Bauhaus-Triologie „1021“
Bauhaus-Triologie „1021“ (Quelle: FSB)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2020-02-17T23:00:00Z Trends bei Griffen an Fenstern und Türen

Diversität könnte das Schlagwort zur Beschreibung der aktuellen Trends zum Thema Griffe an Fenstern und Türen lauten. Fest steht: Bedeutungsschwere Design-Jubiläen, voranschreitende technische Entwicklungen und der Wunsch, bei einer Vielzahl an digitalen Möglichkeiten Produkte ganz real optisch und haptisch erleben zu können, liefern derzeit zentrale Impulse in der Produktentwicklung und -vermarktung.

Wenn wir heute vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Co. von einem Bruch mit tradierten Vorstellungen und alten Lebenswelten sprechen und ein Neudenken in Gesellschaft, Pädagogik, Design und Architektur fordern, dann tun oder verlangen wir nicht mehr und nicht weniger als Walter Gropius 1919 bei der Gründung des Bauhauses. Zeitenwende, Paradigmenwechsel, Aufbruch in eine neue Ära. Das gab es vor 100 Jahren, und das gibt es auch dieser Tage. Die Jubiläumsfeier des Bauhauses, das wie kaum eine andere Schule und Bewegung für Gestaltung unsere Gegenwart geprägt hat, könnte in keine bessere Entwicklungsphase fallen als die derzeitige.

Unter dem Motto „Die Welt neu denken“ lud der Bauhausverbund 2019 dazu ein, die historischen Zeugnisse des Bauhauses ebenso neu zu entdecken wie seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Mehr als passend also, dass die Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen aktuell nicht nur auf Hightech, sondern auch auf die Qualitäten zurückliegender Designepochen setzten.

Bei aller Technik und Fortschritt-Beflissenheit – angefangen bei smarten Schließsystemen bis hin zum rundum vernetzten Haus – kristallisiert sich für Hersteller heraus, dass Fortschritt um des reinen Fortschrittes Willen weder ausreicht, noch zufriedenstellend ist. Dabei bleibt der Blick offen für die Bedürfnisse des Marktes und damit verbundenen Trends wie dem Streben nach maximal individualisierbaren Produkten und Beschlägen, die sowohl für Sanierungsprojekte (aktuell von Bauten aus den 1970er- und 1980er-Jahren) sowie für Neubauten mit zeitgenössischem Design-, Komfort- und Sicherheitsanspruch passend sind.

Auffallend ist weiter, dass derzeit zwei Haupttrends die Welt der Tür- und Fensterbeschläge zu bestimmen scheinen: Auf der einen Seite stehen hochfunktionale, elegant-reduzierte Entwürfe und auf der anderen durch die Kombination von verschiedenen Farben und Materialitäten vielschichtige Produkt-Designs, die der durchdachten Raumdetaillierung eine zusätzliche Dimension geben.

Klassiker und „Schwarzmaler“

Anlässlich des bereits erwähnten Bauhausjubiläums im vergangenen Jahr betont FSB seine seit Jahrzehnten bestehende Verbindung zur Designbewegung anhand neu interpretierter Türdrücker von Walter Gropius, Wilhelm Wagenfeld und Ludwig Mies van der Rohe. Sämtliche Re-Designs bestechen nach wie vor durch ihre zweckmäßige Schönheit wie ästhetische Aktualität und wurden den heutigen bautechnischen Anforderungen respektvoll angepasst, heißt es vonseiten des Unternehmens. Die sogenannte „Bauhaus Trilogie“ umfasst dabei drei Produkte: Das Modell „1102“ ist eine bereits 1986 veranlasste Neuauflage des „Gropius-Drückers“ von Walter Gropius durch Alessandro Mendini. „1021“ entstand in den 1990er-Jahren als Re-Interpretation eines Entwurfs von Wilhelm Wagenfeld durch Hartmut Weise. Als drittes Produkt im Reigen der Klassiker bewirbt der Hersteller einen neuen Türdrückerentwurf „1267“. Hartmut Weise schuf hier, inspiriert von Türdrückermodellen von Mies van der Rohe, ein neues Produkt, das sich durch einen fließenden Übergang vom runden Drückerhals in einen flachen Handgriff auszeichnet. Neben Türdrückern für Vollblatt-, Rahmen- und Glastüren sowie für Notausgangsverschlüsse beinhaltet diese Produktfamilie einen Fenstergriff und Steckgriffe mit reduzierter Rosette für Türen und Fenster.

Ebenfalls im Zeichen von Designklassikern tätig wurde Winkhaus mit seiner Programmergänzung des Beschlagsystems „Alu-Pilot“ durch eine Steckgriffserie für Aluminiumfenster, die mit ihrer puristischen Formensprache an Designentwürfe aus den 1920er-Jahren erinnert. Das Standardprogramm umfasst aktuell ein aluminium-natur-eloxiertes Finish, eine Ausführung in Edelstahloptik sowie einen Weiß- und einen Silberfarbton.

Als echte Design-Ikone kann zweifelsfrei das Türdrückersystem „111“ von Hewi bezeichnet werden, das zu seinem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2019 mit einer Jubiläumsedition gefeiert wird. Die „Edition matt“ setzt auf matte Polyamid-Oberflächen und eine samtig weiche Haptik in den Farben Tiefschwarz, Weiß und Anthrazitgrau. Das für Hewi typische modulare Prinzip erschließt so eine weitere Auswahlkomponente, die mit vorangegangenen Design-Erweiterungen der Garnitur-Rosetten „bicolor“ und „mini“ kombinierbar ist. Bei „bicolor“ treffen demnach matte Oberflächen auf Edelstahl und metallische Veredelungen in PVD, während die Variante „mini“ die Rosette formal reduziert und damit den Türdrücker in den Fokus bringt. Komplettiert wird das umfassende Sortiment darüber hinaus durch passende Türbänder, Türpuffer und Fenstergriffe in matter Optik.

Anhänger des „kleinen Schwarzen“ ist unlängst auch Karcher Design, bereits seit 2017 ist das Unternehmen mit seiner „Black Edition“ am Markt. Egal ob Türgriffe, Fenstergriffe, Stoßgriffe, Schiebetürmuscheln, Türstopper oder Knöpfe – „der Farbton gewinnt“ laut Karcher Design „bei immer mehr Produkten an Beliebtheit“. Die Farbe „Kosmos Schwarz“ wird als Teil der Karcher „Black Edition“ als Pulverbeschichtung auf den jeweiligen Edelstahl-Türgriffen aufgetragen. Dabei sei die matte Beschichtung kratzfest und korrosionsbeständig.

Wege der Personalisierung

Insbesondere zur Unterstützung für ganzheitliche Raumausgestaltungen entwickelte Grauthoff die Drückerserie „Plug in 2.0“. Die flächigen Handgriffe verfügen über eingelassene Astra-CPL-Oberflächen in Holzoptik und entstanden als Ergänzung zu der „Pinea“-Türkollektion, die ebenfalls die vielfältigen Astra-Oberflächenoptiken für sich nutzt. Tür und Drücker bilden so eine in der Materialität offenkundig sicht- und spürbare gestalterische Einheit.

Klassisch clean soll dagegen die Kollektion für Türgarnituren und Fenstergriffe aus dem Hause Glutz sein. Das Schweizer Unternehmen bietet mit „Comfort“ eine Art Baukastensystem, das es ermöglicht, aus vier Drückerformen und unterschiedlichen Rosetten individuell passende Garnituren zusammenzustellen. Die zunächst ausschließlich für den Wohnungsbau entwickelte Produktlinie soll dabei zeitnah durch eine Folgelinie der Gebrauchsklasse 4 erweitert werden, die Anwendungsoptionen für Außentüren im gehobenen Wohnungsbau sowie für Innen- und Außentüren im anspruchsvollen Wirtschaftsbau umfasst.

Wer einen Beschlag in speziellem Farbton wünscht, findet dagegen in der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH den richtigen Partner. „Anspruchsvolle Gestalter wünschen sich für Türdrücker, Sanitärarmaturen und eben Details am Fenster einen optisch harmonischen Gleichklang“, berichtet Matthias Nagat, Leiter Sortimentsvermarktung und Produktanpassung Aluvision. Aus diesem Grund beschichtet Roto Schwerlastbeschläge ebenso wie Getriebegriffe und diverses Zubehör aus den Programmen „AL“ und „AL Designo“ nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers oder seiner Kunden. Immer dann, wenn es darum geht, die Technik am Fenster in den Hintergrund treten zu lassen, können die genannten Bauteile in der Farbe des Fensterprofils beschichtet werden. So verschmelzen Bandseite, Getriebegriffe und Fensterprofil farblich zu einer Einheit. Aufliegende Schwerlastbänder werden dann kaum noch wahrgenommen. Auf Wunsch stattet der Hersteller zudem den Griff oder das Aufsatzgetriebe mit dem Logo des Fensterherstellers aus.

Eine kundenbasierte Beschlagsausgestaltung anderer Art liefert Ogro mit „Twin-Elox“. Das neue Eloxier-Verfahren verleiht Ogro-Aluminium-Beschlägen mit gerader Formensprache durch eine zweifarbige Produkt-Koloration einen dekorativen wie feinsinnig-vielschichtigen Look.

Smarte Technik, die bewegt

Smarte oder zu Deutsch intelligente Schließsysteme in den unterschiedlichsten Ausführungen und mit den verschiedensten Bedien- und Verrieglungslösungen gibt es mittlerweile einige am Markt. In jedem Fall hat die Art des Schließsystems – egal ob digital oder manuell – direkten Einfluss auf den Look des finalen Produktes. Ein smarter, also schlauer Schließmechanismus ist beispielsweise das „smart2lock by Griffwerk“-System, das direkt in den Türgriff integriert ist. Der Verriegelungsschieber befindet sich in Daumenreichweite und lässt sich mit nur einer Hand schließen und abschließen. Diese spezifische Schließtechnik mache eine Rosette gänzlich überflüssig und begünstigt damit reduzierte, neue Türenästhetiken.

Die Marke FSB positioniert sich bei der Frage, was im Beschlagssektor smart bedeutet, mit der Gründung der neuen Digital Access Control GmbH (kurz DAC). Der Geschäftszweck des Unternehmens ist die Entwicklung und der Vertrieb von Software-Lösungen und -Plattformen für die digitale Zutrittskontrolle. „Mit dieser Neugründung gehen wir einen wichtigen Schritt in die digitale Zukunft und in die Vernetzung von Gebäudezugängen“, so Andreas Steinkamp, Geschäftsführer der DAC. Sicherheit, Flexibilität und Design stehen für FSB dabei im Mittelpunkt zukunftsorientierter Systemlösungen. Das erste entsprechende Produkt „L700 Light-Access Pro“ macht das Smartphone zum digitalen Schlüssel. Die Ansteuerung des Türbeschlags erfolgt durch codierte Lichtsignale, die den Angaben zufolge unabhängig von Hersteller und Betriebssystem von einem Smartphone mit Farbdisplay erzeugt werden.

Eindeutig smart ist außerdem der Fenstergriff „Auto-Lock“ von HOPPE. „Auto-Lock“ ist mit einer elektromechanischen Verriegelung in der Rosette versehen und in das entsprechende Gebäude-Zentralverriegelungs-System eingebunden. Wird der Fenstergriff bewegt, sendet der Griff ein Funk-Signal an das System, das dadurch weiß, in welcher Position sich der Griff befindet. In der Geschlossen-Stellung befindliche Griffe werden vom System automatisch verriegelt und können nur dann betätigt werden, wenn das System (anhand vorgegebener Parameter) eine Freigabe zum Öffnen der Fenster erteilt. Ist dies der Fall, wird der Fenstergriff entriegelt und kann ganz normal gedreht werden. Ob das Fenster zum Öffnen freigegeben ist, „erfragt“ der Nutzer über einen kleinen Druckknopf an der Rosette, der grünes oder rotes Licht anzeigt. Der selbstverriegelnde sowie einbruchhemmende „Auto-Lock“ leistet somit auch einen Beitrag bei der kontrollierten wie energieeffizienten Gebäudeklimatisierung und erfüllt darüber hinaus in Verbindung mit dem passenden Fensterelement die Anforderungen der europäischen Einbruchschutz-Normen DIN EN 1627-1630 (Widerstandsklassen RC 1-6) sowie DIN EN 13126-3.

Ob nun technikaffin oder bauhausbeflissen: Was im Trend liegt, entscheidet zu guter Letzt der Kunde. Ihn gilt es mit klaren wie eindeutigen Designaussagen und selbsterklärend leichten Bediensystemen zu überzeugen. Zahlreiche Produkte zeigen dabei, dass eine ansprechende und interessante Haptik wie auch farbintensive Ausgestaltungen und Flexibilität im Angebotsspektrum trotz hohem Anspruch an Sicherheit und Komfort die Schlüsselkomponenten zu erfolgreichen Designs von Fenster- und Türbeschlägen sind.

zuletzt editiert am 04. November 2020
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