Ein Taschenrechner auf einem Holztisch
Das Ifo-Institut rechnet für 2024 neuerdings mit null Wachstum für die deutsche Wirtschaft – statt wie bislang mit 0,4 Prozent. (Quelle: Michaił Nowa, Pixabay)

Branche im Blick 2024-09-05T10:38:46.166Z Ifo-Institut: Deutsche Wirtschaft steckt in der Krise

Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr zurückgenommen und rechnet nun mit null Wachstum statt wie bislang mit 0,4 Prozent. Auch für das kommende Jahr senkten die Experten ihre Schätzung – auf 0,9 Prozent statt 1,5 Prozent. Erst 2026 soll die Wirtschaft wieder um 1,5 Prozent wachsen. „Die deutsche Wirtschaft steckt fest, und sie dümpelt in einer Flaute, während andere Länder den Aufwind spüren“, sagt Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Er fügt hinzu: „Wir haben eine strukturelle Krise. Es werden zu wenig Investitionen insbesondere in der Industrie getätigt, und die Produktivität tritt seit Jahren auf der Stelle. Außerdem haben wir eine konjunkturelle Krise.“ Zudem sei die Auftragslage schlecht, und die Kaufkraftgewinne führten nicht zu steigendem Konsum, sondern zu höherer Ersparnis, weil die Leute verunsichert seien.

Lichtblick Inflationsrate

Demnach beträgt die Sparquote nunmehr 11,3 Prozent, deutlich mehr als der Zehnjahresschnitt von 10,1 Prozent vor Corona. Ein Lichtblick: Die Inflationsrate wird weiter zurückgehen von durchschnittlich 5,9 Prozent im vergangenen auf 2,2 Prozent in diesem Jahr. Anschließend wird sie auf 2,0 Prozent sinken und dann um je 1,9 Prozent in den beiden kommenden Jahren zurückgehen. Dagegen prognostizieren die Experten einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,0 Prozent 2024. Im kommenden Jahr wird sie dann aber wieder auf 5,8 Prozent und schließlich auf 5,3 Prozent sinken, heißt es in einer Mitteilung. Demzufolge dürfte das Defizit im Staatshaushalt in diesem Jahr 2,0 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und in den kommenden beiden Jahren auf 1,3 und 0,9 Prozent fallen.

Laut Ifo sind in diesem Jahr das Baugewerbe, dessen Leistung um 3,1 Prozent schrumpfen dürfte, und die Industrie, die um 2,0 Prozent zurückgeht, belastend. „Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, Corona-Pandemie, Energiepreisschock und eine veränderte Rolle Chinas in der Weltwirtschaft setzen etablierte Geschäftsmodelle unter Druck und zwingen Unternehmen, ihre Produktionsstrukturen anzupassen“, sagt Wollmershäuser.

Investitionsflaute vor allem in der Industrie

Daher herrsche eine Investitionsflaute vor allem in der Industrie, die in Deutschland einen deutlich höheren Anteil an der Wirtschaftsleistung habe als anderswo. Wollmershäuser abschließend: „Die Bevölkerung wird schneller altern, immer weniger Menschen stehen in Arbeit. Verschiebungen vom Industrie- zum Dienstleistungssektor erklären größtenteils den Produktivitätsstillstand der vergangenen Jahre.“

zuletzt editiert am 05. September 2024
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