Die Fensterwelt im Wandel.
Volles Haus: Die Fenstertage 2025 zählten rund 670 Teilnehmer. (Quelle: Redaktion)

Veranstaltungen 2025-12-03T00:00:00Z Die Fensterwelt im Wandel

Die Fensterbranche befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Die geringe Bautätigkeit und der nur schleppend laufende Sanierungsmarkt stellt viele Betriebe vor Probleme. Welche Impulse konnten vor diesem Hintergrund die diesjährigen Fenstertage liefern, die im Oktober in Rosenheim stattfanden?
Von Hans Graffé

Einst Wachstumstreiber, gilt die Baubranche heute als Krisensektor: Steigende Kosten, Fachkräftemangel und überregulierte Genehmigungsverfahren belasten die Unternehmen. Digitalisierung und KI erfordern neue Prozesse und Kompetenzen, Anforderungen an Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit steigen. „Die Fensterwelt im Wandel“ – das Motto der diesjährigen Fenstertage des Ift, Institut für Fenstertechnik, war also durchaus zutreffend gewählt.

Institutsleiter Professor Winfried Heusler zeigte in seinem Einführungsstatement Strategien auf, wie Unternehmen den multiplen Herausforderungen begegnen können. Folgende Themen gewinnen dabei besonders an Bedeutung:

Ein älterer Mann in einem grauen Anzug steht an einem Rednerpult und spricht in ein Mikrofon.
Seit diesem Jahr hauptamtlicher Ift-Chef: Professor Winfried Heusler. (Quelle: Redaktion)
  • Kreislaufwirtschaft/Zirkularität – Fenster sollten zukünftig demontierbar, die einzelnen Werkstoffe separierbar und recycelbar sein, kritische Beschichtungen sind zu vermeiden, Werkstoffe klar zu kennzeichnen und so weiter.
  • Resilienz – Bauelemente müssen sich den Herausforderungen des Klimawandels anpassen und Extremwetterereignissen standhalten.
  • Serielles Bauen und Modularität – hier entstehen neue Wertschöpfungsketten, in denen Fensterbauer ihren Platz finden müssen.

Mehrere Vorträge vertieften im Lauf der zwei Veranstaltungstage diese Aspekte. So beleuchtete Norbert Sack vom Ift das Thema „Zirkuläres Bauen mit Fenstern und Türen“, Professor Martien Teich von der Hochschule München sprach über die Wiederverwendung von Flachglas aus Bestandsgebäuden. Mit der Resilienz gegenüber Klimawandelfolgen beschäftigte sich Professor Alexander Stolz von der Uni Freiburg. Wie eine „Neue Wertschöpfungskette Bau“ zum Beispiel vor dem Hintergrund des seriellen Bauens aussehen kann, erfuhren die Teilnehmer von Roland Sitzberger von Porsche Consulting.

Ein Mann in einem Anzug hält einen Vortrag und gestikuliert mit der Hand.
Roland Sitzberger von Porsche Consulting, stellte die „neue Wertschöpfungskette Bau“ vor. (Quelle: Redaktion)

Bauen wird digitaler

Kein Kongress ohne die Themen Digitalisierung und KI. Wie sich das „digitale Bauökosystem“ in Zukunft entwickeln könnte, stellte Thomas Kirmayr von der Fraunhofer-Allianz Bau vor. Es geht um die Frage, wie sich in der komplexen und langen Prozesskette des Bauens der Datenfluss sichern und die Effizienz steigern lässt. Datensouveräne Architekturen wie GAIA-X und Construct-X können die Lösung sein – der Vortrag gab Einblick in Struktur, Nutzen und aktuellem Stand dieser Entwicklung. 

Ein Diskussionspanel mit drei Personen, die über das Fassadenprojekt Merck TSC sprechen.
PV-Spezialist Heribert Lay (Sunovation), Fassadenbauer Martin Drexler (Schindler) und Architektin Dana Billek (Hammeskrause Architekten) stellten das Projekt Merck TSC vor (v.l.). (Quelle: Redaktion)

Der digitale Produktpass war das Thema von Michael Breckl-Stock, Geschäftsführer Technik am Ift. Er wies zunächst darauf hin, dass der digitale Produktpass nach Bauproduktenverordnung (BauPVO) nicht zu verwechseln sei mit dem digitalen Produktpass nach Ökodesignverordnung, der unter anderem für Konsumgüter gelte und andere Anforderungen stelle. Der digitale Produktpass nach BauPVO muss beispielsweise BIM-kompatibel und maschinenlesbar sein, um nur zwei zentrale Merkmale zu nennen. Wann er tatsächlich verpflichtend wird, ist unklar: Mitte 2028 steht im Raum, da die Einführung jedoch eng mit Zukunft der Produktnorm EN 14351 für Fenster und Türen verknüpft ist, ist der tatsächliche Termin fraglich. Über den aktuellen Stand der EN 14351 informierte Professor Jörn P. Lass vom Ift direkt im Anschluss an den Vortrag von Breckl-Stock.

Ein Mann hält einen Vortrag bei einer Konferenz, während er ein Mikrofon in der Hand hält.
Martin Drexler von Schindler Fenster + Fassaden brachten die Sicht des Fassadenbauers ein. (Quelle: Redaktion)

Handlungsempfehlungen für Fensterbauer

Wie sollen sich Fensterbauer angesichts all der Herausforderungen positionieren? Ift-Chef Professor Heusler sieht eine Polarisierung des Marktes, der es sich zu stellen gilt: Im Basissegment sind funktionale Produkte gefragt, basierend auf einfachen Konstruktionen und standardisierten Dienstleistungsangeboten. Hier geht es um Prozessoptimierung und Kostenführerschaft. Wer dagegen im Premiumsegment mitspielen will, muss sich unter anderem mit PV-Integration, Smarthome, Ökodesign oder smarten Zusatzservices auseinandersetzen. Beide Segmente gleichermaßen zu bedienen, so Professor Heusler, werde zunehmend schwierig. Für kleinere Betriebe mit ihrer Marktnähe sieht er große Chancen im wachsenden Sanierungsmarkt. Mittleren und großen Unternehmen rät er, ihre Leistungen strategisch zu erweitern – etwa in Richtung Generalunternehmer- oder Generalübernehmermodelle.

Ein Mann in einem blauen Anzug hält einen Vortrag und spricht in ein Mikrofon.
Michael Breckl-Stock (Ift): Wann kommt der digitale Produktpass? (Quelle: Redaktion)

Ein Ausflug in die Praxis

Wie schon im Vorjahr, war der frühe Mittwochnachmittag der Vorstellung eines konkreten Fassadenprojektes gewidmet. Architekten, Fassadenbauer und Photovoltaik-Zulieferer gaben aus ihrer Perspektive einen Einblick in das Objekt Merck TSC in Darmstadt. Die Schindler Fenster + Fassaden GmbH hat für das Büro- und Laborgebäude über 7.000 Quadratmeter Fassade realisiert, teils als Holz-Aluminium-Elementfassade, teils als Stahlfassade in Pfosten-Riegel-Bauweise. Eine Sekundär-Konstruktion aus Stahl trägt Photovoltaikelemente mit einer Gesamtleistung von 350 kWp. Die PV-Elemente sind auf der Südseite horizontal angeordnet, auf West- und Ostseite vertikal, was dem Gebäude eine markante Optik verleiht.

Ein Mann hält einen Vortrag auf einer Bühne und gestikuliert mit den Händen.
Ohne Daten geht nichts mehr: Fraunhofer-Experte Thomas Kirmayr erläuterte das digitale Bauökosystem. (Quelle: Redaktion)

Ebenso praxisnah ging es beim Vortrag von Ift-Mitarbeiter Felix Fischbacher zu, der typische Fehler bei der Fenstermontage vorstellte. Anhand von 20 Beispielen aus dem Ift-Sachverständigenzentrum zeigte er die häufigsten Schwachstellen auf und gab Hinweise für die fachlich korrekte Ausführung. 

Die Fensterwelt im Wandel.
Wichtiger als jeder Vortrag: das Networking in den Pausen. (Quelle: Redaktion)

Neues aus dem Institut

Der mit rund 50 Teilnehmern gut besuchte „Powerworkshop“ für Fensterbauer ist seit einigen Jahren etabliert. Er findet am Vortag der Fenstertage statt und richtet sich an Monteure und Praktiker. Mit einem Mix aus Vortrag, Fallbeispielen und Diskussionen bietet er einen hohen Praxisbezug. Erstmals angeboten wurde in diesem Jahr zusätzlich eine „Führungswerkstatt“ für Führungskräfte, Eigentümer und Nachfolger.

Mit 670 Teilnehmerinnen und Teilnehmen waren die Fenstertage 2025 ähnlich gut besucht wie in den Vorjahren. Die Ift-Geschäftsführung um Doktor Jochen Peichl zeigte sich nicht nur deshalb zufrieden: „Das Ift ist gut aufgestellt. Trotz der schwierigen konjunkturellen Lage der Branche können wir den Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich sogar leicht auf rund 25 Millionen Euro steigern.“ Das Institut beschäftigt derzeit 235 Mitarbeiter. Um seine Position im Bereich Nachhaltigkeit zu stärken, kooperiert das Ift seit Kurzem mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), die vor Ort mit einem eigenen Stand vertreten war.  Die Fenstertage 2026 dürften zu einem besonderen Ereignis werden – dann feiert das Institut für Fenstertechnik sein 60-jähriges Bestehen.

Diesen Beitrag finden Sie auch in der Ausgabe 4/2025 des M&T Schloss + Beschlagmarkt, die Ende November erschienen ist.

zuletzt editiert am 01. Dezember 2025