Bei Feuer- oder Rauchschutztüren muss das Gesamtpaket stimmen, um im Notfall die Vorgaben zu erfüllen.
Bei Feuer- oder Rauchschutztüren muss das Gesamtpaket stimmen, um im Notfall die Vorgaben zu erfüllen. (Quelle: GU)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2022-02-22T13:19:39.437Z Beschläge für Feuer- und Rauchschutztüren

Ergänzung zum Bericht in Ausgabe 3/22 auf Seite 12 bis 14

Wenn für ein Gebäude Feuer- oder Rauchschutztüren vorgesehen sind, muss immer auch das Gesamtpaket stimmen. Sprich die Baubeschläge und alle weiteren Zubehörprodukte am Element müssen entsprechend geprüft sein. Für Türdrücker sind die Anforderungen in der seit 1997 gültigen DIN 18273 formuliert. Darüber hinaus gibt es aber auch die CE-Kennzeichnungen.

Wir haben bei namhaften Beschlagherstellern nachgefragt. Nur ein Teil bietet Klinken für diese speziellen Anforderungen an. Einige dieser Beschläge stellen wir in diesem Beitrag exemplarische vor, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Doch zuvor gibt es einen kleinen „Ausflug“ in den Bereich der europäischen Normung.

Den richtigen Beschlag finden

Genau wie bei den eigentlichen Bauelementen unterscheidet der Gesetzgeber auch bei den Beschlägen in Produkte für den Bereich Rauchschutz und solche für den Einsatz in Brandschutztüren. Manche Beschläge müssen je nach Einsatzzweck über eine CE-Kennzeichnung verfügen. Für den Brandschutz kommt die EN 16034 zum Tragen – zusammen mit der EN 14351-1 für Außentüren und der EN 14351-2 für Innentüren. Diese europäischen Normen formulieren klare Vorgaben, welche Prüfungen für die Erlangung der gewünschten Klassifizierung notwendig sind. Für die Verwendung an reinen Rauchschutztüren reicht normalerweise eine positive Brandprüfung entsprechend der EN 1634-1 aus. Es gibt aber auch Fälle, bei denen Türdrücker ausdrücklich eine Zulassung für Deutschland benötigen.

Für reine Brandschutzbeschläge sind oft mehrere Prüfungen notwendig, weiß Erich Muders vom Institut für Fenstertechnik in Rosenheim, denn es gibt unterschiedliche Bauelemente und unterschiedliche Klassifizierungen für Feuerschutzabschlüsse, sprich feuerhemmende Türen nach T30, hochfeuerhemmende Türen nach T60 sowie feuerbeständige Türen nach T90. Und nicht zuletzt muss immer unterschieden werden, ob es sich um Türen für den Innenbereich oder um Außentüren handelt.

„Für die Hersteller der Türbeschläge wird zur Beschreibung und Einordnung ihrer Produkte ein so genanntes Hardware Performance Sheet, HPS, empfohlen. Dies ist eine Leistungsbeschreibung der Türdrücker zur Aufbereitung der Prüfergebnisse. Die Anforderungen an ein HPS sind in der EN 16035 geregelt. Mittels HPS soll für die nach EN 16034 gekennzeichneten Feuer- und Rauchschutzabschlüsse eine Austauschbarkeit – sprich Nachrüstung – auf Basis des Vergleichs eines geprüften Beschlages mit dem auszutauschenden Drücker möglich sein“, erläutert Erich Muders.

Dieser kurze Exkurs verdeutlicht bereits, dass Feuerschutzbeschlag nicht gleich Feuerschutzbeschlag ist. Es kommt immer auf die korrekte Zulassung an, ob ein Türdrücker auch wirklich montiert werden darf. In den Bauausschreibungen der Architekten und Planer sind die entsprechenden Vorgaben an die Griffe formuliert. Grundsätzlich gilt, dass ein Drücker beispielsweise mit Zulassung für ein T90-Bauelement problemlos auch an einer „einfachen“ Rauchschutztür montiert werden darf. Umgekehrt darf ein Türbeschlag nur mit Zulassung für Rauchschutzabschlüsse in der Regel nicht an einer feuerbeständigen Tür zum Einsatz kommen, da er die Anforderungen nicht erfüllt und das Element bei Anbringung unter Umständen die Zulassung verliert und im Schadensfall sogar mögliche Haftungsfragen entstehen.

Somit ist eindeutig, dass an Brandschutz-, Rauchschutz- und Fluchttüren nur die Beschläge zum Einsatz kommen dürfen, die auch den vorgegebenen Prüfnormen entsprechen. Vollständig feuerbeständige Türgriffe haben einen höheren Schmelzpunkt, um sicherzustellen, dass der Griff während eines Feuers nicht beeinträchtigt wird und die Tür nach einem Brand noch begehbar ist. Darüber hinaus wird vorgeschrieben, dass der Vierkantstift aus Stahl sein muss, einen Querschnitt von 9 x 9 Millimeter aufweist und in Längsrichtung ungeteilt ist. Nach 200.000 Öffnungs- und Schließzyklen dürfen keine Rissbildungen und Verformungen sichtbar sein.

Spezialbeschläge für besondere Anforderungen

Abus hat gleich mehrere Türbeschläge für Feuerschutztüren im Programm, unter anderem das Modell „KLZS7 14 F S“. Der Drücker hat eine VdS-Anerkennung und ist zertifiziert nach DIN EN 1906 SK2 und DIN 18257 ES1. Geeignet ist der Beschlag für Stumpf- und Falztüren, DIN-rechts und DIN-links mit Stärken von 37 bis 47 Millimeter.

Geeignet ist der Beschlag für Stumpf- und Falztüren, DIN-rechts und DIN-links mit Stärken von 37 bis 47 Millimeter.
Geeignet ist der Beschlag für Stumpf- und Falztüren, DIN-rechts und DIN-links mit Stärken von 37 bis 47 Millimeter. (Quelle: Abus)

Die drei elektronischen Beschlaglösungen „c-lever pro“, „c-lever air“ und „c-lever compact“ von Dormakaba lassen sich auch an Brandschutztüren einsetzen, da sie die geforderten bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweise wie das abP (allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis) oder aber bereits die neue Zulassung abZ (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung) besitzen.

Die drei elektronischen Beschlaglösungen „c-lever pro“, „c-lever air“ und „c-lever compact“ von Dormakaba lassen sich auch an Brandschutztüren einsetzen.
Die drei elektronischen Beschlaglösungen „c-lever pro“, „c-lever air“ und „c-lever compact“ von Dormakaba lassen sich auch an Brandschutztüren einsetzen. (Quelle: Dormakaba)

FSB nimmt für sich in Anspruch, über das größte am Markt befindliche Angebot an Türdrückermodellen für Feuerschutzabschlüsse zu verfügen. Auf mehr als 50 Griffe in Kombination mit Rosetten und Schildern kann der Kunde zugreifen – zertifiziert und ständig überwacht vom Materialprüfamt, MPA, in Dortmund. Der Hersteller hat Brandschutzprüfungen nach EN 1634-1 mit verschiedenen Türenherstellern durchgeführt. Dabei wurde das gesamte Türelement einschließlich der Beschläge geprüft.

FSB nimmt für sich in Anspruch, über das größte am Markt befindliche Angebot an Türdrückermodellen für Feuerschutzabschlüsse zu verfügen.
FSB nimmt für sich in Anspruch, über das größte am Markt befindliche Angebot an Türdrückermodellen für Feuerschutzabschlüsse zu verfügen. (Quelle: FSB)

Die Modelle der „StarTec-Serie PDH 5“ von Häfele sind für Türen mit Feuerschutzanforderungen geeignet, da sie nach den aktuell gültigen DIN/EN-Normen geprüft und zertifiziert sind. Ferner zeichnen sie sich durch hochwertige Oberflächen aus Edelstahl oder Aluminium und eine lange Lebensdauer aus. Neben funktionalen, klassischen Türdrückerformen sind auch Produktfamilien im Autorendesign von Jan Kleihues, Wilhelm Wagenfeld oder im Sieger-Design erhältlich.

Die Modelle der „StarTec-Serie PDH 5“ von Häfele sind für Türen mit Feuerschutzanforderungen geeignet, da sie nach den aktuell gültigen DIN/EN-Normen geprüft und zertifiziert sind.
Die Modelle der „StarTec-Serie PDH 5“ von Häfele sind für Türen mit Feuerschutzanforderungen geeignet, da sie nach den aktuell gültigen DIN/EN-Normen geprüft und zertifiziert sind. (Quelle: Häfele)

Hafi Feuerschutzgarnituren sind nach DIN 18273 – Bestandteil der Landesbauordnungen beziehungsweise Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Bestimmungen (MVVTB) – geprüft. Als Verwendungsnachweis tragen so geprüfte Beschläge ein Übereinstimmungszeichen (ÜZ). Die Feuerschutzgarnituren, wie beispielsweise das Modell „Public Line“ für Vollblatttüren, werden entsprechend dieser gesetzlichen Richtlinie güteüberwacht und haben das Übereinstimmungszeichen, ausgestellt durch das MPA in NRW.

Hafi Feuerschutzgarnituren sind nach DIN 18273 – Bestandteil der Landesbauordnungen beziehungsweise Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Bestimmungen (MVVTB) – geprüft.
Hafi Feuerschutzgarnituren sind nach DIN 18273 – Bestandteil der Landesbauordnungen beziehungsweise Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Bestimmungen (MVVTB) – geprüft. (Quelle: Hafi)

Hewi bietet in unterschiedlichen Systemen Feuerschutzbeschläge an, die nicht nur die Begehbarkeit der Tür sichern, sondern in verschiedenen Farben und Oberflächen auch Akzente im Raum setzen sollen. Die Feuerschutzgarnituren aus der „Serie 111“ sind in Polyamid hochglänzend und matt sowie in Edelstahl matt geschliffen erhältlich. Die verfügbaren 16 Farben enthalten Signalfarben, die den Drücker in Paniksituationen besser sichtbar machen und zu einem schnellen Verlassen des Raums beitragen.

Die Feuerschutzgarnituren aus der „Serie 111“ sind in Polyamid hochglänzend und matt sowie in Edelstahl matt geschliffen erhältlich.
Die Feuerschutzgarnituren aus der „Serie 111“ sind in Polyamid hochglänzend und matt sowie in Edelstahl matt geschliffen erhältlich. (Quelle: Hewi)

Alle Feuerschutzgarnituren von HOPPE, wie beispielsweise auch die Aluminium-Feuerschutz-Rosetten-Garnitur „Hamburg“ mit Schlüsselrosetten für Innentüren sind entsprechend DIN EN 18273 geprüft. Viele der Feuerschutzgarnituren des Herstellers sind überdies mit „Sertos“ ausgestattet. Hierbei sorgt eine Kugel-Arretierung in der Steckgriff-Verbindung für eine unkomplizierte Montage und eine hohe, zertifizierte Belastbarkeit von mindestens 1.000.000 Bedienzyklen.

Viele der Feuerschutzgarnituren des Herstellers sind zusätzlich mit „Sertos“ ausgestattet.
Viele der Feuerschutzgarnituren des Herstellers sind zusätzlich mit „Sertos“ ausgestattet. (Quelle: HOPPE)

Salto Systems bietet mit dem „XS4 Mini“ einen elektronischen Kurzbeschlag, der sich nach Angaben des Herstellers durch hohe Leistungsfähigkeit, einfache Installation und ein elegantes Design auszeichnet. Zur Installation muss lediglich der bisherige Türdrücker entfernt werden. Die Nachrüstung erfolgt ohne Verkabelung, Bohrung oder aufwendige Umbauten. Durch die Nutzung der vorhandenen Rosetten-Bohrung (DIN) eignet sich der Beschlag zudem für die Verwendung an Feuer- und Rauchschutztüren, ohne dass diese ihre Zertifizierung verlieren.

Salto Systems bietet mit dem „XS4 Mini“ einen elektronischen Kurzbeschlag, der sich nach 
Angaben des Herstellers durch hohe Leistungsfähigkeit, einfache Installation und ein elegantes Design auszeichnet.
Salto Systems bietet mit dem „XS4 Mini“ einen elektronischen Kurzbeschlag, der sich nach Angaben des Herstellers durch hohe Leistungsfähigkeit, einfache Installation und ein elegantes Design auszeichnet. (Quelle: Salto)

Südmetall bietet eine umfangreiche Produktpalette an Feuerschutztürdrückern in verschiedenen Ausführungen, Designs und Oberflächen. Die Produkte erfüllen alle brandschutztechnischen Voraussetzungen (DIN 18273 – Deutschland, EN 1634-2 Österreich auf DIN EN 1634-2 Feuerwiderstandsprüfungen für Tür- und Abschlusseinrichtungen). Zudem tragen die für Notausgänge vorgesehenen Beschläge die Prüfnorm DIN EN 179.

Südmetall bietet eine umfangreiche Produktpalette an Feuerschutztürdrückern in verschiedenen Ausführungen, Designs und Oberflächen.
Südmetall bietet eine umfangreiche Produktpalette an Feuerschutztürdrückern in verschiedenen Ausführungen, Designs und Oberflächen. (Quelle: Südmetall)

Türschlösser

Speziell für einflügelige Notausgangs- und Paniktüren hat die GU-Gruppe das elektrisch verriegelnde Panikschloss „EVP“ entwickelt. Zugelassen ist es nach EN 179 und für Paniktüren nach EN 1125. Das Schloss ist überall einsetzbar, also auch in Rauch- und Feuerschutztüren. Die „Mint-Modelle“ von Glutz erfüllen nach Angaben des Anbieters die aktuellen EN-Normen für Brandschutz und Fluchtwege. Sämtliche Schlösser sind eintourig ausgelegt. Das heißt, sie sind mit einer einzigen Umdrehung versicherungstechnisch korrekt verriegelt – oder auch selbstverriegelnd.

Speziell für einflügelige Notausgangs- und Paniktüren hat die GU-Gruppe das elektrisch verriegelnde Panikschloss „EVP“ entwickelt.
Speziell für einflügelige Notausgangs- und Paniktüren hat die GU-Gruppe das elektrisch verriegelnde Panikschloss „EVP“ entwickelt. (Quelle: GU)
Die „Mint-Modelle“ von Glutz erfüllen nach Angaben des Anbieters die aktuellen EN-Normen für Brandschutz und Fluchtwege.
Die „Mint-Modelle“ von Glutz erfüllen nach Angaben des Anbieters die aktuellen EN-Normen für Brandschutz und Fluchtwege. (Quelle: Glutz)
zuletzt editiert am 22. Februar 2022