Zufrieden schauten Dr. Eckhard Keill, Vorstand der Roto Holding, und Frank Linnig, Gründer und Inhaber von Linnigpublic, beim 16. Internationalen Roto-Fachpressetag.
Zufrieden schauten Dr. Eckhard Keill, Vorstand der Roto Holding, und Frank Linnig, Gründer und Inhaber von Linnigpublic, beim 16. Internationalen Roto-Fachpressetag. (Quelle: Roto)

Beschlag- und Sicherheitstechnik 2021-12-20T11:55:04.956Z Hervorragende Zahlen und klare Statements

617,1 Millionen Euro beträgt der Gesamtumsatz der Roto-Gruppe im Jahr 2021, bis zum Stichtag 30. September. Zum Vergleich: Vom 1. Januar bis zum 30. September 2020 wurden 511,8 Millionen Euro umgesetzt. Das bedeutet eine Steigerung um 20,6 Prozent. Alle drei Divisionen wuchsen zweistellig, berichtet Dr. Eckhard Keill, Vorstand der Roto Frank Holding AG, auf dem mittlerweile 16. Internationen Fachpressetag in Düsseldorf.
Silke Koppers

Doch bevor Keill einen Blick auf die hauseigenen Zahlen warf, äußerte er sich traditionell zur globalen politisch-wirtschaftlichen Lage und bewertete seine Äußerungen aus dem Vorjahr. Da hatte er prognostiziert, dass eine Entspannung der Corona-Situation für ein positives Szenario sorgen würde und eine Verschärfung der Pandemie zum Kollaps der weltweiten wirtschaftlichen Situation. Er habe sich geirrt, stellte der Vorstand fest, „Gott sei Dank“, fügte er schmunzelnd hinzu, denn tendenziell trat das positive Szenario ein, auch für Roto.

Dass das positive Szenario sich dieses Jahr trotz anhaltender Pandemie so ausweiten würde, damit habe auch er nicht gerechnet. Da auch das 4. Quartal 2021 bis zum Fachpressetag am 11. November gut verlief, geht Keill davon aus, dass das Ergebnis aus dem Jahr 2020 in Höhe von 686 Millionen Euro übertroffen werde, obwohl sich Vorzieheffekte im 4. Quartal bemerkbar machen könnten und sich das bislang hohe Umsatzwachstum vermutlich nicht fortsetzen werde. Außerdem baut nach seinen Ausführungen die Gruppe seit einigen Monaten große Lager bei den Marktpartnern auf, weil in Folge der Rohstoff- und Materialkrise auch Roto mit extremen Verteuerungen zu kämpfen hat. „Wir können die Preise nicht so schnell erhöhen, wie uns die Rohstoffpreise davonlaufen“, so Keill.

Zudem gebe es weitere Wermutstropfen: Der erste sei, dass es keine nachhaltige Entspannung der Pandemie-Situation und der geopolitischen Krisen gebe, ein weiterer, dass die weltweite Material-, Rohstoff- und Logistikkrise mit drastischen Preiserhöhungen den Wirtschaftsaufschwung bremse. Darüber hinaus gebe es per Saldo keine Aufbruchsignale auf geopolitischer Ebene.

Stolz auf die Performance

Mit Stolz weist Keill darauf hin, dass mit weltweit 4 800 für Roto tätigen Mitarbeitern im Jahr 2021 die Zahl der Angestellten ungefähr die gleiche sei, wie vor der Pandemie. „Dies ist eine hervorragende Leistung“. Dafür gab es im geplanten Investitionsprogramm durch Corona Behinderungen, aber 2022 soll wieder ein normalisiertes Investitionsprogramm laufen, gegebenenfalls mit Nachholeffekten aus 2021. Keills Fazit: „Die gesetzte Ziele werden 2021 weit übertroffen und damit ein eindrucksvolles Zeichen für Stabilität in instabilen Zeiten gesetzt.“

Für das Jahr 2022 wünscht er sich erneut, dass Politiker Probleme lösen sollen, statt neue schaffen, wie etwa mit dem deutschen Negativbeispiel: das Lieferkettengesetz. Keill regte sich nicht nur auf dem Podium, sondern auch in einem Vier-Augen-Gespräch mit der Redaktion sehr darüber auf, dass Unternehmen dafür haften müssen, wenn einer der Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Lieferanten Mitarbeiter diskriminiere. „Das ist schlichtweg nicht leistbar“, empörte sich der Vorstand.

Zu den Herausforderung 2022 zähle auch die Nachhaltigkeit: „Sie gehört neben dem Dauerthema Digitalisierung zu den Schwerpunkten der Roto Gruppe im Jahr 2022 und allen weiteren“, versichert Keill. Hintergrund sei der erheblich erweiterte Nachhaltigkeitsbegriff als Handlungsmaxime für das Unternehmen. „Das Thema Nachhaltigkeit entwickelt sich vom reinen Hygienefaktor zum knallharten Ausschlusskriterium“, betont der Vorstand und verweist auf eine EU-Richtlinie, die verpflichtend ab 2024 von allen Unternehmen mit mindestens 40 Millionen Euro Jahresumsatz und 250 Mitarbeitern eingehalten werden muss. Davon seien auch viele Fenster- und Türenhersteller betroffen. „Und dabei geht es hier nicht um einen elektrifizierten Fuhrpark und eine Solaranlage auf dem Dach. Die Richtlinie definiert 17 unterschiedliche Felder mit 167 Unterzielen und gibt Kennzahlen vor, wie das Erreichen gemessen wird“, betonte Keill, um das Gewicht dieser Weichenstellung der EU vor Augen zu führen.

Marcus Sander, CEO der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH (FTT).
Marcus Sander, CEO der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH (FTT). (Quelle: Roto)

FTT ist gut aufgestellt

Im Anschluss an die Ausführungen des Vorstands gewährten die Geschäftsführer der Divisionen Einblick in den Verlauf ihrer Bereiche, ohne konkrete Zahlen für dieses Jahr preiszugeben. „Wir haben ein weiteres äußerst herausforderndes Jahr sehr gut gemeistert und sind mit den 2021 erzielten Ergebnissen rundum zufrieden. Das gilt für Umsatz, Ertrag und Marktanteile gleichermaßen.“ So beschrieb es Marcus Sander, CEO der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH (FTT). Berechnungen zufolge betrug das Marktvolumen 2020 circa 3,4 Milliarden Euro und entsprach damit dem Vorjahresniveau. Konstant blieb auch das Ranking der einzelnen Produktsegmente: Drehkipp mit insgesamt 35 Prozent behauptete die Spitzenposition klar vor Door mit 25 Prozent und Sliding mit 23 Prozent. Outward Opening mit elf Prozent und Casement und Awning mit sechs Prozent rundeten das Feld ab.

Die Division hat 15 Produktionsstätten weltweit und war daher gut in der Pandemie aufgestellt. Aufgrund der globalen Verteilung an Werken seien die Logistikkosten nicht in dem Maße angefallen, wie es der Fall gewesen wäre, wenn man diese Verteilung nicht hätte. Der Beschlagbereich bemerkt, dass auch in Nordamerika der Trend zu größeren Fenstern und Türen besteht und verzeichnet dort ein starkes Umsatzwachstum mit neuen Produkten und aufgrund erhöhter Marktnachfrage. Die Lieferverfügbarkeit habe Priorität, daher investiere man in Logistik- und Produktionskapazitäten. In Südamerika sei neben Corona-bedingten Herausforderungen der Markt von politischen und makroökonomischen Herausforderungen geprägt. Dennoch verbuchte FTT ein deutliches Wachstum in den einzelnen Ländern, unter anderem Brasilien.

In Europa haben sich laut Sander alle Märkte gut entwickelt. Während es im D/A/CH-Raum, in BeNeLux, Frankreich und Italien per saldo eine klare Aufwärtsbewegung gebe, bleibe es in Großbritannien bei der schweren Baukrise. Skandinavien stagniere, und Spanien, Portugal und Griechenland erwiesen sich trotz neuer Corona-Ausbrüche 2021 als widerstandsfähig. Aber selbst in Märkten mit „unterdurchschnittlicher Performance“ konnte Roto laut Sander zulegen. Der Anstieg der Baugenehmigungen gegenüber dem Jahr 2020, die gestiegenen Investitionen in Renovierungen, der Gewinn an Marktanteilen aufgrund von Lieferverfügbarkeit, Zuverlässigkeit und neuer Produkte hätten für ein starkes Wachstum in den Segmenten Dreh-Kipp, Door und Sliding gesorgt.

Dagegen wirken sich in China hohe Rohstoffpreise negativ auf Neubauprojekte aus, obwohl dort neue Produkte sehr erfolgreich in den Markt eingeführt worden seien. Im sonstigen Asien/Pazifik-Raum gelten weiterhin strenge Pandemie-Beschränkungen in einzelnen Ländern. Zudem führe dort der Anstieg der Rohstoffpreise zu Verschiebungen von Bauprojekten.

Für die Zukunft läge der Fokus auf der kundenorientierten Digitalisierung, wobei der Kundennutzen Priorität hätte. Zudem soll dadurch die Kundenkommunikation gesteigert, der E-Business-Framewoks ausgebaut und die Effizienz in der Wertschöpfungskette gesteigert werden. Sander will die Division so zukunftsfähig machen und damit Voraussetzungen und Strukturen für einen langfristigen Erfolg etablieren.

Kein seriöser Ausblick möglich

Beim Blick auf 2022 sagte der FTT-Chef, dass „die Probleme des alten auch die des neuen Jahres sind“. Es sei schlicht nicht seriös prognostizierbar, wann etwa die Pandemie als endgültig überwunden gelten könne und sich die Rohstoffmärkte wieder normalisierten. Hier erwarte Roto bis zur Jahresmitte jedoch eine spürbare Entkrampfung. Als weiteren Unsicherheitsfaktor bezeichnete Sander die möglichen Konsequenzen der explodierenden Baukosten für die Marktnachfrage. Deshalb konzentriere sich der Fenster- und Türtechnikspezialist auch im kommenden Jahr auf das, was er tun könne, um den bisherigen gesunden Wachstumskurs nachhaltig zu stabilisieren.

In der Division Roto Frank Dachsystem-Technologie (DST) erlebt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christoph Hugenberg, nach eigener Aussage in diesem Jahr einen täglichen Kampf, um lieferfähig zu sein.
In der Division Roto Frank Dachsystem-Technologie (DST) erlebt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christoph Hugenberg, nach eigener Aussage in diesem Jahr einen täglichen Kampf, um lieferfähig zu sein. (Quelle: Roto)

In der Division Roto Frank Dachsystem-Technologie (DST) erlebt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christoph Hugenberg, nach eigener Aussage in diesem Jahr einen täglichen Kampf, um lieferfähig zu sein. „Aber bis auf einige wenige Tage haben wir es geschafft. Das ist dem hohen Engagement aller Mitarbeiter inklusive der Führungsmannschaft zu verdanken“, betont Hugenberg. Doch dieser tägliche Kampf erschwere den Ausblick auf 2022. Man müsse abwarten, wie sich die nicht zuletzt dadurch „explodierenden Baukosten“ auf die privaten Wohnungsbauinvestitionen auswirkten. Gegenwärtig habe die Absicherung der guten Lieferfähigkeit von Roto DST „absolute Priorität“, handele es sich dabei doch um den für die Kunden derzeit entscheidenden Faktor.

Trotz dieser und weiterer Herausforderungen bleibt die Kontinuität guter Jahre auch im Jahr 2021 erhalten. Das schlage sich in einem trotz des hohen Ausgangsniveaus erneut zweistelligen Umsatzwachstum, einer weiter verbesserten Ertragslage und dem Gewinn von Marktanteilen nieder. Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung des Wohndachfensterproduzenten erklärte, war der Aufwärtstrend in den meisten relevanten Märkten spürbar.

Kundenorientierter Mehrwert

Die wichtige Rolle der Digitalisierung bei der kundenorientierten Mehrwert-Strategie des Herstellers veranschaulichte Hugenberg am Beispiel der neuen Profi-Liga. Das Partnerprogramm richte sich wie bisher an Dachdecker und Zimmerer und stehe ihnen kostenlos 24/7 zur Verfügung. Das digitalisierte Angebot sei über ein Online-Portal beziehungsweise per App jederzeit erreich- und nutzbar. Die Initiative verfolgt das Ziel, die Club-Mitglieder unabhängig von der jeweiligen Betriebsgröße bestmöglich zu betreuen und sie mit einem komplett überarbeiteten Leistungsportfolio zu unterstützen. Endkunden einfach und kompetent beraten, neue Geschäftspotenziale erschließen und Erträge erhöhen – um diese nachhaltigen Effekte für die Dachprofis gehe es.

Getreu der Devise „Leistung lohnt sich“ könnten die Betriebe durch den Kauf von Dachfenstern, Ausstattung, Treppen und Flachdachausstiegen Punkte sammeln und sich so für die drei Partnerlevel Bronze, Silber und Gold „qualifizieren“. Im Gegenzug hätten sie die freie Wahl aus einer breiten Unterstützungspalette. Sie gliedere sich in die Sachgebiete digitale Beratungs-Tools, Schulungen und Events, Vermarktung, VIP-Services und Prämien.

Exemplarisch stellte der DST-Chef einige Elemente des Leistungspaketes vor. So ermögliche das Marketing-Portal die leichte und rasche Konfiguration individualisierbarer Print- und Werbemittel. Für einen professionellen Außenauftritt und damit eine erhöhte Sichtbarkeit bei Endkunden sorge auch der Zugriff auf Instrumente des Social Media und Online-Marketings. Der Tageslichtberater veranschauliche Bauherren und Renovierern veränderte Raumsituationen vor und nach dem Einbau eines Dachfensters. Auf der eigenen Website des Betriebes eingebunden, trage er zudem zur Neukundengewinnung bei. Der Förderservice wiederum vereinfache den kompletten Abwicklungsprozess bei der Nutzung staatlicher Mittel für Renovierungsprojekte. Das stärke Kundenzufriedenheit und -bindung, steigere Umsatz und Ertrag und schaffe außerdem einen „erlebbaren“ Wettbewerbsvorteil. Insgesamt zeige die neue Profi-Liga, dass und wie gemeinsamer digitaler Erfolg in der Praxis funktioniere. Derzeit verfügt die Profi-Liga über 2 000 Mitglieder, bis Jahresende 2021 sollen es laut Hugenberg schon deutlich mehr sein.

Rosinen statt Winkel

Der DST-Chef nahm sich während seines Berichts kurz die Zeit, um eine kleine Anekdote zu erzählen, die zugleich ein bisschen die derzeitigen Herausforderungen aufzeigt: Aufgrund der durch Corona erschwerten Logistikbedingungen für Lieferungen aus China hatte sich Roto im März dieses Jahres dazu entschieden, die dort bestellten Winkel zur Hälfte über den Landweg per Zug transportieren zu lassen. Kurz darauf verkantete sich ein Containerschiff im Suezkanal und in Bad Mergentheim feierte man sich für die vermeintlich weise Entscheidung, sich mit der Bahn beliefern zu lassen. Nach einer Umladung hier in Deutschland auf einen anderen Zug traf die ersehnte Ware an seinem Bestimmungsort ein – das gelieferte Material sollte umgehend verarbeitet werden. Doch beim Blick in den Container stockte allen der Atem: Statt der Winkel hatte Roto Tonnen an Rosinen erhalten. Und das Rosinen-bestellende Unternehmen hatte die Winkel bekommen. Immerhin konnten binnen eines Tages die Container getauscht und schließlich die Arbeit fortgesetzt werden. Somit war man immer noch schneller, als hätte man den Seeweg gewählt. „Heute können wir darüber lachen, aber in dem Moment, als wir den Container öffneten und auf einen Berg Rosinen blickten, waren wir nicht so amüsiert“, erzählt Hugenberg anschaulich.

Von den Erfolgen der jüngsten Division Roto Professional Service (RPS) berichtete Geschäftsführer Dr. Christian Faden.
Von den Erfolgen der jüngsten Division Roto Professional Service (RPS) berichtete Geschäftsführer Dr. Christian Faden. (Quelle: Roto)

Von den Erfolgen der jüngsten Division Roto Professional Service (RPS) berichtete Geschäftsführer Dr. Christian Faden. Die aufgrund der Pandemie ausgefallenen Verbrauchermessen, die ein wichtiger Treiber für die Division sind, hatte man 2020 mit großen Herausforderungen zu kämpfen und diese nun zu kompensieren. Das scheint gut funktioniert zu haben, denn Faden rechnet mit einem Umsatzplus von etwa 30 Prozent. Der Großteil ist organisches Wachstum, besonders im Dachfensterservice, da RPS für viele Kunden der Division DST tätig sind. Dennoch: RPS kommt von einem sehr starken Jahr 2019 und hat das Niveau des Jahres aufgrund des Corona-Knicks noch nicht wieder erreicht.

Der diesjährige Erfolg beruhe in erster Linie auf dem breit gefächerten Dienstleistungsspektrum bei der Nachversorgung von Fenstern und Türen, das der wieder sehr heterogenen Marktentwicklung am Ende wirksam Paroli geboten habe. In dem dadurch veränderten Produktmix spielt der komplette Servicebereich eine tragende Rolle, die Serviceanfragen bei der Fensterwartung sind laut Faden gestiegen. Die gute Performance resultiere darüber hinaus aus dem weiteren Ausbau des „Service Friends“-Netzwerkes, intensivem Online-Marketing und dem konsequenten Digitalisierungskurs.

Neuer RPS-Partner im Osten

So hat die Division eine digitale Lösung erarbeitet, mit der alle bereits arbeiten. Faden präsentierte, wie online der digitale Ablauf eines Wartungsprozesses im Objektgeschäft aussieht. Er umfasst die dafür notwendigen Stationen von der Terminabstimmung bis zur Dokumentationsübergabe. Das Programm werde von allen Partnerbetrieben einheitlich genutzt. „So ist auch die Digitalisierung ein Wachstumstreiber“, sagt Faden.

Die Division umfasst mittlerweile acht Firmen an elf Standorte in zwei Ländern (Deutschland und die Schweiz). Seit März 2021 zählt auch Secu-Tecc mit seinen sechs Mitarbeitern im Gebiet Halle-Leipzig-Dresden dazu. Nun gebe es nur noch in der Region Hamburg eine Vakanz. Um sie zu füllen, stünden mehrere Optionen zur Wahl. Der RPS-Geschäftsführer ist optimistisch, im Jahr 2022 die Lücke schließen zu können.

Die Division umfasst mittlerweile acht Firmen an elf Standorte in zwei Ländern (Deutschland und die Schweiz). Seit März 2021 zählt auch Secu-Tecc mit seinen sechs Mitarbeitern im Gebiet Halle-Leipzig-Dresden dazu.
Die Division umfasst mittlerweile acht Firmen an elf Standorte in zwei Ländern (Deutschland und die Schweiz). Seit März 2021 zählt auch Secu-Tecc mit seinen sechs Mitarbeitern im Gebiet Halle-Leipzig-Dresden dazu. (Quelle: Redaktion/kosi)

Höhepunkt und Abschluss des internationalen Fachpressetages, zu dem 75 Medienvertreter aus 15 Ländern vor Ort oder zugeschalteten waren, bildete die Podiumsdiskussion, dieses Mal zum Thema: „Mittelstand und Digitalisierung: Nachholbedarf und kein Ende?“. Dabei sorgte mit Anja Müller die „Handelsblatt“-Korrespondentin Familienunternehmen für den Blick über den Tellerrand der Bau- und Immobilienwirtschaft. Zu deren Vertretern gehörten Sylvia Pruß, Inhaberin Pruß Hausverwaltung in Strausberg und Berlin sowie Vizepräsidentin des VDIV Verband der Immobilienverwalter Deutschland, Marlen Schlosser, Geschäftsführerin Schlosser Holzbau GmbH aus dem baden-württembergischen Jagstzell, Christian Klinger, Miteigentümer und Unternehmenssprecher Internorm International GmbH, zugeschaltet aus Traun/Österreich, sowie Roto-Vorstand Dr. Eckhard Keill. Agenturinhaber Frank Linnig moderierte den lebhaften Digitalisierungs-Talk.

Digitalisierung ist keine Mode

Keill stellte klar, dass die Digitalisierung für den Mittelstand kein „Nice to have“, sondern ein „Must have“ sei – und das völlig unabhängig von der Firmengröße. Die Digitalisierung entscheidet nach seiner Meinung über die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens sowie letztlich darüber, ob es am Markt dauerhaft bestehen kann oder eben nicht.

Die aus unterschiedlichen Bereichen zusammengesetzte Runde in Düsseldorf war sich auch bei einem weiteren zentralen Kriterium einig: Digitalisierung muss alle und alles erfassen. Es geht um konsequente Vernetzung zum Beispiel mit Kunden und Lieferanten.

Einen Nachholbedarf in der Immobilienbranche sah Sylvia Pruß nicht. Corona habe hier zweifellos als Beschleuniger gewirkt. Das gelte sowohl für die einzelnen Unternehmen als auch für den Dachverband der Immobilienverwalter. Heute sei man aktiv, um die große Herausforderung Digitalisierung zu bewältigen. Dass es dazu keine Alternative gibt, war in der Runde ebenso unstrittig wie die Überzeugung, es mit einem langwierigen und permanenten Prozess zu tun zu haben.

An dessen Anfang muss nach Meinung von Anja Müller häufig ein Kultur- und Mentalitätswandel im Unternehmen stehen. Digitalisierung lasse sich nicht verordnen, sondern könne nur dann erfolgreich sein, wenn man die Menschen integriere und sie auf dem schwierigen Veränderungsweg begleite. Das unterstrich auch Keill. Sein Credo: „Die Digitalisierungskette darf an keiner Stelle reißen.“ Deshalb sei Roto schon früh der Verpflichtung nachgekommen, die Mitarbeitenden auf der einen und die Kunden auf der anderen Seite einzubinden. Marlen Schlosser wies aber zugleich auf die Verantwortung der Beschäftigten hin, sich selbst für die moderne Arbeitswelt zu öffnen.

Christian Klinger zog in der Hinsicht ein positives Zwischenfazit. Angst und Verweigerung sind nach seiner Erfahrung nach der Pandemie kein Thema mehr. Auf die Frage des Moderators, ob die Bereitschaft zur Digitalisierung ein Generationenthema sei, war das Meinungsbild uneinheitlich. Zwar gebe es tendenziell eine etwas größere Aufgeschlossenheit der Jüngeren, aber auch ältere Menschen stellten sich konstruktiv den neuen Anforderungen.

Sensibilisierung erforderlich

Ausführlich widmete sich der Kreis dem Komplex „Cybersecurity“. Die durch die entsprechenden kriminellen Attacken verursachten Schäden steigen rasant und betrugen laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom 2020 allein in Deutschland über 220 Milliarden Euro. Teile des Mittelstandes unterschätzen die Gefahren von Hackerangriffen, Datenklau und Co. Müller bezeichnete es als „Trugschluss“, zu glauben, dass es nur die Großen treffe. Speziell kleine Betriebe müssten sich zum Beispiel einmal fragen, was eine Woche ohne PC-Zugang koste. Die Sensibilisierung für das Cybercrime-Problem, dessen Brisanz von Tag zu Tag wachse, sei enorm wichtig. Außerdem kritisierte die „Handelsblatt“-Korrespondentin, dass in Deutschland eine zentrale Einrichtung fehle, an die man sich bei einem Angriff wenden und schnelle Hilfe erhalten könne.

Keill forderte in dem Zusammenhang eine bundesweite Präventionsstelle. Der Roto-Chef räumte ein, dass auch das internationale Netzwerk des Bauzulieferers bereits im Fokus krimineller Aktivitäten gestanden habe. Da man diese Bedrohung gar nicht ernst genug nehmen könne, investiere die Gruppe hohe Summen in die digitale Sicherheit. Pruß und Klinger berichteten ebenfalls über einschlägige Negativ-Erfahrungen. „Man muss über die Dinge offen sprechen“, sagte der Internorm-Miteigentümer.

Und was soll die Politik in Sachen „Digitalisierung“ tun oder lassen? Pruß und Keill plädierten dafür, die Gesetzgebung der aktuellen Situation und der Zeit anzupassen. Beispiele dafür seien die (inzwischen mögliche) virtuelle Durchführung von Eigentümerversammlungen und eine wirksame Cyberabwehr. Generell ist der Roto-Vorstand jedoch skeptisch: Die Politik könne nicht wirklich mit der Digitalisierung umgehen. So mangele es nach wie vor an der dringend gebotenen digitalen Qualifizierung in Schulen. Schlosser wünschte sich allgemein bessere Voraussetzungen. Das beginne schon bei dem oft unverändert schlechten Internet-Status in ländlichen Regionen.

Die Stiftungsgründer Professorin Isolde Geissler-Frank und Alexander Frank.
Die Stiftungsgründer Professorin Isolde Geissler-Frank und Alexander Frank. (Quelle: Roto)

„Unser erstes großes Projekt stieß auf Anhieb auf eine gute internationale Resonanz und war insgesamt ein voller Erfolg.“ Dieses positive Fazit ziehen Professorin Isolde Geissler-Frank und Alexander Frank aus einem Wettbewerb der von ihnen Anfang 2021 ins Leben gerufenen Wilhelm Frank Stiftung. Die Initiative erinnert an den Gründer der heutigen Roto-Unternehmensgruppe. Die Nachkommen des Erfinders industriell zu fertigender Drehkipp-Beschläge wollen mit ihrem Engagement interkulturelle Kommunikation, Wissenschaft und Forschung fördern.

Das Leitmotto „Austausch ermöglichen, Ideen verwirklichen“ habe auch die erste Stiftungsaktivität geprägt. Sie lud junge Roto Frank-Beschäftigte und externe Personen weltweit dazu ein, sich intensiv mit dem Thema „Offene Fenster – Was Fenster über mein Land erzählen“ zu befassen. Gerade die Pandemie verleihe ihm eine hohe Aktualität, denn die Bedeutung des Fensters als wichtige Verbindung zwischen innen und außen sei dadurch auf internationaler Ebene wieder erheblich gewachsen. Wie Isolde Geissler-Frank und Alexander Frank betonen, bot der Wettbewerb den Teilnehmern die Gelegenheit, sich dem Thema aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern. Das Spektrum reichte dabei von den regionalen und länderspezifischen Geschichten und Kulturen bis zu möglichen künftigen Funktionen des Fensters.

Für die Einreichungen waren diverse Medien wie Texte, Fotos und Videos zugelassen, erläutert das Gründer-Ehepaar. Eine aus Stiftungsvorstand und -rat gebildete Jury bewertete die Arbeiten nach den Kriterien Originalität, Kreativität, Innovation, Aufwand, Vielfalt, Einzigartigkeit, Harmonie und Bezug zum Projekttitel. Innerhalb der Ausschreibungsfrist seien 20 Beiträge aus zahlreichen Ländern eingegangen. Aber nicht nur die quantitative, sondern auch oder vor allem die qualitative Bilanz falle „ausgesprochen positiv“ aus. Die Veranstalterin lobt das „ausnahmslos hohe Niveau“ der Beteiligungen. Das gelte für ihre technische Kompetenz und Virtuosität, die Individualität der Erzählungen und die Vielfalt der mit dem Thema verknüpften Aspekte gleichermaßen. Deshalb seien die Entscheidungen für die Jury sehr schwierig gewesen.

Das schlage sich nicht zuletzt in der Vergabe von zwei Hauptgewinnen nieder. Jeweils ein Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro erhalten danach Małgorzata Staszek aus Polen und Dominik Streble aus Deutschland. Die polnische Siegerin, die im Dachfensterwerk Lubartów in der Auftragsabwicklung tätig sei, stellte in ihrem Video viele reale Beispiele dazu vor und dar, was „Fenster sagen“. Der deutsche Gewinner ist Fertigungsplaner im Beschlagwerk Leinfelden-Echterdingen und spannte ebenfalls einen breiten „Fensterbogen“. Eine seiner Thesen: „Fenster geben einer Hauswand Rhythmus und Lebendigkeit“. Neben der finanziellen Würdigung seien die Auszeichnungen mit Reisen in das jeweils andere Land verbunden.

Außerdem schütte die Stiftung fünf jeweils mit 500 Euro dotierte Anerkennungsprämien aus. Ihre Empfänger leben und arbeiten den Angaben zufolge in Brasilien, Deutschland, Kasachstan, Nepal und Ungarn. Das unterstreiche die Internationalität des Wettbewerbes, mit dem die Wilhelm Frank Stiftung über eine gelungene Premiere ihrer Aktivitäten berichten könne.

zuletzt editiert am 20. Dezember 2021
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