In einem Auffanggitterkorb liegen silbrige Zimmertürgriffhälften, die aus einer Fertigungsmaschine stammen und im Korb gesammelt werden.
Hersteller der Schloss- und Beschlagbranche leiden derzeit unter hohen Rohstoffpreisen. (Quelle: Redaktion/kosi)

Bauelemente 2021-03-03T12:52:58.566Z Rohstoffe bleiben vorerst teuer

Die Hersteller von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff sind mit Zuversicht und Optimismus in das laufende Jahr 2021 gestartet, berichtet der Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff Pro-K. Das gilt nach Angaben des Fachverbands der Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) auch für die Hersteller im Schloss- und Beschlagbereich. Die Entwicklung werde allerdings durch die in Teilen knappe Versorgungslage mit Rohstoffen gedämpft.

In fast allen Bereichen können laut Pro-K die Hersteller von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff über einen guten Start in das laufende Jahr 2021 berichten. Beste Beispiele seien hier der Bauzulieferbereich wie Fenster und Türen. „In der Einschätzung für das Gesamtjahr gehen wir von einem soliden Wachstum verbunden mit der Erwartung das Niveau von 2019 zu erreichen oder sogar zu übertreffen aus“, unterstreicht Ralf Olsen Pro-K-Hauptgeschäftsführer die Lage.

Wie aus einer Backform Teig gepresst wird, wird hier aus einem Metallstück, das vor eine gelb Maschine gesetzt wurde und in dessen Mitte eckige, zusammenhängende Linie ausgeschnitten sind, noch nicht ausgehärteter Kunststoffe gepresst. Dies ergibt die Basis für ein Fensterrahmenprofil.
Die Hersteller von Kunststofffenstern spüren derzeit eine Rohstoffknappheit. (Quelle: Redaktion/kosi)

Voraussetzungen dafür seien aber auch, dass die aktuellen pandemiebedingten Beschränkungen zeitnah aufgehoben würden. Zudem bereite den Herstellern die in Teilen deutliche Knappheit an Rohstoffen Sorgen, was sich wiederum dämpfend auf die weitere Branchenentwicklung auswirken könne.

Ähnlich verhält es sich bei Herstellern in metallverarbeitenden Bereichen. Laut FVSB leiden die Betriebe trotz recht guter Auftragslage unter hohen Rohstoffpreisen. Nach verbandseigenen Auswertungen lagen die Preise im Februar für Aluminium durchschnittlich um 17 Prozent über den Vorjahreswerten. Mehr als doppelt so stark stiegen die Preise für Kupfer (+45,2 Prozent), Messing (+36,8 Prozent) und Nickel (+38,0 Prozent). Die Teuerungsrate von Zink liegt dazwischen, dessen Preis ist binnen Jahresfrist um fast ein Viertel angestiegen. Somit sind sämtliche Produktbereiche der Schloss- und Beschlaghersteller von den markanten Preisanstiegen der NE-Metalle betroffen.

„Die pandemiebedingten Preisrückgänge zum Jahresbeginn 2020 waren nur von kurzer Dauer. Seit dem zweiten Quartal ist eine regelrechte Preisrallye im Gange. Das unter anderem für die Schließzylinderherstellung wichtige Messing verteuerte sich zum Beispiel in den letzten elf Monaten um fast 53 Prozent“, erläutert der stellvertretende Verbandsgeschäftsführer Holger Koch und ergänzt: „Wir befinden uns gerade auf einem 10-Jahres-Hoch, ein ähnlicher Sprung war zuletzt zum Jahresende 2016 zu sehen.“

Im Stahlbereich war die Preisdynamik am Spotmarkt noch größer. Binnen Jahresfrist verteuerten sich Warmbreitband (+51,6 Prozent), kaltgewalzte Bleche (+47,7 Prozent), feuerverzinkte Bleche (+46,1 Prozent) und Walzdraht in Ziehgüte (+45,2 Prozent) erheblich. Nimmt man die pandemiebedingten Tiefststände zur Jahresmitte als Basis, fallen die Steigerungsraten in den vergangenen acht Monaten noch dramatischer aus: der Preis für Warmbreitband stieg um drei Viertel.

Die Ursachen hierfür seien vielfältig. Europäische Stahlhersteller fahren ihre Produktionsmengen nach früheren Kapazitätsanpassungen nur langsam wieder hoch. Importe tragen durch Schutzmaßnahmen der EU sowie steigender Absatzchancen in Asien kaum zur Entlastung bei. Die Kosten für Rohstoffe, insbesondere Eisenerz, Schrott oder auch Zink und Nickel haben deutlich zugelegt. Zudem versuchen Händler und Einkäufer der stahlverarbeitenden Industrie mit Aufstockungen ihre Lagervorräte weiteren Preisanstiegen und möglichen Lieferengpässen zu entgehen.

Marktbeobachter sehen die momentane Stahlpreisentwicklung nachfrageseitig trotz knapper Versorgungslage zwar nicht gerechtfertigt und erwarten ein Abflachen der Preisanstiege, die Luft für kurzfristig wieder merklich niedrigere Preise scheint allerdings gering.

Entscheidend für die Stahlpreise im Jahr 2021 wird nach Angaben der Deutschen Industriebank IKB die weitere Entwicklung bei den Vormaterialpreisen sein. So hätten zuletzt die Eisenerznotierungen am Spotmarkt kräftig zugelegt. Der im Dezember 2020 vorgenommene Preissprung habe sich im Januar 2021 fortgesetzt und erreichte mit über 160 US-Dollar je Tonne das höchste Niveau der letzten zehn Jahre. Allerdings erwartet die IKB im Jahresverlauf eine Entspannung, da die Experten sich von der Förderung in den brasilianischen Eisenerzbergwerken von Vale eine Erholung versprechen. Die Produktion wurde dort nach dem schweren Unglück im Jahr 2019 stark zurückgefahren, da für etliche Minen hohe Nachrüstungsinvestitionen angeordnet worden waren. Diese seien jetzt zum größten Teil umgesetzt.

zuletzt editiert am 05. März 2021
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