Geschäftsführer Philipp Beck und Vertriebsleiter Matthias Gangeler sind zuversichtlich, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.
Geschäftsführer Philipp Beck und Vertriebsleiter Matthias Gangeler sind zuversichtlich, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. (Quelle: Redaktion/kosi)

Bauelemente 2022-01-27T12:49:33.054Z Ein weiterer Meilenstein

Mit dem Bau einer neuen Produktionshalle hat Beck+Heun Anfang Dezember 2021 wieder von sich reden gemacht. Das neue Aluminiumprofilzentrum direkt neben dem Verwaltungs- und Produktionsgebäude „Campus“ in der Erlenwiese in Mengerskirchen soll schon bald und damit in diesem Jahr fertig sein – im Jubiläumsjahr, wenn das Unternehmen auf 60 Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken kann.

Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun: Neben der Errichtung der Halle ist auch der Aufbau einer modernen Fertigung für die Konfektionierung von Aluminiumprofilen geplant. Auf rund 2.000 Quadratmetern Fläche und mit einer Investition von mehr als drei Millionen Euro wird nach Unternehmensangaben eine Produktionsstätte geschaffen, die einen nachhaltigen Mehrwert für die Region schaffen soll. Zudem werden 20 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die wichtigsten Positionen seien bereits besetzt. Für die Energiegewinnung wird eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Der so produzierte Strom könne sofort in der Produktion genutzt und Überschüsse ins Stromnetz eingespeist werden.

Der Bau des Aluminiumprofilzentrums ist eine Neuheit für Beck+Heun und bildet einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte. Mit dieser Investition möchte der Hersteller einerseits dem Kundenwunsch nach individueller Herstellung schneller und besser nachkommen, andererseits aber auch autarker werden. In Zeiten explodierender Rohstoffpreise und generell steigender Kosten sowie enormen Lieferverzug, ist der Wunsch nach möglichst viel Eigenständigkeit gut nachvollziehbar. „Zudem werden wir dadurch reaktionsschneller, haben eine bessere Wertschöpfung und auch eine optimierte Logistik. Mit diesem Kapazitätsausbau schaffen wir die Voraussetzung für weiteres Marktwachstum und werden zudem auch unsere Qualität steigern“, freut sich Geschäftsführer Philipp Beck. „Außerdem werden so auch Lagerkapazitäten frei, die wir für unsere Fertigwaren-Logistik dringend brauchen“, ergänzt Vertriebsleiter Matthias Gangeler.

Vielfältigkeit ist Programm

Beck+Heun sieht sich als europaweit führenden Entwickler, Hersteller und Verarbeiter von energetisch hocheffizienten Systemen rund um das Fenster. Das Unternehmen ist Teil der Firmengruppe Beck und agiert bekanntermaßen in der Baubranche – anders als die anderen Unternehmen der Gruppe wie Roka in der mobilen Gastronomie oder die Reitsport Manufaktur im Parcoursbau. Dabei erstreckt sich die Range des Beck+Heun-Produktsortiments mittlerweile von Einbaukästen (aus EPS und Ziegel) und Aufsatzkästen, über Beschattungssysteme sowie Lüftungssysteme hin zu Komplettsystemen wie „Windowment“. Während die Ziegelproduktion mit 100 Angestellten in Altenmünster bei Augsburg sitzt, werden die Raffstorekästen und „Windowment“ in Erfurt von 50 Mitarbeitern gefertigt und die Rollladenkästen in Mengerskirchen, wo 450 Mitarbeiter tätig sind.

Aufgrund dieser Vielfältigkeit ist Beck+Heun auch nicht klar einer Sparte zu zuordnen. Mit seinen Produkten sieht sich der Hersteller als Marktführer im Rohbau, in anderen Bereichen eher als Nr. 2, aber wirklich wichtig ist das der Geschäftsführung nicht. Wichtiger ist ihr dagegen, dass die Erfolgskurve weiter so kontinuierlich nach oben wandert, wie in den letzten 60 Jahren: Die erste Werkshalle wurde 1962 errichtet, es folgte nach und nach der Ausbau. Heute belegt der Standort Mengerskirchen mit seinen Hallen, der Zentrale, dem Campus sowie dem Technik- und Prüfzentrum über 100.000 Quadratmeter Fläche. Kürzlich wurden 15.000 Quadratmeter Freifläche dazu gekauft, „zudem ist die dritte Schicht in Teilbereichen noch frei“, merkt Gangeler an.

Gleichzeitig gilt es in Zeiten des Fachkräftemangels genug qualifiziertes Personal zu gewinnen. Die Fachkräfteaus- und -fortbildung ist dem Unternehmen nach eigenem Bekunden enorm wichtig. Insgesamt gibt es über alle Ausbildungsjahre hinweg bereits 20 Auszubildende im Rollladenbau, aber auch in der IT sowie bei den Berufskraftfahrern und Lageristen. Zudem befinden sich vier Mitarbeiter im dualen Studium. Die Nachwuchssicherung gelinge durch eine starke Arbeitgebermarke. „Wir sind schon in den Schulen präsent, stellen das Unternehmen vor und sprechen dort den Nachwuchs gezielt an“, erzählt Beck. Zudem sei weitläufig bekannt, dass Mitarbeiter viele Zuwendungen erhalten, von Fitnesskursen über E-Bike-Leasing (in Planung) bis hin zur Erfolgsprämie und Urlaubsgeld. Ein Angebot zur E-Mobilität werde gerade aufgebaut.

Gemeinsamer Spatenstich für das neue Aluminiumzentrum (v.l.): Philipp Beck, Geschäftsführung Beck+Heun, Bernhard Beck, ebenfalls Geschäftsführung Beck+Heun, Jonas Beck, Leiter Digitalisierung/Mitglied der Geschäftsleitung Beck+Heun) und Volker Beck, Geschäftsführung Roka.
Gemeinsamer Spatenstich für das neue Aluminiumzentrum (v.l.): Philipp Beck, Geschäftsführung Beck+Heun, Bernhard Beck, ebenfalls Geschäftsführung Beck+Heun, Jonas Beck, Leiter Digitalisierung/Mitglied der Geschäftsleitung Beck+Heun) und Volker Beck, Geschäftsführung Roka. (Quelle: Redaktion/kosi)

Erfolgreicher Campus

Zudem hat Beck+Heun im Jahr 2013 den Campus gestartet. Die Schulungsreihe ist darauf ausgelegt, Partnern in kompakten Seminaren einen Wissensvorsprung über die Produkte von Beck+Heun, deren Vermarktung und Verarbeitung zu vermitteln. Campus dient aber auch der internen Fortbildung. „Seit Corona gleichen die Räumlichkeiten allerdings mehr einem Filmstudio, aber mittlerweile bieten wir eine sehr professionelle externe Fortbildung auf digitaler Ebene an. Und die verzeichnet einen sehr großen Erfolg: Weit über 600 Teilnehmer, besonders bei Standardthemen wie Schallschutz, Befestigung oder Montagevorführungen“, freut sich Beck und betont sogleich, dass die digitale Wissensvermittlung der Überbrückung dient, bis wieder Kunden vor Ort eingeladen werden können. „Dies ist kein Ersatz“, sagt der Geschäftsführer, der den direkten Kundenkontakt sehr vermisst.

Vor Corona hatte das Unternehmen eigentlich geplant, sein Wachstum auf internationalem Terrain voranzutreiben. Dabei sollten vor allem die Länder Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien sowie die Gebiete Nordafrika und Osteuropa im Fokus stehen. Aufgrund der Pandemie ist dieses Vorhaben etwas ins Stocken geraten. „Im März und April 2020 gab es auch für uns den Corona-Schock, der aber schon bald überwunden war. Ab dann ging es ungebremst weiter und die Exportaktivitäten entwickeln sich 2021 sehr erfreulich. In Spanien steigt die Nachfrage nach wärmgedämmten Beschattungssystemen zuletzt stark, auch in Italien ist der Absatz aufgrund von staatlichen Förderprogrammen massiv gewachsen. Auch der polnische Markt entwickelt sich positiv und die Bilanz in Frankreich als wichtigstes Exportland ist mit einem absoluten Rekord-Absatz in 2021 sehr zufriedenstellend. Und dennoch konnte das Ergebnisziel 2021 nicht erreicht werden“, berichtet Beck, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. Die Materialkosten und die massiven Versorgungsprobleme seien derzeit schwierig und die Lage an den Rohstoffmärkten habe das Unternehmen vor enorme Herausforderungen gestellt.

Bestellung rund um die Uhr

Für weiteres Umsatzwachstum in den nächsten Jahren sorgt auch ein neuer B2B-Onlineshop. Der Bedarf sei auf jeden Fall groß und der Shop ein absoluter Kundenwunsch. Und dies, obwohl die Kunden von Beck+Heun unterschiedlicher kaum sein könnten: Diese heterogene Gruppe umfasst Akteure aus dem Bereich Rohbau, beispielsweise Bauunternehmen, Ziegelhersteller, Fensterhersteller und Bauelemente- wie Baustofffachhändler. Auch die ausschreibenden Stellen sowie Planer und Architekten spielen eine große Rolle. Die Partner von Beck+Heun können jetzt den Konfigurator – „Roka-Connect“ – für viele Produkte nutzen. „Kunden können darüber ein Angebot erhalten und Bestellungen aufgeben. Er war sehr aufwendig zu erstellen, weil das komplette technische Regelwerk hinterlegt werden musste. Zudem werden Schnittstellen mit verschiedenen Herstellern eingerichtet. Für den Fensterbauer, den Bauelemente- und mittelfristig für den Baustofffachhandel gibt es eine eigenen Weboberfläche, so dass sie 24/7 bestellen können“, erläutert der Vertriebsleiter.

„Wir hatten schon vor Erstellung des Onlineshops die Möglichkeit angeboten, aus dem eigenen ERP-System direkt über eine Schnittstelle zu bestellen. Auf diese Weise wird eine fehlerfreie und vollständige Bestellung gesichert, die zu einer schnellstmöglichen Belieferung führt – das ist der größte Wunsch aller Beteiligten. Bestellungen können aber auch auf den unterschiedlichsten Wegen ankommen“, berichtet Philipp Beck und zeigt wie zum Beweis auf seinem Smartphone eine Bestellung per WhatsApp, allerdings keine geschriebene Nachricht, sondern ein Foto von einem handgeschriebenen Zettel, auf dem die Bestellung steht. Das ist zwar nicht die Art des digitalen Weges, den Unternehmen generell im Sinn haben, aber auch eine solche Bestellung wird bei Beck+Heun berücksichtigt – auch wenn diese nachvollziehbarerweise für eine Mehrarbeit sorgt, die sich nicht immer rechnet. Dennoch: Der Kunde ist König, auch bei der Losgröße 1.

Themen der nahen Zukunft

Gefragt nach dem Thema „Windowment“, sind sich beide Gesprächspartner nach einem kurzen Blickwechsel einig: „Windowment ist immer noch ein Zukunftsprojekt. 2019 haben wir das Komplettsystem als Studie auf der BAU in München vorgestellt. Es gab einen enormen Zuspruch, besonders von Wohnungsbaugesellschaften, die wir unter anderem damit ansprechen wollen“, erinnert sich Beck. Der Marktstart verläuft sehr positiv. Mit dem Verkauf läuft es gut, allerdings erfordert dieses System ein komplettes Umdenken bei allen Gewerkebeteiligten,  weil der Einsatz einen veränderten Ablauf erfordere. Zur Anmerkung: Das Produkt muss eingeplant werden, bevor die Bodenplatte gegossen wird. „Wir haben in zwei Jahren einige Objekte damit gebaut und Überzeugungsarbeit geleistet, so dass es nun neben vielen Neukunden auch bereits „Wiederholungstäter‘ gibt“, freut sich Gangeler. Ärgerlich war, dass es in der Zeit keine Messen gab und damit der Zugang zum Markt erschwert wurde. Daher hofft das Unternehmen sehr darauf, dass schon bald wieder Messen unter akzeptablen Umständen stattfinden können.

Building Information Modelling (BIM) könnte nach Meinung Becks und Gangelers helfen, weil dabei bereits vor Baubeginn eine detailreiche digitale Planung erfolgt. „Ein höherer Vorplanungsgrad hilft dem Produkt, ganz klar“, bestätigt der Geschäftsführer. Daher will das Unternehmen die nötigen BIM-Daten auch noch im ersten Quartal dieses Jahres liefern, inklusive der BIM-Konfiguration. Vom neuen Bauministerium erhofft sich der Hersteller in Sachen BIM einen Schub, obwohl das Thema im Koalitionsvertrag nicht vorkommt. Aber eine vollflächige Durchdringung von BIM auf dem deutschen Bausektor ist noch nicht in Sicht.

Ein strategisches Kernthema des Unternehmens ist die Nachhaltigkeit – und das ist keine Marketingattitüde, wie Philipp Beck unschwer anzumerken ist. Ihm ist das Thema sehr wichtig, wie auch E-Autos vor der Bürotür schon vermuten lassen. Derzeit wird für das Unternehmen eine CO2-Bilanz erstellt, auf Basis derer ermittelt werden soll, wie und wann Beck+Heun seine Klimaneutralität erreichen wird. Und gemeint ist eine echte Klimaneutralität, nicht eine durch Ausgleichszertifikate erkaufte Neutralität. Ziel ist auch, in naher Zukunft Cradle-to-Cradle-zertifiziert zu sein.

„So wie heute jedes Produkt ein Preisschild hat, wird es künftig auch ein CO2-Schild bekommen und bei der Messung wird bereits die Entstehung, aber auch die Wiederverwendung berücksichtigt sein“, ist Beck überzeugt und bedauert ein wenig, dass unternehmensweit weit schon viel für die Umwelt getan wird – von der Wärmerückgewinnung über die Rücknahme von alten Produkten bis hin zum Recycling –, aber bislang nur zu wenig darüber geredet beziehungsweise nach außen kommuniziert wurde. Doch angesichts der Pläne in Sachen Nachhaltigkeit ist zu vermuten, dass auch in diesem Bereich Beck+Heun bald von sich reden machen wird.

zuletzt editiert am 27. Januar 2022
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