bahnstrecken, der Energieversorgung, Wasserver- und -entsorgung etc. konnte mit der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte nicht Schritt halten. Die notwendigen Betriebsgebäude bieten auch für deutsche Sicherheitsprodukte gute Marktchancen. Zutrittskontrollsysteme erfahren eine wachsende Nachfrage, konkurrieren aber noch häufig mit günstigerem Wachpersonal. Für Fenster und Türen werden die Geschäftserwartungen eher gering angesehen, zumal die meist geringen Anforderungen auch aus heimischer Fertigung bedient werden können.

Nur wenig Direktexporte

Indonesiens Außenhandel konzentriert sich auf China, Japan, Singapur, die USA, Südkorea und Malaysia. Der steigende Konsum und die geringe Exportquote (17,6 Prozent) sorgten 2018 für ein Außenhandelsdefizit in Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar, wobei die Exporte 180,2 und die Importe 188,7 Milliarden US-Dollar betrugen. Für Deutschland stand Indonesien 2018 auf der Liste der wichtigsten Exportländer mit einem Anteil von 2,2 Prozent auf Platz 50.

Im Beschlagbereich ist der wellenförmige Verlauf der gesamten Exportentwicklung ebenfalls zu verzeichnen. Im Jahr 2018 konnten deutsche Schloss- und Beschlaghersteller nach Angaben von Eurostat Waren im Wert von 5,3 Millionen Euro nach Indonesien exportieren, was 15,3 Prozent über dem Vorjahreswert lag. In den ersten acht Monaten von 2019 gingen die Exporte jedoch wieder um 7,2 Prozent zurück. Bei diesen vergleichsweise geringen Handelsvolumina können aber auch einzelne Warenlieferungen schon für entscheidende Ausschläge sorgen und das Gesamtbild verzerren. Damit liegt Indonesien derzeit zwischen Chile und Ägypten auf dem 57. Rang der Abnehmerländer. Wenn man dieses Exportvolumen dann noch in Relation zur Einwohnerzahl betrachtet, ist das Ergebnis äußerst ernüchternd.

In den letzten fünf Jahren haben sich dabei keine nennenswerten Verlagerungen zwischen den einzelnen Sektoren ergeben: Rund 44 Prozent der aus Deutschland bezogenen Schloss- und Beschlagprodukte werden in der Möbelindustrie eingesetzt, jeweils rund 22 Prozent finden Verwendung in der Bau- beziehungsweise Fahrzeugindustrie. Blickt man zehn Jahre zurück, ist bei den Möbelzulieferern die beste Entwicklung erkennbar.

Im Jahr 2018 konnten deutsche Bauzulieferer die Exporte um 31,6 Prozent auf gut 1,1 Millionen Euro steigern, die bis August 2019 kumulierten Werte zeigen jedoch wieder einen Rückgang in gleicher Höhe. Aufgrund dieses doch recht überschaubaren Volumens wäre eine weitere Aufteilung nach den wichtigsten Produktgruppen unsinnig: Einzelne Projekte können für Ausschläge sorgen, die jedoch keinerlei Tendenzen im Marktgeschehen widerspiegeln.

Indonesien importierte 2018 Schlösser und Beschläge im Wert von 12,5 Millionen Euro aus den Ländern der EU, der deutsche Anteil betrug daran rund 42 Prozent. Wie wenig das ist, zeigt sich erst in Relation zu den gesamten Importen in diesem Bereich. Nach Angaben von ITC/UN Comtrade bezog Indonesien Schlösser und Beschläge im Wert von insgesamt 386 Millionen Euro. Japan (34 Millionen Euro) und Thailand (29 Millionen Euro) liegen seit Jahren auf den Plätzen 2 und 3. China konnte seine Exporte in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifachen und liegt mit Lieferungen im Wert von 256 Millionen Euro unangefochten an der Spitze der Lieferländer. Zu diesem Ranking dürften jedoch auch deutsche Unternehmen mit ihren dortigen Niederlassungen beigetragen haben und Direktexporte fast nebensächlich erscheinen lassen.

Schwer einschätzbares Messeangebot

Die große Bedeutung der Bauindustrie hat zu einem breiten Messeangebot in diesem Sektor geführt. Die zweimal im Jahr stattfindende Indo-Build-Tech beansprucht den Titel Leitmesse für sich. Die Construction Indonesia verweist auf die längste Tradition im Baubereich, und die Konstruksi Indonesia wirbt als jüngste Messe mit dem modernsten Konzept. Komplettiert wird das Angebot der Baumessen von der Mega Build Indonesia, die die besten Kontaktmöglichkeiten zu Architekten und Raumausstattern verspricht. Alle Messen finden in der Hauptstadt statt, allerdings auf unterschiedlichen Messegeländen. Zuverlässige Aussteller- und Besucherzahlen sind kaum zu recherchieren, da meist Parallelveranstaltungen durchgeführt werden, sich aber nicht immer exakt abgrenzen lassen. Derzeit steht keine der Veranstaltungen im Auslandsmesseprogramm des Bundes, was eine Messeauswahl für interessierte Aussteller aus Deutschland hätte eventuell vereinfachen können.

zuletzt editiert am 04. November 2020
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