Die österreichische Bauwirtschaft steckt seit Jahren in der Krise, was im Wesentlichen auf den Wohnungsbau zurückzuführen ist. Nach aktuellen Zahlen von Branchenradar Marktanalyse erhöhte sich nämlich zwischen 2020 und 2026 der Bauproduktionswert (BPW) im Hoch- und Tiefbau um 22 Prozent. Preisbereinigt ist die Lage weitaus negativer. Die Nachfrage sank seit 2021 weitgehend konstant, kumuliert liegt die Branche vermutlich um gut zwölf Prozent unter dem Niveau von 2020, berichten die Marktforscher.
„Das bedeutet: Die Bauwirtschaft schrumpft voraussichtlich das fünfte Jahr in Folge“, sagt Andreas Kreutzer. Die erhebliche Differenz zwischen nominaler und realer Entwicklung erkläre sich durch die massiven Preissteigerungen der letzten Jahre. Insgesamt erhöhten sich die Baupreise für den Hoch- und Tiefbau zwischen 2020 und 2025 um ein Drittel, im Hochbau um 38 Prozent, im Tiefbau um 26 Prozent, wobei der Anstieg vor allem aus Preissprüngen in den Jahren 2021 bis 2023 resultierte. Angeschoben wurde die Teuerung zuerst von höheren Materialpreisen, danach auch von steigenden Personalkosten infolge der Abgeltung der Inflation im Rahmen der KV-Verhandlungen, heißt es in einer Mitteilung.
Wohnungsneubau bricht um 30 Prozent ein
Demnach war der Rückgang im vergangenen Jahr gänzlich auf den Hochbau zurückzuführen, der real um 16 Prozent erodierte. Innerhalb des Hochbaus war es praktisch zur Gänze der Wohnbau, der für das Minus verantwortlich zeichnete. Der Wohnungsneubau brach real um 30 Prozent, die Renovierung im Wohnbau um real 14 Prozent ein. Der Nicht-Wohnbau entwickelte sich hingegen weitgehend stabil. Und der Tiefbau wuchs substanziell um real 12 Prozent. „Auch im laufenden Jahr schrumpft die Bauproduktion preisbereinigt voraussichtlich nochmals um drei Prozent, wobei der Rückgang abermals ausschließlich vom Hochbau kommt. Der Tiefbau wächst indessen konstant um real zwei Prozent“, prognostiziert Kreutzer.
Branchenradar Marktanalyse prognostiziert im kommenden Jahr eine Bauproduktion in Österreich, die sich real auf Vorjahresniveau stabilisieren wird, wobei der Wohnungsbau und der Tiefbau jeweils um zwei Prozent wachsen und nur noch der Nichtwohnbau weiter erodiert. „2028 sollte dann aber zumindest der Bauwirtschaft – alles in allem – die Trendwende gelingen“, gibt sich Kreutzer optimistisch, „Die Immobilienbranche wird allerdings noch etwas länger warten müssen. Bei den Wohnungsfertigstellungen sehen wir einen Aufschwung frühestens 2029.“
