Dorothea Körber, Redakteurin

26.10.2017

Die Bad Sodener Erklärung – eine verpasste Chance?

Die Bad Sodener Erklärung zu Sicherheit im Smart Home und durch Smart Home Techniken – die, als sie angekündigt wurde, noch schlicht „Bad Sodener Sicherheitserklärung“ hieß, hat auf sich warten lassen. Bereits am 10. Oktober wurde den Teilnehmern der von der Smart Home Initiative Deutschland organisierten Smart Home Security Conference in Bad Soden die Möglichkeit gegeben, diese zu lesen – an eine Pinnwand geheftet oder auf Nachfrage auch ausgedruckt. Auf der Konferenz wurde angekündigt, dass diese zeitnah danach veröffentlicht werden sollte – und auch in Publikumsmedien für Aufmerksamkeit sorgen würde. Veröffentlicht wurde sie zwei Woche später – am 24. Oktober. Und der Text wurde geändert – was bedeutet, dass die, die der Aufforderung der Smart Home Initiative nachgekommen sind, und die Erklärung bereits am 10. Oktober auf der Pinnwand unterschrieben haben, ein anderes Dokument unterschrieben haben als das, was veröffentlich wurde. Die Textänderungen sind nur geringfügig – das Original-Dokument aus Bad Soden liegt der Redaktion zum Vergleich vor –, aber nicht marginal. So wurde zum Beispiel aus dem Satz „Smarte Häuser und Wohnungen sind – wenn fachgerecht installiert – grundsätzlich sicherer als konventionelle“ in der endgültigen Fassung „Smarte Häuser und Wohnungen sind – wenn Smart Home Produkte fachgerecht installiert wurden – grundsätzlich sicherer als konventionelle. Smart Home ist dabei eine wertvolle Ergänzung zu mechanischer Sicherungstechnik“. Dass der Hinweis darauf, dass Smart Home Sicherheitstechnik (nur) eine Ergänzung zur mechanische Sicherheitstechnik ist, erst in der überarbeiteten Fassung auftaucht, ist durchaus bemerkenswert, bedenkt man, wie oft gerade von Polizeiseite aus betont wird: Mechanik first!

Und ob das sechsseitige Dokument wirklich so massenmedien- und Otto-Normalverbraucher-tauglich ist, wie von der Smart Home Initiative Deutschland auf der Konferenz angekündigt, bleibt auch fraglich. Es stecken zwar viele richtige und wichtige Punkte drin und die Erklärung ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das eingebaute Punkte-Bewertungs-System, dass die Relevanz für einzelne Zielgruppen aufzeigen soll, wirkt deplaziert, und auch hier fallen wieder einige Begriffe, die den Endverbrauchern nicht geläufig sein werden. Auch, dass bisher erst 21 Unternehmen und Institutionen – viele davon Mitglieder der Smart Home Initiative – unterzeichnet haben, spricht Bände, angesichts der vielen Marktteilnehmer im Smart-Home-Bereich.

Es ist schade und eine verpasste Chance, denn das Thema Smart Home Sicherheit ist wichtig und interessant für eine breite Öffentlichkeit. Nur wenige kurze Thesen, auf die sich mehr Marktteilnehmer verständigen können, wären sinnvoll gewesen, damit die Erklärung viele Unterzeichner findet und zeitnah veröffentlicht wird. Wenn sich Medien und Bürger dann noch tiefergehend mit der Materie beschäftigen möchten, könnten Informationen von einzelnen Institutionen bereit gestellt werden. Die Smart Home Initiative Deutschland wird aber auf dem Weg, den sie jetzt gewählt hat, wahrscheinlich nicht das Kommunikationsziel erreichen, dass sie sich für die Erklärung gesetzt hat.

Dorothea Körber (jule)


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