VFF-Präsident Helmut Meeth begrüßte die Kongressteilnehmer in Düsseldorf.
VFF-Präsident Helmut Meeth begrüßte die Kongressteilnehmer in Düsseldorf. (Quelle: VFF)

Bauelemente 2022-10-31T09:00:00Z Kongress gewinnt an Format - Langversion

Der VFF Jahreskongress Inside hat sich gemausert und Verbandspräsident Helmut Meeth damit ein Etappenziel erreicht: Rund 300 Teilnehmer konnte er zur zweitägigen Veranstaltung Mitte September in Düsseldorf begrüßen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 nahmen in Ulm 180 Personen teil. Auch das Programm war deutlich hochwertiger als damals, dafür aber wenig fachlich.

Den Auftakt lieferte Kerstin Plehwe zum Thema Innovation und Change Management: Warum Unternehmen jetzt umdenken müssen. Die flippig wirkende Expertin für Kommunikation und New Leadership drehte sich in ihrem Vortrag zwar etwas mehr um sich selbst als ums Thema, dennoch verdeutlichte sie, dass aufgrund der zunehmenden Unberechenbarkeit der allgemeinen Lage, die Menschen vermehrt hadern. Sie zögen sich auf Themen zurückziehen, die sie direkt betreffen wie Familien, Partner und Freunde. Parallel sei alles digitaler geworden, sei es der Einkauf im Alltag oder die Online-Konferenzen im Beruf – dies führe zu Entfremdung. Da jungen Menschen schon so groß geworden sind, sei die Suche nach Talenten/Fachkräften schwieriger geworden. Unternehmen müssen sich laut Plehwe fragen, was bieten sie der Generation Greta? Und wie finden wir die richtigen Kräfte? Geld sei keine Motivation für diese jungen Menschen, auch Autos nicht. Gefragt seien die Work-Life-Balance und Möglichkeiten der Mitgestaltung. Arbeitszeit, Arbeitsorte sind aus Sicht der Expertin auch nicht mehr so starr wie bisher gewünscht. Entscheidend ist auch der Führungsstil.

Wer all dies weiterhin nicht ernst nimmt, sollte sich vergegenwärtigen, dass diese Generation im Jahr 2030 die Hälfte der Arbeitswelt stellen. Es sind daher gegebenenfalls Veränderungen im Unternehmen erforderlich. Wenn diese durchgesetzt werden sollen, muss die Führung dies vorleben und mit der Veränderung bei sich und im Führungsstil beginnen. Erforderlich ist dafür Kommunikation, in der richtigen Dosierung. Um Kommunikation erfolgreich zu gestalten, ist das Wissen um die Individualität des anderen hilfreich. Die Worte des anderen geben Auskunft über seine Motivation, Stichwort: internale und externale Muster. Parallel sollte man sich bewusst sein, dass Teamwork sich im Wandel befindet: Sie ist divers, flexibel, digital, vernetzt und die Währung ist Vertrauen. Damit dies gelänge, seien Voraussetzungen zu erfüllen: Es gilt Freiräume zu schaffen, die Kontrolle abzugeben, Zeit und Gelegenheit zu geben und die innere Haltung sollte stimmen und Experimentierfreude vorhanden sein.

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Wie entscheidend Stärken- oder Schwächenorientierung für den Mitarbeitererfolg ist, zeigte Dr. Oliver Haas, Experte der positiven Psychologie mit seinem Vortrag Corporate Happiness – Mitarbeitererfolg nach außen entfalten. Äußere Faktoren tragen nur zehn Prozent zu dem eigenen Wohlgefühl bei. Die innere Einstellung sei der entscheidende Faktor für persönliches Glück. Ein Mensch, der seine Haltung verändert, für den wird sich alles verändern. Einfluss darauf kann die Unternehmensführung haben, je nachdem, ob mit ihm schwächen- oder stärkenorientiert umgegangen wird. Die Schwächenorientierung verdeutlichte er am Beispiel des Pinguins: An Land kommt er aufgrund seines Körperbaus schwer voran, im Wasser ist er effizient. „Wenn ich von ihm verlange, auf Bäume zu klettern, ist das nicht motivierend für ihn, weil er es nicht kann und auch nicht können wird. Man kann aus einem Pinguin keinen Affen machen“, erläutert Haas. Die Stärkenorientierung findet dort statt, wo Mitarbeiter sich selbst fragen, wo sie am besten aufgehoben sind.

Ein Update zur politischen Situation in Berlin mit Blick auf Klimaschutz und Förderpolitik gab RTG-Chef Thomas Drinkuth (l.) im Gespräch mit VFF-Geschäftsführer Frank Lange.
Ein Update zur politischen Situation in Berlin mit Blick auf Klimaschutz und Förderpolitik gab RTG-Chef Thomas Drinkuth (l.) im Gespräch mit VFF-Geschäftsführer Frank Lange. (Quelle: VFF)

Ein beeindruckendes Beispiel lieferte der Unternehmer mit dem Film über die Hotelkette Upstalsboom („Der Upstalsboom Weg“, zu sehen auf Youtube): Dort wurde bis zu einer intensiven Zusammenarbeit mit Haas und seinem Unternehmen Wertschöpfung durch Ausnutzung der Mitarbeiter erreicht. Durch Schulungen, die mit einem Umdenken einhergingen, wurde die Ausnutzung durch Wertschätzung ersetzt; gelebt werde nun eine Potenzialentfaltung statt Ressourcenausnutzung. Dadurch habe sich im ersten Schritt die Krankheitsrate verbessert, und schließlich die Wirtschaftlichkeit: Der Umsatz wurde binnen drei Jahren nahezu verdoppelt. Das hätte jedoch nicht funktioniert, wenn nicht auch der Geschäftsführer Bodo Janssen sich dem angenommen hätte, der sogar zu der Erkenntnis kam: „Wertschöpfung durch Wertschätzung funktioniert, und zwar ganzheitlich.“

VFF-Geschäftsführer Frank Lange, der durch die Veranstaltung führte, gestand nach dem Vortrag, dass sein Sohn kürzlich sein Abi gemacht hat und nun Psychologie studieren will. „Da habe ich erst mal geschluckt, ehrlich gesagt. Aber nach diesem Vortrag habe ich eine andere Perspektive.“

In eine ähnliche Richtung lief der Vortrag von Bestsellerautor Jörg Mosler: Die Fachkräfteformel – Mitarbeitergewinnung in Handwerk und Mittelstand. Seinen Ausführungen nach, steckt hinter jeder unserer Handlungen eine Emotion. Und dementsprechend müssten wir, m junge Menschen für das eigene Handwerk zu gewinnen, Emotionen erzeugen. Wie das geht, zeigte er an verschiedenen Beispielen. Sehr sachlich und fachlich erläuterte Sven Franke das Thema New Work: Bedeutung, Chancen, Herausforderungen in Form von einer Mischung aus Geschichts- und Philosophieunterricht.

Arbeit der RTG und des VFF

Diese sehr trockene Darbietung wurde von dem eloquenten Dialog von Frank Lange mit Thomas Drinkuth, dem Geschäftsführer der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) in Berlin abgelöst. Er berichtete von der politischen Lage in Berlin, die Herausforderungen für die Regierung und verteidigt die Koalition. Der soziale Aspekt mit den hohen Energiepreisen kann seiner Ansicht nach nur gelöst werden, wenn das Thema Sanierung angegangen wird. In puncto Förderungen ärgert er sich über die Hauruck-Aktion vom Sommer, und dass es keine Einflussmöglichkeit aufgrund der Kurzfristigkeit gab. Daher ist es immer noch so, dass man für eine Wärmepumpe das Doppelte bekommt wie für eine Einzelmaßnahme am der Gebäudehülle. Doch er geht davon aus, dass die verpflichtende Sanierung kommen wird, aber es könne noch dauern, bis der Beschluss tatsächlich umgesetzt würde. Dass die Arbeit der RTG Gewicht hat, zeigt auch die wachsende Zahl der unternehmerische Unterstützer: Nach Velux und Somfy ist kürzlich auch Veka dazu gekommen. Bald zählen auch Roma und Hunter Douglas dazu.

Die Fachhausstellung wurde für Gespräche reichlich genutzt.
Die Fachhausstellung wurde für Gespräche reichlich genutzt. (Quelle: VFF)

Auch der VFF kann sich über Zuwachs freuen. Das Duo Meeth-Lange konnten bereit 15 neue Mitglieder begrüßen, aber nach Wunsch des Präsidenten sollen es noch mehr werden. Erfreulich ist auch das Ergebnis der Spendeninitiative für traumatisierte Kinder der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 „VFF hilft“. Die eingesammelten 15.000 Euro stocke der Verband auf 20.000 Euro auf. Auch die junge Generation hält Einzug: Stephan Gerwens, Geschäftsführer von Terhalle, ist Sprecher vom Zukunftkreis, Bastian Timm aus Berlin sein Stellvertreter. Es soll eine bessere Verzahnung mit jungen Unternehmern bringen, um optimale Mischung aus „jung und erfahren“ zu erhalten. Darüber hinaus hat der VFF ein Tool mit Förderprogrammen entwickelt, der bereits online ist. Endkunden und Fachunternehmen steht damit ein kostenloser Förderrechner zur Ermittlung der passenden Förderangebote zur Verfügung (https://cutt.ly/lBLEtXY). Damit soll die Sanierung unterstützt werden. Ab Mitte November soll zudem die Erweiterung folgen: Die Abwicklung der Förderung wird für VFF-Mitglieder exklusiv angeboten. Dies wird am 8. November im Arbeitskreis Marketing vorgestellt.

Am zweiten Tag schloss Emanuel Heisenberg, Gründer Ecoworks (Serielle Sanierung) mit seinem Vortrag zur Net-Zero Modernisierung: Der digitale Weg zur Klimaneutralität an das Sanierungsthema an. „Mit der derzeitigen Sanierungsquote erreichen wir die Klimaziele nicht, selbst eine Verdopplung würde nicht reichen“, sagte Heisenberg. Serielles Bauen, besonders serielles Sanieren hin zu Energie-Plus-Häusern mit nachhaltigen Baustoffen könnte das ändern. Mit bis zu 70 Prozent vorgefertigten Elementen mit bereits integrierten Fenstern samt Sonnenschutz sowie Türen und intelligenter Haustechnik und mit einem digitalen Planungs- und Produktionsprozess. Dieses Verfahren ermöglicht anspruchsvolle energieeffiziente Sanierung zu bezahlbaren Preisen in kurzen Bauzeiten.

Rund 300 Teilnehmer konnten zur zweitägigen Veranstaltung Mitte September in Düsseldorf begrüßt werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 nahmen in Ulm 180 Personen teil.
Rund 300 Teilnehmer konnten zur zweitägigen Veranstaltung Mitte September in Düsseldorf begrüßt werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 nahmen in Ulm 180 Personen teil. (Quelle: VFF)

Anschließend spannte der Unternehmensberater und Coach Ömer Atiker sehr unterhaltsam in einer „Tour d`Horizon“ das thematische Feld einer digitalen Transformation im Fenster- und Fassadenbau auf. So blickte er auf das digitale Trilemma der Unternehmen zwischen Technologie, Geld und Mitarbeit mit dem Fazit: Mach es einfach; Kennen deine Kunden; Behalte das Problem im Blick.

Fachausstellung als Treffpunkt

Zum Abschluss des Kongresses sprach dann der frühere Fußballschiedsrichter und TV-Experte Urs Meier über Fairplay und zeigte anhand zum Teil legendärer Fußballszenen aus seiner Karriere, dass das Team den Unterschied macht. Dass Entscheidungen schnell und klar fallen, dass der Versuch, eine Fehlentscheidung durch eine Konzessionsentscheidung wiedergutzumachen, einen zweiten, überflüssigen Fehler darstellt und dass bei alldem immer auch ein Moment des Glücks im Spiel ist, gehört zu den Lehren des Schiedsrichterberufes ebenso wie die Erfahrung, was es bedeutet, Teil eines Teams zu sein, Teil eines größeren gemeinsamen Ziels.

„Mit der Fokussierung auf die zentralen Branchenthemen neue Arbeitswelt, Fachkräftegewinnung und Digitalisierung konnten wir dem vielstimmigen Vortragsprogramm unserer hochkarätigen Referenten eine verbindende Struktur geben“, erläuterte Frank Lange. „Und die Fachausstellung unserer Sponsoren mit Duotherm und Gealan an der Spitze etablierte sich im Laufe des Kongresses neben dem Vortragssaal als das Zentrum für Fachgespräche und den Erfahrungsaustausch. Der nächste Jahreskongress des VFF Inside 2023 findet dann wieder zum traditionellen Frühjahrstermin am 15. und 16. Juni 2023 in Berlin statt.“

zuletzt editiert am 25. Oktober 2022
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