Hausgemachter Rückenwind: Christoph Hugenberg (r.), Vorsitzender der Geschäftsführung des Wohndachfenster-Produzenten, berichtete der Fachpresse über die eigenen positiven Zahlen und über die Entwicklung des Dachfenster-Marktes, der dagegen eher ein „ernüchterndes Bild“ zeige.
Hausgemachter Rückenwind: Christoph Hugenberg (r.), Vorsitzender der Geschäftsführung des Wohndachfenster-Produzenten, berichtete der Fachpresse über die eigenen positiven Zahlen und über die Entwicklung des Dachfenster-Marktes, der dagegen eher ein „ernüchterndes Bild“ zeige. (Quelle: Redaktion/ts)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-02-17T23:00:00Z Kundennutzen an erster Stelle

In einem insgesamt schwierigen Marktumfeld verzeichnete die Roto Gruppe mit ihrer Division Dachsysteme-Technologie (DST) in 2019 bisher eine „erfreuliche Firmenkonjunktur“. Wie das gelingen kann, führte Christoph Hugenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf einer Fachpressekonferenz am Stammsitz in Bad Mergentheim weiter aus

Per Ende September erzielte DST für Deutschland und damit für den nach wie vor mit Abstand wichtigsten Markt ein „gutes einstelliges Umsatzplus“, das unter anderem einem „optimierten Produktmix“ zu verdanken sei. Der Jahresverlauf war hier durch ein starkes erstes Quartal, zwei schwache Monate (Mai und Juni) und ein wieder erfolgreiches drittes Quartal geprägt. Dabei seien die gegenwärtigen Bedingungen im Heimatmarkt durch die fehlenden Handwerker-Kapazitäten und den dadurch bedingt schwierigen Sanierungsmarkt durchaus herausfordernd, wie Christoph Hugenberg ausführte.

Auch mit dem bisherigen Abschneiden des Unternehmens in Europa zeigte sich Hugenberg zufrieden. Besonders die stabile Geschäftsentwicklung in Westeuropa sei bemerkenswert, führte er aus, „weil wir uns aus Großbritannien zurückgezogen haben“. Diese mit einem bewussten Umsatzverzicht verbundene Entscheidung war, wie es vor Ort hieß, nicht durch den Brexit, sondern durch den aggressiven Online-Vertrieb und die daraus resultierende Abkehr vom professionellen Fenstereinbau in Großbritannien motiviert. Das sei aber kein Rückzug für immer, wie Hugenberg betonte. Erheblich mehr Freude machte dem DST-Chef zurzeit das Osteuropa-Geschäft. Hier stehe – wie schon 2018 – ein „kräftiges Umsatzplus“ zu Buche. Mit dem einstelligen Wachstum in Südeuropa zeigte sich der Produzent deshalb sehr zufrieden, weil er sich damit vom negativen Markttrend in Österreich und der Schweiz abkoppeln konnte. Im klassischen Exportgeschäft schließlich sei die gute Entwicklung in der Ukraine, Kroatien und anderen östlichen Ländern hervorzuheben. „Nun gilt es, das Erreichte im 4. Quartal zu stabilisieren und vielleicht sogar noch weiter zu verbessern“, blickte Hugenberg optimistisch nach vorn.

Schauplatz des 14. Internationalen Fachpressetages: der Hauptsitz der Roto Frank Dachsystem-Technologie in Bad Mergentheim. Dass Areal umfasst insgesamt 70.000 Quadratmeter mit Produktion, Lager, Logistik, Verwaltung, Ausstellung, Trainingscenter und einem Innovationszentrum (im Vordergrund).
Schauplatz des 14. Internationalen Fachpressetages: der Hauptsitz der Roto Frank Dachsystem-Technologie in Bad Mergentheim. Dass Areal umfasst insgesamt 70.000 Quadratmeter mit Produktion, Lager, Logistik, Verwaltung, Ausstellung, Trainingscenter und einem Innovationszentrum (im Vordergrund). (Quelle: Roto)

Um auch künftig auf Wachstumskurs zu bleiben, komme es in erster Linie auf „zufriedene und im besten Fall begeisterte Kunden“ an. An dieser Maxime orientiere sich das Unternehmen mit seinen rund 1 200 Mitarbeitern weiterhin konsequent, hieß es dazu. Die Basis dafür seien permanente Investitionen in Produkte, Dienstleistungen, Digitalisierung, Modernisierung sowie schnelle, schlanke und effiziente Prozesse.

Generell sei es vorrangig, die richtigen Lösungen für die „herausfordernden Marktbedingungen“ zu finden. Dazu gehörten Personalmangel und -qualifikation (Handwerkerkapazitäten), der Preisdruck durch erhöhte Transparenz (Margensicherung), neue Technologien (Smart Home), steigende Erwartungen an Produkte und Services (zum Beispiel Vorkonfektionierung, Energieeffizienz, Logistik) und nicht zuletzt veränderte Vertriebskanäle (Onlineshops etc.). Es entspreche der Roto-Strategie, die nötigen Konzepte stets im Sinne der Dach-Profis bei Handwerk und Handel zu entwickeln und zu realisieren. Kurz: „Voller Fokus auf den Kundennutzen.“

Neue Leistungsklasse

Für diese Maxime stehe, wie Stephan Hettweranschließend ausführte, aktuell ein vielfältiges Maßnahmenpaket unter dem Dachbegriff „Neue Leistungsklasse“. Nach Aussage des Direktors Kunden und Märkte verbergen sich dahinter schnellere und effizientere Prozesse auf jeder Ebene. Ob Produktinnovation, Produktherstellung, Service, Marketing oder Vertrieb: Entscheidend sei immer, die Kundenper-spektive in den Mittelpunkt zu rücken.

Die praktische Umsetzung des Konzeptes veranschaulichte Hettwer an mehreren Beispielen. Im Sektor „Vorverkauf und Bestellung“ unterstütze man die Marktpartner verstärkt mit digitalen Instrumenten wie einem Produktkonfigurator und einem Chatbot zum Thema „Sonnenschutz“. Bei Letzterem handele es sich um ein textbasiertes Dialogsystem, das einen rund um die Uhr nutzbaren, kostenfreien Beratungsservice mit anschließender Produktempfehlung biete. Das neue Online-Tool erleichtere Handwerk und Handel die individuelle und zugleich zeitsparende Bauherren-Information erheblich. Das Portfolio an „digitalen Helfern“ werde sukzessive erweitert.

Ein ebenfalls wichtiges Feld für die „Neue Leistungsklasse“ sei die Kundenbetreuung. So sorge der seit 2019 eingesetzte „Schulungstruck“ dafür, dass sich die Dach-Profis „vor Ort“ über das gesamte Roto-Sortiment informieren und gleichzeitig individuelle Produkttrainings buchen könnten. Die Möglichkeit, auf diese Weise „Partnerschaft live zu erleben“, stoße auf eine sehr positive Resonanz. Das gelte auch für die spezifische Objektbetreuung, die bei Planung und Realisierung anspruchsvoller Projekte zu überzeugenden gemeinsamen Lösungen führe. In der Kategorie „Produkte“ ging der Direktor Kunden und Märkte exemplarisch auf „Designo i8 Comfort“ ein. Das gegenwärtig einzige elektrische Klapp-Schwingfenster seiner Art am Markt erfülle den Anspruch, die Kundenperspektive zum Maßstab des Handelns zu machen, unter anderem durch die ausgeprägte Montagefreundlichkeit und die „Smart Home ready“-Qualität. Für das Frühjahr 2020 kündigte Hettwer ein nochmals verbessertes Bedienkonzept bei der Serie an. Auch das sei ein Resultat der Praxis, „das Feedback der Kunden einzuarbeiten“.

Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Elemente diene die „Neue Leistungsklasse“ am Ende nur einem Ziel: durch Differenzierung die Zufriedenheit der Kunden kontinuierlich zu erhöhen. Darin liege der Schlüssel für das eigene Wachstum. Diesem Wissen trage Roto daher auch in Zukunft Rechnung.

Auf der Straße und vor Ort: Auch 2020 rollt die Truck-Flotte als mobiler Campus des Unternehmens wieder durch Deutschland.
Auf der Straße und vor Ort: Auch 2020 rollt die Truck-Flotte als mobiler Campus des Unternehmens wieder durch Deutschland. (Quelle: Roto)

Auf Gruppenebene schlägt sich Roto in 2019 mit seinen insgesamt drei Divisionen nach eigener Einschätzung bisher gut und erzielte in den ersten neun Monaten des Jahres ein leichtes Umsatzplus. Per 30. September steht damit ein um knapp ein Prozent gestiegener Gesamtumsatz von 509,4 Millionen Euro zu Buche. Da der Bauzulieferer für das 4. Quartal keine generellen Änderungen mehr erwartet, werde es für das Gesamtjahr voraussichtlich bei dem Umsatzplus von einem Prozent bleiben und in Summe einen Gruppenumsatz von 668 Millionen Euro erzielt werden. Die ursprünglich für das laufende Geschäftsjahr geplante Wachstumsrate von drei bis fünf Prozent wurde damit deutlich unterschritten. Wie es dazu auf der Pressekonferenz hieß, beruhe das geringere Wachstum in erster Linie auf den politisch bedingten Marktrückgängen in der Division Fenster- und Türtechnologie.

Würgegriff der Politik

Zur Tradition des Internationalen Roto-Fachpressetags gehört auch, dass Dr. Eckhard Keill sich auch zur politischen Lage äußert – auf seine bekannte leidenschaftliche Art. Dieses Mal standen diese Äußerungen unter der Überschrift „Wirtschaft im Würgegriff der Politik“. Seiner Meinung nach werden Marktveränderungen mehr und mehr von politischen Entscheidungen getrieben. Ein Beispiel dafür sei die E-Mobilität, die es schon länger gibt als die meisten ahnen, oder auch die Doppelverglasung, deren erstes Patent vor über 160 Jahren angemeldet wurde. Die Politik ist nach Keills Auffassung der größte Unsicherheitsfaktor für die Wirtschaft, deswegen werde der Lobbyismus weiter wachsen. Zudem führten die fortwährenden Sanktionen zur Spaltung der Gesellschaft, förderten den Populismus und die Abschottung voneinander. „Wirtschaftliches Handeln muss so politikfrei wie möglich sein“, forderte der Alleinvorstand der Roto Holding.

Keill hält Deutschland für nicht vorbereitet auf die Situation, wenn die Krisen in der Welt sich zuspitzen sollten. „Daher müssen wir in der Gruppe kostenorientiert vorgehen und vorsichtig vorausschauend planen – soweit es die Krisen in der Welt eine Planung zulassen“, so der Alleinvorstand. Daher seien Investitionen in die Digitalisierung geplant, um beispielsweise Datentransfer im Vertrieb voranzutreiben und dadurch den Zeitaufwand von Außendienstmitarbeitern zu minimieren. Die Digitalisierung werde Veränderung, eventuell Verwerfungen im Informationsfluss, der Auftragsbearbeitung und damit auch im Handel und in den Geschäftsmodellen hervorrufen. Diesbezüglich wird Roto aller Voraussicht nach ein vor Ort genanntes Zitat von Konfuzius beherzigen: „Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tue es jeden Tag.“

Zu dieser politischen Vorrede passte schließlich das präsentierte Ergebnis der Unternehmensgruppe für das Jahr 2019. Die erwähnten politischen Spannungen zwischen den USA und China sowie der EU und Großbritannien wegen des Brexits hätten in den für Roto relevanten Märkten Spuren hinterlassen. Dennoch stehe zu Ende September 2019 ein um knapp ein Prozent gestiegener Gesamtumsatz von 509,4 Millionen (nach 505,6 Millionen) zu Buche. Davon ausgehend, dass sich das Wachstum bis zum Jahresende nicht weiter steigern lasse, werde das gesetzte Ziel, um gut vier Prozent zu wachsen, nicht erreicht.

Erstmals zog der seit Mai dieses Jahres tätige Vorsitzende der Geschäftsführung der Division Fenster- und Türtechnologie (FTT), Marcus Sander, eine vorläufige Bilanz. Dort zeichne sich ab, dass der Umsatz auf Vorjahresniveau liege. Während die Märkte in Nord- und Südamerika sich positiv entwickelten, liefere Europa zwar eine „solide Performance“, aber in Deutschland müsse man ein leichtes Umsatzminus verbuchen.

Die jüngste Roto-Division, die Roto Frank Professional Service (RPS), wachse dagegen kräftig, wie Geschäftsführer Dr. Christian Faden berichtete.

Mehr zu den Divisionen FTT und RPS lesen Sie hier .

zuletzt editiert am 28. Oktober 2020
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