Silke Koppers, verantw. Redakteurin

18.05.2017

Lohnt sich jede Meldung?

Jüngst erreichte die Redaktion eine Mitteilung der britischen Marktanalysten von Plimsoll Publishing. Demnach soll mehr als ein Drittel der deutschen Fenster- und Türenhersteller in finanziellen Schwierigkeiten sein. Diesen Schluss ziehen die Analysten aus der marktwirtschaftlichen Leistung von 995 größten deutschen Fenster- und Türenhersteller und erstellt so einen Durchschnitt – von was genau, darüber wird der Leser nicht informiert. Jedenfalls lasse sich dadurch ableiten, dass die Industrie sich zurzeit im Wandel befindet, und dass der Markt sehr kompetitiv sei. Aha.

Ferner stellten die Marktforscher fest, dass 384 Unternehmen mehr Schulden aufweisen als im Vorjahr. Zeitgleich konnten 251 Hersteller als „stark“ bewertet werden und neun Firmen sind mindestens um zehn Prozent mehr gewachsen als der Durchschnitt. Zu dieser recht diffusen Auswertung gab schließlich noch David Pattison, ein Senior Analyst bei Plimsoll, eine ähnlich schwammige Erklärung ab: „Die Probleme einiger Fenster- und Türenhersteller in Deutschland sind leicht zu erkennen. In den Bilanzen dieser Unternehmen sieht man auf einen Blick, wieso die Besitzer es zurzeit nicht schaffen das Ruder herumzureißen um wieder in ruhigen Gewässern zu segeln.“ Nicht alle Unternehmen, die zurzeit als finanziell bedroht eingestuft wurden, werden die Geschäftstätigkeit aufgeben müssen, heißt es weiter.

Beim Redakteur hinterlässt diese Meldung ein komisches Bauchgefühl, also fragt er gezielt nach: Worauf basieren diese Behauptungen? Als Antwort erhält man eine Power-Point-Präsentation, die keine fundierten Hinweise liefern. Für weitere Informationen könne man die Studie für 699 Euro kaufen. Damit könnte der Fall erledigt sein, aber wir fragen beim Verband Fenster und Fassade nach, um eine Expertenmeinung einzuholen – und erhalten eine Bestätigung des Bauchgefühls: „Wir sind der Meinung, dass diese Zahlen, die mit Genauigkeit (375, 252, 384) bluffen, kaum seriös zustande gekommen sind. Es geht wohl ums Geldverdienen mit aus dem Internet zusammengebastelten Studien“, heißt es aus Frankfurt/Main. Und damit ist klar: Es lohnt sich nicht jede Meldung.

Silke Koppers (kosi)

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