BIM: Der Schlüssel für Bauprojekte der Zukunft.
Der finnische BIM-Experte Mikko Raikaa. (Quelle: Messe Frankfurt)

Smarte Gebäude 2024-03-08T08:05:23.034Z BIM: Der Schlüssel für Bauprojekte der Zukunft

Frankfurt – Was wäre, wenn alle am Bauprozess eines Gebäudes Beteiligten Zugang zu digitalen Plänen, Prozesssteuerung und umfangreichen Datenbanken in einer Cloud hätten? Mit BIM (Building Information Modeling) ist das seit einigen Jahren möglich, sagt der finnische Experte Mikko Raikaa im Interview mit der Light + Building.

Der Diplom-Ingenieur gilt als ein Multitalent in Sachen BIM und gibt einen Einblick, wie weit man diesbezüglich bereits in seinem Land ist.

Die Umsetzung von Bauprojekten mit BIM wird derzeit in vielen Ländern noch sehr unterschiedlich gehandhabt. In Deutschland ist BIM seit Januar 2021 für die Vergabe öffentlicher Aufträge verpflichtend. Wie sieht es in den nordischen Ländern aus?

Raikaa: Ja, selbst hier in Finnland gibt es noch viele verschiedene Möglichkeiten, BIM-Projekte zu bearbeiten. Kleinere Wohnbauprojekte werden oft noch in 2D abgewickelt, weil das die vorgeschriebenen Mindestanforderungen sind. Aber alle größeren Objekte werden bereits mit BIM erstellt, da alle Bauherren, Architekten, Planungsbüros und Bauunternehmer, die BIM nutzen, auch alle Vorteile daraus ziehen wollen. Unsere Regierung hat kürzlich ein neues Gesetz verabschiedet, das die Verwendung von BIM-Design bei fast allen Gebäudeentwürfen vorschreibt.

Wie schätzen Sie das allgemeine Know-how in Finnland zum Thema inzwischen ein?

Raikaa: Das allgemeine Know-how hier ist sehr hoch. Wir haben in unserem Land viele Unternehmen, die BIM-Software entwickeln, und wir sind seit Langem Spitzenreiter in vielen technischen Bereichen. Alle großen Planungs- und Bauunternehmen haben ihre eigenen BIM-Teams, die ihre eigenen Softwareumgebungen entwickeln, und versuchen, die Nutzung von BIM noch besser und einfacher zu machen.

Was ist bei der Arbeit mit BIM besonders wichtig, und welche Kompetenzen braucht man?

Raikaa: Natürlich ist BIM ein zu großes Thema, um es komplett zu überblicken. Aber zum Glück muss man das im Allgemeinen auch gar nicht. Das Wichtigste ist, das BIM-Konzept und den -Workflow des Projekts zu verstehen. Es geht darum, Entwürfe so, wie sie sind, an andere Planungsbeteiligte weiterzugeben. Auf diese Weise können andere bereits in einem frühen Stadium sehen und verstehen, wie gerade der Status ist. Das bietet die Möglichkeit, anderen den Entwurf schon zu zeigen, wenn er noch in Arbeit und unvollkommen ist. Der Arbeitsablauf sieht in der Regel so aus, dass man zunächst allgemeine Objekte für das gesamte Gebäude erstellt und dann beginnt, diese zu detaillieren und ihnen genauere Formen und Informationen zu geben. Informationen und Details werden während des gesamten Entwurfs- und Produktionsprozesses zu denselben Objekten hinzugefügt, sodass das Objekt alle erforderlichen Informationen erhält. Wenn das BIM-Konzept und seine Rolle in den Projekten verstanden wird, ist es natürlich viel einfacher, damit zu arbeiten.

Die Vorteile von BIM liegen auf der Hand: Optimierung und Transparenz von der Planung eines Gebäudes bis zu seiner Verwaltung nach der Fertigstellung. Das bedeutet, man hat alles auf einen Blick zur Verfügung: Kosten, Beteiligte, Datenlage. Das ermöglicht insgesamt effizientes Arbeiten und die Vermeidung von Fehlern. Gibt es auch Herausforderungen?

Raikaa: Ja, sie entstehen in der Regel, wenn nicht genügend Zeit eingeplant ist oder die BIM-Ziele eines Projekts nicht richtig definiert oder verstanden werden. Aus diesem Grund ist die Rolle eines BIM-Koordinators sehr wichtig, denn die betreffende Person soll dem Kunden und dem Bauherrn dabei helfen, zu definieren, was benötigt wird und warum. Die Person fertigt den Plan und die Anleitung für die BIM-Modellierung des Projekts an und erstellt die Anforderungen an das BIM-Design für die verschiedenen Planungsdisziplinen und Auftragnehmer. Zugleich sorgt sie für die Erstellung von Kombinationsmodellen und die Integration verschiedener Modelle, damit diese zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt überprüft sie die Modelle, damit diese den Anforderungen und Projektzielen entsprechen. Nach dem Bau des Gebäudes verfügt man so über eine gute und intelligente Datenbank, die sich ideal für die Gebäudewartung nutzen lässt.

Wie sehen Sie BIM in der Zukunft, und was wünschen Sie sich in Bezug auf die BIM-Entwicklung?

Raikaa: BIM entwickelt sich ständig weiter. Hier in Finnland laufen aktuell viele Studien und Entwicklungsprojekte. Heute konzen-
trieren sich viele auf nachhaltiges Bauen und Entwerfen. Einige Projekte befassen sich auch mit der Frage, wie die BIM-Informationen standardisiert werden sollten und wie wir unsere BIM-Modelle in der Zukunft, sagen wir in den nächsten 50 oder 100 Jahren, speichern können.

zuletzt editiert am 08. März 2024
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