Einbrecher
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat eine Studie über reisende Einbrecher vorgelegt. Foto: Pixabay / Kris

Neue Studie über reisende Einbrecher

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachen (KFN) hat eine Studie mit dem Titel „Reisende und zugereiste Täter des Wohnungseinbruchs“ veröffentlicht. Aus dieser geht hervor, dass eine hohe Beuteerwartung und die Möglichkeit, mit geringem Aufwand in Wohnungen einzudringen, Täter aus dem Ausland anlockt, die gezielt zur Begehung von Wohnungseinbrüchen nach Deutschland kommen. Neben diesen Tätern, die sich nur über einen kurzen Zeitraum in Deutschland aufhalten (sogenannte reisende Täter), gibt es laut der Studie jedoch auch Personen, die kurz nach ihrem Zuzug nach Deutschland Einbrüche begehen – meist aufgrund der Tatsache, dass sich die Perspektive auf ein besseres Leben mit legalen Mitteln schnell nach der Einreise zerschlagen hat (sogenannte zugereiste Täter). Die Forschungsergebnisse des Instituts belegen, dass Einbrecher aus dem Ausland nicht nur in fest organisierten Banden vorgehen. Neben Alleintätern gibt es vielmehr eine große Bandbreite loser Bekanntschaftsbeziehungen, aus denen heraus in wechselnder Konstellation je nach Gelegenheit Einbrüche begangen werden.

„Dabei zeigen sich auch Strukturen in Deutschland als relevant insofern Täter aus dem Ausland meist schnell Anschluss an ein (klein-)kriminelles Milieu vor Ort finden“, sagt Gina Rosa Wollinger, die Projektleiterin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim KFN. Ebenso werden innerhalb Deutschlands auch häufig Möglichkeiten zum Absetzen des Diebesgutes genutzt. Eine schnelle „Beuteverwertung“ verringert für die Täter das Entdeckungsrisiko. „Ein niedriges Entdeckungsrisiko ist für Täter aus dem Ausland ebenso wichtig wie für deutsche Täter. Aus diesem Grund nutzen die Täter gern schlecht gesicherte Türen und Fenster, welche leicht aufzuhebeln sind oder ganz klassisch das gekippte Fenster“, erklärt Wollinger.

Die Erkenntnisse in Bezug auf wirksame Präventionsmaßnahmen decken sich somit mit der polizeilichen Empfehlungspraxis: Zusätzliche Tür- und Fenstersicherungen sowie die eigene Abwesenheit verbergen und Fenster beim Verlassen der Wohnung schließen.

Die Studie ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts, dass das KFN von April 2016 bis Mai 2017 zum Phänomen der reisenden und zugereisten Einbruchstäter durchgeführt hat. Das Projekt wurde finanziert durch das Deutsche Forum Kriminalprävention (DFK), das Programm Polizeilicher Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) sowie durch Eigenmittel des KFN. Im Rahmen der Forschung wurden 30 Interviews mit inhaftierten Einbruchstätern geführt, die kurzzeitig nach Deutschland kamen um Einbrüche zu begehen und solchen, die nach kurzer Zeit nach ihrem Zuzug nach Deutschland Einbrüche begingen. Bei den Interviewpartnern handelte es sich um verurteilte erwachsene Täter, die mehrjährige Haftstrafen verbüßen. Die Interviews wurden deutschlandweit in Justizvollzugsanstalten geführt.

Hintergrund der Studie: Während von 2006 bis 2015 die Fallzahlen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls stark stiegen, verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2016 erstmalig seit langer Zeit einen Rückgang. Inwiefern es sich dabei um eine Trendwende handelt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Konstatieren lässt sich jedoch, dass sich die Fallzahlen immer noch auf einem hohen Niveau befinden. Aufgrund der niedrigen Aufklärungsrate ist über die Täter hingegen wenig bekannt. Eine vorhergehende Studie des KFN zeigte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei einem relevanten, wenn auch nicht überwiegenden, Teil der Täter um sogenannte reisende Täter handelt, das heißt Täter, die aus dem Ausland zur Tatbegehung einreisen. Diese Tätergruppierung wird medial häufig aufgegriffen, verbunden mit der Annahme, es handle sich dabei um feste Banden aus Osteuropa, welche einen hohen Organisationsgrad aufwiesen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser besonderen Tätergruppe fehlten bislang jedoch.

Das KFN ist ein unabhängiges, interdisziplinär arbeitendes Forschungsinstitut. Es verfügt über breite Erfahrung in der Untersuchung unterschiedlicher Kriminalitätsbereiche. Das Institut ist daran interessiert, praxis- und politikrelevante Forschung zu realisieren und stets den Transfer der erarbeiteten Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit sicherzustellen. 

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