Mellon, das ist ein Begriff aus der Buch- und Filmreihe Herr der Ringe und bedeutet Freund. Zudem ist es ein „Zauberwort“, das in der Geschichte eine verschlossene Tür öffnet. Also ein durchaus passender Name für ein Start-up, dass Türöffner in der Not vermittelt. Was steckt hinter Mellon? Die Redaktion hat bei Gründer Philip Schur nachgefragt.
Wie würden Sie jemandem ohne Vorwissen Mellon in drei Sätzen erklären?
Mellon ist ein digitaler Handwerksvermittler, der das Ziel hat, die Abzocke bei Handwerksnotdiensten zu bekämpfen. Begonnen haben wir bei den Schlüsseldiensten, weil wir hier die Gefahr am größten sehen. Wir vermitteln unsere Aufträge ausschließlich an lokale, streng geprüfte Schlüsseldienste, die die Türöffnung zu Festpreisen vornehmen, sodass der Verbraucher geschützt und durch einen preislich transparenten und professionell ausgeführten Auftrag zufriedengestellt wird.
Wann wurde Mellon gegründet, und wie ist die bisherige Entwicklung?
Mellon wurde im August 2019 in Bochum gegründet. Wir sind in einigen Städten im Ruhrgebiet gestartet, mittlerweile haben wir aber auch erste Städte außerhalb des Ruhrgebiets. Die Entwicklung verläuft also bisher sehr positiv. Wir finden außerdem auch immer mehr Schlüsseldienste, die sich uns anschließen wollen, und auch die Aufträge werden stetig mehr. Unser Ziel ist es natürlich, unseren Service bis Ende des Jahres deutschlandweit verfügbar zu machen.
Wie sieht Ihr Hintergrund aus? Warum haben gerade Sie Mellon gegründet?
Ich habe einen digitalen Background, das kommt besonders daher, dass ich zuvor schon ein Start-up erfolgreich gegründet habe. Außerdem habe ich jahrelange Erfahrung im Online-Marketing und bei digitalen Produkten. Ende 2018 erlebte ich dann eine unschöne Situation. Meine Oma sperrte sich aus und benötigte einen Schlüsselnotdienst, der für sie die Tür öffnen sollte. Leider geriet sie an einen Abzocker, an den sie übermäßig viel Geld bezahlte. Da habe ich mir ganz einfach gedacht: ‚Wie kann das noch sein? Das muss heutzutage doch besser gehen!‘ Also begann ich ein paar verschiedene Ideen zu testen und habe einige Umfragen gemacht, um herauszufinden, ob es überhaupt einen Bedarf auf dem Markt gibt. So habe ich erkannt, dass es tatsächlich einen Bedarf gibt und dass die Lösung, die ich mir ausgedacht habe, eine echte Möglichkeit ist, um die Situation der Abzocke in den Griff zu bekommen. Im Endeffekt war ich mutig und habe danach einfach das Start-up gegründet.
Es gibt schon viel Bewegung in Richtung seriöser Schlüsseldienste, so zum Beispiel die Initiative Fairer Schlüssel-Notdienst der Interkey, der Schlüsseldienst der Gelben Seiten oder des ADAC zum Festpreis. Der Fachverband Interkey ist sehr gut vernetzt in Deutschland, die Gelben Seiten und der ADAC sind bekannte Player im deutschen Markt. Wo sieht Mellon da im Vergleich sein Alleinstellungsmerkmal? Was unterscheidet Mellon von diesen Angeboten?
Die Initiative Fairer Schlüssel-Notdienst der Interkey ist natürlich super, aber den meisten Leuten leider nicht wirklich bekannt. Deshalb achten vielen Kunden im Endeffekt kaum darauf, ob ein Schlüsseldienst Teil der Initiative ist, was wirklich schade ist. Ich glaube ehrlicherweise, dass es das Problem nicht löst.
Partner gesucht
Mellon sucht deutschlandweit nach neuen Partnern, um das Service-Angebot auszubauen. Laut Philip Schur sollten die Schlüsseldienste sich durch Zuverlässigkeit auszeichnen und über eine mehrjährige Erfahrung verfügen, um die Arbeiten in einer hohen Qualität ausführen zu können. Eine weitere Bedingung sei der freundliche Umgang mit Kunden und Lust auf zusätzliche Aufträge.
Auf der Webseite des Start-ups steht zudem folgender Anforderungskatalog an mögliche Partner:
- Der Schlüsseldienst versichert, dass er
- die Voraussetzungen nach § 38 GewO erfüllt
- mindestens zwölf Monate in diesem Gewerbe tätig ist
- beziehungsweise die eingesetzten Monteure über eine Ausbildung verfügen, Türen beschädigungsfrei zu öffnen
- beziehungsweise die eingesetzten Monteure regelmäßig Schulungen zu Öffnungstechniken bei Türen besuchen
- über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügt, die im Rahmen derartiger Dienstleistungen möglicherweise entstehende Schäden abdeckt
- die Regelungen des Arbeits- und Sozialrechts einhält
- dem Endkunden in jedem Fall auch die Bezahlung per EC-Karte oder alternativ per Rechnung ermöglicht.
ADAC und Gelbe Seiten sehen wir natürlich als Wettbewerber, da sie ein ähnliches Geschäftsmodell wie Mellon haben. Ich denke, wir sind im Vergleich zu diesen beiden Wettbewerbern etwas agiler, technologischer und auch zielgruppengewandter, da wir beispielsweise auch die Buchung per Whats-App-Messenger anbieten. Ein paar spannende Sachen haben wir auch noch in der Schublade.
Wie viele Schlüsselnotdienste in wie vielen Städten machen bisher mit? Wie groß ist der Zuwachs an Partnern? Was ist perspektivisch Ihr Ziel?
Aktuell sind wir in 41 Städten in Deutschland aktiv, und wir haben immer mindestens zwei Schlüsseldienste als Partner, die mit ihrem Service eine Stadt bedienen können. Auch wenn wir perspektivisch gesehen bald deutschlandweit aktiv sein wollen, ist es uns wichtig, dass wir trotzdem weiterhin diese Absicherung von mehreren Schlüsseldiensten in einer Stadt beibehalten.
Wobei wir aber auch ganz klar sagen müssen: Wir wollen auch nicht zu viele Partner pro Stadt, da uns eine gute Partnerschaft mit den Schlüsseldiensten sehr wichtig ist. Und eine gute Partnerschaft bedeutet für uns, dass die Schlüsseldienste genug Aufträge von uns vermittelt bekommen. Wir möchten keineswegs, dass ein Schlüsseldienst nur alle paar Wochen einen Auftrag bekommt, da es zu viele Wettbewerber beziehungsweise Partner in dieser Stadt gibt. Wir möchten lieber einige wenige, aber dafür qualitativ gute Schlüsseldienste.
Wie viele Notöffnungen wurden bisher über Sie vermittelt?
Konkrete Zahlen kommunizieren wir leider nicht, aber wir können soviel verraten: Wir haben gute Zahlen, die sich monatlich verbessern, da unsere Marketingmaßnahmen ersichtlich greifen. Natürlich streben wir trotzdem nach mehr und noch besseren Zahlen.
Warum sollte ein Schlüsselnotdienst sich Ihnen anschließen?
Ein Schlüsseldienst sollte sich Mellon anschließen, wenn er gern mehr Aufträge ohne Risiko bekommen würde. Ohne Risiko bedeutet, dass es nicht automatisch eine Verpflichtung auf eine langfristige Zusammenarbeit ist, wenn ein Schlüsseldienst unser Partner wird, da die Zusammenarbeit jederzeit kündbar ist und er keine monatlichen Gebühren zahlen muss. Er zahlt nur, wenn wir ihm Aufträge vermitteln, und auch nur eine Gebühr von circa 20 Prozent des Auftragspreises. Vergleicht man das mit anderen Vermittlungszentralen, ist unsere Gebühr mehr als fair, da diese teilweise Gebühren von 60 bis 80 Prozent nehmen, wodurch den Schlüsseldiensten kaum etwas für sich bleibt. Das führt oft dazu, dass Schlüsseldienste ihren Preis noch weiter in die Höhe treiben müssen, um noch etwas daran zu verdienen. Wir sind somit also nicht nur fair bei der Gebühr, sondern tragen damit auch zu fairen Preisen für den Kunden bei. Außerdem generieren die Schlüsseldienste mithilfe von Mellon auch Aufträge, die sie normal nicht bekommen würden, da sie nicht die nötige Sichtbarkeit auf Google besitzen, die wir beispielsweise haben. Damit tun sich viele Schlüsseldienste noch schwer.
Wie prüfen Sie die Qualifikation Ihrer Partner?
Woher kommt das Fachwissen dafür? Für den fachlichen Teil haben wir den Experten Uwe Sarfeld hinzugezogen. Gemeinsam haben wir unter anderem den umfangreichen Prüfungsprozess entwickelt, auf dessen Grundlage wir die Schlüsseldienste auswählen. Die Qualität unserer Partner stellen wir zudem durch umfangreiches Kundenfeedback sicher.
Sind Kooperationen, zum Beispiel mit Interkey oder der Verbraucherzentrale, in Planung?
Konkret geplant ist aktuell nichts, aber natürlich sind wir als junges Start-up für solche Kooperationen jederzeit offen. Wobei man sagen muss, dass die Verbraucherzentrale als Partner eher unwahrscheinlich ist, da diese nicht mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten darf. Jedoch stehen wir in regelmäßigem Austausch.
Start-ups finanzieren sich anfangs meist durch Investoren. War das auch Ihr Weg?
Und wenn ja, wie haben Sie diese Investoren gefunden? Ja, das ist tatsächlich bei den meisten Start-ups der Fall. Bei uns war es anfangs so, dass zwei Business-Angels eine kleine Investition getätigt haben, um die technologische Infrastruktur herzustellen. Ansonsten ist das mein privates Geld, was in das Unternehmen geflossen ist. Die Business-Angels habe ich über mein privates Netzwerk gefunden.
Suchende und Schlüsselnotdienste zusammenzubringen, das ist heutzutage oft eine Frage von Internet-Suchmaschinenoptimierung und großen Ausgaben für Werbemaßnahmen mit Google Adwords. Wie wollen Sie sich in diesem hart umkämpften, ich nenne es mal Gefunden-werden-Markt, durchsetzen?
Google Adwords ist heute kein Kanal mehr, da Google auf Drängen der Bundesnetzagentur die Buchung von Werbeanzeigen für Schlüsseldienste deutlich beschränkt hat. Deshalb ist nun alles ein weinig langfristiger, und man muss sich auf die Suchmaschinenoptimierung fokussieren. Ich denke, dass wir da sehr gut aufgestellt sind. Langfristig wird man sicherlich auch eine Brand (Anmerk. d. Red.: Marke) aufbauen können, wenn man als Start-up deutschlandweit aktiv ist und die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen.
Können Sie uns etwas über die Hintergründe der Preisstudie zu Schlüsseldiensten 2020 erzählen, die Sie gemacht haben?
Die Studie haben wir vor allem deshalb durchgeführt, weil die letzte umfangreiche deutsche Studie zu den Preisen von Schlüsseldiensten aus dem Jahre 2011 stammt. Außerdem beruhte diese noch auf Telefonbüchern. Das fanden wir einfach nicht mehr zeitgemäß. Außerdem wollten wir uns natürlich einen Überblick über den Markt und die aktuelle Lage verschaffen, was nur mit aktuellen und vor allem auch verlässlichen Zahlen möglich ist. Darüber hinaus soll die Studie aber auch Verbraucher aufklären und ein gewisses Bewusstsein schaffen, damit diese genau wissen, welche Preise in welcher Stadt gelten, wo die Unterschiede liegen und auch worauf sie achten müssen.
Und zum Abschluss: Wo sehen Sie Mellon in zwei Jahren?
Mellon in zwei Jahren wird mindestens deutschlandweit Schlüsseldienste vermitteln, und das auf einem Niveau mit einem soliden Marktanteil. Bis dahin werden wir vielen Menschen geholfen und sie vor Abzocke bewahrt haben und den Schlüsseldiensten, die als unsere Partner agieren, ein gutes Einkommen generiert haben. Wahrscheinlich wird sich Mellon in zwei Jahren auch weiteren Handwerksnotdiensten gewidmet haben und noch digitaler sein.
Deutschlandweite Preisstudie zu Schlüsseldiensten 2020

In welchen Städten sind Türöffnungen am günstigsten, in welchen besonders teuer? Wie schnell wird Kunden in Notsituationen geholfen? Mellon hat nach eigenen Angaben 4 224 Schlüsseldienste in 786 deutschen Städten befragt. Es wurden Daten zu Preisen für Türöffnungen zugefallener und abgeschlossener Türen (für Tag und Nacht) sowie Anfahrtszeiten erhoben und verglichen. Die Untersuchung soll Aussagen über minimale, maximale und durchschnittliche Preise von Schlüsseldiensten in Städten, Regionen, Bundesländern und auf Bundesebene ermöglichen. Die Preise unterscheiden sich demnach von Bundesland zu Bundesland teils deutlich: Kostet am Tag eine einfache Türöffnung in Berlin nur 69 Euro, ist es in Rheinland-Pfalz mit 151 Euro deutlich mehr als doppelt so teuer. Grundsätzlich lasse sich aus den erhobenen Daten schließen: In ländlichen Gebieten sind die Preise im Schnitt höher als in Großstädten. Ein Grund hierfür könnte sein, heißt es in der Auswertung von Mellon, dass es in urbanen Gebieten durch eine größere Anzahl an Schlüsseldiensten zu stärkerem Wettbewerb kommt.
Das Ranking der günstigsten Großstädte Deutschlands wird den Ergebnissen der Preisstudie zufolge angeführt von Lübeck (Tag 70 Euro / Nacht 92 Euro), dicht gefolgt von Leipzig (Tag 69 Euro / Nacht 94 Euro) und Berlin (Tag 69 Euro / Nacht 100 Euro). Besondere Vorsicht sei hingegen geboten in Göttingen und Cottbus (je Tag 177 Euro / Nacht 230 Euro). Beide Orte führen die Liste der teuersten Großstädte Deutschlands in der Mellon-Untersuchung an, gefolgt von Regensburg (Tag 137 Euro / Nacht 213 Euro).
So viele Schlüsseldienste machen Festpreisangaben
Mit gerade einmal 5,16 Prozent kommuniziere nur ein geringer Teil der Schlüsseldienste Preise über ihre Website. Mehr als die Hälfte der Dienste (50,71 Prozent) mache immerhin Preisangaben nach telefonischer Nachfrage. Im Kontrast dazu stehen laut Mellon die Schlüsseldienste (44,13 Prozent), die sich weigern, auf der Website oder am Telefon Preisangaben zu tätigen.
Die Studie zeige, dass im Schnitt diejenigen Schlüsseldienste, die ihre Preise bereits auf der Internetseite angeben, günstiger sind als jene, die den Preis (erst auf Nachfrage) am Telefon nennen. Es sei anzunehmen, dass Schlüsseldienste, die selbst auf explizite Nachfrage keinen Festpreis nennen wollen, planen, vor Ort deutlich überhöhte Preise zu verlangen. Aber: Auch bei Schlüsseldiensten mit günstigen Preisen sei Vorsicht geboten, da es sich um eigene Angaben der Schlüsseldienste und damit um Mindestpreise handelt.
Mellon bezieht sich nach eigenen Angaben auf den Bundesverband Metall, demzufolge ein Schlüsseldienst, der mehr als 127 Euro für eine einfache Türöffnung verlangt, zu teuer ist. In Deutschland gelte dies für 1 408 der getesteten Dienstleister. Demnach sind 56 Prozent der deutschen Schlüsseldienste zu teuer.
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