Die Nordwest-Vorstände Andreas Ridder und Jörg Axel Simon.
Die Nordwest-Vorstände Andreas Ridder und Jörg Axel Simon. (Quelle: Redaktion/kosi)

Bauelemente 2020-08-17T22:00:00Z Der Fanclub wächst

Nordwest konnte in seinem Jubiläumsjahr erneut ein Rekordvolumen und eine Ebit-Steigerung erzielen. Auch die Anzahl der Fachhandelspartner ist gestiegen und viele Projekte, gerade im Bereich Digitalisierung, sind erfolgreich angelaufen. Aber auch für Nordwest ist der Ausblick in das weitere Jahr 2020 ein Blick in die Glaskugel.

Andreas Ridder und Jörg Simon wirken auf der Bilanzpressekonferenz von Nordwest, die nicht virtuell stattfand, sondern unter Einhaltung der aktuellen Regeln vor Ort, wie ein seit Jahren eingespieltes Team. Dabei ist Ridder erst Mitte vergangenen Jahres von der Holzhandelseinkaufsgemeinschaft Hol-Land zu Nordwest gewechselt. „Ich wollte im Ranking der Verbundgruppen aufsteigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende auf der Bilanzpressekonferenz verschmitzt und bezog sich damit auf ein Umsatz-Ranking der Verbundgruppen, das die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kürzlich veröffentlicht hatte. Dort stand Nordwest auf Platz sieben, Holz-Land hingegen auf Platz 23.

Zuvor hatte Simon das Vegnügen, den anwesenden Journalisten die Zahlen des vierten Rekordjahrs in Folge zu präsentieren. „2019 war klasse, damit könnten wir hier eigentlich auch aufhören“, sagte er in der für ihn typischen, angenehm unaufgeregten Art und erzählte, dass ihm kürzlich jemand gesagt hatte, dass man bei Nordwest eigentlich nicht von Fachhandelspartnern sprechen könnte, sondern von Fans sprechen müsste. Deren Zahl habe inzwischen die 1 111 erreicht.

Neue Höchstwerte

Mit einem Geschäftsvolumen von 3,327 Milliarden Euro wurde der Wert aus dem Jahr 2018 noch einmal deutlich um 9,4 Prozent übertroffen. Das Lagergeschäft habe mit 173,4 Millionen Euro ebenfalls einen neuen Höchstwert erzielt. Damit übertreffe es die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2018 um 6,1 Prozent. Das operative Ergebnis Ebit entwickelte sich laut Nordwest analog zum Geschäftsvolumen und lag 2019 bei 11,5 Millionen Euro. Zu den einzelnen Geschäftsbereichen: Stahl erzielte mit einem Geschäftsvolumen von 1,22 Milliarden Euro einen weiteren Höchstwert und übertrifft den Angaben zufolge den Rekordwert aus dem Vorjahr um nahezu drei Prozent. Die abgesetzte Tonnage konnte dabei sogar um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Diese Entwicklung sei hauptsächlich auf die hohe Nachfrage aufgrund intensiver Bautätigkeiten zurückzuführen.

Im Geschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie habe sich die herausragende Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt. Hier wurde 2019 ein Geschäftsvolumen von 1,161 Milliarden Euro erzielt, das übertreffe das Vorjahr um weitere 3,9 Prozent.

Das wohl größte Projekt von Nordwest in 2020: Ein neues Zentrallager.
Das wohl größte Projekt von Nordwest in 2020: Ein neues Zentrallager. (Quelle: Redaktion/kosi)

Der Bereich Bau erreicht dabei laut Nordwest ein Geschäftsvolumen von 389,4 Millionen Euro und erzielte damit einen Anstieg von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausweitung des Geschäftsvolumens sei hauptsächlich durch den hohen Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe sowie durch die akquirierten Fachhandelspartner begründet. Die einzelnen Händler selbst würden kaum im Umsatzvolumen wachsen, erklärte Simon auf der Pressekonferenz, das Wachstum von Nordwest sei aber durch die Gewinnung neuer Fachhandelpartner möglich geworden.

Der Bereich Handwerk & Industrie steigert das Geschäftsvolumen um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert auf 771,7 Millionen Euro. Der Bereich profitiere von der guten Auftragslage im Handwerk.

Der Geschäftsbereich Haustechnik habe laut Bilanzmitteilung im vergangenen Geschäftsjahr den Turnaround geschafft und steigerte das Geschäftsvolumen um 17,4 Prozent auf 214,9 Millionen Euro.

Am bemerkenswertesten ist aber wohl das (erneute) Wachstum des Factoring-Bereichs, also unter anderem die Vorfinanzierung von bereits entstanden Kundenforderungen und die Übernahme des Debitorenmanagements. Der durch die Factoring-Aktivitäten der Team-Faktor NW GmbH geprägte Geschäftsbereich Team-Faktor/Services konnte das Volumen im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern und übertrifft laut Nordwest mit einem Geschäftsvolumen von 725,5 Millionen Euro den Vorjahreswert um 32,6 Prozent. Das stetige Wachstum der letzten Jahre zeige, dass Team-Faktor NW das Potenzial bei kleinen und mittleren Unternehmen im Segment der kleinvolumigen Rechnungsstrukturen frühzeitig erkannt und sich als Nischenspezialist etabliert habe. Im Verbund mit Nordwest sollen einzelne Leistungsbausteine der Team-Faktor NW bis hin zum Angebot einer gesamten Buchhaltungs-Lösung das Dienstleistungspaket abrunden.

Und dann kam Corona

Von den Auswirkungen der Pandemie war Andreas Ridder in ganz besonderer Weise betroffen, wie er auf der Bilanzpressekonferenz erzählte, den er wohnt in Warendorf bei Gütersloh, einer der Orte, die Ende Juni Corona-Hotspot wurden. „Ich bin übrigens negativ getestet, ich wollte einfach weiterhin ausreisen aus meinem Landkreis“.

Auf der Pressekonferenz berichteten die beiden Vorstände aber natürlich auch, welche Maßnahmen das Unternehmen ab März ergriffen hatte.

Es wurde ein Corona-Info-Newsletter ins Leben gerufen, der anfangs täglich uns später bis zu zwei Mal wöchentlich, je nach Meldungslage, informierte, zum Beispiel über Kurzarbeitergeld, Corona-Soforthilfen oder Hygenieschutzverordnungen. Die Fachhandelpartner wurden zudem unterstützt bei der Beantragung von Soforthilfen. Zudem hat sich die Krise in gewisser Weise als Digitalisierungskatalysator erwiesen: Nordwest hat allen seinen Partnern die Einrichtung eines individuellen e-Shops innnerhalb von 48 Stunden angeboten.

Zudem setzte das Unternehmen in den vergangenen Monaten alles daran, um die Lieferfähigkeit insbesondere bei sensiblen Artikeln aufrecht zu erhalten und Nordwest entsprechend zu bevorraten, so dass bei den Handelspartnern Engpässe möglichst vermieden werden. Gerade bei Schutzmasken habe das krasse Ausmaße angenommen, wie Ridder erzählte, Nordwest habe viele dubiose Angebote bekommen und abgelehnt. Man habe stets darauf geachtet, dass nur zertifizierete Ware eingekauft wird.

Er betote zudem die gewachsene Bedeutung der Abholboxen für den Fachhandel. Nordwest bot seinen Fachhändlern eine Sonderaktion mit dem Lieferanten Renz zu Click & Collect-Anlagen, und versuchte so, eine kontaktlose Warenübergabe zu ermöglichen.

Zudem wurden Angebote geschaffen für relevantes Corona-Zubehör wie zum Beispiel Spuckschutze, Abstandshalter und Aufkleber für alle Bereiche des stationären Handels.

„Wir sind uns bewusst, dass dieses Jahr für alle eine große Herausforderung darstellt und dass insbesondere die von uns eingeleiteten unterstützenden Maßnahmen noch länger andauern werden. Dieser Verantwortung stellen wir uns gerne. Wie lange die Krise anhalten wird, welche tiefgreifenden Auswirkungen sie mit sich bringt und ob sich eine weitere Verschlechterung im Zeitablauf ergeben wird, wissen wir nicht. Ebenso ist unklar, was eine zweite Welle der Pandemie für Auswirkungen bringen würde. Was wir aber wissen ist, dass wir auch weiterhin für alle Industrie- und Fachhandelspartner ein verlässlicher Partner sein werden. Insbesondere in der Krise“, bekräftigen die beiden Vorstände.

Die Zahlen Januar bis Juni 2020

Die ersten Monate des Jahres 2020 seien trotz extremer Randbedingungen zufriedenstellend erfolgreich. Der Nordwest-Konzern erreichte zum 31. Mai nach eigenen Angaben ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 3,7 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 3,8 Millionen Euro, der Rückgang im Vorjahresvergleich entspricht einem Minus von1,5 Prozent. Im genannten Berichtszeitraum konnten laut Bilanzmitteilung alle Geschäftsbereiche ihr Geschäftsvolumen dennoch im Vergleich zum Vorjahr steigern. So erzielt der Kerngeschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie per 31. Mai ein Geschäftsvolumen von 510,7 Millionen und übertraf damit das Vorjahr um 1,4 Prozent. Der Geschäftsbereich Stahl erreicht ein Geschäftsvolumen von 556,8 Millionen Euro, ein Plus von 6,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Und auch der Geschäftsbereich Team-Faktor/Services verbessert mit einem Geschäftsvolumen von 380,7 Millionen Euro, das einem satten Plus von 52,1 Prozent gegenüber des Vorjahresvergleich entspreche.

Ebenfalls positiv sei die Entwicklung im Geschäftsbereich Haustechnik mit einem Anstieg des Geschäftsvolumens um 19,2 Prozent auf 108,5 Millionen Euro.

Die positive Entwicklung des Geschäftsvolumens habe sich auch im Juni fortgesetzt. Mit einem Geschäftsvolumen von 1,85 Milliarden Euro sei der sehr gute Wert aus dem Vorjahr noch einmal um 13,7 Prozent übertroffen worden. Dabei hätten sich ausnahmslos alle Geschäftsbereiche positiv entwickelt. So erreichte beispielsweise der Geschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie mit einem Geschäftsvolumen von 609,1 Millionen Euro einen Anstieg von Plus drei Prozent. Dabei sei hier in der Krise eine deutliche Zweiteilung spürbar. Gerade die industrienahen Bereiche können die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit nicht fortsetzen und hätten zum Teil deutliche Rückläufe des Geschäftsvolumens hinzunehmen. Die baunahen Bereiche hingegen und die Bereiche des technischen Handels und Arbeitsschutzes könnten trotz erschwerter konjunktureller Rahmenbedingungen Zuwächse erzielen.

Und auch der Geschäftsbereich Team-Faktor/Services bleibe auf Erfolgskurs. Angetrieben durch den weiteren Ausbau des Kundenstamms wird per 30. Juni laut Bilanzmitteilung ein Geschäftsvolumen von 457 Millionen Euro und damit ein Anstieg von 48,7 Prozent erzielt.

„Inwieweit wir diese insgesamt positive Entwicklung auch in der zweiten Jahreshälfte weiter fortsetzen können, ist derzeit nicht verlässlich absehbar. Hier werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie sicherlich weitere Spuren hinterlassen. Eine Prognose werden wir daher auf das Jahresende nicht vornehmen“, sagten die Vorstände.

Datenqualität und Digitalisierung

Beim Thema Produktdatenqualität und Digitalisierung spricht Ridder von einem „missionarsartigem“ Umgang. „Wir sehen uns da als Motor, als Maschine, die das antreibt.“ Gerade die Digitalisierung der Artikelstammdaten sei sehr wichtig. Ein wenig in Richtung Missionarsarbeit geht auch die neue Unterstützung im Marketing für Fachhandelspartner, die Nordwest derzeit gemeinsam mit dem Dienstleister Opus auf den Weg bringt.

Und Nordwest wäre nicht Nordwest, wenn sie nicht zur Bilanzpressekonferenz mit einem großen Zukunftsprojekt rausrücken würden. In diesem Jahr heißt das Projekt „Megalager 2.0“ und ist der Plan, ein neues Zentrallager zu errichten, ein Grundstück mit einer Größe von rund 120 000 Quadratmetern sei bereits im mitteldeutschen Raum reserviert.

58 000 Quadratmeter überdachte Hallenfläche seien geplant und bis zu 37 000 Auftragspositionen am Tag. Das neue Lager sei auch eine Reaktion auf die Entwicklung, dass immer weniger ganze Paletten aus dem Nordwest-Lager geordert werden würden, sondern immer mehr einzelne Paketsendungen. Ob Nordwest das Zentrallager komplett eigenständig organisieren und betreuen wird oder es mit einem Dienstleister gemeinsam durchführt, sei noch nicht entschieden.

1 111 – eine magische Zahl. Diese hat Nordwest Ende Juni gemeinsam mit den Handelspartnern erreicht. Denn genau so viele Händler arbeiten mittlerweile mit dem Dortmunder Unternehmen zusammen.

Der 1 111. Nordwest-Handelspartner ist das Unternehmen F. W. Waldhausen aus Übach-Palenberg bei Aachen. Das Familienunternehmen wird in zweiter Generation von Hans-Hartmut Waldhausen und seiner Schwester Renate Waldhausen-Krick geführt. Mit Carsten Waldhausen und Edgar Krick stehe bereits die dritte Generation in den Startlöchern. Über 50 Mitarbeiter sind an den Standorten Hückelhoven (Einzelhandel), und Übach-Palenberg, dem Hauptsitz mit dem Baustahlhandel und dem eigenen Biegebetrieb sowie einem weiteren, größeren Einzelhandel, beschäftigt. Zudem gibt es ein Stahlaußenlager in Wismar, von dem aus die Kunden bundesweit beliefert werden, einen Online-Shop und eine Barbecue-Grill-Abteilung.

Vor über einem Jahrzehnt war der Stahlhändler, der zudem Bauelemente und Eisenwaren in seinem Portfolio anbietet, schon einmal Handelspartner von Nordwest. Jetzt hat sich die Geschäftsführung entschieden zurückzukehren.

„Uns haben definitiv die neuen Konzepte, die viel frischen Wind mitbringen, überzeugt. Und auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist uns mit dem Stahlteam rund um Claudio Kemper und Christopher Rüther wichtig“, berichtet Carsten Waldhausen, „deswegen war es für die Geschäftsführung und auch für mich der richtige Schritt, die Zusammenarbeit erneut aufzunehmen.“

Bei Nordwest freut man sich sehr über die Neuaufnahme und Rückkehr in den Verband, die zudem durch die Zahl 1 111 einen starken Symbolcharakter hat. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und sind stolz, dass uns Familie Waldhausen ihr Vertrauen schenkt“, so die Vorstände Andreas Ridder und Jörg Simon.

zuletzt editiert am 16. November 2020
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