Die Führungsspitze von Bever & Klophaus (v.l.): Omid Shakeri , kaufmännischer Leiter , Geschäftsführer Holger Hoffmann und Prokurist sowie Verkaufsleiter Andreas Taschner.
Die Führungsspitze von Bever & Klophaus (v.l.): Omid Shakeri , kaufmännischer Leiter , Geschäftsführer Holger Hoffmann und Prokurist sowie Verkaufsleiter Andreas Taschner. (Quelle: Bever & Klophaus)

Industrie 2021-03-16T23:00:00Z Turn-around trotz Corona

Noch wirkt der Internet-Auftritt von Bever & Klophaus etwas verstaubt. Doch wer ein solch tradiertes Unternehmen wie den mehr als 200 Jahre existierenden Schlosshersteller aus Schwelm in die marktwirtschaftliche Neuzeit führen will, fängt nicht bei der Homepage an. Was sich im Inneren der Firma bereits getan hat, schilderte das teilweise neue Führungstrio dem Schloss- und Beschlagmarkt im Gespräch.

Vor fünf Jahren zog das Unternehmen in Schwelm aus dem beengten Gebäude in der Innenstadt in ein neues Firmengebäude mit optimiertem Materialfluss auf 2 400 Quadratmetern Fertigungsfläche mit Ausbaureserve.
Vor fünf Jahren zog das Unternehmen in Schwelm aus dem beengten Gebäude in der Innenstadt in ein neues Firmengebäude mit optimiertem Materialfluss auf 2 400 Quadratmetern Fertigungsfläche mit Ausbaureserve. (Quelle: Bever & Klophaus)

Für die Veränderungen bei Bever & Klophaus hat noch der im Februar 2020 verstorbene Seniorchef Hans-Dietrich Mohr, der das Familienunternehmen in sechster Generation leitete, die Weichen gestellt. Er verjüngte die Belegschaft und erweiterte sie durch die Übernahme von Peso im Jahr 2002 und Stuco im Jahr 2011 aus Heiligenhaus. 2016 zog das Unternehmen in Schwelm aus dem beengten dreistöckigen Gebäude mit 1 800 Quadratmetern Produktionsfläche in der Innenstadt in ein neues ebenerdiges Firmengebäude mit optimiertem Materialfluss auf 2 400 Quadratmetern Fertigungsfläche mit Ausbaureserve, das Mohr nach eigenen Plänen für 3,1 Millionen Euro auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände hat bauen lassen.

Das Familienunternehmen blieb und bleibt auch nach Mohrs Tod ein Familienunternehmen: Die siebte Generation, die Kinder von Hans-Dietrich Mohr, Tochter Kerstin Mohr und Sohn Robin Porsch, besitzen die Firmenanteile zu gleichen Teilen. Sie haben sich entschlossen eine Geschäftsleitung einzusetzen, die die modernen Instrumente der Marktwirtschaft beherrscht. Und so bilden heute Holger Hoffmann als Geschäftsführer, Andreas Taschner als Prokurist und Verkaufsleiter und Omid Shakeri als kaufmännischer Leiter ein schlagfähiges Trio an der Spitze von Bever.

Ausrichtung am Kunden

Obwohl der Diplom-Ingenieur Hoffmann erst seit April 2020 offiziell an Bord ist, hat er schon einige Monate zuvor mit dem einstigen Seniorchef Mohr Pläne für die Zukunft geschmiedet und erste Maßnahmen eingeleitet. Inzwischen ist die Einführung des ERP-Systems in der finalen Phase angekommen. Das Customer-Relationship-Management und damit die konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf seine Kunden und die systematische Gestaltung der Kundenbeziehungsprozesse wurden ebenfalls vollständig umgesetzt. Die Digitalisierung ist im vollen Gange, „und die Belegschaft zieht komplett mit“, freut sich Prokurist und Verkaufsleiter Andreas Taschner, der selbst bereits seit 2002 im Unternehmen tätig ist. Die Mannschaft habe verstanden, dass ein Wandel nötig sei. Junge und erfahrene Mitarbeiter ergänzten sich hier heute prächtig, das Wissen der Älteren werde nach und nach auf den Nachwuchs übertragen.

Damit sich das so fortsetzt, will der Betrieb ab 2022 auch wieder im gewerblichen und kaufmännischen Bereich ausbilden. „Eine permanente Personalweiterentwicklung durch Schulungen und ähnliches pflegen wir sehr. Die Mitarbeiter sind unser höchstes Gut“, so Taschner und Hoffmann ergänzt: „Sie sind sogar unser einziges Gut.“

Fachhandelsorientierung

80 Prozent der 70 Mitarbeiter arbeiten in der Produktion, die eine hohe Fertigungstiefe aufweist. „Unser Anspruch ist ganz klar: Qualität“, erläutert Hoffmann. Hier dreht sich alles um die Entwicklung und den Bau von hochwertigen Schlössern, das ist die Kernkompetenz des Unternehmens. Damit werde jährlich rund zehn Millionen Euro Umsatz generiert. Der Vertrieb läuft zu 55 Prozent über den Fachhandel, zu 45 Prozent über Baumärkte. Europaweit umfasst der Kundenstamm von Bever über 4 500 Kunden.

Das Unternehmen bietet mehr als 3 500 Produkte an. Der Warenbestand im Lager hat einen Wert von über drei Millionen Euro, um schnell auf Anforderungen aus dem Markt reagieren zu können. Zwar umfasst das Portfolio von Bever eine Bandbreite, die von Einsteckschlössern über Kastenschlösser bis hin zu Garagentorschlösser und Fenstersicherungen reicht, aber es wird auch viel nach Maß gefertigt. Diese individuell angefertigten Schlösser finden sich beispielsweise in der Hamburger Hochbahn oder im Bundestag. Solche Referenzen belegen die Qualität der Produkte und die Kompetenz des Herstellers. Die Schlossspezialisten „fangen da an, wo andere aufhören“, sagt Taschner nicht ohne Stolz. Damit hat sich Bever quasi als „MacGyver“ der Schlossbranche etabliert.

Und dennoch ist das Unternehmen mit seinen Veränderungen noch nicht am Ende. „Wir müssen aus dem Dornröschenschlaf raus. Wir sind zwar seit über 200 Jahren am Markt, aber nicht jeder weiß, was wir wirklich können. Und das soll sich ändern“, erklärt der CEO. Dazu gehört auch eine gut sichtbare Präsenz im Internet, die derzeit aufgebaut wird, als auch eine Sichtbarkeit auf Messen, allen voran die Perimeter und die Fensterbau/Frontale in Nürnberg.

Solider Partner

Trotz Corona konnte das Unternehmen eine Umsatzsteigerung verbuchen – damit wurde der Turn-around nach einer Zeit des Verlustes geschafft. „Wir werden uns als solider Partner in der Branche behaupten“, erläutert Hoffmann das Ziel, das unter anderem durch den Ausbau des Bereiches Sonderanfertigung und des Objektgeschäftes erreicht werden soll. Da Bever sein Geschäftsfeld eher in der Nachrüstung und auf dem Sanierungsmarkt sieht, ist es wichtig der Ansprechpartner für zum Beispiel Architekten und Wohnungsbaugenossenschaften zu sein.

Um das zu gewährleisten, entwickelt das Unternehmen innovative Produkte, die auf dem Kundenwunsch basieren. „Bei uns bekommt der Kunde nicht einfach ein fertig entwickeltes Produkt vorgesetzt, sondern das, was auf seine Bedürfnisse und Anforderungen optimal abgestimmt ist“, so Taschner. Diese verbesserte Customer-Relationship ist, wie erwähnt, wichtiger Teil des Bever- Strategieplans, der weiter stringent umgesetzt wird. Damit all die enthaltenen Punkte erfüllt werden können, sei eine gute Kommunikation erforderlich. Nur so werde Teamwork erreicht und könnten die flachen Hierarchien gelebt werden, die hier im klassischen Mittelstandsunternehmen eine große Rolle spielen.

Potenziale heben

Für die Zukunft will Bever die Internationalisierung weiter vorantreiben. Bislang ist man europaweit vertreten, nun sollen die Geschäftsbeziehungen Richtung Osten ausgebaut werden. Auch im Produktportfolio plant das Unternehmen sich zu spezialisieren, indem beispielsweise die Fenstersicherung sowie die Lösungen für den Metallbau weiterentwickelt werden sollen.

„Auch die Wertschöpfungskette weiter aufrecht zu erhalten so wie sie ist, ist ebenfalls wichtig für den Erfolg“, sagt Hoffmann. Daher habe man bei Bever die Entwicklungsabteilung sowohl personell als auch im Bereich der Systemtechnik verstärkt. „Mit dem Wissen und der Erfahrung hier im Haus, in Kombination mit den modernen Managementinstrumenten wie der Steuerung mit Kennzahlen, werden wir hier das enorme Potenzial ausschöpfen, das hier noch teils im Verborgenen liegt“, erklärt der kaufmännische Leiter Omid Shakeri in überzeugtem Ton. Der Diplom-Kaufmann ist erst seit August 2020 an Bord, aber schwer begeistert vom Unternehmen und seinen Produkten. Das noch zu hebende Potenzial soll sich verständlicherweise auch in Zahlen messen lassen: Bereits für dieses Jahr plant das Führungstrio mit einem Umsatzplus von zehn Prozent.

Es hat sich also schon einiges bei Bever getan und es wird sich noch weiteres verändern. Spätestens wenn der neue Internet-Auftritt online geht, kann man davon ausgehen, dass bereits viele Punkte des Strategieplans erledigt wurden und die Marktteilnehmer es mit einem innovativen und modernen Unternehmen zu tun haben.

Bever & Klophaus findet seinen Ursprung im Jahre 1809 durch die Gründung eines Handelshauses durch Johann Ludwig Büxenstein in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal). 1820 nimmt die Eisenhandlung Schaeffer & Bever in der Wuppertaler Nachbarstadt Schwelm ihre Arbeit auf. Die Firmen J.L Büxenstein, weitergeführt durch den Teilhaber Wilhelm Klophaus, und Schaeffer & Bever vereinigen sich 1843 zur Firma Bever & Klophaus mit Firmensitz in Schwelm. Seit diesem Zeitpunkt stellt das Unternehmen Türschlösser in eigener Fertigung her.

Auf der noch aktuellen Homepage schrieb noch Hans-Dietrich Mohr: „Bever ist kein Branchenriese geworden in all den Jahren. Das ist auch nicht unser Ziel. Wir wollen unsere Produkte und Produktionsmethoden stetig verbessern, unser Fertigungsprogramm um attraktive Artikel ergänzen und damit unsere Zukunft sichern. Die Ausrichtung auf den Kunden und die Realisierung seiner Anforderungen stehen im Vordergrund des Handelns. Der Umgang zu allen Geschäftspartnern ist vom fairen Umgang geprägt und so wird in dieser besonderen Weise, die Wertschöpfung vom Einkauf der Rohmaterialien bis zum Versand der Produkte bestimmt. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Firmenphilosophie ist der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen.“ All das verfolgt auch die heutige Geschäftsleitung und will beispielsweise bis Jahresende jeglichen Kunststoff aus den eigenen Produktverpackungen verbannen.

zuletzt editiert am 12. März 2021
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