An der Spitze der Zigbee Alliance stehen viele namenhafte Unternehmen.
An der Spitze der Zigbee Alliance stehen viele namenhafte Unternehmen. (Quelle: Zigbee)

Smarte Gebäude 2020-08-30T22:00:00Z Neue Allianzen

Assa Abloy ist in den letzten Wochen gleich zwei großen Smart-Home-Allianzen beigetreten – dem Connectivity Ecosystem und der Zigbee Alliance. Beide Kooperation setzen sich für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen einzelnen Herstellern ein.

Das Connectivity Ecosystem, eine 2018 gegründete Allianz von Schneider Electric, Danfoss und Somfy, hat Assa Abloy als neuen Partner aufgenommen. Die Allianz strebt nach eigenen Angaben unter anderem an, die Interoperabilität von Produkten und Apps von vernetzter Gebäudetechnik zu erhöhen. Die Gründungsunternehmen hatten die strategische Partnerschaft auf der Light+Building 2018 bekanntgegeben. Der Elektrotechnik-Konzern, der Heizungsspezialist und der Antriebs- und Steuerungshersteller hatten sich damals zusammengeschlossen, um die kommunikative Grundlage für einfach realisierbare Smart-Home-Lösungen mit Komponenten unterschiedlicher Hersteller zu schaffen. Das „Connectivity Ecosystem“ soll die Konnektivität von privaten Gebäuden, mittelgroßen Zweckbauten sowie im Hotelbau vorantreiben. Die Lösungen sollen von qualifizierten Installateuren unterstützt werden. Ein weiterer Bestandteil der neuen Partnerschaft betraf die Schulung der Fachkräfte: Die Installationsbetriebe würden so geschult, dass sie sämtliche Aspekte der Konnektivität bis hin zur Anbindung der Systeme an die Cloud exzellent beherrschen. Bis zum Jahr 2022 wollten die Unternehmen, so gab sie es damals auf einer Pressekonferenz bekannt, der führende Enabler für globale Konnektivität sein. Dies erfordere eine enge Zusammenarbeit mit anderen Industrieunternehmen mithilfe derer weitere durchgängige Lösungen entwickelt werden könnten. Zusätzlich wollten die Beteiligten neue Partner gewinnen. Einer dieser Partner ist nun Assa Abloy.

Das Ecosystem wächst

„Wir freuen uns, dem Connectivity Ecosystem in einer Zeit beizutreten, in der die Menschen mehr denn je nach Möglichkeiten suchen, um sicherzustellen, dass ihre Häuser komfortabel und sicher sind“, sagte Christophe Sut, Leiter von Assa Abloy Global Solutions und Executive Vice President bei der Assa Abloy Group, anlässlich der Bekanntgabe des Beitritts Assa Abloys Anfang Juli. Philippe Delorme, Executive Vice President, Energiemanagement-Mitglied des Executive Committee von Schneider Electric, kommentierte auf der Pressekonferenz: „Partnerschaften wie das Connectivity Ecosystem werden eine wichtige Rolle spielen, wenn wir widerstandsfähigere und nachhaltigere Räume für eine Zukunft schaffen, in der wir mit einer verstärkten Einführung von Elektrifizierung und Investitionen in Technologie rechnen können.“ Und auch Jean-Guillaume Despature, Vorstandsvorsitzender und CEO der Somfy Group, war auf der digitalen Pressekonferenz anwesend, um Assa Abloy zu begrüßen: „Gemeinsam entwickeln wir ein offenes und skalierbares Ökosystem, das in Häuser und Gebäude integriert werden kann und eine intelligentere und vollständige Kontrolle der Wohnräume garantiert.“

Ein Fokus der Allianz sind Hotels. Globale Hotelketten wie Hyatt, Hilton und Marriott seien im Gespräch mit Partnern im Connectivity Ecosystem.

Neu ist Board of Directors

Die Zigbee Alliance, eine Organisation von Unternehmen, die nach eigenen Angaben offene, globale Standards für das Internet der Dinge (IoT) erstellen, pflegen und bereitstellen, hat nur wenige Tage später dann bekannt gegeben, dass die Assa Abloy Group dem Board of Directors der Allianz beigetreten ist. Assa Abloy ist bereits Mitglied des „Connected Home over IP“-Projekts, an dem die Allianz beteiligt ist, und unterstütze Experten bei der Entwicklung des neuen, lizenzgebührenfreien Konnektivitätsstandards für eine verbesserte Kompatibilität zwischen IoT-Geräten.

„Als bedeutender Hersteller von Lösungen für den privaten und gewerblichen Zugang sind unsere Produktlinien auf eine effiziente, zuverlässige und sichere Kommunikation angewiesen, um effektiv arbeiten zu können“, sagte Martin Huddart, Leiter Smart Residential bei Assa Abloy.

Gemeinsame Standards

Wenige Tage zuvor hatte die Zigbee Alliance bekannt gegeben, dass BACnet International, KNX Association, OCF, Thread Group und die Zigbee Alliance zukünftig zusammenarbeiten, um gewerbliche Gebäude besser an den Konnektivitätsanforderungen der Benutzer auszurichten und die Integration intelligenter Bauprodukte zu verbessern. Die Organisationen, die hinter den nach eigenen Angaben führenden Technologiestandards im Bereich der Gebäudeautomation stehen, nennen die Initiative „IP Building and Lighting Standards“ (IP-BLiS). Gemeinsam möchten sie eine sichere IP-basierte Infrastruktur mit mehreren Standards als „Rückgrat“ in der Gebäudeautomation fördern, um die ineffiziente und immer noch weit verbreitete Verwendung von sogenannten Insel-Lösungen zu ersetzen. Zu diesem Zweck solle der Betrieb führender Technologiestandards harmonisiert, die Fragmentierung der Konnektivität für intelligente Gebäude verringert und eine breite Akzeptanz koexistierender Lösungen gefördert werden.

Zwei IP-Zusammenschlüsse?

Das Vorhaben erinnert stark an die Ziele der Arbeitsgruppe mit unter anderem Amazon, Apple und Google für das Projekt „Connected Home over IP“, die im Dezember vergangenen Jahres ausgerufen wurde und an dem die Zigbee Alliance auch beteiligt ist. Damals hatten relevante Smart-Home-Akteure die Gründung einer Arbeitsgruppe bekannt gegeben, die die Entwicklung und Förderung eines neuen, gebührenfreien Konnektivitätsstandards plant, um die Kompatibilität zwischen Smart-Home-Produkten zu verbessern. In dem Projekt „Connected Home over IP“ soll die Sicherheit ein Grundsatz für das Design sein.

Hintergrund: Die Vorstandsmitglieder der Zigbee-Alliance Ikea, Legrand, NXP Semiconductors, Resideo, Samsung Smart-Things, Schneider Electric, Signify (vormals Philips Lighting), Silicon Labs, Somfy und Wulian sind ebenfalls an Bord, um sich der Arbeitsgruppe anzuschließen und an dem Projekt mitzuwirken. Ziel des Connected Home over IP-Projekts sei es, die Entwicklung für Hersteller zu vereinfachen und die Kompatibilität für Verbraucher zu erhöhen. Das Projekt baut auf dem Internet Protocol (IP) auf und ziele darauf ab, die Kommunikation zwischen Smart-Home-Geräten, mobilen Apps und Cloud-Diensten zu ermöglichen und eine Reihe von IP-basierten Netzwerktechnologien für die Gerätezertifizierung zu definieren. Die Industriearbeitsgruppe werde einen Open-Source-Ansatz für die Entwicklung und Implementierung eines neuen, einheitlichen Konnektivitätsprotokolls verfolgen. Das Projekt beabsichtige, Beiträge von markterprobten Smart-Home-Technologien von Amazon, Apple, Google, der Zigbee Alliance und anderen zu verwenden. Das geplante Protokoll soll bestehende Technologien ergänzen, und die Mitglieder der Arbeitsgruppe ermutigen die Gerätehersteller, weiterhin Innovationen mit den heute verfügbaren Technologien zu entwickeln. Soweit die Verlautbarungen Ende 2019 zu „Connected Home over IP“.

Und jetzt kommt noch „IP-BLiS“ dazu. Die Allianz sagt, dass derzeit keine Automatisierungstechnologie verfügbar sei, die alle Anwendungsfälle abdeckt, die zur vollständigen Automatisierung eines Geschäftsgebäudes erforderlich sind. Einige einzelne Gebäudesysteme verwenden immer noch eine Vielzahl proprietärer Lösungen, für die häufig separate hardwarebasierte Gateways und Infrastrukturen erforderlich seien. Diese Fragmentierung führe zu höheren Kosten. Darüber hinaus blieben Synergieeffekte ungenutzt.

Um diese Hindernisse zu überwinden, beabsichtigen die Mitglieder von IP-BLiS nach eigenen Angaben, Lichtsteuerungs- und Gebäudemanagementsysteme mit IT-Netzwerken zu kombinieren, indem sie eine vollständig IP-basierte Konfiguration verwenden und gleichzeitig den Betrieb ihrer technischen Standards entsprechend harmonisieren. Auf diese Weise könnten Daten aus einer Vielzahl von Gebäudesystemen über eine einzige IP-Adresse abgerufen werden.

Durch weltweite Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen werde IP-BLiS den Markt für Gebäudeautomation über die Verwendung von IP-basierten Lösungen aufklären, die Sicherheitsanforderungen ermitteln, die für verschiedene Regionen erforderlich sind, und die Gesetzgebung beeinflussen, um die Akzeptanz zu erhöhen. Unternehmen, die die Ziele von IP-BLiS unterstützen möchten, könnten teilnehmen, indem sie Mitglied einer der teilnehmenden Organisationen werden.■

zuletzt editiert am 16. November 2020
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