Leipzig/Darmstadt – Wer Anfang September bei der EBH-Preisverleihung in Leipzig dabei war, hat schon einen guten Einblick in das Thema „Nachhaltigkeit und inwieweit das Unternehmen betrifft“ erhalten. Sina Wans, Geschäftsführerin von Sustainable Thinking, informierte in ihren Ausführungen kurz und prägnant darüber, was Unternehmen bei dem Thema beachten müssen.
Dabei spielen zwei Aspekte eine entscheidende Rolle, zum einen Outside-in: Was wirkt auf Unternehmen? Unter anderem die Folgen des Klimawandels. Große Unternehmen bereiten sich laut Wans je nach Lage ihrer Gebäude bereits auf entsprechende Unwetter vor, um weiter produzieren zu können. Diese Maßnahmen reichten von baulichen Sicherungen der Anlage bis hin zum Umzug in höhere Lagen. Gute Beispiele seien Schneider Electric, die Philips-Tochter Signify (Light as a service) und das dänische Energieunternehmen Ørsted, das sich komplett vom einstigen Öl- und Gasproduzent hin um Anbieter grüner Energie gewandelt habe.
Zum anderen Inside-out: Wie wirkt das eigene Unternehmen auf die Umwelt? Unternehmen, die sich diese Fragen nicht beantworten können, empfiehlt Wans ein Hilfsmittel: den ESG-Fragebogen. Damit kann eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen werden, wo man in Sachen Enviroment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Steuerungs- und Regelungssystem) steht und dient somit dazu, aufzudecken, wo Handlungsbedarf besteht. Es gilt also zunächst, Transparenz über den eigenen Status quo zu gewinnen. Dann kann man seine wesentlichen Themen bestimmen und dabei Prioritäten setzen. Schließlich gilt es, eine Strategie abzuleiten, Ziele zu definieren und die Maßnahmen festzusetzen, die zu ergreifen sind. Die Strategie sollte allerdings mit Leben gefüllt werden. Es bringt nichts, die Mitarbeiter zu einem ökologischeren Verhalten aufzufordern, wenn die Chefetage jeden Tag mit verbrauchsintensiven Autos zur Arbeit kommt. Die Strategie muss von der Führungsebene vorgelebt werden. Im nächsten Schritt sollten die Fortschritte aufgrund der Maßnahmen gemessen und anschließend darüber berichtet werden. Berichten müssen schon jetzt unter anderem Konzerne, aber das wird sich in den kommenden Jahren ändern.
Unterschätzte Pflicht
Viele Firmen unterschätzen laut der Nachhaltigkeitsexpertin jedoch, was mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ab dem Jahr 2026 auf sie zukommt. Bisher waren „nur“ Unternehmen betroffen, wenn sie zwei der drei folgenden Kriterien erfüllten: eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro aufwiesen; Nettoumsatzerlöse über 40 Millionen Euro; mehr als 250 Menschen beschäftigt.
Ab 2026 sind auch kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ab zehn Mitarbeitern verpflichtet, über Nachhaltigkeitsrisiken und -leistungen zu informieren. Dann müssen auch sie alle nachhaltigkeitsrelevanten Fakten offenlegen, die einerseits zeigen, wie Nachhaltigkeitsthemen ihr Geschäftsmodell und ihre Strategie beeinflussen, andererseits die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft beschreiben.
Es besteht nicht mehr die Möglichkeit wie bisher, nichtfinanzielle Informationen in einem separaten nichtfinanziellen Bericht zu veröffentlichen. Stattdessen werden die Nachhaltigkeitsinformationen nun im Lagebericht offengelegt. Der Bilanzeid wird auf die Nachhaltigkeitsinformationen ausgeweitet. Das Management soll aktiv und nachweislich die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung tragen, der Aufsichtsrat bleibt weiterhin verantwortlich für die Überwachung der Berichterstattung. Auf diese Weise soll dem sogenannten Greenwashing, insbesondere bei Finanzprodukten, entgegengewirkt werden.
Es wird also auch für fast alle Hersteller und Fachhändler sowie Errichter der Beschlag- und Sicherheitstechnikbranche Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und bei all dem sollte der Rat von Sina Wans befolgt werden und ein Unternehmen sich immer folgende drei Fragen stellen:
Wo sehen Sie die größten unternehmerischen Chancen für Ihr Unternehmen?
Welche wachsenden Märkte sehen Sie?
Wo sehen Sie Marktpotenzial für Nachhaltigkeit in Ihrer Branche?
Mehr zu diesem spannenden und sehr wichtigen Thema finden Sie im Blog von Sustainable Thinking .
