Um den steigenden Kapazitätsanforderungen in der Entwicklung und Fertigung von Schiebetüren gerecht zu werden, errichtete Siegenia am Standort Hermeskeil eine neue, rund 1.000 Quadratmeter große Produktionshalle zur Bearbeitung von Bodenschwellen. Bereits im Sommer wurde die Fertigung der neuen Portal-Bodenschwellen aus Glasfaserkunststoff, GFK, aufgenommen, seit Oktober in der neuen Produktionshalle. Wir konnten uns vor Ort ein Bild machen und mit den beiden Verantwortlichen, Christoph Scheuring, Produktmanager Portal, und Uwe Ziewers, Werksleiter Hermeskeil, über die damit verbundene Strategie sprechen.
Für die Entwicklung und den Start einer Bodenschwelle aus GFK, also glasfaserverstärktem Kunststoff in der aktuellen Trendfarbe schwarz, ist nach Angaben von Christoph Scheuring ein Grund besonders wichtig: „Für Siegenia ist Deutschland zwar nach wie vor der größte und stärkste Einzelmarkt, doch in den vergangenen Jahren hat der Exportanteil deutlich zugenommen. Beispiel Italien. Das Land ist ein regelrechter GFK-Markt. Wir wurden immer wieder von dortigen Händlern angesprochen, wann wir entsprechende Systeme liefern können.“ Uwe Ziewers ergänzt, dass mittlerweile auch die Nachfrage aus den Niederlanden enorm ist, denn GFK wird zunehmend in Kombination mit Werkstoffen wie Holz, Kunststoff und Aluminium verwendet. Hier kommt die Trendfarbe schwarz des Materials besonders zum Tragen. Von daher war es fast zwingend notwendig, eine Produktion für Bodenschwellen aus GFK aufzubauen. Rund vier Jahre sind von der ersten Idee über die Budgetierung bis hin zum Start der Produktion Mitte 2025 vergangenen.
Zielgruppe Fensterbauer
In Deutschland möchte das Unternehmen primär größere Metall- und Fensterbauer ansprechen, die in den Bereichen Holz sowie Holz/Aluminium tätig sind und auch in die angrenzenden Nachbarländer liefern. Ihnen bietet Siegenia mit der neuen Portal-Bodenschwelle eine Option für mehr Wachstum, denn das Produkt ist eher für architektonisch etwas gehobenere Bauobjekte konzipiert. „Wir sind uns sicher, dass wir im Bereich der Hebe-/Schiebeelemente zusammen mit der neuen Portal-Bodenschwelle in den kommenden fünf Jahren deutliche Umsatzsteigerungen erzielen werden. Denn es gibt Märkte, in denen der Werkstoff GFK eindeutig bevorzugt wird. In diesen streben wir eine noch stärkere Marktposition an. Ziel außerhalb dieser speziellen Märkte ist es, dass wir unser Sortiment an Bodenschwellen noch breiter als bislang aufstellen, um Verarbeitern eine noch höhere Flexibilität im Verkauf zu bieten“, fasst Uwe Ziewers zusammen.

Die neue GFK-Bodenschwelle wird es zusätzlich zum bisherigen Produktsortiment geben. Selbstverständlich wird sie vorkonfektioniert über die „GFK Comfort Unit“ verfügbar sein, denn wegen der besonderen Verarbeitung von GFK bietet sich das Dienstleistungspaket ideal an. Mit der vor rund 13 Jahren entwickelten Comfort Unit hat Siegenia in der Branche eine Art Vorreiterrolle übernommen und zugleich Maßstäbe gesetzt. Der Kunde kann bequem über seinen Rechner online über ein Tool die von ihm für sein Türprojekt benötigen Produkte individuell und passgenau konfigurieren. Innerhalb von 48 Stunden wird ihm die komplette Bestellung geliefert. Wenn es schneller gehen muss, hat der Kunde gegen Aufpreis die Möglichkeit der Expresslieferung.
Vom Beschlaghersteller zum Anbieter modernen Wohnens
Vor 13 Jahren fiel bei Siegenia die Entscheidung, die Fertigung von Beschlägen für Schiebeelemente in Hermeskeil zu konzentrieren und die Logistikaktivitäten am Nachbarstandort Reinsfeld zu bündeln. Seitdem hat sich an beiden Standorten viel getan, denn die Fertigungstechnologie wurde konsequent ausgebaut und weiterentwickelt und hat sich nahezu verdoppelt. Rund 300 Beschäftigte sind heute an den beiden Standorten tätig. Nahezu verdoppelt hat sich in diesem Zeitraum auch der Umsatz. Einen Blick auf die allgemeine Unternehmensentwicklung, Fokusthemen und besondere Kompetenzen haben wir gemeinsam mit Katja Schreiber, Leiterin Marketing und Kommunikation, geworfen.
Frau Schreiber, wo sehen Sie jetzt und in naher Zukunft Wachstumsfelder für das Unternehmen, möglicherweise ja im Bereich der Sicherheitstechnik?
Der Bereich Sicherheit ist zweifelsohne bedeutsam, unterliegt jedoch Trendschwankungen. Im Zuge der Bemühungen um die energetische Sanierung von Gebäuden hat er gegenüber dem Thema Energieeffizienz aktuell an Stellenwert eingebüßt. Diesen beiden wie auch weiteren aktuellen Marktanforderungen werden wir ganzheitlich gerecht, indem wir die Entwicklung einer Zentralsteuerung für die Gebäudehülle vorantreiben. Sie reguliert künftig Überwachung, Verriegelung und Bewegung sowie Lüftung und trägt damit diversen zentralen Bedarfen rund um die Steuerung der Haustechnologie Rechnung. Von Smart Home über Barrierefreiheit bis hin zu Komfort und Wohlfühlklima decken wir damit zudem eine Vielzahl weiterer Raumkomfort-Aspekte ab. Als großes Zukunftsfeld betrachten wir in diesem Kontext die Weiterentwicklung der Verknüpfung von Matter und KNX, an der wir bereits jetzt arbeiten. Mit der Zielsetzung, allgemeingültige Lösungen anzubieten, die zukunftssicher sind und sich durch eine einfache, systemübergreifende Bedienung auszeichnen, treiben wir die Kompatibilität von kabelgebundenen Systemen für die Gebäudeautomatisierung mit WLAN-basierten aktiv voran und erweitern damit die Anwendungsvielfalt smarter Szenarien.

Die Siegenia-Gruppe steht auf mehreren Standbeinen. Welchen Anteil am Umsatz haben aktuell die Fensterbeschläge und welche Anteile die anderen Produktbereiche?
Unsere Lösungen für Fenstersysteme sind natürlich nach wie vor einer der Hauptumsatzträger. Lösungen für Tür- beziehungsweise Schiebetürsysteme folgen mit etwas Abstand nahezu gleichauf und sind von zunehmender Bedeutung. Zusammengenommen haben diese drei Produktgruppen die größte wirtschaftliche Bedeutung für das Unternehmen. Durch die innovativen Lösungen im Bereich Portal – sowohl mit unserer Bodenschwelle als auch mit den motorischen Lösungen und Großflächenelementen – haben wir in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung in diesem Produktbereich verzeichnen können. Für den Produktbereich Portal mit seinen Lösungen für Schiebetürsysteme hat die neue GKK-Bodenschwelle eine zentrale Bedeutung.
Wie hat das Unternehmen die vergangenen Jahre mit den teils deutlichen Rückgängen beim Wohnungsbau gemeistert?
Grundsätzlich spüren auch wir den wirtschaftlichen Rückgang im Neubau, der durch die derzeit noch verhaltene Entwicklung in der energetischen Sanierung nur partiell kompensiert werden kann. Als Unternehmen sind wir somit gefordert, uns strategisch wie auch in unserer Umsatzplanung auf die veränderte Marktsituation auszurichten. Bislang ist das recht gut gelungen. Eine wichtige Rolle spielt in dem Zusammenhang die unterschiedliche Entwicklung der Auslandsmärkte. Rückgänge und Zuwächse konnten sich hier an vielen Stellen ausgleichen. Aber auch über unser breites Produktportfolio, innovative Neuprodukte und Neukundengewinne konnten wir die allgemeinen Rückgänge im Neubau spürbar stabilisieren. Dazu haben auch Zuwächse bei unseren smarten Lösungen und Lüftungssystemen beigetragen.
Ist für Siegenia nach wie vor der Fachhandel der wichtigste Partner für den Vertrieb?
Im klassischen B2B-Geschäft ist und bleibt der Handel ein äußerst wichtiger Partner. Die enge Zusammenarbeit schließt eine aktive Unterstützung von unserer Seite ein. Das für die Beschlagtechnik charakteristische Variantenreichtum macht insbesondere den logistischen Support der Handelshäuser unerlässlich.
Wo sehen Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren – was werden die Stärken beziehungsweise Kernkompetenzen sein?
Unser Anspruch ist es, Kunden ein umfassendes Produktportfolio für das moderne Wohnen und Leben von morgen zu bieten, das Raumkomfort von der Wohngesundheit über generationsübergreifendes Design und Sicherheit bis zu smartem Wohnen ganzheitlich versteht. Als innovatives Unternehmen kombinieren wir hierzu unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Mechanik mit Kompetenzen in den Bereichen Elektronik, Automatisierung und Digitalisierung. Unser klares Bekenntnis gilt zudem den Anforderungen und Bedürfnissen nachhaltigen Wohnens. Dabei gehen unsere Ziele über die gesetzlichen Vorgaben hinaus: Mit Hersteller-EPDs für einen Großteil unseres Portfolios dokumentieren wir diesen Anspruch ebenso wie durch die Beteiligung an diversen Branchenprojekten. Passend zu unserem ganzheitlichen Verständnis von 360-Grad-Raumkomfort fokussieren wir zudem Kundenorientierung und Servicekompetenz. Leistungsstarke Produkte finden ihre Ergänzung in Dienstleistungen und Services, die wir auf die Bedürfnisse unserer Partner zuschneiden und fortlaufend an aktuellen Marktanforderungen ausrichten.
Diesen Beitrag finden Sie auch in der Ausgabe 4/2025 des M&T Schloss + Beschlagmarkt, die Ende November erschienen ist.