Mehr als 350 Teilnehmer folgten am 22. und 23. Mai der Einladung des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) zum Jahreskongress in Berlin. Für den Verband ist dies ein deutliches Zeichen für den Zusammenhalt und die Zukunftsorientierung der Branche in herausfordernden Zeiten. Bereits am Vorabend nutzten über 250 Gäste das Get-together in den Sarotti-Höfen für erste Gespräche in entspannter Atmosphäre.
Der diesjährige Kongress, der von VFF-Präsident Helmut Meeth eröffnet wurde, stand unter dem Motto „Inside 2025 – Zukunft Fensterbau: Innovation schafft Perspektiven“. Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Professor Clemens Fuest, Präsident des Ifo Instituts, mit einer Analyse der aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen auf globaler und nationaler Ebene. In seinem Vortrag spannte er den Bogen von geopolitischen Spannungen über den Fachkräftemangel bis hin zur Investitionszurückhaltung. Dabei bot Fuest nicht nur eine klare Einordnung der konjunkturellen Lage, sondern formulierte auch konkrete politische Handlungsempfehlungen – mit direktem Bezug zur Fenster- und Fassadenbranche.
Ralph Brinkhaus, MdB und Mitglied der CDU, setzte mit seinem Referat ein deutliches Plädoyer für eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und einen kraftvollen Aufbruch in der Bau- und Förderpolitik. Er forderte einen „Bauturbo“, gezielte Anreize für Sanierung und Modernisierung sowie steuerliche Fördermaßnahmen – eingebettet in den Kontext des Koalitionsvertrags der neuen Bundesregierung.
Gunther Adler, Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA), ergänzte die politische Perspektive mit einer Analyse der aktuellen baupolitischen Rahmenbedingungen und zeigte in seinem Vortrag konkrete Wege zur Entbürokratisierung und Effizienzsteigerung im Wohnungsbau auf.
Impulse aus der Praxis lieferten Corinna Enders, Deutsche Energie Agentur (dena), und Dr. Antje Eichler, Hauptverband der deutschen Bauindustrie e.V. (HDB), die insbesondere die komplexen Herausforderungen der energetischen Sanierung beschrieben und die Notwendigkeit koordinierter Maßnahmen hervorhoben.
Für eine bewusst andere Perspektive sorgte Bestseller-Autorin Anja Förster. In ihrem Vortrag „Anstiftung zum Andersdenken“ begeisterte sie das Publikum mit einem Plädoyer für eine Veränderungskultur, die Mut, Fehlerfreundlichkeit und kreative Lösungsansätze fördert – stets mit direktem Bezug zu den Herausforderungen des unternehmerischen Alltags.
Digitale und technologische Transformation
Der zweite Kongresstag stand ganz im Zeichen der digitalen und technologischen Transformation. Journalist und Autor Tim Cole demonstrierte anschaulich, wie Digitalisierung und Vernetzung das Bauwesen grundlegend verändern – mit konkreten Anwendungen auch im Fensterbau. Tobias Bindhammer von der Agentur RLVNT.AI legte den Fokus auf eine praxisorientierte KI-Strategie für den Mittelstand. Seine fünf Handlungsempfehlungen sowie die Diskussion zu Datenschutz und dem AI-Act trafen den Nerv der Zeit und stießen auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.
Den Abschluss des Kongresses gestaltete Dr. Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin. In ihrem Vortrag präsentierte sie eine „Bedienungsanleitung“ für die Zukunft – ausgestattet mit praktischen Werkzeugen zur positiven Gestaltung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationsprozesse.
Ein weiteres Highlight war die begleitende Fachausstellung, bei der über 20 Partnerunternehmen ihre Innovationen präsentierten. Sie bot einen idealen Rahmen für den intensiven Austausch und praxisnahen Wissenstransfer.

Die Stimmung auf dem Jahreskongress war durchweg positiv, so der Veranstalter. Die sich abzeichnende konjunkturelle Belebung sowie die ersten Signale der neuen Bundesregierung zur Stärkung der Sanierungsförderung und des Wirtschaftswachstums sorgten zusätzlich für verhaltenen Optimismus.
