Die bisherige Versandhandelsregelung im EU-Recht wird ab 1. Juli 2021 von der sogenannten Fernverkaufsregelung abgelöst. Quelle: Pixabay
Änderungen im EU-Steuerrecht. Quelle: Pixabay

Fachhandel

10. June 2021 | Teilen auf:

Neue EU-Steuerregelung ab dem 1. Juli

Die bisherige Versandhandelsregelung im EU-Recht wird ab 1. Juli 2021 von der sogenannten Fernverkaufsregelung abgelöst. Für viele Händler bedeutet dies eine Erleichterung. Einige Handelshäuser werden hingegen vor große Probleme gestellt. Darauf weist die Händlerbund Management AG hin.

Mit der Reform wird auf EU-Ebene ein neues Mehrwertsteuersystem für den grenzüberschreitenden Online-Handel mit Verbrauchern eingeführt. Mit Beginn des nächsten Monats werden im B2C-Fernabsatz die bisher geltenden unterschiedlichen Umsatzsteuer-Lieferschwellen in der EU aufgehoben und Steuerbeträge direkt im Lieferland geschuldet. Es gilt dann für die gesamte EU eine einheitliche Umsatzgrenze für grenzüberschreitende Lieferungen an Nicht-Unternehmer in der EU in Höhe von 10.000 Euro (netto).

Bei Überschreitung dieser Grenze unterliegen alle Lieferungen an Nicht-Unternehmer in der EU der Steuerpflicht im jeweiligen Bestimmungsland. Das wird dazu führen, dass auch kleinere Händler in fast allen EU-Staaten steuerpflichtig sein werden. 

Als Erleichterung wurde der sogenannte One-Stop-Shop (OSS) geschaffen. Der OSS löst den Mini-One-Stop-Shop ab und kann ab dem 1. Juli genutzt werden. Eine Teilnahme ist dabei keine Pflicht. Der OSS soll es Händlern ermöglichen, alle relevanten Ausgangsumsätze zentral über eine Schnittstelle (in Deutschland das Bundeszentralamt für Steuern) in ihrem Heimatstaat zu melden und abzuführen, so die Händlerbund Management AG.

Eine lokale steuerliche Registrierung in den einzelnen EU-Staaten ist in diesem Fall nicht mehr erforderlich. Zur Nutzung des OSS-Verfahrens muss vor dem 1. Juli eine Registrierung beim Bonner Bundeszentralamt für Steuern erfolgen.

Ein Beispiel: Ein deutscher Online-Händler verkauft Waren an Kunden nach Österreich und Frankreich. Es gilt weiterhin der deutsche Umsatzsteuersatz von 19 Prozent beziehungsweise der ermäßigte Satz von 7 Prozent, soweit die Verkäufe nach Österreich und Frankreich zusammengerechnet unter 10.000 Euro liegen. Überschreiten die Verkäufe ins EU-Ausland die 10.000 Euro, wird der Händler in beiden Ländern steuerpflichtig. Das ist etwa der Fall, wenn der Händler Waren im Wert von 6.000 Euro nach Österreich und Waren im Wert von 4.001 Euro nach Frankreich verkauft.

Jeder weitere Euro muss dann in Frankreich mit dem französischen Umsatzsteuersatz (normal 20 Prozent; ermäßigt 10, 5,5 oder 2,1 Prozent) versteuert werden. Nach dem österreichischen Umsatzsteuersatz (normal 20 Prozent; ermäßigt 13, 10 oder 5 Prozent), muss jeder weitere Euro, der in Österreich erwirtschaftet wurde, versteuert werden.