Die Studie „Wirksamkeitsnachweis der Rauchwarnmelderpflicht“ untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einführung der Rauchwarnmelderpflicht in Deutschland und der Anzahl der Brandtoten.
Die Studie „Wirksamkeitsnachweis der Rauchwarnmelderpflicht“ untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einführung der Rauchwarnmelderpflicht in Deutschland und der Anzahl der Brandtoten. (Quelle: Hekatron Brandschutz)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-05-12T22:00:00Z Studie belegt positiven Effekt der RWM-Pflicht

Rauchwarnmelder senken signifikant die Gefahr, bei einem Brand zu sterben. Das geht aus der Studie „Wirksamkeit der Rauchwarnmelderpflicht“ hervor, die Hekatron Brandschutz anlässlich des Rauchmeldertages am 13. März vorgestellt hat.

Nach Angaben des Unternehmens aus Sulzburg weist die Studie erstmals derart umfassend den Zusammenhang zwischen Rauchwarnmeldern und geretteten Leben nach. Statistisch abgesichert wurden demnach im Untersuchungszeitraum 501 Menschen gerettet. Damit bestätigt die aktuelle Analyse die bereits 2013 durch die „Sulzburger Studie“ nachgewiesenen positiven Effekte der Rauchwarnmelderpflicht.

„Die Wirksamkeit der Rauchwarnmelderpflicht ist hoch“, erklärt Dr. Sebastian Festag, Risikoforscher bei Hekatron Brandschutz. Statistisch gesehen, verstarben im Mittelwert über die Jahre seit der Einführung der Rauchwarnmelder-Pflicht (RWM-Pflicht) 68 Personen weniger pro Jahr. Das sind rund 20 Prozent weniger Brandsterbefälle im häuslichen Umfeld im Vergleich zum Mittelwert von 380 Todesopfern vor Einführung der RWM-Pflicht. „Der positive Effekt konnte für Neu- und Bestandsbauten nachgewiesen werden“, ergänzt Dr. Festag, der die Studie gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Marion Meinert verfasst hat.

Umfassender Schutz

Für den Wissenschaftler, der sein Know-how auch in gemeinnützigen Gremien wie der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes und der Gesellschaft für Sicherheitswissenschaft einbringt, sind die Zahlen jedoch „nur die Spitze des Eisbergs“. Eine Einschätzung, die sich auch auf den Unfallforscher Herbert William Heinrich stützt. Nach seiner sogenannten Unfallpyramide liegen einem tödlichen Unfall zehn schwere und 10 000 Beinahe-Unfälle zugrunde. Das heißt, „die RWM-Pflicht schützt noch deutlich umfassender, als es die vorgelegten Zahlen aus dem Untersuchungszeitraum von 1998 bis 2016 vermuten lassen“, so Festag.

Die Risikoforscher Dr. Sebastian Festag und Dr. Marion Meinert wiesen mit ihrer Studie statistisch abgesichert nach, dass das Risiko, durch einen Brand zu sterben, durch die Einführung der Rauchwarnmelderpflicht sinkt.
Die Risikoforscher Dr. Sebastian Festag und Dr. Marion Meinert wiesen mit ihrer Studie statistisch abgesichert nach, dass das Risiko, durch einen Brand zu sterben, durch die Einführung der Rauchwarnmelderpflicht sinkt. (Quelle: Hekatron Brandschutz)

Zudem gehe der in der Studie beschriebene Effekt hauptsächlich auf den Einbau von Rauchmeldern in Neubauten zurück. Die Nachrüstpflicht für Bestandsbauten greift erst seit 2010 und wurde im Untersuchungszeitraum auch nur von einzelnen Bundesländern vorgeschrieben. Bei einer vollständigen Umsetzung der RWM-Pflicht auch in bestehenden Gebäuden „kann deshalb von deutlich mehr geretteten Personen ausgegangen werden“, meint Festag.

Von zentraler Bedeutung ist für ihn deshalb auch der Ausstattungsgrad der Haushalte mit Rauchwarnmeldern. Nach seinen Hochrechnungen, bei denen er sich auf die Ergebnisse von Forsa-Umfragen stützt, sind hierzulande aktuell nur 50 bis 60 Prozent aller Haushalte pflichtgemäß mit Rauchwarnmeldern ausgestattet. In den USA liegt der Ausstattungsgrad mit 95 Prozent deutlich höher. „Hier müssen wir ansetzen und noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, um den Schutz für die Bewohner zu erhöhen“, sagt der Wissenschaftler.

Beispiel Mecklenburg-Vorpommern

Sehr anschaulich zeigt sich laut Festag der Zusammenhang zwischen Ausstattungsgrad und Wirksamkeit der RMW-Pflicht in Mecklenburg-Vorpommern. Während vor der Pflichteinführung in diesem Bundesland im Mittel 11,75 Brandsterbefälle jährlich erfasst wurden, sank der Wert bereits nach der Einführung Mitte April 2006 auf 3,55 Sterbefälle (Mittelwert von 2006 bis 2016). Durch die RWM-Pflicht versterben hier folglich im Mittel jährlich 8,2 Personen weniger. In dieser Zeit ist der Ausstattungsgrad von 16 Prozent auf circa 80 bis 90 Prozent gestiegen.

Bei der statistischen Analyse stützten sich Festag und seine Kollegin Meinert auf Zahlen der amtlichen Todesursachenstatistik der Bundesrepublik Deutschland und auf Daten des statistischen Bundesamtes. Der Zusammenhang wurde statistisch mit dem in wissenschaftlichen Studien üblichen t-Test nachgewiesen. Die vollständige Studie kann unter prosicherheit.net/studie-rauchwarnmelderpflicht kostenlos heruntergeladen werden.

In Zeiten der Re-Urbanisierung soll der Bau von Gebäuden mit multifunktionaler Nutzung eine optimale Lösung sein. Brandschutz- und Elektroplaner sowie Errichter stellt diese Entwicklung hinsichtlich des anlagentechnischen Brandschutzes jedoch vor Herausforderungen. Je nach Nutzungsart fallen die Brandschutzlösungen in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich aus.

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zuletzt editiert am 09. November 2020
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