Die Fachkräfteengpässe haben stark zugenommen. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist inzwischen das größte Hemmnis für die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen. In vielen Regionen und begehrten Berufen können sich Fachkräfte heute ihren Arbeitgeber aussuchen. Die Senior Researcherin Zuzana Blazek zeigt in diesem Gastbeitrag was helfen kann. Lesen Sie hier die fortgesetzte Version aus der Schloss- und Beschlagmarkt-Ausgabe 5/22.
Die Schlagworte für die Ursachen sind bekannt: Alternde Gesellschaft und zu wenige Geburten und daher zu wenige junge Menschen. Viele Branchen haben einerseits damit zu kämpfen, dass junge Menschen immer noch öfter studieren wollen, als eine Ausbildung anzufangen. Andererseits leiden sie darunter, dass ihre Branchen und Berufe weitgehend unbekannt sind.
Zeiten, in denen Unternehmen problemlos Fach- und Führungskräfte gefunden haben, gehören der Vergangenheit an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen neue Wege gehen und nicht nur mit ihren Dienstleistungen und Produkten, sondern auch als Arbeitgeber herausstechen. Besonders wirkungsvoll im Wettbewerb um knappe Arbeitskräfte ist eine starke Arbeitgebermarke. Das sogenannte Employer Branding ist – kurz gefasst – die Kunst, aus der Masse hervorzutreten mit dem Ziel, Mitarbeitende und Interessenten zu „Fans“ zu machen.
Umdenken erforderlich
Früher waren es die potenziellen Mitarbeitenden, die sich beim Unternehmen beworben haben. Heute und in Zukunft sind es die Unternehmen, die sich bei den potenziellen Mitarbeitenden bewerben müssen. Zentral hierbei ist, ob die Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber sind, bei dem Menschen gern arbeiten möchten. Die Frage, ob der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke wirklich notwendig ist, um Arbeitgeber der Wahl zu sein, stellt sich nicht – es geht lediglich um das „wie“. Und natürlich kostet der Employer-Branding-Prozess, der Aufbau einer Arbeitgebermarke, Zeit und Geld – Zeit und Geld, das mehr als gut investiert ist, wenn Unternehmen in Zukunft noch am Markt bestehen wollen.
In vielen Unternehmen ist folgendes Bild zu beobachten: Die Notwendigkeit, Fachkräfte zu finden, wächst mit rasanter Geschwindigkeit. Unter Druck wird schnell Geld in die Hand genommen und ein Feuerwerk an Rekrutierungsmaßnahmen unter der Überschrift „Wir machen Employer Branding“ abgefeuert. Nach ein paar Monaten fragt man sich dann, warum diese Maßnahmen aber nicht die gewünschten Erfolge bringen, und zweifelt an der Wirksamkeit von Employer Branding. Was hier allerdings umgesetzt wurde, ist KEIN Employer-Branding-Prozess, sondern schlichtweg ein Strauß an Maßnahmen, eine Kampagne. Employer-Branding ist kein Projekt, sondern ein Prozess und ist aufgebaut auf einer guten Analyse des eigenen Unternehmens, der Zielgruppe und der Wettbewerber. Je besser diese Analyse, umso erfolgreicher sind im Nachgang all die Maßnahmen, die man im zweiten Schritt, angepasst an die Ergebnisse der Analyse, umsetzt.
Die Umsetzung von Employer Branding erfolgt in diesen Schritten:
- Ausgangssituation analysieren,
- Kernbotschaften entwickeln und kommunizieren,
- Maßnahmen kontrollieren.
Häufig widmen Unternehmen der Analyse zu wenig Aufmerksamkeit, was zur Ableitung falscher Strategien führen kann. Die Analysephase ist von entscheidender Bedeutung, damit die Kommunikation im Nachgang gelingt. Nur wenn das Unternehmen weiß, wer es ist und wer zu ihm passt, kann es gezielt kommunizieren. Unternehmen sollten eine ehrliche Bestandsaufnahme machen, ihre Stärken und Schwächen hinterfragen und ein realistisches Bild zeichnen.
Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensanalyse:
- Die richtigen Fragen stellen
- Beispiele und Geschichten finden
- Ehrlich sein
- Stärken bewusst machen – und gezielt fördern
- Schwächen entdecken – und bestmöglich kompensieren
- Unter die Oberfläche gehen.
Es gilt herauszufinden:
- Was ist die Seele, die DNA, des Unternehmens?
- Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden?
- Und was hebt das Unternehmen von Wettbewerbern ab?
Wenn es dann um die Kommunikation der erarbeiteten Botschaften geht, ist wichtig, den Fokus nicht nur nach außen zu legen, sondern vor allem nach innen, zu den eigenen Mitarbeitenden. Die sind im optimalen Fall Markenbotschafter/-innen des Unternehmens. Keine Werbung kann authentischer sein als zufriedene Mitarbeitende, die positiv über das eigene Unternehmen sprechen. Dies ist besonders wichtig, da Rekrutierung über eigene Mitarbeitende, heute und besonders in der Zukunft, zu den erfolgreichsten Rekrutierungswegen zählt.

Erfreuliche Nebeneffekte: Employer Branding bringt nicht nur mehr Bewerbende, sondern auch eine erhöhte Passgenauigkeit, ein verbessertes Betriebsklima und Unternehmensimage, Kostensenkung, Steigerung der Arbeitsproduktivität und des Bekanntheitsgrads. Hilfestellungen wie etwa eine Handlungsempfehlung vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung – KOFA, einen Selbsttest Employer Branding sowie Checklisten zur Anlaysephase, zu Kommunikationsmaßnahmen und zur Kontrolle finden Sie hier:
Handlungsempfehlung zum Download: Employer_Branding.pdf (kofa.de)
Selbsttest Employer Branding: Selbsttest-Starke-Arbeitgebermarke.pdf (kofa.de)
Checkliste Analyse-Phase: Analyse.pdf (kofa.de)
Checkliste Kommunikationsmaßnahmen: Kommunikationsmassnahmen.pdf (kofa.de)
Checkliste Kontrolle: Kontrolle.pdf (kofa.de)
Die wichtigsten und effektivsten Kommunikationsmaßnahmen stellt der Schloss- und Beschlagmarkt Ihnen zudem in den kommenden Ausgaben mit weiteren Beiträgen von Zuzana Blazek vor. Sie werden zum Beispiel erfahren, wie eine optimale Karriereseite und moderne Stellenanzeigen aussehen und wie Führungskräfte agieren müssen, um in Zukunft Mitarbeitende zu halten und zu gewinnen.
Employer Branding: Was bringt es?
- Größerer Bewerberpool
- Erhöhte Passgenauigkeit
- Verbessertes Betriebsklima
- Steigerung der Arbeitsproduktivität
- Kostensenkung
- Erhöhter Bekanntheitsgrad
- Verbessertes Unternehmensimage

Zur Autorin
Zuzana Blazek arbeitet seit 2006, nach ihrer Tätigkeit als Journalistin und Redakteurin bei der Deutschen Welle Bonn, im Institut der deutschen Wirtschaft. Sie ist heute Senior Researcherin im Kompetenzfeld Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte und im Projekt „Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung - KOFA“ tätig. Ihre Schwerpunktthemen sind Employer Branding, (virtuelle) Führung, Strategische Personalarbeit, Resilienz und Stellenbesetzung der Zukunft…immer auch mit einem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Sie hält zu diesen Themen bundesweit Vorträge, führt Workshops durch und schreibt Beiträge für Fachzeitschriften und andere Medien. Zuzana Blazek lehrte u. a. an der ISM, EUFH Medica und Hochschule Fresenius Employer Branding, Resilienz im BGM, Personalentwicklung und Personalmanagement. Sie ist ausgebildeter Systemischen Business-Coach (2014).