In zwölf Ausgaben widmete sich der Schloss- und Beschlagmarkt dem Thema Smart Building in einer speziellen Beitragsreihe. Wir berichteten, wie sich die Menschen in unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens der digitalen Zukunft in Deutschland stellen. Wir fragten, wie vernetzt sie in Zukunft leben, arbeiten und wohnen wollen. Hier nun unser Fazit.
Bärbel Rechenbach
Laut einer repräsentativen aktuellen Umfrage des deutschen Onlineportals Statista versprechen sich 78 Prozent der Menschen zum Beispiel von Smart Home mehr Komfort und Lebensqualität, 69 Prozent mehr Sicherheit und 62 Prozent mehr Energieeffizienz. Immerhin 26 Prozent finden es gut, mobile Geräte für mehr Komfort nutzen zu können, 21 Prozent wollen Geld sparen, 18 Prozent loben, dass sich ihr Vermieter um vernetzte Installationen kümmert, 15 Prozent sehen die Zeitersparnis als Gewinn und zehn Prozent haben einfach nur Spaß an der Technik. Fünf Prozent setzten auf ein länger selbstbestimmtes Leben. Egal wie unterschiedlich die Gründe für smarte Entscheidungen sein mögen – nach langen Jahren des Tiefschlafs, ist auch Deutschland endlich bereit, digitaler und damit vernetzter zu werden. Corona und damit massiv verbundenes Home Office haben diesen Prozess sicherlich beschleunigt, wie viele Befragte bestätigten.
Die Deutschen nehmen demnach immer mehr Geld in die Hand, um sich auf digitale Lösungen und künstliche Intelligenz einzulassen. Vage, aber zunehmend. Hersteller und Fachhändler gibt es in diesem Bereich mittlerweile en gros. Unternehmen wie Siemens, Bosch, Schüco, Salto oder Abus, Simons-Voss, Dormaka besitzen ausgereiftes Know-how und präsentieren clevere Produkte, die weltmarktfähig sind. Mittelständische Unternehmen wie Geze, Tobler oder Ged stehen denen mittlerweile in nichts mehr nach, haben ihre Unternehmen gründlich auf den Kopf gestellt und sich völlig neu orientiert. Sie agieren unter den Global Playern ganz vorn mit.

Es wurde allerdings bei allem Engagement auch deutlich, dass das immens wachsende Angebot an Neuerungen so manchen Händler vor die Tatsache stellt: Die Zeit seines „Tante Emma“ Ladens ist vorbei. Es wächst die Zahl derjenigen, die sich auf bestimmte Hersteller konzentrieren, um ihre Kunden fachgerecht beraten zu können. Dazu lassen sie sich zu Experten schulen, zertifizieren oder geben ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen in Webinaren weiter.
Auch Kunden zeigen sich angesichts der riesigen Produktpalette oft vor ein Rätsel gestellt. Sie setzen auf Expertenberatung, nehmen dafür mehr Geld in die Hand und nutzen staatliche Zuschüsse. Auch übersichtliche Online-Plattformen, die in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB), dem Verband für Sicherheitstechnik, Verband für Fenster und Fassade (VFF) oder der Initiative Smart Home Deutschland entwickelt wurden, helfen ihnen, sich im digitalen Dschungel zurechtzufinden. Ebenso beispielsweise Online-Plattformen von KIWI oder Showrooms wie der von ASAL in Offenburg. Fest steht, Kunden werden in der digitalen Transformation nicht sich selbst überlassen.
Aktuell entwickelt die Wirtschaftsinitiative Smart Living an einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt, welche das Internet of Things (IoT) und Künstlicher Intelligenz (KI). Technisch kombiniert. So soll eine Art Übersetzungshilfe für nicht miteinander kompatible Smart-Home-Komponenten entstehen.
Intelligente Lösungen und neue Berufe
Experten, die noch vor ein paar Jahren Rufer in der Wüste waren, sind heute als Smart-Building-Beauftragte in den Unternehmen eingesetzt. Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen richten neue Studiengänge ein und werben für den Beruf des Smart-Building-Ingenieurs. Allen voran die in Aachen und Berlin. Softwareaffinen jungen Menschen eröffnen sich hier völlig neue Perspektiven. Ganz im Gegensatz dazu, stellt sich allerdings die Situation immer noch an Schulen dar. Hier besteht unendlich Nachholbedarf. Neue moderne Einrichtungen wie die Integrative Sekundarschule in Berlin-Marzahn verfügen über digitale Anschlüsse und Vernetzungen, den Schüler fehlt es jedoch an genügend digitalem Lehrmaterial. Das wurde in den vergangenen zwei Corona-Jahren nicht nur da bekanntlich zum Problem. Hier wird bundesweit an der falschen Stelle gespart. Die Folge davon ist spürbar. Es herrscht mittlerweile Bildungsnotstand.

Das digitale Tempo, so wurde ebenfalls klar, bedeutet für viele Menschen, ins kalte Wasser zu springen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen. Nur mit dem Smartphone telefonieren reicht bei weitem nicht aus, wenn die digitale Transformation bewältigt werden will. Es braucht künftig noch viel mehr engagierte Experten, die sich in technischen Varianten und Lösungen sehr gut auskennen und dementsprechend versiert auch bei Kunden auftreten. Timo Wewers ist so einer. Als einer der beiden Azubis bei GED lernt er im 3. Ausbildungsjahr IT-Systemkaufmann. Technischen Details digitaler Beschläge – Schließmedien beherrscht er aus dem Effeff beherrscht und bringt sie versiert und freundlich an die Kunden. Adrian Moog gehört wiederum zu denen, die sich neuen Geschäftsmodellen stellen. Mit seinem Vater Klemens führt er seit ein paar Jahren die Moog Holding Frankfurt/M. und krempelte dabei die Wilhelm Marx GmbH & Co KNG, Frankfurt/M. zu einem modernen Systemanbieter um. Das Know-how aus fünf Unternehmen wurde gebündelt, um optimale Leistungen aus einer Hand anbieten und flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können. Vom klassischen Metallbau, über digitale Sicherheitstechnik, Ausführung Haustechnik, T-Lösungen-Smart Home, bis hin zu 3-D-Visualisierungen für die Planung.

Das Unternehmen arbeitet dabei eng mit unterschiedlichsten Anbietern zusammen und besitzt eine eigens gegründeten Marx Academy. Händler, Lieferanten wie eigene Mitarbeiter können sich bei Herstellern über neuste Produkte und Anwendungen informieren und qualifizieren lassen. Der junge Unternehmer Moog weiß, dass sich Wissen generieren und bündeln muss, um mit Spitzenprodukten im immer härter werdenden Wettbewerb zu bestehen. Ein Grund, warum Marx speziell für den Bereich Smart Home mit einem Frankfurter Unternehmen die Nexi-Home AG ins Leben rief.
Neben der Vielfalt im Angebot, begeistert die wachsende Palette der Spitzenprodukte. Dazu zählt sicher der neue „BEA Flatscan SW“, der aus einer Drehtür ein smartes Hightech-Erzeugnis macht. Dieser Sensor generiert mit Laser (Lichtlaufzeitmessung) 170 Messpunkte, um die Türen mit nur einem Modul abzusichern beim Öffnen und Schließen (nach DIN18650/EN16005).
Der Sensor in der oberen Türecke sichert die gesamte Tür mit bis zu vier Metern Diagonale. Das Erfassungsfeld des Sensors lässt sich dabei punktgenau einstellen. Sogar neugierige Kinderfinger im unteren Türbereich sind vorm Einklemmen geschützt.
Kunden wollen solche intelligenten Türen, die sich per Smartphone und Internetverbindung bedienen lassen. Auch aus der Ferne, einfach mit PIN oder SMS, die den einmaligen Zutritt erlaubt. Oder über Bluetooth, GPS, NFC oder der neuen Ultrabreitband-Technologie (UWB) als künftige Alternative zur momentan gängigen RFID-Technologie.
Quartiere bieten Potenzial
Ein großes Potenzial, um Smart Building massiv voranzutreiben, liegt im Verwalten größerer Wohn- und Büroquartiere. Hier bestehen riesige Reserven im Smart Building und damit in Komfort, Energieeffizienz und Betriebskostensenkung. Deshalb lohnt es sich für Hersteller und Händler von Tür- Schließ- und Sicherheitslösungen auf Fachmessen Erfahrungen auszutauschen und ihre neuesten Ergebnisse zu prästieren. So wurde 29. Verwaltertag 2021 in Berlin erfolgreich die Assa Abloy „Türen der Zukunft“ vorgestellt. Diese sind nicht nur mit neuartigen, multifunktionalen Schließanlagen und Türschließern versehen. Zusätzlich besitzen sie entsprechende Brandschutz-, Rettungs- und Fluchtwegtechnik. Gezeigt wurden Schließanlagen der Produktfamilie „Cliq“, für kleinere sowie größere Wohnobjekte mit 200.000 Zylindern.

Über 50 Städte Deutschlands sind angetreten, sich neu zu überdenken. Sie entwickeln Ideen und Konzepte für energieeffiziente urbane Räume. An der Spitze rangiert dabei Berlin, das mit zukunftsträchtigen Gebäuden wie dem Cubix am Hauptbahnhof neue Maßstäbe setzt. Parallel dazu entsteht das Forschungs- und Technologiecluster Wista in Berlin Adlershof, das als smarte Factory ein eigenes 5G Netz installierte. Es ermöglicht damit 1.200 Unternehmen ungestört in Echtzeit zu forschen und zu testen, zum Beispiel Roboter, über die man erst in fünf Jahren spricht.
Ob für das eigene Zuhause, für den Arbeitsplatz oder für den städtischen Lebensraum, die Digitalisierung ist in Gang gekommen. Wie schnell das weiterhin vor sich geht, entscheidet darüber, wie Deutschland im internationalen Maßstab mithalten kann.