Feuchte an den Fenstern und schlechter Luftaustausch fördern die Schimmelbildung. Die DIN 1946-6, ordentlich in die Praxis umgesetzt, beugt dem vor.
Feuchte an den Fenstern und schlechter Luftaustausch fördern die Schimmelbildung. Die DIN 1946-6, ordentlich in die Praxis umgesetzt, beugt dem vor. (Quelle: Regel-Air)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-02-11T23:00:00Z „Lüftung von Wohngebäuden – Gesundheit, Schadensvermeidung und Energiesparen“

Einschätzung zur überarbeiteten DIN 1946-6

Lüftung Die DIN 1946 beschäftigt sich mit Raumlufttechnik. Der gerade überarbeitete Teil 6 der Norm behandelt explizit die Lüftung von Wohnungen. Es werden die allgemeinen Anforderungen sowie die Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe oder Übernahme und Instandhaltung festgelegt. Thomas Verhoeven, Geschäftsführer beim Fensterfalzlüfter-Pionier Regel-Air, hat mit verschiedenen Verbänden dem Normenausschuss zugearbeitet und gibt im folgenden Text seine Einschätzung zur überarbeiteten DIN 1946-6 ab.

Die alte DIN 1946-6 stammt aus dem Jahr 2009. Vereinfacht gesagt gibt sie vor, welcher Luftwechsel erreicht werden muss, um Schimmelbildung in der Wohnung zu vermeiden. Nun liegt die Neufassung vor, die Ergebnis einer bereits im Jahr 2013 gestarteten turnusgemäßen Überprüfung der Norm ist. Dabei hatte sich die Normungsgruppe das Ziel gesteckt, die DIN nicht unbedingt zu verschärfen, damit der Weg zu einer höheren Akzeptanz im Markt nicht verwehrt wird. Da die DIN 1946-6 noch nicht den Status als „anerkannter Stand der Technik“ hat, somit noch keine offizielle Umsetzungspflicht besteht, sondern es sich lediglich um eine Planungsempfehlung handelt, sollte die Norm vereinfacht werden, um den Weg zur verpflichtenden Regel zu ebnen.

Dass sich die Entwicklung bis zur neuen Norm über mehrere Jahre hinzog, lag nicht zuletzt daran, dass die Beteiligten teilweise sehr unterschiedliche Positionen vertreten haben. Die Schwierigkeit lag darin, die verschiedensten Interessen der einzelnen Lobbys miteinander zu verbinden und zu vereinen, sodass eine für alle akzeptable und sinnvolle Norm als Ergebnis herauskommt. Denn in dem immer mit 25 bis 30 Personen besetzten Ausschuss saßen Vertreter der ventilatorgestützten Lüftung genauso wie der freien Lüftung oder auch der Fensterhersteller.

Neuer Koeffizient

Der Normenausschuss ist zudem auch auf externe Vorschläge verschiedener Verbände eingegangen. So wurde über den Verband Fenster und Fassade (VFF) das Institut für technische Gebäudeausrüstung (ITG) Dresden mit einer Studie beauftragt, die letztlich für eine Vereinfachung der Berechnung von Infiltration und Lüftungskonzepten sorgen sollte. Dazu arbeitete das ITG-Team um Professor Thomas Hartmann mit nachgebildeten Wohnungsschnitten, um mit diesen Simulationen die natürlichen Leckagen genau zu berechnen. Das Projekt war erfolgreich, und die Ergebnisse wurden in die Neufassung der Norm auch aufgenommen. Gleichzeitig stellte das ITG auch die in der DIN 1946-6 von 2009 genannten Werte auf den Prüfstand.

So weist die neue Norm nun eine wesentliche Änderung auf. Zwar wird immer noch nach windstarken und windschwachen Gebieten sowie mehrgeschossigem und eingeschossigem Gebäude unterschieden, aber es gibt einen wichtigen neuen Faktor in der Berechnung: den Volumenstromkoeffizienten ez. Dieser wurde in verschiedenen Berechnungen und Simulationen aus mehreren Faktoren, unter anderem Windgeschwindigkeit, Temperaturdifferenz und Wohnungstyp, ermittelt. Dieser definierte Faktor vereinfacht die Berechnung enorm, denn bislang mussten stattdessen viele andere Faktoren verwendet werden.

Kombinierte Lüftungssysteme

Neben dem neuen Volumenstromkoeffizienten sind nun nur noch zwei weitere Faktoren zur Berechnung des Infiltrationswertes Inf. nötig: Das ist zum einen das Volumen der Nutzungseinheit, zum anderen der sogenannte „Blower-Door-Wert“ n50, der den Luftaustausch bestimmt. Somit gilt, dass ez x n50 x Volumen = Inf., also den Wert der Infiltration bestimmt. Die Infiltration zeigt an, wie viel m3/h Luft bei einem bestimmten Differenzdruck am Gebäude (freie Lüftung) oder im Gebäude (Entlüftungssysteme/Abluftanlagen) über die natürlichen Leckagen ausgetauscht wird.

Zwar kommen bei der neuen Berechnung geringere Volumenströme als zuvor heraus, aber da auch die notwendigen Volumenströme für die Wohnungslüftung nach unten korrigiert wurden, bleibt das Verhältnis für lüftungstechnische Maßnahmen fast gleich zu der ursprünglichen Fassung von 2009.

Die sinnvollste Änderung der überholten Norm ist die Aufnahme des neuen Kapitels 9 „kombinierte Lüftungssysteme“. Es wird ein Thema angesprochen, das in der Praxis häufig Anwendung findet, zum Beispiel die Lüftung von innenliegenden Bädern nach der DIN 18017-3. Viele Planer legen solche Systeme nach der alten 1946-6 zur Nennlüftung aus, da es nirgends eine explizite Beschreibung gibt. Nun lässt sich in diesem neuen Kapitel nachlesen, dass lediglich eine Lüftung zum Feuchteschutz erreicht werden muss. Jedoch sollte der Ventilator ausreichend Zuluft bekommen, damit kein unangenehmer Unterdruck in der Wohnung entsteht. Meistens befinde man sich mit dieser Kombination im Bereich der reduzierten Lüftung.

In der reformierten Norm gibt es keine Verschärfung, und die einfacheren Berechnungen werden dafür sorgen, dass die Norm eine höhere Akzeptanz erhält.

Das VFF-Merkblatt ES.05: 2019-11 „Lüftung von Wohngebäuden – Gesundheit, Schadensvermeidung und Energiesparen“ wurde in der Arbeitsgruppe „Lüften und Luftdichtheit“ unter Regie des Technischen Ausschusses des Verbandes in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fenstertechnik, Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks, Tischler Schreiner Deutschland, Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW) und Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) erarbeitet.

Das Merkblatt ist Ersatz für die Ausgabe vom September 2012. Auslöser für die Bearbeitung war die umfangreiche Überarbeitung der Wohnungslüftungsnorm DIN 1946-6. In diesem Zusammenhang wurden Anpassungen vorgenommen.

Das Merkblatt ES.05 nennt wichtige Begriffe und Definitionen zur Lüftung und erläutert den Kontext bezüglich gesetzlicher Regelungen, Normen und Richtlinien sowie bauphysikalischer und gesundheitlicher Erfordernisse. Die verschiedenen Lüftungskonzepte und -lösungen werden beschrieben, wobei neben Systemen der Freien (Natürlichen) Lüftung und Ventilatorgestützten Lüftung erstmals die Kombinierten Lüftungssysteme der neuen DIN 1946-6 (zum Beispiel Kombination einer Freien Lüftung mit Entlüftungssystem nach DIN 18017-3) aufgeführt sind.

Das Merkblatt macht deutlich, dass Lüftung eine Planungsaufgabe ist, und bietet zur Unterstützung des Planungsablaufs eine Checkliste in Übereinstimmung mit der neuen DIN 1946-6.

Die Freie Lüftung ist weiterhin ein wichtiges Lüftungssystem, weshalb in einem Abschnitt besonders auf das Vorgehen bei freier Lüftung nach DIN 1946-6 eingegangen wird. Darin sind Tabellen enthalten, anhand derer einfach bestimmt werden kann, ob sich die Notwendigkeit einer lüftungstechnischen Maßnahme ergibt oder nicht.

zuletzt editiert am 03. November 2020
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