Steigende Preise in der Bauwirtschaft kaschieren schwache Nachfrage.
In Deutschland wuchs die Bauwirtschaft nur aufgrund steigender Preise. (Quelle: Pixabay)

2022-02-14T13:06:01.760Z Steigende Bauwirtschaftspreise - schwache Nachfrage

Die Bauwirtschaft ist in Deutschland im Jahr 2021 zwar gewachsen, allerdings nur infolge steigender Preise. Die zeigen aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts Branchenradar.com Marktanalyse. Demnach schaut auf den ersten Blick alles ganz passabel aus, denn im Jahr 2021 erhöhte sich hierzulande der Bauproduktionswert für die gesamte Bauwirtschaft um 6,9 Prozent gegenüber Vorjahr auf 424 Milliarden Euro. Damit wurden um beinahe 27,4 Milliarden Euro mehr investiert als im Jahr davor. Im Jahresabstand wuchs die Bauproduktion im Wohnbau um 7,9 Prozent auf 244,9 Milliarden Euro, im Nicht-Wohnbau um 5,3 Prozent auf 103,3 Milliarden Euro und im Tiefbau um 5,9 Prozent auf 75,8 Milliarden Euro.

Allerdings war das kräftige Wachstum ausschließlich auf steigende Preise zurückzuführen. Im Hochbau erhöhten sich im Jahr 2021 die Baupreise um acht Prozent und im Tiefbau um 3,7 Prozent gegenüber Vorjahr. Preisbereinigt (zu Preisen von 2020) wuchs damit nur die Bauleistung im Tiefbau um rund zwei Prozent. Im Wohnbau wurde real um knapp ein Prozent weniger verbaut als 2020, im Nicht-Wohnbau lag das Minus sogar bei 2,7 Prozent.

Dass die Preise speziell im Hochbau rasch stiegen, ist leicht erklärt: Zum einen liefen den Bauunternehmen die Baukosten davon. So katapultierten sich etwa im Wohnbau die Gesamtbaukosten um nahezu sechs Prozent nach oben. Kostentreiber waren aber weniger Löhne und Gehälter – die Arbeitskosten entwickelten sich mit plus drei Prozent gegenüber Vorjahr unauffällig – als vielmehr massiv steigende Materialpreise. Gegenüber 2020 kam es hier zu einem Anstieg um gut acht Prozent. Zum anderen nutzten viele Handwerker die Verwerfungen am Markt, infolge von Lieferengpässen und zum Teil gewaltigen Preissprüngen bei manchen Baumaterialien, um die Margen zu erhöhen. Im Hochbau lag die Differenz zwischen Kostenanstieg und Preiserhöhung bei rund zwei Prozentpunkten.

Anders entwickelte sich die Bauwirtschaft in der Schweiz. Hier erhöhte sich laut Branchenradar der Bauproduktionswert für die gesamte Bauwirtschaft um 4,8 Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 73,3 Milliarden Schweizer Franken. Damit wurde um nahezu 3,4 Milliarden Schweizer Franken mehr investiert als im Jahr davor. Obgleich auch in der Schweiz die Preise für Baumaterial auf breiter Front stiegen, zogen die Baupreise im Jahresabstand lediglich um 2,5 Prozent an. Damit wuchs der Markt nicht nur nominal, sondern auch preisbereinigt signifikant um 2,3 Prozent gegenüber Vorjahr.

zuletzt editiert am 14. Februar 2022
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