Eine im April durchgeführte Kurzumfrage unter den Teilnehmern der Wirtschaftsinitiative Smart Living (WI SL) zeigt: Die Corona-Krise bietet große Chancen für viele Smart-Living-Angebote. Der wenige Wochen zuvor veröffentlichte Smart-Living-Monitor der Wirtschaftsinitiative prognostiziert dem Smart-Home-Markt bereits vor der Corona-Krise steigende Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent pro Jahr.

Etwa zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten rechnet, ausgelöst durch die Beschränkungen, mit einem stärkeren Interesse. Vor allem bei Anwendungen oder Produkten der Smarten Gesundheit, Smart Education und Smart Governance ist aus Sicht der WI SL-Teilnehmer langfristig ein deutlich erhöhtes Interesse zu erwarten.
Die Umfrage versteht sich als Blitzlicht, das die Stimmung in der Branche misst. Diese sollte nach Einschätzung der Befragten langfristig optimistisch sein: Die Antworten zeigen, dass es kaum einen Smart-Living-Bereich gibt, der nicht langfristig durch die Corona-Krise profitieren wird. Fast allen Segmenten wird eine gleiche bis steigende Bedeutung zugewiesen.

97 Prozent sagen dem Bereich „Smarte Gesundheit“ langfristig ein höheres Interesse voraus. Dazu zählen unter anderem Frühdiagnosen zu Hause, die Betreuung älterer Menschen, Fitness Apps und Wearables. 89 Prozent der befragten Mitglieder stimmen zu, dass intelligente Assistenzsysteme, die sicherstellen können, dass es älteren Menschen oder Risikogruppen zu Hause gut geht, zukünftig einen höheren Stellenwert bekommen werden. 94 Prozent erwartet bei Anwendungen der Smart Education ein gesteigertes Interesse. Lernen zu Hause und eine intelligente Lernumgebung werden auch nach Corona stark an Bedeutung zunehmen. Dem Bereich Smart Governance, zu dem unter anderem digitale Behörden- und Verwaltungsangelegenheiten wie Wohnsitzummeldung oder Kindergeldbeantragung zählen, messen rund 92 Prozent einen höheren Stellenwert bei. Während smarte Geräte für 59 Prozent sowie der Bereich Vernetzung und Steuerung für 55 Prozent der Befragten einen gleichbleibenden Stellenwert haben werden, rechnet jeweils ein Drittel mit einem höheren Interesse in diesen Segmenten.
An der Online-Umfrage beteiligten sich 63 Personen aus dem Kreis der Teilnehmer der Wirtschaftsinitiative Smart Living in der Zeit vom 14. bis 21. April 2020. Die Personen nahmen als Vertreter von teilnehmenden Unternehmen (56 Prozent), Verbänden (36 Prozent) oder Institutionen (acht Prozent) teil.
Märkte unter der Lupe
Deutschland ist nicht nur der weltweit drittgrößte Markt für Smart-Home-Anwendungen, der Umsatz für Smart-Home-Produkte wird hierzulange auch in den kommenden Jahren dynamisch wachsen. Das ist eines der Ergebnisse des Smart-Living-Monitors der Geschäftsstelle Smart Living, der die Entwicklungen der Märkte für Smart Living in Deutschland, Europa und den „Smart-Living Hots-Spots“ in Asien und den USA abbildet und miteinander vergleicht. Die Zahlen wurden vor Beginn der aktuellen Situation rund um Covid-19 errechnet.
Untersucht wird darin die aktuelle Marktsituation für Smart-Living-Anwendungen über das vernetzte Zuhause hinaus in den Bereichen Gesundheit, Verwaltung, Verkehr und Finanzen.
Dargestellt werden besonders auch lokale Charakteristika der verschiedenen Ländermärkte und damit verbundene Chancen. So wird unter anderem deutlich, dass mit der zunehmenden Anzahl sogenannter Prosumer, die nicht nur Strom beziehen, sondern auch erzeugen, das Home-Energy-Management künftig enormes Entwicklungspotenzial besitzt. Davon können gerade deutsche Anbieter, die in diesem Feld stark aufgestellt sind, profitieren.
Demnach holt Europa gegenüber Nordamerika, dem nach wie vor führenden Markt für Smart-Living-Anwendungen, auf.

Das Wachstum in diesem boomenden Sektor wird für Ende 2023 auf 63 Millionen Haushalte in Europa geschätzt, was einer Marktdurchdringung von mehr als elf Prozent entspreche. Damit gehe ein prognostizierter europäischer Gesamtumsatz von 27,4 Milliarden Euro in 2023 einher. Deutschland, Großbritannien und Frankreich sind laut Smart-Living-Monitor die führenden Länder in Europa, gefolgt von Italien und Spanien. Anwendungen mit Bezug auf die Gebäudehülle, das heißt Energiemanagement und Kosteneinsparungen bei Verbrauchsmedien seien Haupttreiber des europäischen Smart-Home-Marktes, gefolgt von Sicherheit und Komfort.
Für den Komfortbereich Sprachassistenz sei ein europäisches Gleichgewicht zu den Angeboten aus den USA (und auch Asien) jedoch nicht in Sicht.
Versicherungsprämien in Verbindung mit Smart-Home-Technologien
Versicherungsunternehmen entwickeln sich ebenfalls zu einem Treiber von Smart-Living-Anwendungen. Sie beginnen zum Beispiel Versicherungsprämien mit Smart-Home-Diensten für die Sicherheit von Eigenheimen zu verbinden, um große Schäden durch Feuer, Wasserlecks oder Einbruch zu vermeiden, da diese für die Unternehmen im Leistungsfall eine der größten Kostenpositionen darstellen.
Wesentlich höher als zum Beispiel in den USA seien die Ansprüche europäischer Nutzer an die Datensicherheit und die Wahrung der Privatsphäre. Hier und in den ebenfalls deutlich ausgeprägten Anforderungen an komplexe Services für Installation und Betrieb der Anwendungen könnte eine Chance für europäische Anbieter liegen, heißt es in der ausführlichen Auswertung der Daten des Smart-Living-Monitors.
Der Smart-Living-Markt in Deutschland
Die Umsatzvolumina für Smart-Home-Produkte und Produktsegmente in Deutschland haben sich laut Smart-Living-Monitor in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Für die nahe Zukunft sei von Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent pro Jahr auszugehen. Damit bilde Deutschland den weltweit drittgrößten Markt für Smart-Home-Anwendungen. Mit dieser Diffusion bei den Smart Homes gehe ein Wachstum bei den durch das Smart Home ausgelösten Umsätzen in Smart-Living-Anwendungen einher. Vor allem die Anwendungen in Smart Healthcare, in der Smart Mobility und im Finanzdienstleistungsbereich zeigten Zuwächse. Insgesamt werde das Smart-Living-Marktvolumen in 2023 bei 38 Milliarden Euro erwartet, wobei ein Großteil durch wachsende aus dem Smart Home angestoßenen Finanzdienstleistungsumsätzen resultieren.
Die deutschen Unternehmen seien im Smart-Home-Markt vor allem in den Anwendungen stark vertreten, die sich in der Gebäudehülle befinden. Dies gelte unter anderem für Anwendungen im Bereich der elektrischen Systeme und des Heizungs- und Warmwasserbereichs. Anwendungen wie Lichtsteuerung, Rollläden- und Markisensteuerung seien hier ebenso zu nennen wie Anwendungen der intelligenten Heizungssteuerung.
Mit der wachsenden Anzahl der Prosumer-Haushalte bilde das Home-Energy-Management einen weiteren Einstiegsmarkt für deutsche Hersteller. Im Smart-Living-Markt seien die deutschen Unternehmen bisher nur in einem geringen Umfang präsent. Im Bereich der Smart Healthcare, der Smart Mobility und der neuen Finanzdienstleistungen wie auch der Sprachassistenten würden häufig Anwendung ausländischer Hersteller für private Nutzer angeboten. Der Bereich der Sprachassistenten werde derzeit trotz deutscher Angebote von amerikanischen Angeboten dominiert.