In Deutschland fehlen aktuell circa 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Jeder dritte Lkw-Fahrer ist bereits über 55 Jahre alt – jedes Jahr gehen 30.000 Berufskraftfahrer in Rente.
In Deutschland fehlen aktuell circa 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. (Quelle: marcinjozwiak/Pixabay)

Fachhandel 2022-08-12T10:35:58.478Z Mangel an Lkw-Fahrern bedroht Logistik

Der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) ruft angesichts des aktuellen Fahrermangels die Politik dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um einen drohenden Versorgungskollaps zu verhindern.

Lkw-Fahrer stellen nach wie vor eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft dar. Doch ohne schnelles Handeln führe der aktuelle Fahrermangel zu einem Versorgungskollaps, befürchtet der GD Holzhandel und fordert daher die Politik umgehend auf, dem akuten Fahrermangel durch Maßnahmen und Lösungsansätze entgegenzuwirken. Dazu gehöre etwa die Ausbildung zum Berufskraftfahrer/fahrerin zu vereinfachen. „Wir brauchen eine schlanke, kurze und mit sinnvollen Inhalten ausgestaltete Ausbildung, damit sich mehr Berufseinsteiger für den Beruf des Berufskraftfahrer begeistern können“, so GD Holz-Geschäftsführer Thomas Goebel. Der Qualifikationsprozesses müsse gestrafft werden, bei unveränderter Qualität der Ausbildung beziehungsweise uneingeschränkter Aufrechterhaltung etablierter und bewährter Anforderungen an die Qualifikation als Berufskraftfahrer, so der Verband.

Hintergrund: In Deutschland fehlen aktuell circa 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Jeder dritte Lkw-Fahrer ist bereits über 55 Jahre alt – jedes Jahr gehen 30.000 Berufskraftfahrer in Rente. Demgegenüber fehlt es an neuen Berufseinsteigern. Verschärft wird die Situation aktuell zusätzlich durch den Krieg in der Ukraine, da viele Fahrer aus der Ukraine oder aus Russland kommen. Die Ausfälle können von den Unternehmern nicht kompensiert werden.

Es ist nicht allein der Mangel an Lkw-Fahrern, der die Logistik bedroht. Die Transportbranche hat noch weitere Herausforderungen zu bewältigen: Hohe Kraftstoffpreise, instabile Frachtraten und neue Fahrzeuge können oft nicht geliefert werden, da es den Lkw-Herstellern immer noch an Halbleitern mangelt. Der Fahrermangel kommt erschwerend hinzu, wird sich aber auch durch eine verkürzte Ausbildung nicht beheben lassen, zumindest nicht kurzfristig.

Es ist sicher richtig, dass der Beruf des Kraftfahrers attraktiver werden muss. Dazu gehört aber mehr als ein schnellerer oder leichterer Einstieg in den Beruf als bisher. Attraktivität gewinnt ein Beruf, der in den letzten Jahren aufgrund des Termindrucks immer stressiger wurde, indem er nicht nur von diesem Image wegkommt, sondern auch tatsächlich erstrebenswert wird. Dies kann mit unterschiedlichen Maßnahmen erreicht werden. Diese sind dann aber bestimmt nicht von der Politik zu leisten, sondern überwiegend von den Arbeitgebern und den Dienstleistungsnutzern.

Vielleicht sollte aber auch Logistik neu gedacht werden. Es könnte sogar sein, dass die aktuellen Herausforderungen in der Transportbranche und darüber hinaus generell uns alle zu einem Um- oder Neudenken zwingt.

zuletzt editiert am 18. August 2022
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