Besondere Zeiten fordern – und fördern – besondere Maßnahmen: Der stationäre Handel muss sich seit einigen Monaten mit unzähligen Hygieneregeln arrangieren, um seinen Kunden Sicherheit beim Einkaufen zu bieten. Und das gilt nicht nur für den Einzelhandel, sondern natürlich auch für den Fachhandel. Viele Hersteller von Sicherheitstechnik haben sich der Problematik angenommen und Lösungen entwickelt, die oft auch für andere Anwendungsfälle als den Handel nutzbar sind. Und auch im Bereich der Sicherheitstechnik-Dienstleistungen hat sich ein neues Geschäftsfeld aufgetan. Wir stellen einige Beispiele vor.
Fast „pünktlich“ zum Beginn der zweiten Pandemie-Welle in Deutschland Anfang Oktober hat VdS ein neues Angebot vorgestellt: Im Rahmen einer Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Safe Shopping Centers prüfe der VdS die Implementierung geeigneter und geforderter Corona-Schutzmaßnahmen in Shoppingcentern im deutschsprachigen Raum.
Hintergrund: Im Rahmen der Covid-19-Pandemie hat der Einzelhandel mit massiven Veränderungen in den gewohnten Geschäftsstrukturen zu kämpfen. Dazu zählen nicht nur veränderte Rahmenbedingungen wie Hygiene- und Abstandsregelungen, sondern auch allgemeine Beschränkungen, beispielsweise die der Besucherzahlen. Safe Shopping Centers ist ein nach eigenen Angaben unabhängiges Beratungsunternehmen und eine Zertifizierungsstelle, die Einkaufszentren und die Einzelhandelsgemeinschaft unterstützt. Mit Blick auf die neuen Corona-Anforderungen hat das Unternehmen einen speziellen Zertifizierungsprozess implementiert, der Shoppingcenter bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Corona berät.

In Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen wird VdS die entsprechenden Audits für Kunden im deutschsprachigen Raum durchführen. Denn auch der Einzelhandel in Deutschland muss viele behördliche Auflagen erfüllen, um den Betrieb in Zeiten von Corona fortführen zu können. „Das Zertifizierungsverfahren von Safe Shopping Centers bietet dabei eine hervorragende Unterstützung, alle behördlichen Anforderungen im Blick zu halten und den Besuchern die erfüllten Corona-Sicherheitsmaßnahmen mit einem Zertifikat sogar noch eindeutig nachzuweisen“, meint Hardy Rusch, Abteilungsleiter Risikomanagement bei VdS.
Die Risikoingenieure von VdS seien darauf spezialisiert, Risiken zu erkennen und Sicherheitsstandards zu prüfen – wenn auch traditionell im Bereich Risk Engineering. „Nichtsdestotrotz deckt VdS die Betrachtung sämtlicher Unternehmensgefahren ab, zu denen die Gefahren durch Corona in diesen Tagen eben auch dazugehören“, erklärt Rusch. „Wir haben Fachleute, die in der Bewertung und Dokumentation von Risiken und Maßnahmen absolute Profis sind und regelmäßig Gebäudebesichtigungen durchführen. Wir freuen uns deshalb, Safe Shopping Centers im Rahmen ihrer Corona-Audits im deutschsprachigen Raum unterstützen zu können.“
Die Audits werden laut VdS als Remote-Audits in Form von Telefoninterviews und einem virtuellen Rundgang stattfinden. Damit werde nicht nur das Infektionsrisiko der Mitarbeiter und Besucher, sondern auch der Aufwand für den Betreiber vor Ort minimiert. VdS weist darauf hin, dass das Verfahren ein Angebot ist und für Betreiber nicht verpflichtend sei.
Jeder Kunde zählt
Bereits im April dieses Jahres hat Abus in Zusammenarbeit mit dem Software-Anbieter Axxon-Soft eine Lösung für den Handel präsentiert. Diese richtet sich nach dem Mindestabstand von 1,5 Metern, der nicht nur im Handel zu gewährleisten ist. Entsprechend der Fläche der Ladenlokale berechnet sich so die Höchstzahl an Personen, die sich im Geschäft aufhalten darf. Eine Lösung hierfür bietet Abus zusammen mit Axxon-Soft an: ein System, das mittels intelligenter Videoüberwachung zuverlässig ermitteln soll, wie viele Personen sich gerade im Geschäft aufhalten. Darauf basierend zeigt ein Monitor im Eingangsbereich anhand eines Ampelsystems dem sich nähernden Kunden, ob er den Laden in diesem Moment betreten darf – oder ob die maximale Kundendichte in der Filiale bereits erreicht ist. Sollten mehrere Eingänge vorhanden sein, so lassen sie sich laut Abus problemlos alle mit einem System verwalten. Darüber hinaus könne auch die automatische Schließung der Schiebetür veranlasst werden, sobald die maximal erlaubte Anzahl an Personen im Laden erreicht ist. Zusätzlich informiere die Software mittels eines automatischen Alarms die Verantwortlichen über Schlangenbildung vor dem Laden, welche es zu vermeiden gilt. Die Lösung bestehe lediglich aus zweierlei Komponenten: eine oder mehrere Abus-Überwachungskameras, die ein- und austretende Personen zählen, und eine Axxon-Soft-Software-Lizenz. Das Abus-Kamerasortiment biete je nach individuellen Anforderungen und Gegebenheiten ein vielseitiges Produktspektrum. Die Technik sei eine Investition in die Zukunft, auch über die Corona-Krise hinaus: Individuelle Kunden- und Marktanalyse, Optimierung von Betriebsabläufen, Steigerung von Kundenzufriedenheit und Umsatz – und natürlich die Aufklärung von Ladendiebstahl oder Vandalismus: Abus-Videoüberwachung, verbunden mit „Axxon Next“ oder „Axxon Intellect“, biete über die besonderen Ansprüche in der aktuellen Corona-Krise hinaus viele Vorteile für den Einzelhandel.
Maske auf, Temperatur okay

Ebenfalls in einer sehr frühen Phase der Pandemie hat Geutebrück sein Portfolio erweitert, um mithilfe künstlicher Intelligenz drei Dinge zu messen: die Körpertemperatur, das Tragen der Mund-Nasen-Maske und die Anzahl der Besucher. Die Technik eigne sich nicht nur für den Handel, sondern auch für Behörden, Industrie und andere Bereiche. Ohne auf biometrische Daten zurückgreifen zu müssen, verarbeiten die intelligenten Videosicherheitssysteme Bilder in Echtzeit, heißt es vonseiten des Anbieters. So würden Kunden und Mitarbeiter geschützt und die Einhaltung behördlicher Auflagen oder vorgeschriebene Hygienemaßahmen kontrolliert und dokumentiert. Bei der Körpertemperatur-Messung scanne das System einzelne Personen oder Gruppen automatisch. Anwendungsmöglichkeiten böten sich überall dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, zum Beispiel in Unternehmen, Fabriken, Bahnhöfen, Flughäfen und öffentlichen oder privaten Einrichtungen.
Die automatisierte Mundschutz-Erkennung verifiziere die Einhaltung dieser Vorsichtsmaßnahmen und könne – angeschlossen an eine Zutrittskontrolle – den Eintritt in ein Gebäude erlauben oder verwehren. Diese Lösung eigne sich für jede Einrichtung mit Publikumsverkehr. Besucherströme zu zählen und zu leiten ist insbesondere für Ladenbesitzer interessant, die darauf achten müssen, dass in ihren Geschäftsräumen die maximal erlaubte Anzahl von Kunden nicht überschritten wird. Wie alle Lösungen von Geutebrück seien auch diese Entwicklungen DSVGO-konform und schützten die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre aller Beteiligten. „Die von uns entwickelten Lösungen können in vielen Bereichen helfen, diese Herausforderungen mittels Visualisierungen und Automatisierung zu meistern, ohne dabei an Kapazitätsgrenzen zu kommen“, so Christine Heger-Essig, Chief Technologie Officer.
Alternative zum Türsteher
Die Firma Sensotek aus Ebersbach ist eine Beteiligungsgesellschaft der Firma Pepperl+Fuchs AG, welche nach eigenen Angaben zu den weltweit größten Anbietern im Bereich der berührungslosen Sensoren zählt. Mit dem „Smart Entrance Manager“ ist seit Sommer eine Systemlösung im Baukasten aus dem Hause Sensotek am Markt verfügbar, welche auf die Bedürfnisse von Retailern, Einzel- und Fachhandel, Getränkemärkten, Schuhgeschäften, Baumärkten und vielen mehr zugeschnitten wurde. Hintergrund: Die verantwortlichen Betreiber der Handelsstandorte haben sicherzustellen, dass die Begrenzung der Personenzahl auf Grundlage der räumlichen Kapazitäten und die Regelung von Personenströmen und Warteschlangen erfüllt wird, damit eine sichere Umsetzung der vom Gesetzgeber erlassenen Abstandsregeln ermöglicht wird. Eine genaue durch Menschen durchgeführte Zählung ist in der Regel nur schwer oder mit hohen Personalkosten realisierbar. Genau hier komme die digitale Einlasskontrolle von Sensotek zum Einsatz, welche zur Personenzählung die Time-Of-Flight-Technologie (TOF) zum Einsatz bringe, mit einer Zählgenauigkeit größer 99 Prozent, heißt es vonseiten des Anbieters. Das System zähle durchgehende Personen mit Richtungsbewertung und sei für einfache, also eine Ein- und Ausgangstür, oder komplexere, mit mehreren Ein- und Ausgängen, Personenzählungen konfigurierbar – je nach Erfordernis.
Der 3D-TOF Sensor werde nicht durch Umwelteinflüsse wie Temperatur und Lichtbedingungen beeinflusst, wie es bei anderen Personenzählsensoren der Fall sei. Laut Anbieter werden echte Abstands- und Forminformationen ausgewertet, das System erkenne Personen anhand ihrer Form und Bewegung. Der Einbau sei einfach, das System lasse sich vor Ort einstellen. Die Komponenten werden den Angaben zufolge über Ethernet-Kabel miteinander verbunden. Das bei Sensotek entwickelte Interface schalte die Sensorik im Außenbereich oberhalb der Automatiktüre ab, sofern die vorgegebene Anzahl von Besuchern überschritten wird, ohne dass in die Türsteuerung eingegriffen werden müsse. Es kommen dann keine Personen mehr in die Verkaufsräume, aber Personen könnten weiterhin sicher von innen nach außen gelangen. Das System sei völlig autark. Über das Display der Steuerung gelange der Anwender per Fingerdruck und Eingabe der Pin zu den Einstellungen. Dort werde die maximal zugelassene Personenzahl eingegeben. Das Display informiere über das bekannte Ampelmännchen in grün oder rot, ob die Geschäfte, Restaurants, Ausstellungen etc. betreten werden dürfen. Eine SD-Karte in der Steuerung sichere die Beweisführung gegenüber behördlichen Kontrollen durch eine Datensicherung von Zählwerten.
Ende der Zettelwirtschaft
Die Gastronomie hat mit der Pandemie eine neue Aufgabe zu bewältigen: Kontakterfassung. Damit das nicht in eine unüberschaubare Zettelwirtschaft ausartet, hat die Firma GMS Sicherheitstechnik aus Wesel ein den Angaben zufolge unkompliziertes System auf den Markt gebracht, von dem Gastronomen und Gäste gleichermaßen profitieren sollen. Ein QR-Code, der am Tisch ausliegt, wird mit dem Smartphone gescannt. Von dort gelange der Gast direkt zum auszufüllenden Formular. Schnell seien der Name, die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse eingetragen und gesendet. Als Bestätigung erhalte der Gast eine E-Mail, in der für den Fall der Fälle eine Rufnummer hinterlegt ist, wo man eine positive Corona-Meldung durchgeben kann. So könnten andere Anwesende schnell ermittelt und benachrichtigt werden. Die Kosten seien übersichtlich und eher eine Aufwandsentschädigung. Die Gastronomen zahlen laut GMS Sicherheitstechnik einmalig 50 Euro, und je nach Zusatzleistung kommen noch weitere Kosten dazu. Der Gastronom erhalte die QR-Codes für die Tische und habe ansonsten keinerlei Aufwand mehr, keine Aufbewahrung von Papierlisten. Die Verarbeitung der Daten erfolge auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 b. c. d. DSGVO. Die Datenschutzbestimmungen und die Gesundheitsverordnung würden genauestens befolgt. Die Daten werden gelöscht, sobald sie für ihre Erhebung nicht mehr erforderlich sind. Das System sei vielseitig einsetztbar, nicht nur in der Gastronomie, sondern beispielsweise auch bei Frisören.
Geht das auch in schön?

Eine der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind die Handdesinfektionsmittelspender in Eingangsbereichen, die in den seltensten Fällen schön gestaltet sind. Abhilfe schafft Hewi, indem das Unternehmen wie so häufig Funktionalität mit Design verbindet. Die neue Desinfektionsspender-Säule von Hewi soll den gestiegenen Hygieneanspruch in öffentlichen und viel frequentierten Bereichen erfüllen. Die mobile Lösung erhöhe die Hygiene in Eingangsbereichen von öffentlichen Gebäuden, Gesundheitsbauten sowie der Gastronomie und Hotellerie.Hewi biete mit der Desinfektionsspender-Säule Gestaltungsoptionen und ermögliche eine ästhetische Umsetzung der Hygienemaßnahmen. Die Designlinie des Herstellers aus Bad Arolsen ist in den Oberflächen Edelstahl und Pulverbeschichtung mit tiefmatter Oberfläche in Weiß, Grautönen oder Schwarz gestaltet. Zur Auswahl stehen zwei funktionale Spendervarianten: Der Sensorspender ist berührungslos nutzbar und mit einer Tropfschale versehen. Die Säule biete aber dank eines verstärkten Fußes auch bei der manuell bedienbaren Spendervariante optimale Standsicherheit. Kombinieren lasse sich die Desinfektionsspender-Säule mit weiteren Sanitärlösungen in der gleichen Designsprache, sodass man mit Fug und Recht sagen kann: Ja, das geht auch in schön.